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Welche Herdenschutzzäune brauchen Rinder?

Rinder sind die meistgehaltenen Weidetiere in Deutschland. Das BZWW fasst kurz zusammen, welche Unterschiede und Besonderheiten Rinder ausmachen und gibt Empfehlungen, wie sie am besten vor dem Wolf geschützt werden.

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Herdenschutzzäune für Rinder

Ein Elektrozaun mit fünf Litzen und einer Gruppe Rinder an einer Tränke dahinter
Quelle: Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL) e.V.

Nicht nur für die Schafhaltung - auch für die Rinderhaltung ist die Rückkehr der Wölfe eine Herausforderung. Das deutschlandweite Wolfsmonitoring zeigt, dass die Wolfsbestände wachsen. Rinder sind im Vergleich zu Schafen oder Ziegen zwar deutlich wehrhafter gegenüber Wölfen, dies bedeutet jedoch nicht, dass Wölfe sie nicht angreifen würden. Aufgrund der Größe und Verteidigungsfähigkeit von Rindern meiden Wölfe bei ausreichend Alternativen ausgewachsene Tiere. Anders verhält es sich jedoch bei Kälbern, Jungrindern oder kleineren Rassen, wie Dexter oder Zwergzebu.

Die Barrierewirkung eines Elektro-Herdenschutzzauns für Rinder entsteht durch den Schmerz bei der Berührung. Dafür spielt der funktionierende Stromkreis die wichtigste Rolle, nicht die Zaunhöhe. Die Weidesicherheit und die Litzenabstände für Rinder hängen in erster Linie von deren Zuchtausrichtung (Milch- oder Mutterkühe) und von deren Alter ab. Entsprechende Hinweise sind der Tabelle auf Seite 13 zu entnehmen (Link zur Broschüre setzen). Muss ein wolfsabweisender Zaun installiert werden, sollte dieser mit den empfohlenen Litzen-/Drahthöhen von 20–40–60–90 Zentimeter über dem Boden gebaut sein. Der unterste Draht (20 Zentimeter über dem Boden) dient als Untergrabschutz. 

Für die Weidesicherheit von Rindern sind oft bereits 1 bis 2 Elektrolitzen auf einer Höhe von 60 und 85 cm ausreichend. Für die Wolfsabweisung müssen es 4 Litzen sein. Herdenschutzzäune nach den hier aufgeführten Empfehlungen sind aufgrund der großen Weideflächen (Mutterkühe) daher aufwendiger umzusetzen und entsprechend teurer als normale Weidezäune. Daher sollte unter anderem die Zumutbarkeit einer wolfsabweisenden Zäunung geprüft werden.

Link zu Empfehlungen für Anforderungen an geeignete Herdenschutzzäune

Zaunhöhe für Rinder
Quelle: BZWW

Was macht das Rind zum Weidetier?

Der Oberbegriff Rind meint vieles: Rinder sind Milchkühe und Mutterkühe, Ochsen und Bullen, Kälber und Färsen. Ihr Verhalten wird von Geschlecht, Alter und Rasse beeinflusst. Beispielsweise verteidigen Kühe ihre Kälber und erwachsene Bullen bilden eher territoriale Gruppen oder sind Einzeltiere.

Als Wiederkäuer sind Rinder in der Lage Pflanzenbestandteile wie beispielsweise Zellulose zu verwerten. Dank ihres mehrteiligen Magensystems und der mikrobiellen Verdauung sind sie ideal an Grünland als Nahrungsquelle angepasst. Daher sind Grünlandstandorte seit vielen Jahrhunderten eng mit der Rinderhaltung verbunden. Heutzutage werden die Nutzungsrichtungen Milch- und Fleischerzeugung unterschieden. Einige wenige Betriebe halten auch noch sogenannte Zweinutzungsrassen, die jedoch weniger wirtschaftlich sind.

10,4 Millionen Rinder lebten im Mai 2026 in Deutschland. Auf 100 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche kamen so statistisch gesehen etwa 62 Rinder. Mit 2,7 Millionen Tieren lebten dabei die meisten Rinder in Bayern. Darauf folgte Niedersachsen mit etwa 2,2 Millionen Tieren. (Quelle)

Wie wichtig sind Weidetiere?

Weidetiere haben viele wichtige Funktionen. Das BZWW beschreibt ihre Bedeutung für Wirtschaft, Kulturlandschaft, Umweltschutz, Tourismus und öffentliche Gesundheit.

Schafe auf der Weide

Milcherzeugung mit Weidehaltung

Eine Milchkuhherde besteht aus weiblichen Tieren, die männlichen gehen in eine separate Rindermast. Die Kühe weiden im geschlossenen Verbund, was bei den Betriebsverfahren Portions- und Umtriebsweide berücksichtigt wird. Milchkühe werden in der Regel saisonal über die Sommermonate auf Weiden gehalten. Wenn Kühe an 120 Tagen im Jahr für mindestens sechs Stunden auf der Weide stehen, kann deren Milch als „Weidemilch“ bezeichnet und vermarktet werden.

Auch wenn die Weidehaltung besonders tiergerecht ist, so stellt sie für Milchviehbetriebe eine organisatorische und ökonomische Herausforderung dar. Zur optimalen Fütterung der hochleistenden Milchkühe reicht eine reine Weidehaltung nicht aus. Weitere Energie- und Proteinfutter sowie Mineralstoffe müssen im Stall zugefüttert werden. Denn hohe Milchleistungen erfordern eine bedarfsgerechte Fütterung, um die Kühe lange gesund zu halten.

Sind Milchkühe in Weidehaltung klimaschädlich?

Mutterkühe - die Klassiker auf der Weide

Die Mutterkuhhaltung ist eine besonders tiergerechte Form der Rindfleischerzeugung. Die Tiere sind auf "Ansatz" gezüchtet und bilden viel Muskelmasse aus. Sie wandeln Grünland direkt in wertvolle tierische Proteine für die menschliche Ernährung um. Dabei leben sie im natürlichen Herdenverbund und trotzen Wind und Wetter. Bei guter betriebseigener Flächenausstattung ist die Mutterkuhhaltung wirtschaftlich günstig, da in der Vegetationszeit kaum zusätzliches Futter bereitgestellt werden muss. Ziel ist es, pro Kuh und Jahr ein Kalb zu erzeugen.

Robust-Rinderrassen bei den Mutterkühen zeigen teilweise wenig Herdenverbund. Sie bevorzugen eher ein individuelles Weiden und eignen sich damit gut zur Biotop-Pflege und für offene Weidelandschaften. Sie benötigen aber eine regelmäßige Anfütterung und den Menschenkontakt, da sie sonst scheu werden und verwildern.
 

Wie lässt sich Mutterkuhhaltung wirtschaftlich gestalten?

Fressverhalten von Weiderindern

Rinder fressen weniger selektiv als beispielsweise Schafe oder Ziegen. Sie haben ein relativ breites Nahrungsspektrum an verschiedenen Grünpflanzenarten. Rinder bevorzugen vor allem Gräser, krautige Pflanzen bis hin zu Blättern oder jungen Trieben von Gehölzen. Stachlige, bitter schmeckende oder hartlaubige Pflanzen werden eher gemieden.

Beeinflusst wird die Nahrungswahl vom jahreszeitlich unterschiedlichen Nährstoffgehalt der einzelnen Pflanzenarten sowie von ihrer Verfügbarkeit. Rinder bevorzugen Pflanzen, die schnell und in großen Mengen aufgenommen werden können. Anders als Schafe oder Pferde scharren Rinder im Winter nicht nach Futter unter der Schneedecke. Sie sind auf eine ausreichende Winterfütterung angewiesen.

Warum braucht Grünland Weidetiere?

Grünland braucht Weidetiere: Ohne Verbiss verbuscht es und verliert seine Artenvielfalt. Die verschiedenen Weidetiere wirken sich unterschiedlich aus.

Rinder auf Grünland

Haben Kühe auf der Weide eine Zukunft?

Zahlreiche Faktoren wirken sich auf die Effizienz der Weidehaltung aus. Wenn Weideflächen nicht arrondiert am Betrieb liegen, sind der Weideauftrieb und die Wasserversorgung der Tiere sehr zeit- und arbeitsintensiv. Weidehaltung erfordert dazu eine hohe Sachkenntnis der Tier- und Pflanzenbestände. Denn die unterschiedliche Zusammensetzung des Grünlandes hat großen Einfluss auf die Erträge und Qualitäten des Rinderfutters. Die Zusammensetzung wird wiederum von den natürlichen Standortbedingungen und den Bewirtschaftungsmaßnahmen, wie beispielsweise der Grunddüngung, geprägt. Und nicht zuletzt ist der Umgang mit dem Wolf für die Weidetierhaltenden zu einer zusätzlichen Herausforderung geworden.

Ideen, wie eine produktive und umweltfreundliche Milchwirtschaft auf Grünland gelingen kann, gibt Prof. Dr. Friedhelm Taube von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Interview. Er sieht in Mischformen aus ökologischer und konventioneller Wirtschaftsweise Chancen für die Milchviehhaltung. 

Wie sieht Milchviehhaltung künftig in Deutschland aus? 

Fachartikel entstanden in Zusammenarbeit mit Dr. Manfred Golze - Wildhalter Sachsen e. V. (Ehrenmitglied des Vorstandes)

 

Letzte Aktualisierung: 05.08.2026

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