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Einen nicht elektrifizierten Zaun kann ein Wolf auf mehreren Wegen überwinden. Steht ein Herdenschutzzaun jedoch unter Strom, erhält der Wolf bei Berührung einen schmerzhaften Stromschlag.
Damit der Stromschlag stark genug ist, muss der Zaun wirkungsvoll geerdet sein. Wie die Erdung technisch funktioniert, erfahren Sie auf dieser Seite.
Ein elektrischer Herdenschutzzaun hat folgende Bestandteile:
Der Strom aus der Stromquelle wird vom Weidezaungerät abgegeben. Der Stromkreis besteht aus dem leitfähigen Material des Zauns (Drähten, Litzen, Netzen), dem Erdreich, den Erdungsstäben sowie Verbindungskabeln zum Weidezaungerät.
Allerdings gibt es zunächst keine Verbindung zwischen Zaun und Erdreich: Der Stromkreis ist offen, es fließt kein Strom.
Berührt ein Wolf den unter Strom stehenden Zaun, schließt er unbewusst den Stromkreis: Der Strom fließt durch das Tier hindurch zum Boden – und zwar von dem Körperteil, das den Zaun berührt, durch den ganzen Tierkörper bis hin zu dem Körperteil, das den Boden berührt. Das Erdreich transportiert den Strom weiter. Über die metallenen Erdungsstäbe und Verbindungskabel fließt er zum Weidezaungerät zurück.
Für den Wolf ist das schmerzhaft: Er bekommt einen Stromschlag.
Je nach Dimensionierung der Zaunanlage und der Erdung fließt dabei „mehr“ oder „weniger“ Strom durch den Wolf hindurch. Der Stromschlag ist mehr oder weniger schmerzhaft.
Bei einem wolfsabweisenden Zaun geht es darum, dass ein Wolf am Elektrozaun einen möglichst starken, unangenehmen Stromschlag erhält. Dann kann dieses Erlebnis dauerhaft abschreckende Wirkung erzielen.
Wenn die Erdung nicht funktioniert, schließt sich der Stromkreis nicht. Der Wolf erhält keinen Stromschlag. Er kann den Zaun problemlos queren.
Dabei ist unwichtig, an welcher Stelle der Stromkreis unterbrochen ist: räumlich gesehen vor oder nach dem Tier. In einem geöffneten Stromkreis fließt grundsätzlich kein Strom.
Es gibt unterschiedliche Stellen, an denen der Stromkreis unterbrochen sein kein. Zum Beispiel könnten die Erdungsstäbe fehlen oder das Verbindungskabel zwischen der Erdung und dem Weidezaungerät unterbrochen sein.
Wenn ein wolfsabweisender Zaun nicht gut wirkt, ist oft die Erdung der Grund. Die Erdung muss ausreichend und richtig dimensioniert sein, damit der Wolf den Zaun nicht überwindet.
Ist die Erdung nicht ausreichend dimensioniert, wirkt sie ähnlich der Engstelle in einer Sanduhr, die die Menge des pro Zeiteinheit durchfließenden Sandes stark reduziert. Auf den Zaun bezogen drosselt die unzureichende Erdung den Stromfluss, der im geschlossenen Stromkreis zurückfließt.
Das bedeutet: Der elektrische Schlag, den der Wolf erhält, ist schwächer als ein Stromschlag bei vollem Stromfluss. Im schlimmsten Fall fließt ein so geringer Strom durch den Wolf, dass er fast nichts bemerkt oder nur ein leichtes Kribbeln verspürt. Dann kann er die Weidetiere trotz Elektrozauns angreifen.
Die Erdungsstäbe sind dann ausreichend dimensioniert, wenn sie in etwa so viel Strom aufnehmen können, wie das Weidezaungerät abgibt.
Die Dimensionierung der Erdung richtet sich daher unter anderem nach der Leistungsstärke des Weidezaungeräts.
Die Faustregel (und Mindestempfehlung) für die Planung lautet: Pro Joule Impulsenergie des Weidezaungeräts braucht man einen Meter Erdungsstab.
Beispiele für die Dimensionierung der Erdung:
| Impulsenergie | 1,0 bis 1,5 J | 1,6 bis 5 J | 6 bis 15 J |
|---|---|---|---|
| Erdstablänge | 1 m | 1 m | 2 m |
| Anzahl Erdstäbe | 1 | 2 | 3 |
Quelle: BZWW, in Anlehnung an DIN VDE 0131, vgl. Seite 7
Diese Angaben gelten für feuchte und gut leitfähige Böden. Bei trockenen und schlecht leitfähigen Böden ist auf eine ausreichende Erdung zu achten. Dafür können die Anzahl Erdstäbe erhöht oder die Erdstablänge vergrößert werden.
Um herauszufinden, ob eine bestehende Erdung ausreichend ist, ist ein Erdungstest sinnvoll. Dabei misst man die Spannung am letzten Erdungsstab, nachdem man einen Kurzschluss hergestellt hat. Diese Spannung sollte maximal 500 Volt betragen.
Eine praktische Anleitung für den Erdungstest befindet sich in der DVL-Broschüre Weidezäune richtig erden. Grundlagen des Stromkreislaufs und Praxishinweise zur Installation der Erdung.
Trockene Böden leiten Strom schlechter oder gar nicht. Daher kann es passieren, dass bei Dürre eine eigentlich korrekt angelegte Erdung nicht funktioniert.
Was können Weidetierhaltende tun, damit die Erdung trotz Trockenheit funktioniert? Das BZWW hat in einem Fachartikel 12 Tipps für die Erdung bei Trockenheit zusammengestellt.
Im Rahmen des Projekts „Herdenschutz in der Weidetierhaltung“ des Deutschen Verbands für Landschaftspflege e. V. (DVL) sind umfangreiche und praxisrelevante Info-Materialien rund um das Thema Erdung entstanden.
Das Projekt ist Teil der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz in der Projektphase Wissen – Dialog – Praxis. Das Projekt endete zum 31. Oktober 2024.
Viermal im Jahr aktuelle Infos zu Weidetierhaltung, Herdenschutz und Wolf.
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