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Dieser BZWW-Fachartikel ist in Zusammenarbeit mit dem Fachautor Dr. Hans Hochberg entstanden.
Als Grünland bezeichnet man Flächen mit Pflanzengemeinschaften aus ausdauernden Gräsern, Kräutern und Leguminosen. Diese Pflanzengemeinschaften sind an den jeweiligen Standort angepasst. Sie stehen im ökologischen Gleichgewicht mit ihrer tierischen Umwelt. Der Begriff Grünland umfasst also viele verschiedene und dabei extrem vielfältige und einzigartige Ökosysteme.
Die Vielfalt aus Pflanzenarten macht Grünland so wertvoll und erhaltenswert. Auf jeder Grünlandfläche kommen standortangepasste Pflanzengemeinschaften mit einem jeweils spezifischen Artenspektrum vor. So bilden sich beispielsweise Trocken- und Halbtrockenrasen, Heiden und Borstgrasrasen als ökologisch wertvolle Grünlandökosysteme.
In den meisten Fällen ist Grünland durch Waldrodung im Zuge der menschlichen Besiedlung entstanden. Eine Ausnahme ist das Salzgrünland.
Heute befindet sich Grünland fast ausschließlich auf Standorten, die nicht für die Nutzung als Ackerland geeignet sind. Grünland wird als Wiese oder Weide genutzt und unterliegt keiner regelmäßigen Bodenbearbeitung.
Diese Flächen sind entweder
Weidetiere auf Grünland fressen das Grundfutter direkt auf der Fläche, also ohne Technikeinsatz. Damit erfolgt auf natürliche Art und Weise eine tiergerechte Ernährung. Gleichzeitig wandelt das Weidetier Biomasse, die der Mensch nicht direkt essen kann, in die hochwertigen Nahrungsmittel Milch und Fleisch um.
Grünland bleibt nur bei regelmäßiger Nutzung erhalten. Es verhindert Erosion, speichert Kohlenstoff, schützt das Grundwasser und bietet vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum. Für Menschen bietet das Grünland Erholungs- und Erlebnisraum sowie Möglichkeiten für die Umweltbildung. In unserer heutigen Kulturlandschaft prägt Grünland die ökologisch wertvollsten Offenlandlebensräume.
Je nach Standort umfasst Grünland jeweils spezifische Pflanzengemeinschaften und wird unterschiedlich bewirtschaftet. Dies hat eine große biologische Vielfalt zur Folge. Man unterscheidet vier Grünland-Funktionstypen:
Landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften nicht nur Flächen, die vollständig einem der Grünland-Funktionstypen zuzuordnen sind. Oft haben die Flächen unterschiedliche Anteile an mehreren der Grünland-Funktionstypen. Das Beweidungssystem und die Beweidungsintensität hängen davon ab, zu welchem Grünland-Funktionstyp die Flächen gehören.
Die Beweidung aller Funktionstypen ist gleichzeitig auch Landschaftspflege, denn es werden stets spezifische Lebensräume für Pflanzen und Tiere erhalten. Die extensive Beweidung von Grünland mit ökologisch besonders schützenswerten Pflanzen- und Tierarten ist gemäß Bundesnaturschutzgesetz eine sehr wichtige Maßnahme der „erhaltenden Landschaftspflege“.
Weidetiere wirken in dreierlei Hinsicht auf Grünland ein:
Der Verbiss durch Weidetiere wirkt sich unterschiedlich auf die Pflanzengemeinschaften im Grünland aus. Denn die Tiere fressen nicht alle Pflanzenarten zur gleichen Zeit und in gleicher Menge, sondern je nach Schmackhaftigkeit und Geruch. Daher sind auf Weiden die verschiedenen Pflanzenarten in unterschiedlichen Wachstumsphasen anzutreffen. Die Pflanzenauslese der Weidetiere führt also zur spezifischen Artenvielfalt von Weiden.
Auch der Tritt der Weidetiere wirkt sich auf die Vielfalt des Pflanzenbestandes aus, da die verschiedenen Pflanzenarten unterschiedlich trittempfindlich sind. Der Weidetiertritt beeinflusst zudem das Bodengefüge und fördert die biologische Aktivität des Bodens sowie die Mikroorganismentätigkeit.
Jedes Weidetier gibt über seine Exkremente den größten Teil der Pflanzennährstoffe, die es mit dem Futter aufgenommen hat, wieder in den natürlichen Kreislauf zurück. Im Boden lebende Mikroorganismen wandeln Kot und Urin wieder in pflanzenverfügbare Nährstoffe um. Dies fördert das Wachstum der Pflanzengemeinschaften.
Rinder, Schafe, Ziegen – die Weidetiere unterscheiden sich in ihrer Anatomie und in ihrem Fressverhalten. Die einzelnen Weidetierarten wirken sich daher unterschiedlich auf die Artenzusammensetzung von Grünland aus. Die Folgen von Verbiss, Tritt und Exkrementen können sich gleichmäßig auf der gesamten Weidefläche oder auch mosaikartig zeigen.
Rinder beißen ein Pflanzenbüschel nicht sauber ab, sondern reißen es mit der Zunge ab. So gibt es auf Rinderweiden quasi keinen Kahlfraß, und die Pflanzen können wieder neu austreiben. Rinder gehen von allen Weidetieren am schonendsten mit dem Pflanzenbestand um. Sie meiden stachlige, bitter schmeckende oder hartlaubige Pflanzen.
Schafe verbeißen sehr tief und erfassen selbst die Bestockungszonen. Sie selektieren mit ihren kleinen Mäulern die für sie schmackhaftesten Pflanzen aus dem Bestand heraus. Sie meiden Borstgras, Fiederzwenke, Seggen, Wolfsmilch- und Enzianarten, Gold- und Silberdistel und vor allem Wacholder und Schwarzdorn. Daher breiten sich diese Arten auf Schafhutungen aus.
Ziegen verbeißen den Pflanzenbestand ebenfalls sehr tief und fressen selektiv. Sie bevorzugen die Blätter, Schösslinge und jüngeren Triebe von Gehölzen und drängen die Fiederzwenke zurück.
Weidetiere haben einen ausgezeichneten Futterinstinkt, wodurch sie zum Beispiel Giftpflanzen weitestgehend meiden.
Der Tritt von Rindern fördert das Wachstum von Untergräsern und von nicht staudenartigen Kräutern. Er schädigt die gemiedenen Pflanzen.
Das geringere Gewicht von Schaf und Ziege führt zu einer geringeren Trittbelastung. Ihr Tritt begünstigt untergrasreichere Bestände. Man spricht vom „goldenen Tritt“ der kleinen Wiederkäuer: Er verbessert die Grünlandnarbe (die oberste, durchwurzelte Bodenschicht) und fördert den Bodenschluss (den Kontakt zwischen Wurzeln und Boden). Besonders wertvoll ist der „goldene Tritt“ für die Deichpflege.
Rinder verteilen ihre Exkremente relativ unregelmäßig auf der Weide. Je ungleichmäßiger die Exkremente auf der Weide verteilt sind, desto vielfältiger und mosaikartiger ist in der Regel der Pflanzenbestand.
Auf Weiden mit Schafen sind die Exkremente in der Regel gleichmäßiger verteilt. Damit sind auch die Pflanzenarten tendenziell gleichmäßig über die gesamte Beweidungsfläche verteilt.
Ohne Beweidung und Verbiss kommt es auf Grünland zu Artenrückgang und Verbuschung. Offene Grünlandflächen und deren Pflanzengemeinschaften gehen nach kurzer Zeit verloren. Auch viele Tierarten verlieren ihren Lebensraum. Am stärksten gefährdet sind die artenreichsten, ökologisch wertvollsten Grünlandtypen.
Die Beweidung von bestimmten Pflanzengemeinschaften ist gemäß Bundesnaturschutzgesetz eine Maßnahme der erhaltenden Landschaftspflege. Gleichzeitig ist sie das wichtigste biologische Pflegeverfahren. Denn im Gegensatz zur maschinellen Mahd fördern weidende Tiere mit ihrem Fress- und Trittverhalten sowie ihren Exkrementen die biologische Vielfalt des Grünlandes in besonderer Weise. Deshalb nehmen Beweidungssysteme mit unterschiedlichen Weidetierarten und -rassen eine zentrale Stellung in der Landschaftspflege ein.
Die Beweidung von Grünland trägt maßgeblich zum Schutz von spezifischen Arten, Biotopen und Lebensräumen für viele Pflanzen und Tierarten bei. Darüber hinaus dient sie dem regionalen Klimaschutz, indem sie die Speicherfunktion des Bodens für Kohlendioxid unterstützt. Zusätzlich stärkt sie die Puffer- und Filterfunktion für Grundwasser und Oberflächengewässer.
Die Beweidung von Grünland ist als umweltschützendes, kulturelles, soziales und wirtschaftliches Gut zu betrachten.
Grünlandwirtschaft in Deutschland Grundlagen
Viermal im Jahr aktuelle Infos zu Weidetierhaltung, Herdenschutz und Wolf.
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