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Mungobohnenanbau in Deutschland Eine Kulturpflanze mit Potenzial und Herausforderungen

Mungobohnen zählen insbesondere im asiatischen Raum zu den wichtigsten Körnerleguminosen und könnten als Rohstoff für pflanzenbasierte Lebensmittel auch in Deutschland an Bedeutung gewinnen. Erste Praxiserfahrungen zeigen, dass ein Anbau grundsätzlich möglich ist. Der Erfolg hängt jedoch stark von der Temperatur ab. Zugleich fehlen bislang Erfahrungen zu geeigneten Sorten und Anbauverfahren sowie etablierten Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen.

Warum Mungobohnen?

Mit steigendem Bedarf an heimisch erzeugten Proteinpflanzen rücken auch Leguminosenarten, die in Deutschland bisher wenig angebaut wurden, in den Fokus. Eine davon ist die Mungobohne (Vigna radiata), die weltweit vielfältig als Lebensmittel genutzt wird, da sie einen vergleichsweise hohen Proteingehalt aufweist und sich das Protein durch gute Gelier- und Emulgiereigenschaften auszeichnet. Ein bekanntes Beispiel ist pflanzlicher Ei-Ersatz mit Mungobohnenprotein als zentraler Proteinquelle. Damit bietet die Mungobohne großes Potenzial als Rohstoff für Proteinzutaten, also proteinreiche Fraktionen, die aus der Bohne gewonnen und zur Herstellung proteinreicher Lebensmittel eingesetzt werden können.

Als Leguminose kann sie atmosphärischen Stickstoff binden und zu vielfältigeren Fruchtfolgen beitragen. Ihre vergleichsweise kurze Vegetationsdauer könnte zudem eine flexible Integration in bestehende Anbausysteme ermöglichen und damit neue Anbauoptionen eröffnen. Allerdings stammt die Mungobohne aus tropischen und subtropischen Regionen und stellt hohe Anforderungen an die Temperatur. Ob sie sich dauerhaft unter mitteleuropäischen Bedingungen etablieren kann, wird derzeit untersucht.

Erste Praxiserfahrungen aus Deutschland

Mungobohnenpflanze im Praxisanbau bei Rothenburg ob der Tauber. Die wärmeliebende Kultur reagiert insbesondere in der frühen Entwicklung empfindlich auf niedrige Temperaturen.
Bild: Florian Deitigsmann

Gemeinsam mit einem Praxisbetrieb im Raum Rothenburg ob der Tauber wurden erste Erfahrungen zum Anbau unter deutschen Bedingungen gesammelt. Sie zeigen: Die Kultur kann grundsätzlich auch hierzulande angebaut werden. Der Anbauerfolg hängt jedoch deutlich stärker von der Witterung ab als bei etablierten heimischen Körnerleguminosen.

Temperatur ist der Schlüsselfaktor 

Nach den bisherigen Praxiserfahrungen entwickeln sich Mungobohnen besonders gut, wenn über längere Zeit Tagestemperaturen von über 30 Grad Celsius erreicht werden und die Nachttemperaturen nicht unter 20 Grad fallen. Temperaturen unterhalb dieser Werte können das Wachstum nahezu zum Erliegen bringen. Erholen sich die Pflanzen anschließend, kann die Wachstumsunterbrechung den Ertrag mindern und die Vegetationsdauer verlängern. Besonders kritisch sind Kälteeinbrüche während der Blüte, da sie den Fruchtansatz beeinträchtigen können.


Für den Freilandanbau erscheinen vor allem klimatisch begünstigte Regionen Süd- und Südwestdeutschlands interessant. Ein Anbau unter Folie oder im Gewächshaus wäre möglich, würde den Produktionsaufwand jedoch deutlich erhöhen.
 

Mungobohnenbestand im Praxisanbau bei Rothenburg ob der Tauber. Erste Anbauversuche zeigen, dass die Kultur grundsätzlich auch unter deutschen Bedingungen angebaut werden kann.
Bild: Florian Deitigsmann

Boden und Wasser

Hinsichtlich der Bodenansprüche scheint die Mungobohne vergleichsweise tolerant zu sein. Entscheidend sind vor allem ausreichend Wärme und eine gute Wasserversorgung. Im Praxisbetrieb erfolgte der Anbau erfolgreich auf einem lehmigen Boden mit einem pH-Wert von etwa 6,4. Beobachtungen und Literaturhinweise deuten darauf hin, dass die Kultur auch auf sauren Böden gedeihen könnte.
Lehmige Böden speichern Wasser gut; auf leichteren Sandböden könnten zusätzliche Niederschläge oder eine Bewässerung erforderlich sein. In den bisherigen Praxisversuchen wurden höhere Niederschlagsmengen gut toleriert, internationale Anbauempfehlungen warnen jedoch vor Staunässe.


Eine interessante Beobachtung betrifft Sonderstandorte: Sonnige Weinberglagen könnten aufgrund günstiger Temperaturbedingungen geeignet sein. Selbst flachgründige, durch Erosion geprägte Böden mit nur 15 bis 20 Zentimeter Oberboden könnten nach den bisherigen Erfahrungen ausreichen. Ob sich dies bestätigt, müssen weitere Anbauversuche zeigen; zudem stellen Hanglagen besondere Anforderungen an die Mechanisierung.

Aussaat und Jugendentwicklung 

Nach den bisherigen Praxiserfahrungen spielt die Temperatur bei der Aussaat eine geringere Rolle im Vergleich zur späteren Entwicklung. Besonders empfindlich reagieren die Pflanzen ab dem Zweiblattstadium und während der Blüte. Bei günstigen Bedingungen entwickelt sich die Mungobohne schnell, dabei war in den bisherigen Versuchen eine Ernte bereits rund drei Monate nach der Aussaat möglich.
Internationale Empfehlungen nennen eine Ablagetiefe von 3 bis 5 cm, etwa 20 bis 30 Pflanzen je Quadratmeter und Bodentemperaturen von mindestens 17 Grad Celsius für einen zügigen Feldaufgang. Ihre Übertragbarkeit auf deutsche Bedingungen muss noch untersucht werden.

Sorten

Zur Sortenwahl liegen in Deutschland bislang kaum Erfahrungen vor, in den bisherigen Anbauversuchen wurde lediglich eine Sorte getestet. Erfahrungen aus Australien zeigen jedoch deutliche Sortenunterschiede bei Reifeverhalten, Ertrag, Krankheitsresistenz und Kornqualität. Landessortenversuche wären daher ein wichtiger nächster Schritt, um geeignete Sorten für deutsche Anbaubedingungen zu identifizieren.

Unkraut, Krankheiten und Schädlinge

Die bisherigen deutschen Anbauversuche verliefen weitgehend ohne größere Probleme durch Unkräuter, Krankheiten oder Schädlinge. Ob dies auch bei großflächigem Anbau gilt, ist offen. International gilt insbesondere das Unkrautmanagement wegen der geringen Konkurrenzkraft junger Mungobohnen als Herausforderung. Zudem wird ein regelmäßiges Monitoring von Krankheiten und Schädlingen empfohlen.

Ernte

Eine besondere Herausforderung ist der tiefe Hülsenansatz. Für eine verlustarme Ernte sind Schneidwerke erforderlich, die möglichst dicht über dem Boden arbeiten können. Internationale Erfahrungen zeigen zudem, dass Mungbohnen aufgrund ihrer fortlaufenden Blüte häufig ungleichmäßig abreifen. Dadurch können sich gleichzeitig grüne und vollständig ausgereifte Hülsen an einer Pflanze befinden. 

Im Überblick: Anbau und Praxiserfahrungen aus Rothenburg ob der Tauber

Vegetationsdauer: Gewöhnlich circa drei bis vier Monate. Unter günstigen Bedingungen war eine Ernte bereits rund drei Monate nach der Aussaat möglich.

Wichtigster Erfolgsfaktor: Ausreichend hohe Temperaturen. Optimales Wachstum wurde bei Tagestemperaturen über 30 Grad Celsius und Nachttemperaturen über 20 Grad Celsius beobachtet. Kälteeinbrüche führten zu Wachstumsstillstand und können den späteren Ertrag deutlich mindern.

Geeignete Standorte: Klimatisch begünstigte Regionen. 

Boden: Lehmig bis sandig bei guter Wasserversorgung.

Besonderheit: Der tiefe Hülsenansatz stellt besondere Anforderungen an die Erntetechnik.

Aktueller Stand: Bislang existieren kaum Anbauerfahrung in Deutschland.

Perspektive: Der Anbau von Mungobohnen bietet das Potenzial für die Erschließung neuer Wertschöpfungsketten.
 

Ohne Verarbeitung keine neue Kultur

Ob sich die Mungobohne langfristig in Deutschland etablieren kann, hängt nicht allein vom Anbau ab. Ebenso entscheidend sind wirtschaftlich tragfähige Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen, die im Gegensatz zu Erbsen, Ackerbohnen oder Sojabohnen bislang weitgehend fehlen.

International werden Mungobohnen beispielsweise zu Keimsprossen, Glasnudeln oder Proteinzutaten verarbeitet. Für eine Einführung von Mungobohnen als heimische Proteinquelle braucht es Verfahren, die die Proteinzutaten mit geeigneten sensorischen und technologischen Eigenschaften erzeugen und möglichst viele Bestandteile des Rohstoffs verwerten können. Das gewählte Verarbeitungsverfahren beeinflusst dabei auch Eigenschaften wie Gelbildung, Emulgierfähigkeit und Löslichkeit.

Hier setzt das vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) geförderte Verbundprojekt Leg4Future an. Ziel ist es, aus Mungobohnen und Linsen möglichst gering verarbeitete Proteinzutaten mit guten sensorischen und technologischen Eigenschaften herzustellen. Gleichzeitig sollen potenziell antinutritive Inhaltsstoffe reduziert und Nebenströme wie die Schalen hochwertig genutzt werden. Das Projekt untersucht zudem die Übertragbarkeit der Verfahren in einen größeren Maßstab, Lebensmittelanwendungen und die Verbraucherakzeptanz. Damit sollen neue Wertschöpfungsmöglichkeiten für wenig genutzte Leguminosen geschaffen werden.

Wie nehmen Verbraucherinnen und Verbraucher die Mungobohne wahr?

Mungobohnensamen liegen auf einem Glasteller.
Mungobohnensamen: Die charakteristisch grünen Körner werden international für zahlreiche Lebensmittel und als Rohstoff für Proteinzutaten genutzt.
Bild: PDPics / Pixabay

Die Verbraucherwahrnehmung ist für die Verwertung von hoher Relevanz. Eine im Rahmen von Leg4Future durchgeführte Studie zeigt, dass gut die Hälfte der Befragten angab, die Mungobohne nicht zu kennen; in Norddeutschland war sie dabei bekannter als in Süddeutschland. Viele kennen dagegen die aus der asiatischen Küche bekannten „Sojabohnensprossen“, ohne zu wissen, dass es sich dabei um Sprossen der Mungobohne handelt. Auch konkrete Zubereitungs- und Verwendungsmöglichkeiten sind vielfach unbekannt.

Mit einem heimischen Anbau könnte Regionalität zu einem zusätzlichen Kaufargument werden. Dafür müssten jedoch die Bekanntheit der Mungobohne erhöht und praktische Verwendungsmöglichkeiten stärker vermittelt werden.

Fazit

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Mungobohne grundsätzlich auch in Deutschland angebaut werden kann. Entscheidend sind ausreichend hohe Temperaturen; für den Freilandanbau erscheinen insbesondere klimatisch begünstigte Regionen Süd- und Südwestdeutschlands interessant. Für eine dauerhafte Etablierung braucht es geeignete Sorten, angepasste Anbau- und Erntetechnik sowie wirtschaftlich tragfähige Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen. Ebenso wichtig sind geeignete Verfahren zur Nutzung des Mungobohnenproteins und eine möglichst vollständige Verwertung des Rohstoffs. Auch die Bekanntheit der Mungobohne sowie das Wissen über ihre Zubereitung und Verwendung werden eine Rolle spielen. So könnte die Mungobohne langfristig das Spektrum heimischer Leguminosen erweitern und neue Wertschöpfungsmöglichkeiten eröffnen.

Hintergrundinformationen zum Projekt

Projekttitel

Ganzheitliche Verwertung von Mungobohnen und Linsen – Herstellung qualitativ hochwertiger Proteinkonzentrate und Nutzung der Nebenströme (Leg4Future)

Projektlaufzeit

Oktober 2024 bis September 2027

Projekt- und Kooperationspartner

  • Technische Universität München - TUM School of Life Sciences - Professur für Plant Proteins and Nutrition, Freising

  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn- Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften - Professur für Molekulare Lebensmitteltechnologie, Bonn

  • Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV), Freising

  • sine-Institut GmbH, Großkarolinenfeld

Projektförderung

Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen der „Proteine der Zukunft und Chancenprogramm Höfe“, Förderkennzeichen: 2824CPH001-2824CPH005.

Kontakt bei Fragen 

Prof. Dr. Ute Weisz, Technische Universität München

Autorenschaft

Ute Weisz, Plant Proteins and Nutrition, Technische Universität München

Florian Deitigsmann, Landwirtschaftlicher Betrieb, Rothenburg ob der Tauber

Kerstin Dressel, sine-Institut gGmbH, Großkarolinenfeld

Weiterführende Literatur

ACIAR (2024): Mungbean Production Guide for Cambodian Conditions.

Huang, Z., Li, Y., Fan, M., Qian, H., Wang, L. (2024): Recent advances in mung bean protein: From structure, function to application. International Journal of Biological Macromolecules, 273, 133210.

Imrie, B. C. & Lawn, R. J. (Hrsg.) (2010): Mungbean Management Guide. Queensland Department of Agriculture.

Spicher, M. T., Dressel, K. M., Schweiggert-Weisz, U., Gola, S. & Eisner, P. (2025): Plant protein preferences in meat and dairy alternatives: An exploratory study of German consumers. Future Foods, 11, 100595.

Wang, Y. et al. (2022): Structural and rheological properties of mung bean protein emulsion as a liquid egg substitute. Food Hydrocolloids, 126, 107485.

Wintersohle, C. et al. (2023): Physicochemical and chemical properties of mung bean protein isolate affected by the isolation procedure. Current Research in Food Sciences, 7, 100582.

Yi-Shen, Z., Shuai, S. & FitzGerald, R. (2018): Mung bean proteins and peptides: nutritional, functional and bioactive properties. Food & Nutrition Research, 62.
 


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Letzte Änderung dieser Seite am 25.09.2026