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Nutzhanf für Lebensmittel und Technik - Anbau, Ernte und Vermarktung Kulturpflanzenvielfalt und Fruchtfolge

Für landwirtschaftliche Betriebe kann Nutzhanf ein sinnvolles Fruchtfolgeglied sein. Zugleich ist der Rohstoffbedarf der Industrie groß. Eine Win-win-Situation?!

Bestand von Nutzhanf
Bild: Dickeduisberg, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Bei der Suche nach heimischen Rohstoffen hat Nutzhanf (Cannabis sativa L.) in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig sucht der Industrie- und Gewerbesektor nach Lösungen für Versorgungsengpässe und die aktuellen Unsicherheiten in den Warenströmen des Welthandels.

Noch ist Hanf in Deutschland eine Nischenkultur: 2026 bauten 438 landwirtschaftliche Betriebe auf 5.785 Hektar Hanf an. Das entspricht durchschnittlich 13 Hektar Nutzhanf pro Anbaubetrieb. Das zeigen Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, bei der der Anbau von Nutzhanf in Deutschland jeweils bis zum 01. Juli eines Anbaujahres angezeigt werden muss.

Vermarktungsprodukte von Nutzhanf

Die Produktpalette mit Hanf als Rohstoff ist sehr vielseitig: von Lebensmitteln (Hanföl, Hanfprotein und Hanfsamen) über Textilien zu Baustoffen oder Papier. Die Pfade der Produkte sind dabei nicht eindeutig.

Verwertungswege von Körner- und Faserhanf
Grafik: Dickeduisberg, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Zwar legen Landwirtinnen und Landwirte mit dem Anbauzeitpunkt, der Sortenwahl und der Bestandsführung einen späteren Vermarktungsschwerpunkt bereits fest, doch lassen sich Koppelprodukte gut nutzen.

Von großer Bedeutung für den Erfolg des Anbaus ist die Vermarktung bereits vor der Aussaat. Der Hauptvermarktungsweg und insbesondere die Abnehmerinnen und Abnehmer bestimmen die Sortenwahl und das Anbauverfahren. Die freie Vermarktung nach der Ernte ist insbesondere im Segment des Faserhanfs kaum möglich. Es gibt derzeit nur einen sehr kleinen Markt mit wenigen Unternehmen. Für Körnerhanf lassen sich leichter Kunden finden, allerdings decken diese ihre Bedarfe hauptsächlich über längerfristige Lieferverträge.

Nutzhanf hat keine berauschende Wirkung

Bei Nutzhanf ist die Verwendung als Rauschmittel oder Medizinpflanze ausgeschlossen. Es sind nur Sorten erlaubt, bei denen durch Zucht der berauschende Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol (THC) entfernt wurde oder allenfalls noch Spuren (maximal 0,3 Prozent) enthalten sind. Diese Sorten sind im EU-Sortenkatalog festgelegt.

Hanfsorten

Körnerhanf

Hauptprodukt bei der Ernte von Körnerhanf sind die Körner (botanisch Nüsse). Er ist für Ölmühlen und Direktvermarkter wegen der vergleichsweise einfachen Ernte und leichten Verarbeitung interessant. 

Drusch von Körnerhanf
Bild: Dickeduisberg, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Die Nüsse werden vorrangig für Lebensmittel genutzt, in einigen Branchen auch für technische Zwecke. Dabei werden sie ganz, geschält oder kandiert angeboten. Häufiger werden die Nüsse zu Hanföl gepresst. Dieses bietet ein optimales Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren und gilt daher als ernährungsphysiologisch besonders wertvoll. Der Presskuchen wird in der Regel zu glutenfreiem Mehl verarbeitet. Zunehmend werden die Proteine, die nach der Ölpressung im Presskuchen aufkonzentriert vorliegen, in der veganen Küche und für Fleischersatzprodukte eingesetzt. Die Verwendung von pflanzlichen Proteinen ist stark von der Proteinfraktion und Aufbereitungstechnik abhängig, sodass für diverse Pflanzenproteine Märkte eröffnet werden.

Spezielle Körnerhanfsorten haben Wuchshöhen von teils unter 1,6 Metern. Ab Ende August bis etwa Mitte September können sie daher mit vielen gängigen Mähdreschern ohne Umbau geerntet werden. Den optimalen Erntetermin festzulegen ist wegen heterogener Abreife des Hanfs schwierig. Es muss ein Kompromiss zwischen überreifen und ausfallenden Körnern sowie noch teils grünen Körnern gefunden werden. Der Anteil grüner Körner und Blattbestandteile erfordert ein sofortiges Trocknen oder Belüften nach dem Drusch.

Faserhanf

Bei Faserhanf wird vorrangig das Stroh vermarktet. Folglich werden Sorten mit großer Wuchshöhe und hohen Stroherträgen angebaut. Aufgrund der Stängellänge und der Reißfestigkeit der Fasern lässt sich Faserhanf nicht mit klassischer Landtechnik wie Mähdreschern oder Mähwerken mähen. Hierfür ist spezielle Technik notwendig, deren Verfügbarkeit in Deutschland rasant steigt: Dazu werden Mähdrescher umgebaut oder Maishäcksler um spezielle Schneidwerke ergänzt.

Faserhanf wird über drei Meter hoch und unterdrückt Unkraut zuverlässig.
Bild: Dickeduisberg, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Ein einheitliches Ernteverfahren gibt es nicht, da die Anforderungen des Abnehmers sehr unterschiedlich sind. Für einige Verarbeitungsschritte ist die unbeschädigte lange Faser eine Grundvoraussetzung, wohingegen andere industrielle Verfahren bereits vorgeschnittene Stängel von 60 Zentimetern Länge erwarten.

Unterschiedlich ist auch der Erntetermin: Bisweilen wird Faserhanf vor der Blüte geschnitten, da zu diesem Entwicklungsstadium der Pflanze die optimale Faserqualität für die nachfolgende Nutzung vorliegt. Die Strohernte während der Kornreife ist ebenso verbreitet und ermöglicht neben der Nutzung des Strohs die Nutzung der Körner, die auch bei Faserhanf gebildet werden.

Nach der Ernte des Strohs erfolgt entweder die sofortige Vorbereitung für den Transport oder eine Feldröste. Bei der Feldröste wird das Stroh in Schwaden auf dem Acker belassen und hin und wieder gewendet, nicht gezettet. Durch Feuchtigkeit, Mikroorganismen und UV-Licht werden die Stängel voraufgeschlossen. Den Grad der Röste bestimmt das folgende Verarbeitungsverfahren. Aufgrund dieser vielfältigen Optionen für die Ernteverfahren sollte die spätere Verwendung des Hanfs idealerweise bereits zur Aussaat feststehen und auch die Vermarktung entsprechend organisieren sein.

Anbau von Nutzhanf

Aussaat

Körnerhanf und Faserhanf werden im Frühjahr ausgesät. Der Boden sollte zuverlässig Temperaturen von über acht Grad Celsius haben. Zu frühe Saat bei geringeren Temperaturen verlangsamt die Jugendentwicklung und begünstigt Unkräuter, die bei geringeren Temperaturen gut wachsen können. Die ersten Wochen nach dem Auflaufen sollte der Hanf frei von Begleitflora sein. Danach unterdrückt sein schnelles Längenwachstum und dichtes Blätterdach die meisten Unkräuter. Lediglich bei niedrig wachsendem Körnerhanf kann es bei schlechten Wachstumsbedingungen zu Verunkrautungen kommen. Bisweilen wird hier über den Einsatz von Hacken nachgedacht. 

Die Aussaatstärken richten sich stark nach der Nutzung. Für Körnerhanf werden Bestandsdichten von 150 bis 200 Pflanzen pro Quadratmeter und für Faserhanf von 300 bis 400 Pflanzen angestrebt. Beim Körnerhanf unterdrücken dichte Bestände Unkräuter besser, erhöhen aber die Saatgutkosten signifikant. Bei Faserhanf entscheidet oft die notwendige Stängeldicke über die Dichte der Zielbestände. Die Dicke der Stängel hat direkten Einfluss auf die stoffliche Zusammensetzung der Stängel, wovon auch die Faserqualität beeinflusst wird.

Fruchtfolge

Hanf hat außer Hopfen keine direkt verwandte Kulturpflanze. In der Fruchtfolge ergeben sich daraus Vorteile hinsichtlich pilzlicher Krankheiten, tierischer Schädlinge und schwer bekämpfbarer Unkräuter, die allesamt kein Problem im Hanfanbau darstellen. Somit kann weitestgehend auf Herbizide, Insektizide und Fungizide verzichtet werden. Insbesondere Problemunkräuter in Fruchtfolgen oder fruchtfolgebedingte Krankheiten können durch den Anbau von Hanf durchbrochen werden. Das dichte Wurzelsystem reicht bis in Tiefen von drei Metern und hinterlässt eine gute Bodengare, weshalb Hanf bisweilen gerne als Vorfrucht für Sonderkulturen genutzt wird.

Sollten vor der Körnerernte Hanfsamen ausfallen und in der Folgefrucht auflaufen, so sind diese jungen Triebe sowohl mechanisch wie auch chemisch mit den üblichen Standardbehandlungen zu kontrollieren. Aufgrund dieser Vorteile ist Hanf ein optimales Fruchtfolgeglied. Hanf hintereinander auf derselben Fläche anzubauen ist weniger sinnvoll, als die Hanffläche im Betrieb gezielt rotieren zu lassen. Grundsätzlich ist aus Gründen des vorbeugenden Pflanzenschutzes von Selbstfolgen abzuraten. Unter Umständen könnten dadurch Probleme mit spezifischen Krankheiten und Schädlingen geschaffen werden, die derzeit nicht nennenswert auftreten.

Winterhanf liefert besonders feine Fasern

Winterhanf vor der Ernte
Bild: Dickeduisberg, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Vollkommen losgelöst von den klassischen Hanf-Anbauverfahren ist die Variante des Winterhanfs. Dieser wird erst im Juli gesät und nach überdauertem Winter im Februar oder März geerntet. Durch dieses Verfahren werden Fasern mit besonders feiner Qualität erzeugt, die sich als Endprodukt in Textilien gut vermarkten lassen. Die Nutzung von Körnern ist bei Winterhanf bisher keine Option.

Der Winterhanf wächst bis zur Ernte selten über zwei Meter und bringt deutlich geringere Erträge als Faserhanf im Sommer. Allerdings ist der Fasergehalt im Erntegut durch die über Winter abfrierenden Pflanzenteile höher als im Sommer und somit der Preis je Tonne höher.

Winterhanf bietet durch die Stellung als Zwischenfrucht die Möglichkeit eine weitere vermarktbare Kultur in die Fruchtfolge zu integrieren. Für die Ernte im Frühjahr ist klassische Grünlandtechnik mit Mähwerk und Presse geeignet. Da keine Spezialtechnik notwendig ist, erleichtert dies den Einstieg in diese Produktionsweise.

Standortbedingungen

Hanf hat keine hohen Ansprüche an die Bodenqualität. Auf tiefgründigen, humosen, kalkhaltigen und nährstoffreichen Böden erzielt er die höchsten Erträge. Verdichtete, schwere Tonböden oder sehr leichte Sandböden sind ungeeignet, ebenso Böden mit Staunässe. Der pH-Wert sollte neutral bis leicht basisch sein.

Optimale Erträge erzielt der Hanf bei geregelter Wasserversorgung, insbesondere nach der Aussaat im Frühjahr beziehungsweise bei Winterhanf im Sommer. Bei langer Trockenheit nach der Aussaat laufen kleinsamige Unkräuter eher auf und konkurrieren später bei ausreichender Feuchtigkeit mit dem auflaufenden Hanf.

Vergleichbar verhält es sich mit der Bodentemperatur. Bei etwa zehn Grad Celsius Bodentemperatur läuft der Hanf bei ausreichender Feuchtigkeit gleichmäßig und schnell auf. Dadurch kann er zügig Unkräuter unterdrücken und einen sauberen Bestand etablieren.

Bei sonnenexponierter Lage kann Hanf mehrere Zentimeter pro Tag wachsen. Insbesondere für die Lebensmittelproduktion hat die Sonneneinstrahlung Einfluss auf die Bildung wertgebender Inhaltsstoffe wie der Fettsäurezusammensetzung.

Düngebedarf

Für gute Erträge benötigt Hanf eine ausreichende Nährstoffversorgung. Der Aussaattermin und die Bodentemperaturen während der vegetativen Entwicklung sind prädestiniert für organische Düngemittel wie Gülle oder Gärrest. Die Umsetzung zu pflanzenverfügbaren Nährstoffen erfolgt synchron zum Nährstoffbedarf des Hanfs. Ungefähr 160 kg N/ha können für durchschnittlichen Faserhanf wie auch Körnerhanf einkalkuliert werden. In Abhängigkeit vom Ertragsniveau sind Zu- oder Abschläge bei der jährlichen Düngeplanung vorzunehmen. Diese werden in der Regel durch die zuständigen Landesbehörden vorgeschlagen.

Die Phosphordüngung ist relativ verhalten bei 24 bis 34 kg P2O5/ha für Faser- beziehungsweise Körnerhanf zu kalkulieren und je nach Ertragsniveau anzupassen. Bei den Landesanstalten laufen verschiedene Düngeversuche, entsprechend sind Änderungen zur Optimierung stets möglich.

Vorteile von Hanf für Ökosysteme und Klima

Hanf vereint neben den Vorteilen in der Fruchtfolge auch weitere positive Eigenschaften in sich. So ist er für blütenbesuchende Insekten sehr attraktiv und wird stark angeflogen, da er später als andere Ackerkulturen blüht. Hanf produziert zwar keinen Nektar, allerdings wird der als Nahrung dienende Pollen in der trachtarmen Zeit gerne angenommen.

Durch die stoffliche Nutzung der Hanffaser als Baumaterial oder Textil wird Kohlenstoff langfristig in ökologisch vorzüglichen Materialien gebunden. Auch in seinem umfassenden Wurzelsystem wird Kohlenstoff gespeichert. Es verbleibt nach der Ernte im Boden und trägt zur Anreicherung des Bodens mit Humus bei.

Als Baumaterial ist Hanf im Gegensatz zu mineralischen Varianten umweltfreundlich, da Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Baumaterial gespeichert ist. Auch beim Abbruch von Gebäuden bieten Naturfasern Vorteile, da sie nicht wie mineralölbasierte Dämmstoffe und Baumaterialien als Sondermüll entsorgt werden müssen.

Die Verwendung von Hanffasern als Textil kann außerdem die Freisetzung von Mikroplastik reduzieren, wenn dadurch synthetische Fasern ersetzt werden. Denn sowohl beim Tragen als auch beim Waschen von Bekleidung aus synthetischen Fasern wird Mikroplastik in die Natur freigesetzt. Der heimische Winterhanfanbau liefert somit nicht nur einen hochqualitativen Rohstoff sondern ist auch ökologischen sinnvoll und bietet ein zusätzliches Standbein für die heimische Textil- und Landwirtschaft.

Fazit

Der Anbau von Hanf ist relativ einfach und auch gut in Fruchtfolgen integrierbar. Eine bedeutende Rolle spielt die Vermarktung der Nischenkultur, welche bereits vor der Aussaat erfolgen sollte. Diese sichert den Absatz und kann das Betriebseinkommen durch diese Nischenkultur erhöhen.

WEITERE INFORMATIONEN

Der Nutzhanfanbau wird durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) kontrolliert. Jeder Landwirtschaftsbetrieb, der Nutzhanf anbaut, und sei es nur als Zwischenfrucht, muss dies gegenüber der BLE anzeigen. Dazu müssen Angaben zur Größe der Anbaufläche, der Lage und der verwendeten Sorte gemacht werden. Auf der BLE-Seite finden Sie auch weitere Informationen zu rechtlichen Regelungen rund um den Nutzhanfanbau. Mehr dazu

Winterhanf: von der ökologischen Winterzwischenfrucht zur feinen Faser

Nutzhanf-Netzwerk e.V.

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Letzte Aktualisierung 28.09.2026

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