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Claudia Romero (JKI), Theodor Radelhof (JKI) Am 12. Mai 2026 trafen sich Landwirt:innen, Regionalbetreuer:innen und Projektbeteiligte aus den Modellregionen Brandenburg und Sachsen-Anhalt auf Einladung des ATB und des LBV BB auf der Oehnaland Agrargesellschaft mbH im südwestlichen Brandenburg. Im Mittelpunkt stand der Austausch über die umgesetzten Maßnahmen des integrierten Pflanzenbaus in den beiden Regionen, den damit verbundenen Herausforderungen und die Entwicklung von Lösungsansätzen. Besonders diskutiert wurden die zunehmende Trockenheit, die beide Regionen seit Jahren vor besondere Aufgaben stellt, die Möglichkeiten zur Förderung der Kulturpflanzenvielfalt und Fruchtfolge, sowie der Einsatz digitaler Werkzeuge. Ein weiteres zentrales Thema war die mechanische Unkrautregulierung, insbesondere der kombinierte Einsatz von Striegeln und innovative Methoden wie Kamerasysteme an Hackgeräten.
Norman Langenbrink, Pflanzenbauleiter auf der Oehnaland Agrargesellschaft mbH, stellte auf der Veranstaltung in einem Vortrag die Erfahrungen mit der mechanischen Beikrautregulierung im Maisanbau vor, die der Betrieb seit 2023 auf etwa 100 Hektar jährlich einsetzt. Hintergrund hierfür sind die sinkende Zahl zugelassener Wirkstoffe, mögliche Wachstumshemmungen durch Herbizid-Stress sowie die Witterungsabhängigkeit bei der Applikation. Mechanische Methoden wie Striegel und Hacke bieten den Vorteil, dass sie unabhängig von Wind oder leichten Niederschlägen eingesetzt werden können. Zudem ermöglichen sie bei der Oehnaland die Einarbeitung von Gülle oder Gärresten und entzerren die Arbeitsspitzen im Frühjahr, da Pflanzenschutzspritzen seltener benötigt werden. Zunächst wird blind gestriegelt, um keimende Beikräuter vor und kurz nach dem Auflaufen des Maises zu bekämpfen. Dies geschieht durch Ausreißen und Verschütten der Unkräuter. Der erste Durchgang erfolgt vier bis sechs Tage nach der Saat, der zweite zehn bis vierzehn Tage danach. Die Bearbeitungstiefe beträgt maximal drei Zentimeter, wobei der Boden abgetrocknet und schüttfähig sein muss, um Kulturschäden zu vermeiden. Die Arbeitsgeschwindigkeit liegt bei sechs bis acht Kilometern pro Stunde. Für die kameragestützte Hacke wurden verschiedene Fabrikate wie Einböck, Garford, Steketee und Carré getestet. Die aktuell eingesetzte Maschine arbeitet 8-reihig bei einem Reihenabstand von 75 Zentimetern im Mais. Sie ist mit Sensoren wie Kameras und Reihentastern ausgestattet, um präzise zu arbeiten. Hackkörper wie Gänsefußschar oder Messer sowie Schutzelemente und Nachlaufwerkzeuge unterstützen die Beikrautbekämpfung. Es werden zwei bis drei Hackdurchgänge durchgeführt, beginnend im 3-Blatt-Stadium des Maises, mit einem Abstand von zehn bis zwölf Tagen bis zum Reihenschluss. Entscheidend ist ein mitdenkender Fahrer, der die Technik an den Bestand, das Beikrautaufkommen und die Bodenbedingungen anpasst.
Die bisherigen Erfahrungen mit der mechanischen Beikrautregulierung zeigen laut Norman Langenbrink sowohl Vor- als auch Nachteile. Zu den Vorteilen zählen die effektive Beikrautbekämpfung zwischen den Reihen, die Einarbeitung von Düngemitteln, der fehlende Herbizidstress für die Pflanzen sowie der Abbruch der Kapillarität im Oberboden, was unproduktive Wasserverluste verhindert. Allerdings gibt es auch Herausforderungen: Die Bekämpfung innerhalb der Reihen, insbesondere bei Raps oder Gänsefuß, ist schwierig. Bei einer Fruchtfolge mit Raps ist eine chemische Nachbehandlung nötig, und der Beikrautdruck sollte präventiv reduziert werden. Zudem besteht Erosionsgefahr, und Strip-Till ist nicht möglich. Es kommt zu etwa fünf bis zehn Prozent Pflanzenverlusten, und der Arbeitszeitbedarf ist hoch. Staubentwicklung erfordert den Einsatz von zwei Kameras, und trotz höherer Verfahrenskosten gibt es keinen Ertragsvorteil. Grundsätzlich ist die mechanische Beikrautregulierung aber in der Lage ist, beikrautfreie und ertraglich zufriedenstellende Maisbestände zu erzeugen, sofern der Beikrautdruck systematisch minimiert wird, die Technik an den Bestand und die Bodenbedingungen angepasst ist, die Beikrautregulierung auch innerhalb der Reihen funktioniert und ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte verfügbar sind.
Der Gastgeber, die Oehnaland Agrar GmbH, blickt auf 35 Jahre nachhaltige Landwirtschaft in Brandenburg zurück. Was als Zusammenschluss mehrerer LPGs begann, ist heute ein modern ausgerichteter Betrieb mit 81 Mitarbeitenden, 3.938 Hektar Nutzfläche und angeschlossenen Tochterunternehmen, zum Beispiel einem Holzverarbeitungsbetrieb. Der Fokus liegt jedoch weiterhin auf der Tier- und Pflanzenproduktion, insbesondere auf Kartoffelanbau. Digitale Tools helfen dem Betrieb, dabei möglichst Ressourcenschonend und wirtschaftlich zu arbeiten. Gerade in der sehr trockenen Region mit leichten Böden haben sich Investitionen in automatisierte Steuerungen der Kreisberegner und in eine Tröpfchenbewässerungsanlage für Schläge ohne Kreisberegner gelohnt. Davon konnten sich die Teilnehmenden am 12. Mai im Feld ein Bild machen, ebenso von Flächen, auf denen der Betrieb Gülle im Strip Till-Verfahren zu Mais nach Grünschnittroggen ausgebracht hat. Das Verfahren wird bereits seit mehreren Jahren eingesetzt und hat sich bezüglich der Vermeidung unproduktiver Wasserverluste im intensiven Futteranbau bewährt.
Ob Striegel, Kameragestützte Hacken oder Drohnenaussaat von Zwischenfrüchten, die Teilnehmenden konnten über eine große Schnittmenge an Maßnahmen diskutieren, voneinander lernen und sich darüber austauschen, wie sie die Verfahren an ihre lokalen Bedingungen anpassen. Einigkeit bestand darüber, dass Digitale Werkzeuge wie Wetterstationen und Prognosemodelle die Planung und Optimierung von Pflanzenschutzmaßnahmen gut unterstützen. Neue Technologien wie Feldroboter und Drohnen bieten Potenzial, erfordern aber noch umfangreiche Tests und Schulungen.
Fragen wie „Mechanische Unkrautregulierung oder Wassereinsparung – worauf sollen wir uns konzentrieren?“ lösten lebhafte Diskussionen aus. Die Teilnehmenden analysierten gemeinsam die regionalen Rahmenbedingungen, von Klima über Boden bis hin zu wirtschaftlichen Faktoren, und entwickelten daraus praktische Lösungsansätze. In einer kollegialen und vertrauensvollen Atmosphäre tauschten sie Erfahrungen aus und knüpften neue Kontakte zwischen Betriebe und Regionen. Solche Treffen fördern nicht nur den Wissensaustausch, sondern auch nachhaltige und widerstandsfähige Praktiken, die direkt in der täglichen Arbeit umsetzbar sind. Ein besonderer Dank gilt dem Leibniz-Insititut für Agrartechnick und Bioökonomie e.V. ATB, dem Landesbauernverband Brandenburg e.V. LBV und der Oehnaland Agrargesellschaft mbH, die das Event organisiert haben.