Hier beginnt der Hauptinhalt dieser Seite

Neue Entwicklungen zur Unkrautregulierung im Mais Mechanik, Bandspritzung und Spot Spraying

Dominik Bellaire setzt auf seinem Betrieb verschiedene Verfahren ein, um den Herbizideinsatz im Mais reduzieren zu können. Wie gut das gelingt, präsentierte er am 01. Juni auf einem Feldtag bei sich auf dem Schmiedhof in der Südpfalz.

Hermann Heidweiler bespricht mit den Landwirten den kombinierten Einsatz von Bandspirtzung und Hackgerät zur Unkrautregulierung im Körnermais.
Stefan Riede (DLR R-N-H)

19.08.2026 Stefan Riede (DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück), Hubert Sprich (Cornexo GmbH)       Am Montag, den 01. Juni 2026 fand auf dem Schmiedhof in Neupotz (Südpfalz) ein Feldtag zur Unkrautregulierung im Mais statt. Der regionale Projektkoordinator des MuD IPB-Ackerbau, Stefan Riede, machte zu Beginn des Feldtags deutlich: „Mais ist eine Kulturpflanze, bei der in der Regel eine Herbizidmaßnahme ausreichend und somit ein geringer Aufwand an Pflanzenschutzmitteln üblich ist.  Trotz allem gibt es Möglichkeiten den Pflanzenschutzmitteleinsatz weiter zu reduzieren“. Vor diesem Hintergrund werden auf dem Betrieb von Dominik Bellaire in Neupotz verschiedene mechanische und chemische Verfahren zur Unkrautkontrolle unter Praxisbedingungen verglichen. Ziel des Feldtages war es, diese Verfahren vorzustellen und mit Praktikern zu diskutieren. Der Betrieb Bellaire bewirtschaftet in der Südpfalz rund 200 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Neben den gängigen Ackerkulturen wie Winterweizen, Wintergerste, Braugerste, Körnermais und Winterraps baut Familie Bellaire auch Durum, Dinkel und Ackerbohnen an. Hinzu kommen verschiedene Sonderkulturen wie Frühkartoffeln, Karotten, Tabak und in diesem Jahr erstmals Quinoa. Daneben stehen auf dem Betrieb 60 Milchkühe mit Nachzucht. Das Interesse an Neuem ist laut Dominik Bellaire der Grund, warum er als Demonstrationsbetrieb an diesem Bundesprojekt teilnimmt, obwohl die Arbeitszeit bei der Vielzahl der Kulturen und der Tierhaltung immer knapp ist.

In der Maßnahme zur mechanischen Unkrautbekämpfung wird die Wirkung von einem Zinkenstriegel, einem Rollstriegel und einer Bandspritzung jeweils in Kombination mit einem Hackgerät verglichen. Hermann Heidweiler, ehemaliger DLR-Mitarbeiter, erläuterte, eine erfolgreiche mechanische Unkrautregulierung würde bereits mit einer sorgfältigen Boden- und Saatbettbereitung sowie einer leicht erhöhten Aussaatstärke beginnen. Zwar ist der Körnermais eine klassische Hackfrucht, aber der alleinige Einsatz einer Scharhacke ist aufgrund der Unkrautpflanzen innerhalb der Maisreihen nicht ausreichend. Deshalb wurde in der ersten Variante bereits neun Tage nach der Aussaat ein APV Zinkenstriegel AS 600 im Nachauflauf eingesetzt, um die Unkräuter im Keimblattstadium ganzflächig zu entwurzeln und zu verschütten. Der Bekämpfungserfolg ist maßgeblich von der Größe des Unkrauts abhängig. Zu beachten beim frühen Striegeln ist, dass der Mais kein Verschütten oder Schrägstellen verträgt. Es empfiehlt sich ein Striegeleinsatz ab der Mittagszeit, weil die Maispflanzen dann elastischer sind. Der Einsatz eines APV Rollstriegels RW 600 ist im 5-Blattstadium problemlos möglich, wie während des Feldtags vorgeführt werden konnte. Neben dem Brechen von Krusten (z.B. als Vorarbeit für den Zinkenstriegel) reißt auch er Beikräuter heraus und verschüttet sie. Durch hohe Fahrgeschwindigkeiten über 15 km/h ist die Flächenleistung des Geräts hoch. Trotzdem konnten die Landwirte am Tag der Veranstaltung beobachten, dass der Bekämpfungserfolg in der zweiten Variante bei einem Einsatz zehn Tage nach der Saat geringer als beim Zinkenstriegel ist. 

Die Bandspritzung in der dritten Variante wurde im 5-Blattstadium mit einer Amazone Anhängespritze UX 3200 und einer Mischung aus 1,25 l/ha Laudis, 1,4 l/ha Quantum und 0,25 kg/ha Mais Banvel WG im absätzigen Verfahren durchgeführt, weil die optimalen Einsatztermine für Herbizide und Hackgeräte selten übereinstimmen. Für eine exakte Applikation des Bandes ist bei der Aussaat und beim Spritzen ein Traktor mit RTK-Lenksystem Voraussetzung. In allen Varianten erfolgte ebenfalls im 5-Blattstadium als letzte Maßnahme der Einsatz eines sechsreihigen Hackgeräts von Hatzenbichler, dessen Gänsefußschare möglichst nah an der Kulturreihe geführt wurden. Die Besucher konnten dieses Gerät am 01. Juni ebenfalls im Einsatz beobachtet. Innerhalb der Reihe verfügt die Maschine über keine Zusatzgeräte, weshalb in den rein mechanischen Varianten die Verunkrautung innerhalb der Reihe nicht unbedeutend war. Landwirtschaftsmeister Dominik Bellaire bewertet die Bandspritzung in Kombination mit dem Einsatz eines Hackgeräts am besten, weil nur selten eine erfolgreiche mechanische Unkrautbekämpfung mit nur zwei Arbeitsgängen möglich sei. Wenn er am Vorgewende das Herbizid flächig und im Acker als Band applizieren würde, hätte er bei einer Mitteleinsparung von ca. 50 % etwa 45 €/ha für den Einsatz einer Hackmaschine „übrig“. Trotzdem sei zu bedenken, mechanische Unkrautregulierung ist sehr witterungsabhängig, weshalb genug Schlagkraft vorgehalten werden muss.

Bevor SAM-DIMENSION die Drohnentechnik vorstellt, erklärt Hubert Sprich die Vorteile des Spot-Sprayings
Stefan Riede (DLR R-N-H)

Nach den Ausführungen von Hubert Sprich von der Cornexo Maismühle in Freimersheim stellen die Abnehmer aus der Lebensmittelproduktion zunehmend höhere Anforderungen an eine nachhaltige Produktion. Dazu gehört auch die Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes. Im Mais wird nach Sprich auch weiterhin die Unkrautkontrolle überwiegend chemisch erfolgen, aber die vorhandenen Herbizide müssen zukünftig noch effizienter eingesetzt werden. Zu beachten ist, dass in den letzten Jahren mehrere Herbizid-Wirkstoffe wie S-Metolachlor, Tritosulfuron oder Flufenacet ihre Zulassung verloren haben, wodurch die Unkrautbekämpfung zunehmend schwieriger wird. 

Mit Sorge beobachtet man bei der Maismühle eine deutliche Zunahme von wärmeliebenden Giftpflanzen wie dem Stechapfel. Vor allem Verunreinigungen des Erntegutes mit Rückständen des Stechapfels, die giftige Tropanalkaloide (Atropin und Scopolamin) enthalten, nehmen deutlich zu. Bereits geringe Mengen dieser Alkaloide können zu Vergiftungen bei Menschen und Tieren führen. Die Grenzwerte für Tropanalkaloide wurden im letzten Jahr verschärft und liegen in unverarbeitetem Mais bei 0,015 mg/kg. Bei Verunreinigung mit Stechapfelrückständen ist die Verwendung von Körnermais für Lebensmittel erheblich eingeschränkt. Das stellt ein zunehmendes Problem für die Cornexo Maismühle dar. Auf Flächen, auf denen Stechapfel vorkommt, muss nach Sprich vor dem Reihenschluss auf vorhandene Pflanzen kontrolliert werden. Bei Befall können blattaktive Herbizide wie Mais-Banvel WG oder Casper im späten Nachauflauf eingesetzt werden. Im Bioanbau müssen die Pflanzen mechanisch beseitigt werden.

Nach der Abschlussdiskussion gab es noch aktuelle Informationen zum Getreidemarkt.
Stefan Riede (DLR R-N-H)

Robin Mink, Geschäftsführer von SAM-DIMENSION, ein Start-up-Unternehmen aus der Region Stuttgart, das auf künstliche Intelligenz und Drohneneinsatz spezialisiert ist, wies darauf hin, dass durch punktgenaues Spot-Spraying der Herbizideinsatz um bis zu 70 % im Maisanbau reduziert werden kann. Beim Überflug von Maisflächen erfasst die Kamera aus einer Höhe von bis zu 60 Metern hochauflösende Bilddaten und erkennt dabei Unkräuter zuverlässig. SAM-DIMENSION setzt bei der Unkrauterkennung auf eine KI-basierte Bilderkennung und hat dazu einen hochauflösenden Kamerakopf entwickelt, der sich aus sechs Kameras zusammensetzt und an einer Drohne befestigt ist. Die Kamera identifiziert jedes Unkraut auf jedem Quadratzentimeter des Maisschlages. Die von SAM-DIMENSION entwickelte Software verknüpft nach Mink die erkannten Unkräuter mit ihrer Geoposition und überträgt sie in eine hochpräzise Applikationskarte. Dieses Hochgeschwindigkeits-Kartierungssystem ermöglicht eine Flächenleistung von bis zu 60 Hektar in einer Stunde. Die Applikationskarte steht innerhalb von 24 Stunden dem Landwirt zur Verfügung und wird per Terminal auf die Feldspritze geladen und automatisch abgearbeitet. Damit der Landwirt das Spot-Spraying (Spritzen mit Einzeldüsenschaltung) bzw. Patch-Spraying (Spritzen mit Teilbreiten) nutzen kann, benötigt die Spritze ein Spot-Spraying-fähiges Terminal (Section Control) mit präziser GPS-Führung. Dabei können sowohl einzelne Unkräuter als auch größere Teilflächen behandelt werden. Das Verfahren funktioniert mit fast allen modernen Pflanzenschutzspritzen. Dies wurde von Dominik Bellaire mit seiner AMAZONE-Feldspritze vorgeführt. Überall, wo Winden oder Disteln vorhanden waren, setzte die Spritze ein. Das Verfahren ist besonders effizient bei Nachbehandlungen wie zum Beispiel zur Bekämpfung von spät auflaufenden Unkräutern wie dem giftigen Stechapfel. Die Kosten für den Überflug und die Erstellung einer Applikationskarte liegen momentan bei etwa 20,- € pro Hektar. Neben Mais wird das Verfahren bereits in anderen Reihenkulturen wie Zuckerrüben und Sojabohnen, aber auch im Gemüseanbau sowie im Grünland zur gezielten Ampferbekämpfung eingesetzt.

Bei der Abschlussdiskussion wurde nach dem Zusammentragen der Vor- und Nachteile einzelner Verfahren zur Unkrautregulierung darüber gesprochen, welches Verfahren bei welchen (Rahmen-) Bedingungen auf Maisflächen passend ist. Die einzelnen Experten äußerten sich auch dazu, wie die Unkrautbekämpfung der Zukunft aussehen könnte. Bei dem Feldtag wurde zudem deutlich, dass neue, eingeschleppte Unkräuter wie Stechapfel und Erdmandelgras ein zunehmendes Problem im Maisanbau spielen. Neue Verfahren können bei der Kontrolle dieser Problemunkräuter helfen. Welche Techniken sich in der Praxis durchsetzen wird insbesondere unter den aktuell unbefriedigenden Erzeugerpreisen wesentlich von der Wirtschaftlichkeit abhängen.