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07.07.2026 Niklas Conzelmann (LTZ), Tobias Eichhorn (LTZ) Der MuD-Betrieb Ziesel wird seit dem 15. Jahrhundert bewirtschaftet. Auf den ca. 70 ha Ackerland wird schwerpunktmäßig Winterweizen, Wintergerste, Wintertriticale, Sojabohnen und Mais angebaut. Als Demonstrationsbetrieb testet und etabliert er Maßnahmen, die eine nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft in der Region fördern sollen. Als neue Kulturart wird seit zwei Jahren Mohn angebaut. Eine vielfältigere Fruchtfolge kann dabei helfen, Problemen mit Unkräutern und Schadorganismen vorzubeugen. Dabei ist Mohn eine interessante Option, da er mit keiner uns derzeit angebauten Ackerkulturen verwandt ist. Zudem kann er als guter Pollenlieferant für Insekten eine wichtige Rolle spielen, da sein Blühzeitraum in den Frühsommer mit relativ knappen Nahrungsangebot fällt. Durch seine Pfahlwurzel kann er längere Phasen von Trockenheit überstehen. Der Mohnanbau ist in Deutschland genehmigungspflichtig und es sind nur morphinarme Sorten zugelassen.
Voraussetzung für einen erfolgreichen Anbau ist ein funktionierendes Unkrautmanagement. Da Herbizide nur begrenzt zur Verfügung stehen, wurde im Rahmen des Projektes ein Hackrahmen zur mechanischen Unkrautbekämpfung gefördert. Nach der Ernte muss Mohn oft vorgereinigt und oft getrocknet werden. Eingesetzt wird Mohn als Ausgangsstoff für hochwertige Öle und wird in Backwaren und Süßspeisen gerne verwendet. Zudem wird Mohn als Futtermittel und in der Pharmazie genutzt. Die durchschnittliche Schlaggröße beträgt auf dem Betrieb 2,5 ha. Das ist eine gute Kennziffer, um sich die für Baden-Württemberg vergleichsweise großstrukturierte Ackerbaulandschaft im Illertal zu vergegenwärtigen. Daher wurde eine sogenannte „Grüne Brücke“ im Rahmen des Projektes zur Förderung von Biodiversität angelegt. Dabei wurde auf einer Gesamtlänge von 762 m zwei Gehölzgruppen verbunden. Mit 6 m Breite ergibt sich daraus eine Gesamtfläche von 3.739 m². Als Vorbereitung wurde je nach Vorfrucht gepflügt oder eine mehrmalige Bodenbearbeitung mit Grubber und Kreiselegge vorgenommen. Das war sehr wichtig, da die ausgesäten Ackerwildkräuter erfahrungsgemäß sehr konkurrenzschwach gegenüber den gängigen Ackerunkräutern sind. Die Saat erfolgte am 05. Mai 2025 mit Kreiseleggenkombination und Anwalzen.
Folgende Mischungen wurden verwendet. Am Feldrand wurde eine Leguminosenmischung gesät, welche nach der Blüte regelmäßig abgemäht und der Aufwuchs abgefahren wurde. Somit kann ein zu großer Ungrasdruck vom Wegrand vermieden werden. Daran anschließend wurden drei verschiedene Mischungen in einfacher Wiederholung ausgesät. Die einjährige Mischung Biberacher Nützlingsbuffet, die mehrjährige Mischung Blühende Landschaften und die überjährige Mischung Wildacker Trio 97, welche auch als Nahrungsquelle für Niederwild dienen soll. Im August 2025 wurde erstmals eine umfangreiche Bonitur vorgenommen. Ergebnisse siehe unten. In allen Mischungen blühten mindestens zehn verschiedene Arten. Im ersten Standjahr war der Anteil von ausgesäten Arten zu etablierten Arten bei der mehrjährigen Mischung mit ca. 30 % am geringsten. Dies ist insofern nicht verwunderlich, als das die Mischung viele mehrjährige Mischungen enthält, welche erst in den folgenden Jahren zur Geltung kommen. Bei der Bonitur im April drehte sich das Bild. Mit 20 verschiedenen Zielarten war der Etablierungserfolg bei der einjährigen Mischung am höchsten. Die Artenvielfalt der zwei anderen Mischungen nahm dagegen ab. Aufgrund der trockenen Witterung und des geringen Unkrautdruckes wurde von einer Neuansaat im Frühjahr abgesehen. Wahrscheinlich erfolgt diese im September. Die Unkrautdeckung nahm in allen Mischungen in Verlauf ab. Im ersten Standjahr dominierten die typischen Unkräuter Hirse und Weißer Gänsefuß, während im weiteren Verlauf eher auf Ackerkratzdisteln und dominanten Gräser zu achten ist. Eine erste Insektenbonitur im August brachte schon die Erkenntnis ein, dass die größte Artenvielfalt in der Mischung mit den meisten Pflanzenarten zu finden ist (Blühende Landschaften). Weitere Bonituren sind geplant. Mit einem über das Projekt gefördertem Düngerstreuer konnte eine teilflächenspezifische Düngemittelapplikation in Triticale (Ganzpflanzensilage) erfolgen. Bei der Ernteermittlung der Triticale wurden Biomasseschnitte gewogen. Es konnte ein Mehrertrag von ca. 6 % im durch teilflächenspezifische Düngung ermittelt werden. Auf denselben Flächen wird aktuell die teilflächenspezische Düngung von Silomais getestet.