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Der Obstbau zählt zu den Sonderkulturen und weist von Natur aus einen hohen Wasserbedarf auf. Insbesondere die Frostschutzberegnung erfordert sehr hohe Momententnahmemengen, die innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung stehen müssen. Auch während der zunehmend heißen und trockenen Sommermonate ist Wasser für die Bewässerung sowie zur Kühlung empfindlicher Kulturen unverzichtbar. Vor diesem Hintergrund gewinnt im Obstbau der verantwortungsvolle Umgang mit der Ressource Wasser immer stärker an Bedeutung.
Eine ideale Lösung besteht darin, Niederschläge aus wasserreichen Perioden zu sammeln und für spätere Einsatzzeiten zu speichern. Erdfolienbecken stellen hierbei eine praktikable Option dar, insbesondere in Regionen ohne natürliche Bewässerungsteiche. Sie ermöglichen eine flexible Nutzung des Wassers für Frostschutz, Bewässerung und Maßnahmen zur Klimaanpassung.
Im Auftrag von praxis-agrar.de besuchte Agrarjournalistin Christine Schonschek den Obsthof Winkler in Gustenfelden. Dort befragte sie Inhaber Manfred Winkler zu den Erfahrungen mit seinem Erdfolienbecken und fasste die gewonnenen Erkenntnisse im vorliegenden Fachartikel zusammen.
Im Raum Schwabach ist der Wasserbedarf aufgrund der intensiven Sonderkulturen besonders hoch. Gleichzeitig wurden die Genehmigungslaufzeiten für Wasserentnahmen durch das Landratsamt verkürzt. Diese Kombination führte beim Obstbaubetrieb Winkler zur intensiven Auseinandersetzung mit alternativen Wasserversorgungskonzepten.
Gemeinsam mit dem Landwirtschaftsamt wurden verschiedene Optionen diskutiert, darunter auch die Gründung eines Bewässerungsverbands. Zum damaligen Zeitpunkt war dies in Bayern jedoch nur über einen Uferfiltratbrunnen möglich. Für die Blütenfrostabwehr, bei der sehr große Wassermengen in kurzer Zeit benötigt werden, stellte dies keine praktikable Lösung dar. Daraus entstand der Wunsch nach einem eigenen Wasserspeicherbecken.
Das geplante Becken sollte im Winter über einen Uferfiltratbrunnen gefüllt werden, abhängig vom Wasserstand der Schwabach, und damit die Wassersituation im Tal nachhaltig entschärfen. Das Vorhaben stieß sowohl beim Landrat als auch beim Landratsamt auf breite Unterstützung. Nach einer Vorbesprechung erwies sich der Bauantrag als vergleichsweise unkompliziert. Ergänzend gab es landschaftspflegerische Ausgleichsmaßnahmen in Form von Bepflanzungen rund um das Becken.
Eine der größten Herausforderungen bestand darin, ein geeignetes Unternehmen für die Tiefbauarbeiten zu finden. Zwar wäre eine spezialisierte Firma aus den Niederlanden geeignet gewesen, diese war jedoch stark ausgelastet. Stattdessen entschied sich der Betrieb – im Sinne regionaler Wirtschaftskreisläufe – für ein Unternehmen aus der Umgebung. Mit der Firma Kübler aus Kammerstein wurde ein erfahrener Partner für die Erdarbeiten gefunden.
Die rechtlichen Anforderungen umfassten das Wasserrecht für die Befüllung des Beckens sowie einen Bauantrag. Während die Genehmigung für die Wasserentnahme eine Laufzeit von zehn Jahren erhielt, gestalteten sich vor allem Gestattungsverträge für Zufahrten und die Verlegung der Stromleitung als zeitintensiv. Insgesamt zeigte sich, dass eine frühzeitige Abstimmung mit den Behörden viele Hürden vermeiden kann.
Die Folie für das Speicherbecken wurde in einem Stück gefertigt und von einem niederländischen Hersteller geliefert. Sie passte exakt in das Becken mit einer Fläche von 4.000 Quadratmetern und wog rund drei Tonnen. Der Standort des Beckens liegt auf einem höher gelegenen Areal des Obsthofs.
„Dort sind wir nach einem Meter auf richtigen Tonboden gestoßen, der unproblematisch für die Folie ist. Aber wir haben sicherheitshalber noch mal ein 250 Gramm Vlies unter der Folie verlegt“, erklärt Winkler.
Ein entscheidender Vorteil des Standorts in Gustenfelden bestand darin, dass das Becken überwiegend in die Tiefe gebaut werden konnte. Dies wirkt sich positiv auf die Wasserqualität aus und ermöglichte es, das Aushubmaterial direkt für den Dammbau zu verwenden. Ein Abtransport der Erde wäre mit erheblichen Mehrkosten verbunden gewesen. Zum Schutz vor Beschädigungen durch Wildvögel und Kleintiere wurde oberhalb der Folie ein UV-stabiles Schutzgewebe angebracht. Außerdem gibt es eine Ausstiegshilfe sowie eine Umzäunung. Diese sind aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben.
Einsparpotenziale lassen sich bei solchen Projekten vor allem in der Planungsphase realisieren. Ein geeigneter Standort, zeitnahe Gutachten und eine durchdachte Statik können Kosten erheblich reduzieren. Die Investition für das Speicherbecken wurde vollständig aus Eigenmitteln finanziert. Obwohl das Projekt auf ministerieller Ebene auf großes Interesse stieß, erhielt der Betrieb keine Förderung.
Für die Zukunft denkt Familie Winkler über zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten des Wasserspeichers nach. Durch das Speicherbecken und die Ausgleichsflächen gehen wertvolle Anbauflächen verloren, weshalb ein Mehrfachnutzen, etwa durch schwimmende Photovoltaik, sinnvoll erscheint. Diese könnte nicht nur Strom erzeugen, sondern auch Algenwachstum und Verdunstung reduzieren. Alternativ wären gemeinschaftliche Lösungen im Rahmen eines Wasserverbands denkbar, etwa an Standorten mit vorhandenen Wasserläufen und natürlichen Geländemulden.
„Förderung habe ich dazu keine bekommen. Es gibt zwar das Bayerische Sonderprogramm Landwirtschaft (BaySL), aber dafür habe ich glücklicherweise immer noch zu hohe Einkommen“, erläutert Winkler.
Wasserbedarf erfassen:
Standortwahl:
Gestaltung des Speicherbeckens:
Förderung und Finanzierung:
Behördliche Abstimmung:
Letzte Aktualisierung 19. Januar 2025