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Stark- oder Dauerregen, Hagel und übermäßige Hitze machen dem regionalen Erdbeeranbau im Freiland zu schaffen. Um diesen und weiteren Problemen entgegenzuwirken, nimmt der geschützte Erdbeeranbau in Deutschland stetig zu. Im Jahr 2025 betrug er bereits ein Sechstel der gesamten Erdbeeranbaufläche (vgl. BZL-Infografik).
Agrarjournalistin Christine Schonschek gibt in diesem Fachartikel einen Überblick über unterschiedliche Systeme, Vorteile und Herausforderungen und nennt aktuelle Forschungsprojekte. Um zu verdeutlichen, wie durch optimalen Einsatz von Technik und Substratwahl Ressourcen geschont und Erträge gesteigert werden, wirft sie einen genaueren Blick auf Erdbeerland Funck in Rheinland-Pfalz.
Als geschützter Erdbeeranbau wird die Produktion von Erdbeeren in technischen Anbausystemen wie Folientunneln, Gewächshäusern sowie unter Hagelschutz- und Regendachkonstruktionen bezeichnet. Dabei machen Folientunnel, auch Folienhäuser genannt, den größten Anteil aus. Regendachsysteme wiederum können in Verbindung mit Agri-Photovoltaik (Agri PV) sogar noch einen Doppelnutzen bringen: Obstanbau bei gleichzeitiger Stromerzeugung.
Der ganzjährige Erdbeeranbau in Gewächshäusern ist in Deutschland möglich, aber selten. Das liegt an den hohen Energiekosten und den damit verbundenen beschränkteren Absatzmöglichkeiten durch höhere Obstpreise, die auf dem Markt erzielt werden müssten. Es gibt allerdings einige wenige Betriebe, für die sich der Anbau von Erdbeeren in Gewächshaus dennoch lohnt: Dazu gehört der Reichenspurner Hof in Bayern. Der Betrieb liegt geografisch so günstig, dass die Gewächshäuser mit Erdwärme geheizt werden. Darüber hinaus sammelt der Betrieb Regenwasser für die Bewässerung und setzt auf Nützlinge im Schädlingsbefall. Der geschützte Erdbeeranbau erfolgt ganzjährig.
Neben besseren Arbeitsbedingungen durch rückenschonende Ernte auf Stellagen und Wetterschutz für die Erntehelfer, bietet der geschützte Anbau von Erdbeeren noch weitere Vorteile:
Gleichzeitig bedeuten die Investitionen in den geschützten Anbau für die Obstanbaubetriebe enormen Preisdruck. Sie müssen ihre Früchte über Jahre hinweg zu stabilen Preisen verkaufen, um die Ausgaben ausgleichen zu können.
Der effiziente Einsatz von Wasser ist eine zentrale Voraussetzung für einen nachhaltigen und wirtschaftlichen Obstbau. Insbesondere im geschützten Anbau ist eine automatisierte Bewässerung unverzichtbar. Wird nährstoffreiches Drainwasser nicht ungenutzt abgeführt, sondern aufgefangen, desinfiziert und wiederverwendet, lassen sich sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile realisieren. Auf diese Weise werden Wasser und Nährstoffe deutlich effizienter genutzt.
Im geschützten Erdbeeranbau hat sich insbesondere die Stellagenkultur bewährt. Alexander Seiler, Geschäftsführer des Erdbeerland Funck in Eisenberg in Rheinland-Pfalz, setzt bereits seit 2017 auf einen geschlossenen Wasserkreislauf. Dabei wird anfallendes Drainwasser gesammelt, aufbereitet und erneut in die Bewässerung integriert.
Zur weiteren Sicherstellung der Wasserversorgung und zur Reduzierung der Abhängigkeit von Brunnenwasser wurde ein Erdfolienbecken errichtet. Dieses ermöglicht die Speicherung von rund 11.000 Kubikmeter Bachwasser über die Wintermonate. Ergänzend wurden vier Hektar Folientunnel gebaut, bei denen Niederschlagswasser aufgefangen und ebenfalls im Speicherbecken zwischengelagert wird.
Auch bei der Substratwahl wird im Betrieb Funck auf Nachhaltigkeit geachtet. Reine Holzfasersubstrate erwiesen sich in der Praxis als weniger geeignet, weshalb derzeit Mischungen aus Miscanthus und Kokossubstrat (1:1) getestet werden. Langfristig wird ein vollständiger Umstieg auf Miscanthus angestrebt, denn das zu den Süßgräsern gehörende Chinaschilf kann regional angebaut werden.
Die Energieversorgung der Bewässerungstechnik erfolgt über Photovoltaikanlagen, wodurch der Betrieb zusätzlich an Nachhaltigkeit gewinnt. Aktuell werden – mit Ausnahme der Selbstpflückflächen – nur noch etwa 20 Prozent der Erdbeeren im Freiland angebaut, um flexibel auf Produktionsschwankungen reagieren zu können.
„Pro Hektar Erdbeeren benötigt man 3.000 Kubikmeter Wasser. Wir sammeln 5.000 Kubikmeter Wasser pro Jahresniederschlag und haben damit 2.000 übrig. Das nutzen wir zum Beispiel für das Freiland.“, erklärt Obstbauer Seiler und fasst zusammen: „Pro Kilogramm Erdbeeren braucht man im geschützten Anbau deutlich weniger Wasser, weil das Drainwasser aufgefangen wird. Insgesamt ist der Anbau also effizienter durch höhere Erträge und wassersparender, weil jeder Tropfen Wasser genutzt wird."
Ein zentraler Baustein für einen gezielten Wassereinsatz ist die Tröpfchenbewässerung. In Kombination mit geschlossenen Kreislaufsystemen, bestehend aus der Sammlung von Regen- und Drainwasser sowie deren Aufbereitung und Wiederverwendung, lassen sich erhebliche Einsparpotenziale realisieren.
Zur Speicherung von Niederschlagswasser stehen verschiedene Systeme zur Verfügung, darunter Erdfolienbecken, flexible Wasserspeicher sowie ober- und unterirdische Tanks aus Stahl oder Beton. Bei der Auswahl der Technik für die Wasseraufbereitung empfiehlt es sich, auf regionale Anbieter zurückzugreifen, um im Servicefall kurze Reaktionszeiten sicherzustellen.
Aktuelle Forschungsprojekte beschäftigen sich mit der Weiterentwicklung des geschützten Erdbeeranbaus. Die Obststauden mögen zwar viel Sonne, aber keine zu große Hitze. So ist ein Ansatz die Kombination von Pflanzenproduktion und Energiegewinnung durch semi-transparente Photovoltaikmodule. Diese reduzieren die Hitzebelastung der Pflanzen, ohne die Lichtverfügbarkeit wesentlich einzuschränken. Beispielsweise untersucht das Projekt „BeerenKlima“ den Anbau unter solchen Modulen mit dem Ziel, Erdbeerproduktion, Regenwassermanagement und Stromerzeugung zu verknüpfen. Vergleichbare Ansätze werden im Projekt „Berry-PV“ verfolgt, bei dem zusätzlich das Mikroklima für die Pflanzen gezielt verbessert wird.
Eine weitergehende Perspektive bietet der vollautomatisierte Gewächshausanbau, wie er im Projekt „inBerry“ erprobt wird. Hier werden Bewässerung, Nährstoffversorgung und Klimaführung automatisiert gesteuert und in Echtzeit optimiert. Ziel ist es, stabile Erträge unabhängig von Witterungseinflüssen ganzjährig zu erzielen. Erste Demonstrationsanlagen zeigen, dass dieses System sowohl technisch als auch wirtschaftlich umsetzbar ist. Die Ernte erfolgt durch Roboter.
Der geschützte Erdbeeranbau mit integriertem Wasser- und Energiemanagement ist zwar mit vergleichsweise hohen Investitionskosten verbunden, bietet jedoch klare Vorteile hinsichtlich ausgezeichneter Obstqualitäten und Erntesicherheiten. Die Kombination mit Agri-PV-Anlagen erfordert eine sorgfältige Prüfung zu Fördermöglichkeiten. Sofern keine bundesweite Förderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erfolgen kann, sollten andere Möglichkeiten, etwa landesweite oder kommunale Förderungen, ausgelotet werden. Auch EU-weite Fördermittel können in Betracht gezogen werden.
Gut zu wissen: Neuerdings lassen sich sogar Schäden durch Sabotage, Vandalismus oder Schäden an der technischen Einrichtung von Folientunneln durch die Gartenbau-Versicherung abdecken.
Wie erkennen Verbrauchende frische Erdbeeren? Welche Vorteile bringt der geschützte Anbau mit sich? Warum hängen Regionalität und Nachhaltigkeit eng miteinander zusammen?
Diese und weitere Fragen stellte das Bundesinformationszentrum Landwirtschafschat (BZL) dem Obstbauern Matthias Cremerius. In seinem Familienbetrieb Obsthof Cremerius in Meckenheim produziert er die Erdbeersorten Elsanta und Rumba. Verkauft werden die Erzeugnisse im eigenen Hofladen und Verkaufsautomaten. In der BZL-Videoreihe erzählt Gärtnermeister Matthias Cremerius von seinen Erfahrungen.
Zur Videoreihe gelangen Sie hier (bitte klicken).
Letzte Aktualisierung 18. Mai 2026