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Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen beschäftigt sich im Rahmen des Modell- und Demonstrationsvorhabens PLANTEIN (Proteine leguminosenfreier Anbaualternativen nicht-tierischer Erzeugung in Nahrungsmitteln) mit verschiedenen alternativen Ackerkulturen, darunter den aus Süd- und Mittelamerika stammenden Pseudogetreiden Quinoa, Chia und Amaranth. Die Kulturen werden sowohl auf einem Demonstrationsfeld als auch auf beteiligten Demonstrationsbetrieben angebaut. Die dabei gewonnenen Praxiserfahrungen werden gesammelt und aufbereitet, um sie einem breiten Fachpublikum zugänglich zu machen.
Dieser Artikel gibt einen Einblick in die Erkenntnisse aus dem heimischen Anbau von Quinoa sowie in die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen am Standort Haus Düsse der Landwirtschaftskammer NRW.
Quinoa stammt ursprünglich aus den Anden, wo sie seit über 7.500 Jahren kultiviert wird. Dort dient sie bis heute als wichtiges Grundnahrungsmittel und gedeiht in Höhenlagen von bis zu 4.500 Meter. In den 1970er-Jahren gelangte Quinoa erstmals nach Europa, wo sie zunächst auf Wildäckern erprobt wurde. Durch züchterische Arbeiten, unter anderem in Dänemark, wurde die Pflanze schließlich an die hiesigen Langtagbedingungen angepasst und für den Anbau in Mitteleuropa etabliert.
Quinoa gehört zur Familie der Gänsefußgewächse und wird als Pseudogetreide bezeichnet, da sie ähnlich wie Getreide genutzt wird, botanisch jedoch nicht zu den Süßgräsern zählt. Sie ist glutenfrei und zeichnet sich durch eine hochwertige Proteinzusammensetzung aus. Quinoa enthält alle essenziellen Aminosäuren und stellt damit insbesondere für Menschen mit pflanzenbasierter Ernährung eine wertvolle Eiweißquelle dar.
Quinoa stellt vergleichsweise geringe Ansprüche an den Standort und gedeiht sowohl in wärmeren als auch in kühleren Lagen sowie in niederschlagsärmeren Regionen. Günstige Vorfrüchte sind Kartoffeln, Getreide und Mais, während Kulturen mit hohen Reststickstoffgehalten als weniger geeignet gelten.
Der Stickstoffbedarf von Quinoa liegt sortenabhängig bei etwa 80 - 100 Kilogramm pro Hektar. Hinsichtlich ihrer Trockenheits- und Hitzetoleranz zeigt sich, dass etablierte Bestände trockene und heiße Witterungsphasen gut überstehen können. Eine ausreichende Wasserversorgung während der empfindlichen Entwicklungsstadien – insbesondere zur Keimung (Ende April bis Mitte Mai) und während der Blütenbildung (Ende Juni bis Mitte Juli) – ist jedoch entscheidend für eine sichere Ertragsbildung. Starkregenereignisse und Stürme, speziell gegen Ende der Vegetationsperiode, können zum Umknicken der Pflanzen führen und erhebliche Ertragseinbußen verursachen.
Während in der Ursprungsregion von Quinoa eine große Sortenvielfalt vorhanden ist, steht für die hiesigen Anbaubedingungen bislang nur eine begrenzte Auswahl zur Verfügung.
Grundsätzlich wird zwischen saponinhaltigen und saponinarmen beziehungsweise -freien Sorten unterschieden. Saponine sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die der natürlichen Abwehr dienen, den Körnern jedoch einen bitteren Geschmack verleihen. Saponinhaltige Sorten müssen daher vor der Vermarktung gewaschen oder geschält werden. Aus diesem Grund empfiehlt sich bevorzugt der Anbau saponinarmer Sorten.
In Deutschland gibt es derzeit nur wenige Saatgutvertreiber. Umfangreiche Züchtungsarbeiten wurden unter anderem an der Universität Wageningen in den Niederlanden durchgeführt; ein weiterer bedeutender Saatgutvertreiber hat seinen Sitz in Dänemark. Beispiele für saponinhaltige Sorten sind Titicaca und Zeno, während Freyja zu den saponinarmen Sorten zählt.
Der geeignete Aussaatzeitpunkt liegt zwischen Ende April und Mitte Mai. Die empfohlene Saatstärke beträgt 100 bis 200 keimfähige Körner pro Quadratmeter. Dies entspricht je nach Keimfähigkeit und Sorte etwa drei bis sechs Kilogramm pro Hektar, in Einzelfällen auch bis zu zehn Kilogramm pro Hektar. Die konkrete Aussaatstärke sollte entsprechend der Empfehlung des jeweiligen Saatgutlieferanten gewählt werden.
Die Saattiefe beträgt etwa einen Zentimeter. Eine besondere Herausforderung besteht in der möglichst flachen Saatgutablage. Es empfiehlt sich, das Saatgut nahezu oberflächlich abzulegen und nur leicht anzudrücken. Der Reihenabstand richtet sich nach der verfügbaren Hacktechnik und beträgt in der Regel 25 bis 50 Zentimeter.
Quinoa reagiert während der Keimphase empfindlich auf Bodenverschlämmungen. Aufgrund ihrer langsamen Jugendentwicklung ist die Anlage eines Falschen Saatbetts (Scheinsaat) vor der Aussaat empfehlenswert, um den Unkrautdruck möglichst gering zu halten. Auf Haus Düsse hat sich hierfür ein Zeitraum von drei Wochen bewährt.
Vor allem während der Jugendentwicklung können Erdflöhe und Blattläuse auftreten. In der Regel wachsen sich die Schäden jedoch mit zunehmender Pflanzenentwicklung aus.
Bei feuchter Witterung tritt häufig Falscher Mehltau auf. Im Rahmen des Modell- und Demonstrationsvorhabens PLANTEIN konnten dadurch bislang keine relevanten Ertragsminderungen festgestellt werden. Da derzeit keine in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel für Quinoa verfügbar sind, bestehen im Schadensfall nur begrenzte Eingriffsmöglichkeiten.
Die Ernte erfolgt in der Regel zwischen Ende August und Ende September. Für Betriebe, die den Anbau von Getreide gewohnt sind, stellt die Quinoaernte häufig eine Umstellung dar, da die Pflanzen zum Erntezeitpunkt nicht vollständig abgereift und grün sind. Entscheidend für den optimalen Erntezeitpunkt sind vielmehr die Kornreife und die Kornfeuchtigkeit. Eine Kornfeuchtigkeit von unter 35 Prozent gilt als günstig, da dadurch Kornverletzungen weitgehend vermieden werden. Der Drusch erfolgt mit herkömmlichen Mähdreschern. Bislang haben sich Maschineneinstellungen bewährt, die denen beim Rapsdrusch ähneln. Dabei sollte insbesondere die Windstärke nicht zu hoch eingestellt werden, um Kornverluste zu vermeiden. Eine möglichst hohe Schnitthöhe reduziert den Anteil feuchter Pflanzenteile im Erntegut und erleichtert anschließend die Trocknung.
Der Kornertrag variiert je nach Standort und Witterungsverlauf erheblich und liegt zwischen einer und über drei Tonnen pro Hektar. Da das Erntegut häufig noch unreife Pflanzenteile enthält und die Körner eine vergleichsweise hohe Feuchtigkeit aufweisen, ist eine unmittelbare Trocknung nach der Ernte auf zehn bis zwölf Prozent Feuchtigkeit erforderlich.
Der Anbau von Quinoa befindet sich in Deutschland derzeit noch in einer Nische, zeigt jedoch eine leicht steigende Tendenz. Für landwirtschaftliche Betriebe kann die Kultur wirtschaftlich interessant sein, sofern gute Erträge erzielt und geeignete Vermarktungswege erschlossen werden können. Gleichzeitig besteht weiterhin Forschungs- und Entwicklungsbedarf, um die Anbausicherheit zu erhöhen. Dazu zählen insbesondere eine verbesserte Ertragsstabilität durch homogenere Sorten sowie eine höhere Standfestigkeit gegenüber Witterungseinflüssen.
Bisher ist Importware wesentlich günstiger im Preis, weshalb häufig die Direktvermarktung gewählt wird. Der sichere Verkauf ganzer Körner über den Lebensmitteleinzelhandel gestaltet sich schwieriger, größere Mengen lassen sich dagegen über Müslimischungen oder in der Backindustrie vermarkten.
Dass Quinoa inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes „in aller Munde“ ist, zeigt das große Interesse an dieser Kultur. Daraus entstehen Projekte zur Verbraucherakzeptanz über anwendungsorientierte Anbauversuche bis hin zur züchterischen Weiterentwicklung neuer Sorten.
Projekttitel
MuD Proteine leguminosenfreier Anbaualternativen nicht tierischer Erzeugung in Nahrungsmitteln (PLANTEIN)
Projektlaufzeit
März 2025 bis Dezember 2027
Projekt- und Kooperationspartner
Projektförderung
Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Chancenprogramm Höfe.
Kontakt bei Fragen
Letzte Aktualisierung 24.07.2026