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Die Landesgartenschau Oberhessen 2027 ist die erste interkommunale ihrer Art in Hessen. Elf Städte und Gemeinden arbeiten dafür über Jahre hinweg eng zusammen. Florian Herrmann und Thomas Hellingrath, Geschäftsführer der Landesgartenschau gGmbH, verantworten die strategische und operative Umsetzung dieses Großprojekts. Sie koordinieren Kommunen, Fachakteure, Politik, Ehrenamt und Fördermittel – und verstehen die Gartenschau nicht nur als Event, sondern als Instrument für die Entwicklung einer ganzen Region. Im Interview sprechen sie über Chancen und Reibungspunkte der Zusammenarbeit, über neue Strukturen im ländlichen Raum und darüber, was Oberhessen dauerhaft verändern soll.
Florian Herrmann: Dieser interkommunale Ansatz ist für uns kein organisatorisches Konstrukt, sondern eine bewusste strategische Entscheidung. Oberhessen tritt zur Landesgartenschau 2027 nicht als Flickenteppich einzelner Orte auf, sondern als ein gemeinsamer Raum, in dem Leben, Arbeiten und Landschaft ineinandergreifen. Genau darin liegt die Besonderheit: Wir denken Entwicklung nicht innerhalb administrativer Grenzen, sondern in Zusammenhängen. Das macht Oberhessen zu einem bedeutenden Reallabor – auch über Hessen hinaus. Wir testen und lernen.
Thomas Hellingrath: Für andere Bundesländer ist Oberhessen von besonderem Interesse, weil wir zeigen, dass auch ländlich geprägte Regionen große Themen wie Klimaanpassung, Freiraumentwicklung und Lebensqualität gemeinsam angehen können. Die Landesgartenschau wird damit mehr als ein Event – sie wird zu einem Werkzeug und Impulsgeber für einen Strukturwandel vor Ort.
Florian Herrmann: Zwischen den elf Kommunen der Landesgartenschau Oberhessen bestehen spürbare Unterschiede. Sie ergeben sich aus unterschiedlichen personellen und finanziellen Möglichkeiten, aber auch aus dem Stellenwert, den Politik und Verwaltung dem Thema Landesgartenschau beimessen. Entsprechend unterschiedlich gelingt die Einbindung: In einigen Kommunen ist sie sehr gut, in anderen gestaltet sie sich deutlich schwieriger.
Gleichzeitig hat die Landesgartenschau Strukturen geschaffen, die es in dieser Form zuvor nicht gab und die sich inzwischen etabliert haben. Das sind zum Beispiel thematische Arbeitsgruppen, etwa zu Streuobst, Marketing oder Mobilität sowie ein monatliches Arbeitstreffen aller Kommunen. Dieser Prozess brauchte Zeit, wird inzwischen aber gut angenommen.
Fachakteure sind breit eingebunden – im Aufsichtsrat, im Fachbeirat und in Arbeitsgruppen, ebenso Aussteller oder Referenten, etwa für die Bildungsreihe „Buntes Klassenzimmer“. Hinzu kommt ein kontinuierlicher Austausch mit politischen Akteuren und eine aktive Beteiligung von Ehrenamtlichen, speziellen Mitmachformaten und lokalen Aktionen. Deutlich wird dabei: Kooperation ist nicht nur Voraussetzung, sondern das Herzstück einer interkommunalen Landesgartenschau.
Thomas Hellingrath: Damit eine Landesgartenschau ihr Potenzial entfalten kann, braucht es eine überzeugte Haltung. Verwaltungen und kommunale Spitzen müssen die Chance erkennen und das Projekt aktiv nach außen tragen. Entscheidend ist zudem die frühe Einbindung der Bürgerinnen und Bürger sowie der Kommunalpolitik. Transparenz und von großen Mehrheiten getragene Beschlüsse schaffen Akzeptanz und Planungssicherheit.
Ebenso wichtig ist es, alle relevanten Entscheidende frühzeitig einzubeziehen – insbesondere Genehmigungsbehörden, Ministerien und die Staatskanzlei. Formate wie Scoping-Termine (das vorbereitende Gespräche mit beispielsweise den beteiligten Behörden, Anmerkung der Redaktion) oder Runde Tische helfen, Konflikte früh zu klären und Verzögerungen zu vermeiden. Kommunikation ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Die Bevölkerung sollte kontinuierlich informiert werden – über Pressearbeit, digitale Kanäle und persönliche Ansprache. Dafür braucht es klare Zuständigkeiten und professionelle Strukturen.
Ein weiterer Punkt sind konkrete Zeitpläne und feste Deadlines. Sie geben Orientierung, bis wann Ideen eingebracht werden können und ab wann die Umsetzung beginnt. Parallel dazu sollte die regionale Wirtschaft früh eingebunden werden, um Verantwortung zu teilen und Unterstützung zu sichern. Nicht zuletzt entscheidet eine vorausschauende Fördermittelstrategie über den finanziellen Spielraum. Für die Anträge braucht es entsprechende Fachkompetenz.
Florian Herrmann: Wir setzen konsequent auf dauerhafte Strukturen statt temporärer Effekte. Fast alles, was im Rahmen unserer Landesgartenschau gebaut wird, bleibt erhalten. Eine der wenigen Ausnahmen sind die Blumenschauen. Wir gestalten drei große Parkanlagen neu. Förderungen ermöglichen es den Kommunen, zahlreiche Gebäude zu sanieren. Es werden endlich Radwege angelegt, die seit 40 Jahren geplant waren, Wege erneuert, Treffpunkte und außergewöhnliche Spielplätze gebaut. Stand Dezember 2025 stehen durch die Landesgartenschau mehr als 27 Millionen Euro an Fördergeldern für die Region zur Verfügung. An vielen Orten wird gebaggert und vorbereitet. Allein 49 Projekte profitieren von einer LEADER-Förderung (EU-Programm zur Stärkung ländlicher Räume, Anmerkung der Redaktion). Zudem sind neue Formen der Zusammenarbeit entstanden, etwa in den Bereichen Mobilität, Tourismus und Regionalvermarktung. Nie zuvor saßen die Vertreter der Städte und Gemeinden so oft zusammen wie heute. Vereine entwickeln Ideen, schließen sich zusammen und koordinieren ihre Auftritte. Hier ist viel in Bewegung. Vom Ergebnis profitiert Oberhessen weit über die Landesgartenschau hinaus.
Thomas Hellingrath: Übertragen wir den Nachhaltigkeitsgedanken auf die gärtnerischen Elemente, geht es um Freiraumkonzepte, die an die Folgen des Klimawandels angepasst sind. Beispiele dafür sind Klimagärten, der PikoPark im Schlosspark Gedern oder der Regengarten im Stadtpark Büdingen. Sowohl in den Verwaltungen als auch in den Vereinen und unter den Bürgern findet dazu ein intensiver Austausch statt. Hier wird nicht nur gebaut, sondern auch Wissen vermittelt.
Florian Herrmann: „Inside LGS Oberhessen“ bietet einen offenen und ehrlichen Blick hinter die Kulissen dieses Veränderungsprozesses. Fachleute sehen, wo es Spannungen gibt, wie Entscheidungen getroffen und Lösungen gefunden werden.
Thomas Hellingrath: Die BZL-Web-Seminar-Reihe verbindet strategische und fachliche Perspektiven – von Wertschöpfung über Regionalentwicklung bis hin zur Klimaanpassung. Wer seine Stadt oder Region zukunftsfähig aufstellen möchte, den lassen wir an unseren Erfahrungen teilhaben. Wir geben unser Wissen gerne weiter.
Die BZL-Web-Seminare finden jeweils von 10:00 Uhr bis 11:30 Uhr statt. Klicken Sie hier für die einzelnen Anmeldungen.
“Inside LGS Oberhessen: Region in Bewegung” am 21. April
Das erste BZL-Web-Seminar geht der Frage nach: Wie gelingt es, eine ganze Region planerisch, baulich und mobilitätsstrategisch in Bewegung zu setzen? Dieses Web-Seminar gibt einen fundierten Überblick über den aktuellen Planungs- und Umsetzungsstand der LGS Oberhessen.
“Inside LGS Oberhessen: Klimaresiliente Freiräume” am 22. April
Dieses BZL-Web-Seminar zeigt, wie klimaresiliente Freiräume konzipiert und umgesetzt werden können. Im Mittelpunkt stehen klimagerechte Pflanzkonzepte, gestalterische Leitlinien und praktische Erfahrungen aus der Planung.
“Inside LGS Oberhessen: Wertschöpfung aus der Region, für die Region” am 28. April
Landesgartenschauen sind mehr als ein Ausstellungserlebnis – sie sind ein regionalökonomischer Hebel.
Dieses Web-Seminar beleuchtet, wie die LGS Oberhessen lokale Akteure einbindet, regionale Wirtschaftskreisläufe stärkt und nachhaltige Wertschöpfung generiert.
Vielen Dank für das ausführliche Interview und Ihre Bereitschaft zum Wissenstransfer, Herr Herrmann und Herr Hellingrath!
Letzte Aktualisierung 23.02.2026