Hier beginnt der Hauptinhalt dieser Seite

Planung und Bau eines Erdfolienbeckens: Beispiel Obsthof Winkler Wasserspeicherung im Obstbau

Der Obstbau ist in besonderem Maße auf eine sichere Wasserversorgung angewiesen. Erdfolienbecken bieten eine Möglichkeit, Niederschläge aus wasserreichen Zeiten zu speichern und gezielt einzusetzen. Am Beispiel des Obstbaubetriebs Winkler in Mittelfranken wird gezeigt, welche planerischen, technischen und rechtlichen Aspekte beim Bau eines Wasserspeichers zu beachten sind.

Das Erdfolienbecken ist 4.000 Quadratmeter groß und liegt auf einem höher gelegenen Areal.
Bild: Obsthof Winkler

Der Obstbau zählt zu den Sonderkulturen und weist von Natur aus einen hohen Wasserbedarf auf. Insbesondere die Frostschutzberegnung erfordert sehr hohe Momententnahmemengen, die innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung stehen müssen. Auch während der zunehmend heißen und trockenen Sommermonate ist Wasser für die Bewässerung sowie zur Kühlung empfindlicher Kulturen unverzichtbar. Vor diesem Hintergrund gewinnt im Obstbau der verantwortungsvolle Umgang mit der Ressource Wasser immer stärker an Bedeutung.

Eine ideale Lösung besteht darin, Niederschläge aus wasserreichen Perioden zu sammeln und für spätere Einsatzzeiten zu speichern. Erdfolienbecken stellen hierbei eine praktikable Option dar, insbesondere in Regionen ohne natürliche Bewässerungsteiche. Sie ermöglichen eine flexible Nutzung des Wassers für Frostschutz, Bewässerung und Maßnahmen zur Klimaanpassung. 

Im Auftrag von praxis-agrar.de besuchte Agrarjournalistin Christine Schonschek den Obsthof Winkler in Gustenfelden. Dort befragte sie Inhaber Manfred Winkler zu den Erfahrungen mit seinem Erdfolienbecken und fasste die gewonnenen Erkenntnisse im vorliegenden Fachartikel zusammen. 

Von der Idee zum Projekt: Ausgangslage in Mittelfranken

Im Raum Schwabach ist der Wasserbedarf aufgrund der intensiven Sonderkulturen besonders hoch. Gleichzeitig wurden die Genehmigungslaufzeiten für Wasserentnahmen durch das Landratsamt verkürzt. Diese Kombination führte beim Obstbaubetrieb Winkler zur intensiven Auseinandersetzung mit alternativen Wasserversorgungskonzepten.

Gemeinsam mit dem Landwirtschaftsamt wurden verschiedene Optionen diskutiert, darunter auch die Gründung eines Bewässerungsverbands. Zum damaligen Zeitpunkt war dies in Bayern jedoch nur über einen Uferfiltratbrunnen möglich. Für die Blütenfrostabwehr, bei der sehr große Wassermengen in kurzer Zeit benötigt werden, stellte dies keine praktikable Lösung dar. Daraus entstand der Wunsch nach einem eigenen Wasserspeicherbecken.

Das geplante Becken sollte im Winter über einen Uferfiltratbrunnen gefüllt werden, abhängig vom Wasserstand der Schwabach, und damit die Wassersituation im Tal nachhaltig entschärfen. Das Vorhaben stieß sowohl beim Landrat als auch beim Landratsamt auf breite Unterstützung. Nach einer Vorbesprechung erwies sich der Bauantrag als vergleichsweise unkompliziert. Ergänzend gab es landschaftspflegerische Ausgleichsmaßnahmen in Form von Bepflanzungen rund um das Becken.

Planung, Genehmigung und regionale Umsetzung

Besonders die Erdarbeiten entpuppten sich als Herausforderung - ein regional ansässiges Unternehmen stemmte gemeinsam mit Obsthof Winkler das Vorhaben.
Bild: Obsthof Winkler

Eine der größten Herausforderungen bestand darin, ein geeignetes Unternehmen für die Tiefbauarbeiten zu finden. Zwar wäre eine spezialisierte Firma aus den Niederlanden geeignet gewesen, diese war jedoch stark ausgelastet. Stattdessen entschied sich der Betrieb – im Sinne regionaler Wirtschaftskreisläufe – für ein Unternehmen aus der Umgebung. Mit der Firma Kübler aus Kammerstein wurde ein erfahrener Partner für die Erdarbeiten gefunden.

Die rechtlichen Anforderungen umfassten das Wasserrecht für die Befüllung des Beckens sowie einen Bauantrag. Während die Genehmigung für die Wasserentnahme eine Laufzeit von zehn Jahren erhielt, gestalteten sich vor allem Gestattungsverträge für Zufahrten und die Verlegung der Stromleitung als zeitintensiv. Insgesamt zeigte sich, dass eine frühzeitige Abstimmung mit den Behörden viele Hürden vermeiden kann.

Bau des Erdfolienbeckens: Technik und Ausführung

Die Folie für das Speicherbecken wurde in einem Stück gefertigt und von einem niederländischen Hersteller geliefert. Sie passte exakt in das Becken mit einer Fläche von 4.000 Quadratmetern und wog rund drei Tonnen. Der Standort des Beckens liegt auf einem höher gelegenen Areal des Obsthofs.

„Dort sind wir nach einem Meter auf richtigen Tonboden gestoßen, der unproblematisch für die Folie ist. Aber wir haben sicherheitshalber noch mal ein 250 Gramm Vlies unter der Folie verlegt“, erklärt Winkler.

Bekannte, Verwandte und Nachbarn packten mit an: Die Ausbringung der Folie erforderte viele Hände und eine gemeinschaftliche Aktion.
Bild: Obsthof Winkler

Ein entscheidender Vorteil des Standorts in Gustenfelden bestand darin, dass das Becken überwiegend in die Tiefe gebaut werden konnte. Dies wirkt sich positiv auf die Wasserqualität aus und ermöglichte es, das Aushubmaterial direkt für den Dammbau zu verwenden. Ein Abtransport der Erde wäre mit erheblichen Mehrkosten verbunden gewesen. Zum Schutz vor Beschädigungen durch Wildvögel und Kleintiere wurde oberhalb der Folie ein UV-stabiles Schutzgewebe angebracht. Außerdem gibt es eine Ausstiegshilfe sowie eine Umzäunung. Diese sind aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben. 

Wirtschaftlichkeit, Perspektiven und Bewertung

Manfred Winkler denkt über Möglichkeiten zur Mehrfachnutzung seines Erdfolienbeckens nach - beispielsweise durch schwimmende Photovoltaik.
Bild: Agrarjournalistin Christine Schonschek

Einsparpotenziale lassen sich bei solchen Projekten vor allem in der Planungsphase realisieren. Ein geeigneter Standort, zeitnahe Gutachten und eine durchdachte Statik können Kosten erheblich reduzieren. Die Investition für das Speicherbecken wurde vollständig aus Eigenmitteln finanziert. Obwohl das Projekt auf ministerieller Ebene auf großes Interesse stieß, erhielt der Betrieb keine Förderung.

Für die Zukunft denkt Familie Winkler über zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten des Wasserspeichers nach. Durch das Speicherbecken und die Ausgleichsflächen gehen wertvolle Anbauflächen verloren, weshalb ein Mehrfachnutzen, etwa durch schwimmende Photovoltaik, sinnvoll erscheint. Diese könnte nicht nur Strom erzeugen, sondern auch Algenwachstum und Verdunstung reduzieren. Alternativ wären gemeinschaftliche Lösungen im Rahmen eines Wasserverbands denkbar, etwa an Standorten mit vorhandenen Wasserläufen und natürlichen Geländemulden.

„Förderung habe ich dazu keine bekommen. Es gibt zwar das Bayerische Sonderprogramm Landwirtschaft (BaySL), aber dafür habe ich glücklicherweise immer noch zu hohe Einkommen“, erläutert Winkler.

Checkliste: Worauf beim Bau eines Erdfolienbeckens zu achten ist

Wasserbedarf erfassen:

  • Ermittlung des jährlichen Wasserbedarfs in Kubikmetern pro Hektar für die jeweiligen Kulturen. 
  • Frostschutzberegnung sowie Reserven von 20 bis 30 Prozent einplanen. 
  • Die benötigte Bewässerungsleistung in Kubikmetern pro Stunde sowie Kosten und Verfügbarkeit der Technik berücksichtigen.

Standortwahl:

  • Topografische Eignung mithilfe amtlicher Katasterportale prüfen. 
  • Weitere Kriterien für Eignung sondieren, zum Beispiel Stromversorgung, Nähe zu Wasserquellen und Kulturen sowie die Möglichkeit der Befüllung.

Gestaltung des Speicherbeckens:

  • Mindestens vier Meter Tiefe einplanen. 
  • Abdichtung mit gewebeverstärkten, UV-stabilisierten Polyethylen-Folien mit einer Stärke von eineinhalb bis zwei Millimetern.
  • Abdeckung mit UV-stabiler Gewebefolie als Schutz vor Sonnenstrahlen und als Ausstiegshilfe für Tiere.
  • Art und Beschaffenheit des Bodens prüfen.
  • Böschungswinkel von etwa 45 Grad (mit Variation je nach Bodenart).
  • Zulaufgefälle in der Beckensohle von null Komma fünf bis ein Prozent. 
  • Überlauf, Filtertechnik und gegebenenfalls Maßnahmen gegen Algenbildung berücksichtigen.

Förderung und Finanzierung:

  • Kosten für Planung, Erdarbeiten, Folie, Technik, Leitungen und Genehmigungen kalkulieren. 
  • Fördermöglichkeiten frühzeitig prüfen.
  • Wirtschaftlichkeitsrechnung durchführen.

Behördliche Abstimmung:

  • Wasserrechtliche Konzessionen klären.
  • Baugesuch einreichen und Abstimmungen mit Gemeinde, Landwirtschaftsamt und Raumordnungsbehörden vornehmen.

Vorteile

  • Wasser kann in niederschlagsreichen Zeiten gespeichert werden.
  • Mehrfachnutzung durch schwimmende Photovoltaik möglich.
  • Entsorgung der Folie ist unproblematisch.

Nachteile

  • Verbrauch wertvoller Anbauflächen.
  • Möglicher Eintrag von Fischen und damit zusätzliche rechtliche Anforderungen.
  • Ohne Abdeckung höheres Algenwachstum und stärkere Verdunstung.

Letzte Aktualisierung 19. Januar 2025

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Informationsangebote