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Innoherd: Vergrämung von Wölfen

Der Projektkoodinator von InnoHerd, Mirco Johannes, im Interview: Obwohl die Vergrämung mit Ultraschall nicht funktioniert hat, gab es doch einen Erfolg.

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„Die Vergrämung von Wölfen mit Ultraschall hat nicht funktioniert“

Porträtfoto Mirco Johannes von InnhoHerd
Quelle: Mirco Johannes

Wölfe mit Ultraschall und Lichtblitzen erschrecken und vertreiben – das war die Hoffnung beim Projekt InnoHerd. Dazu befestigte man Sensorhalsbänder an Schafen. Wenn die Halsbänder anhand von Flucht- und Stressreaktionen bei den Schafen erkannten, dass ein Wolfsangriff bevorstehen könnte, sollten sie Ultraschall und Lichtblitze aussenden. Doch keine Chance, die Wölfe ließen sich nicht beeindrucken.

Aber immerhin: Die Halsbänder erkannten recht zuverlässig, wann ein Angriff bevorstehen könnte. So könnten über eine App die Schafhaltenden alarmiert werden und eingreifen.

Passend zu unserem Themenschwerpunkt Vergrämung im BZWW-Infoletter vom Oktober 2025 haben wir dem Projektkoordinator von InnoHerd, Mirco Johannes, drei Fragen zum Projekt gestellt. Er antwortet stellvertretend für das Gemeinschaftsprojekt.

 

Warum haben Sie das Projekt begonnen? Was waren zu Beginn des Projekts Ihre Hoffnungen?

Wir haben das Projekt begonnen, weil die Schafhaltung in Niedersachsen und Deutschland zunehmend unter Druck geraten ist – einerseits durch geringe Wirtschaftlichkeit und bürokratische Hürden, andererseits durch die wachsende Wolfspopulation und die damit verbundenen Nutztierrisse. Klassische Herdenschutzmaßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde stoßen in der Praxis an Grenzen: Sie sind teuer, arbeitsintensiv oder in bestimmten Landschaften nicht umsetzbar.

Unsere Hoffnung war daher, mit einem innovativen technischen Ansatz – einem sensorbasierten Alarmhalsband – eine flexible und wirksame Ergänzung zum bestehenden Herdenschutz zu entwickeln. Ziel war, Angriffe frühzeitig zu erkennen, Wölfe durch Vergrämungsmaßnahmen (Lichtblitze und Ultraschalltöne) in die Flucht zu schlagen und Schafhaltende per App über den Angriff in Kenntnis zu setzen. Insgesamt wollten wir Schafhaltende entlasten und die Akzeptanz der Weidetierhaltung in einer von Wölfen besiedelten Kulturlandschaft sichern.

Inwieweit haben sich diese Hoffnungen erfüllt?

Einige Hoffnungen haben sich erfüllt, andere mussten wir anpassen:

Erfüllt: Wir konnten zeigen, dass eine zuverlässige Angriffserkennung über Bewegungsdaten möglich ist. Feldtests und Simulationen belegen, dass Flucht- und Stressreaktionen der Schafe messbar sind und als Warnsignal dienen können. Die Schafhaltenden bewerteten das System als nützliche Ergänzung, vor allem zur Stärkung ihres Sicherheitsgefühls und zur Reduzierung psychischer Belastungen. Auch die gesellschaftliche Akzeptanz solcher nicht letalen Maßnahmen erwies sich als sehr hoch.

Nicht erfüllt: Der ursprünglich geplante Vergrämungsansatz durch Ultraschall und Lichtblitze zeigte keine Wirkung auf Wölfe – die Vergrämung von Wölfen mit Ultraschall hat nicht funktioniert. Nachgewiesen haben wir das in Tests und im Austausch mit anderen Projekten, die ähnliche Ansätze verfolgten und ebenfalls in ihren Testreihen keine Wirkung nachwiesen konnten. Daher haben wir den Schwerpunkt des Projekts auf Erkennung und Alarm verlagert.

Offen: Weitere Tests müssten durchgeführt werden, um Bewegungsmuster weiter zu präzisieren und auf alle Halteformen zu übertragen. Technische Fragen wie Robustheit und Kosten müssen in weiteren Projekten optimiert werden. Die Zahlungsbereitschaft der Schafhaltenden liegt deutlich unter dem derzeit möglichen Listenpreis – eine Förderung wäre daher entscheidend.

Welche Schlüsse ziehen Sie für weitere Projekte und für die Vergrämung am Weidetier?

Aus InnoHerd nehmen wir drei zentrale Lehren mit:

  1. Fokus auf Erkennung statt Vergrämung: Akustische oder visuelle Abschreckung führt schnell zu Gewöhnungseffekten oder zeigt gar keine Wirkung. Erfolgversprechend ist hingegen die frühe Erkennung von Angriffen über verhaltensbasierte Sensorik.
  2. Integration statt Ersatz: Ein technisches System kann klassische Maßnahmen wie Zäune oder Herdenschutzhunde nicht ersetzen, sondern nur sinnvoll ergänzen. Es trägt zur psychischen Entlastung der Schafhaltenden bei und erhöht die gesellschaftliche Akzeptanz des Wolfs.
  3. Praxisnähe und Förderung: Die Systeme müssen robust, einfach handhabbar und bezahlbar sein. Ohne staatliche Unterstützung wird die Verbreitung begrenzt bleiben. Für weitere Projekte empfehlen wir, Kamerasysteme, GPS-Tracking und Schnittstellen zum Herdenmanagement zu integrieren.

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