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Der folgende Beitrag von Unternehmensberaterin Helene Kipp, LMS Agrarberatung GmbH, zeigt, warum ein starkes Netzwerk für einen erfolgreichen Start in die Betriebsleitung wichtig ist.
Die Hofübernahme ist für junge Menschen aus der Landwirtschaft eine intensive Phase: Verantwortung, wirtschaftlicher Druck und hohe Arbeitsbelastung treffen oft gleichzeitig aufeinander. Viele Entscheidungen müssen plötzlich allein getroffen werden – vom Betriebsmanagement bis zur Investition in Stall, Technik oder Flächen.
Unterstützung von außen kann in dieser Phase entscheidend sein. Ob es um strategische Fragen geht oder um alltägliche Entscheidungen wie den richtigen Zeitpunkt für Maßnahmen im Ackerbau: Der Austausch mit anderen hilft, Unsicherheiten einzuordnen und bessere Entscheidungen zu treffen. Neben fachlichen Impulsen spielt dabei auch die emotionale Entlastung eine wichtige Rolle.
Dass Netzwerke ein zentraler Erfolgsfaktor sind, bestätigt auch eine Studie der LfL Bayern aus dem Jahr 2025 (Abbildung 1). In einer Befragung von 1.583 Teilnehmenden nannten die Befragten vor allem familiären Rückhalt sowie den Austausch mit Gleichgesinnten als besonders wichtig für Gründung und Weiterentwicklung eines Betriebs.
Erfolgreiche Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter stützen sich auf mehrere Bausteine:
Der Austausch mit anderen Betriebsleitenden und Hofübernehmenden liefert praxisnahe Lösungen und stärkt das eigene Handeln. Denn viele Entscheidungen im Betriebsalltag sind keine reinen Lehrbuchfragen. Sie entstehen unter Zeitdruck und hängen stark von Erfahrung ab, etwa wenn die Frage lautet: „Drille ich vor oder nach dem Regen?“ oder „Jetzt kaufen oder noch abwarten?“. Genau hier helfen Kollegennetzwerke.
Entsprechende Angebote, die sich speziell an junge Menschen aus den grünen Berufen richten, gibt es viele: Organisationen wie der Bund der Deutschen Landjugend e.V., die Junge DLG, Junges Bioland e.V., die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) oder auch regionale Gruppen wie die „F1-Generation“ im Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern bieten Austauschformate, Exkursionen und Stammtische für junge Betriebsleiter.
Wie wichtig ein solches Umfeld sein kann, zeigt die Erfahrung von Anna und Lukas Propp:
Wir sind Anna und Lukas Propp und haben 2013 in Selow den Demeter-Bauernhof "hufe8" gegründet. Unsere wichtigsten Begleiter in der Gründungsphase waren ein großes Netzwerk in der Biobranche, naiver Mut, die AFP-Förderung und ein niedriger Zinssatz.
Der persönliche Austausch mit Gleichgesinnten über Erfahrungen und Herausforderungen im eigenen Betrieb motiviert und macht Mut. Zudem stärkt der Kontakt mit Menschen mit ähnlichen Interessen das Gefühl, verstanden und akzeptiert zu werden. So können die persönlichen Bedürfnisse nach Verbundenheit und Anerkennung gleichermaßen erfüllt werden.
Bei größeren Investitionen oder einer Neuausrichtung des Betriebs ist die fachliche Beratung ein wichtiger Baustein. Sie hilft, Chancen und Risiken realistisch einzuschätzen und fundierte Entscheidungen zu treffen.
Mögliche Ansprechpartner sind:
Staatliche Beratungseinrichtungen
Landwirtschaftskammern und Beratungsringe
Private Unternehmensberatungen
Bauernverbände
Katharina Fichtner und Elisabeth Widman (Heisshof – Bayern) betonen besonders den Wert externer Begleitung:
Der für uns wichtigste Begleiter war unser Coach, den wir durch die erfolgreiche Bewerbung bei Neuland an die Seite gestellt bekommen haben.
Der professionelle Blick eines Experten von außen unterstützt vor allem dabei, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Er macht auf unberücksichtigte Schwächen und Risiken, aber auch auf Chancen und zusätzliche Stärken aufmerksam, die sich ggf. aus der Gründung ergeben, sodass Entscheidungen auf einer fundierteren Basis getroffen werden können.
Auch der Austausch mit anderen Gründerinnen und Gründern in unterschiedlichen Stufen ihrer Gründung war hilfreich und motivierend, da sich Probleme und bürokratische Hürden häufig ähneln.
Jeder Landwirtschaftsbetrieb braucht auch ein Netzwerk aus Handelspartnern. Oft sind diese Beziehungen über viele Jahre gewachsen und teilweise sogar freundschaftlich geprägt. Doch bei der Betriebsübernahme lohnt sich ein genauer Blick auf die Wirtschaftlichkeit der bestehenden Geschäftsbeziehungen.
Wichtige Prüfpunkte sind:
Preise und Konditionen bestehender Lieferanten
Vertragsbedingungen mit Abnehmern
Alternative Anbieter
Optimierung des Einkaufs (Zeitpunkt, Mengen, Bündelung)
Zukunftsfähigkeit der aktuellen Geschäftsbeziehungen.
Die Übernahme ist außerdem ein guter Zeitpunkt, um externe Dienstleister und landwirtschaftliche Kooperationen neu zu bewerten. Wer hier bewusst nachjustiert, kann Strukturen verbessern und den Betrieb zukunftsfähig ausrichten. Maschinenringe, Lohnunternehmen oder Betriebsgemeinschaften können dabei:
Arbeitsspitzen abfedern
Investitionen reduzieren
Prozesse effizienter gestalten.
Letztlich wird der Erfolg eines Unternehmens an seinen betriebswirtschaftlichen Zahlen gemessen. Mit der Hofübernahme wird deshalb die Arbeit im Büro noch wichtiger. Eine übersichtliche Ablage, vollständige Belege und klar dokumentierte Abläufe sorgen dafür, dass jederzeit nachvollziehbar ist, was im Betrieb passiert. Das schafft Sicherheit im Alltag und eine solide Basis für die Weiterentwicklung des Hofes.
Die Praxis zeigt jedoch häufig, dass gerade dieser Bereich zu kurz kommt. Spezialisierte Unternehmen können dabei helfen, das Büro effizient zu organisieren und schrittweise auf digitale Abläufe umzustellen.
Zählt die Verwaltungsarbeit nicht zu den eigenen Stärken, sollte frühzeitig Unterstützung hinzugeholt werden. Das gilt auch für das Finanzmanagement: Steuerberatung, Banken und bei Bedarf auch juristische Beratung sind wichtige Partner, um den Betrieb wirtschaftlich sicher aufzustellen.
Für uns waren und sind diese drei Säulen entscheidend: Erstens professionelle Berater (Steuern, Bank) für das betriebliche Fundament. Zweitens Weiterbildung und Netzwerke wie der BUS-Kurs der Andreas-Hermes-Akademie, der unseren Horizont erweitert und unsere Vision geschärft hat. Drittens unser soziales Umfeld aus Freunden, Berufskollegen und Kunden, die in mental schwierigen Phasen da sind, mit Maschinen und Know-how aushelfen und uns Rückenwind durch direkten Zuspruch beim Einkauf geben.
Unser Fazit: Am wichtigsten ist ein unterstützendes und motivierendes Umfeld, das an dich glaubt. Herausforderungen und Gegenwind kommen von alleine.
Selbstreflexion als Basis für gute Entscheidungen
Wer einen Betrieb übernimmt, sollte sich frühzeitig mit den eigenen Werten und Zielen auseinandersetzen. Sind diese klar, lassen sich Entscheidungen sicherer treffen und Konflikte im Betriebsumfeld oft vermeiden oder zumindest entschärfen.
Darauf aufbauend lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigenen Stärken und Schwächen. Wer die eigenen Fähigkeiten und Entwicklungsfelder kennt, kann gezielter handeln und bei Bedarf rechtzeitig Unterstützung einbinden. Fällt etwa die Büroarbeit schwer, kann Hilfe bei der Organisation der Verwaltungsaufgaben sinnvoll sein.
Eine bewährte Methode für diese Standortbestimmung ist die SWOT-Analyse. Sie hilft, persönliche Potenziale und Herausforderungen systematisch zu erfassen. Ein auf Landwirtschaft spezialisierter Coach kann den Prozess begleiten und zusätzliche Impulse geben.
Tipp: Erste Anlaufstellen sind Landwirtschaftskammern und -ämter, Bauernverbände sowie die SVLFG. Sie bieten Beratung oder vermitteln passende Expertinnen und Experten.
SWOT-Analyse: Leitfragen für die Praxis
Stärken – Chancen: Welche meiner Stärken helfen mir, aktuelle Chancen im Betrieb zu nutzen?
Stärken – Risiken: Wie kann ich meine Stärken einsetzen, um Risiken zu minimieren?
Schwächen – Chancen: Welche Schwächen sollte ich angehen, um Chancen besser zu nutzen?
Schwächen – Risiken: Wie kann ich verhindern, dass meine Schwächen zum Problem werden?
Ein gutes Netzwerk entsteht nicht nebenbei, sondern braucht Zeit, Engagement und klare Prioritäten. Für den ersten Aufbau sollten Hofnachfolgerinnen und Hofnachfolger mehrere Monate einplanen. Bis belastbare Beziehungen entstanden sind und sich wichtige Ansprechpartner etabliert haben, vergehen häufig mehrere Jahre.
Folgende Schritte helfen dabei, ein tragfähiges Netzwerk systematisch aufzubauen:
Wichtige Ansprechpartner frühzeitig einbinden, etwa aus Steuerberatung, Bank und Fachberatung.
Arbeitskreise, Stammtische und Junglandwirte-Gruppen gezielt nutzen, um fachliche Impulse zu erhalten und persönliche Kontakte zu knüpfen.
Weiterbildungen, Netzwerktreffen und digitale Netzwerke bewusst auswählen. Qualität ist wichtiger als Quantität – zu viele Veranstaltungen und Kanäle erschweren den Überblick.
Eigene Ziele und Fragestellungen klar formulieren, damit Gespräche einen konkreten Mehrwert bieten.
Persönliche Begegnungen suchen, denn sie schaffen Vertrauen und bilden die Grundlage für langfristig tragfähige Beziehungen.
Beziehungen regelmäßig pflegen und nicht erst bei Problemen den Kontakt suchen.
Die Führung eines landwirtschaftlichen Betriebs ist keine Aufgabe für Einzelkämpfer. Mit der Hofübernahme geht häufig ein über die Jahre gewachsenes Netzwerk aus Beratung, Handel und Fachkontakten auf die nächste Generation über – ein wichtiger Vorteil für den Einstieg.
Entscheidend ist jedoch, dieses Netzwerk aktiv zu nutzen und weiter auszubauen. Wer Kontakte gezielt pflegt, trifft bessere Entscheidungen, erkennt Risiken frühzeitig und schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft des Betriebs.
Ergänzend dazu leistet unabhängige fachliche Beratung einen wichtigen Beitrag – sowohl zur betrieblichen Entwicklung als auch zur persönlichen Weiterentwicklung der Hofnachfolgerinnen und Hofnachfolger.
Letzte Aktualisierung 28.07.2026