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Die Wolfsrisse in Deutschland nehmen zu – das belegen die Zahlen des DBBW sehr deutlich. Die Mehrheit der wolfsverursachten Nutztierschäden betrifft kleinere Tiere wie Schafe und Ziegen, aber auch größere Nutztiere, wie Rinder und Pferde, sind bedroht.
Bei Schaf- und Ziegenherden können Herdenschutzhunde ergänzend zu Herdenschutzzäunen zum Einsatz kommen. Bei Pferden ist das nicht ganz einfach: In vielen Fällen ist ein Pferdehof der Öffentlichkeit zugänglich, beispielsweise für den Reitsport, was ein reges Kommen und Gehen mit sich bringt.
Im Jahr 2025 erschien eine Studie zum Verhalten von Herdenschutzhunden, die häufigen Kontakt zur Öffentlichkeit haben. An dieser Studie beteiligt waren Konstanze Krüger-Farrouj, Professorin für Pferdehaltung, und Maren Bernau, Professorin für Tierzucht und Nutztierhaltung. Beide sind an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen tätig.
Die BZWW-Redaktion hat ihnen zum Thema Herdenschutz bei Pferden ein paar Fragen gestellt.
Die Auffassung, Pferde könnten sich gegen Wölfe wehren, ist eine Fehleinschätzung. Sie sind Fluchttiere. Pferdestuten rufen bei Wolfspräsenz zwar zunächst ihre Fohlen zu sich. Wenn Wölfe aber angreifen, dann suchen Pferde ihr Heil in der Flucht. Das gleiche gilt für Esel, Schafe, Ziegen und Neuweltkameliden (Alpakas und Lamas). Wenn man bedenkt, dass Wölfe im Yellowstone-Nationalpark wieder angesiedelt wurden, um die Bisonpopulation zu reduzieren und dabei sehr erfolgreich sind, dann wird deutlich: Unsere Nutztiere (Bisons, Pferde, Esel, Schafe, Ziegen und Neuweltkameliden) gehören sehr wohl zu den Beutetieren der Wölfe.
Prinzipiell fänden wir es gut, wenn sich Pferdebesitzende mit dem Thema des Pferdes als potentielles Beutetier auseinandersetzen würden. Weiterhin sollte diese Diskussion in der Gesellschaft mehr Anerkennung finden, damit sachlich und neutral über Handlungsoptionen gesprochen werden kann. Das würde bereits eine große Erleichterung für viele Pferdebesitzende darstellen.
Pferdebesitzende sollten sich zudem über mögliche Herdenschutzmaßnahmen in ihrer Region informieren. Je nach Betriebsstruktur wäre es sinnvoll, sich Gedanken zum Beispiel über den Schutz der Pferde durch eine erhöhte Präsenz von Personen, durch wolfsabweisend abgezäunte Nachtpaddocks und/oder durch Herdenschutzhunde zu machen.
Die größte Herausforderung stellt der enorme Flächenbedarf der Pferde dar. Pferde sind Lauftiere und sollten täglich 6 bis12 Kilometer zurücklegen. Flächen, die dies zulassen, mit wolfsabweisenden Zäunen zu umzäunen ist teuer und die Pflege der Zäune mit großem Arbeitsaufwand verbunden. Je nach Topografie der Weideflächen kann ein solcher Zaun nicht errichtet werden. Hier müssen alternative Herdenschutzmaßnahmen eingesetzt werden.
Es wird hinlänglich berichtet, dass die Anwesenheit von Personen der effektivste Schutz gegen Beutegreifer sei. In der Pferdehaltung in Deutschland ist eine Hütehaltung jedoch so gut wie nicht bekannt.
Es ist möglich, Pferde mit Herdenschutzhunden zu vergesellschaften und Pferde auf den Weiden von diesen Hunden bewachen zu lassen. Der Einsatz von Herdenschutzhunden gelang den in Deutschland von uns beobachteten Betrieben sehr gut. Die größte Herausforderung, welche uns von den Betriebsleitenden berichtet wurde, stellt die fehlende Akzeptanz der Herdenschutzhunde in der Öffentlichkeit dar. Bei sehr großem Druck durch die Öffentlichkeit (beziehungsweise Nachbarschaft) mussten Herdenschutzhunde gelegentlich wieder abgeschafft werden.
Erfolgreich können Herdenschutzhunde in den Betrieben nur dann eingesetzt werden, wenn sie bis zu zwei Jahre lang in ihre Aufgaben eingearbeitet werden. Kennt der Herdenschutzhund seine Aufgaben, passt er sich den verschiedenen Gegebenheiten unterschiedlicher Betriebe an, zum Beispiel auch an Betriebe mit Publikumsverkehr. In der Regel brauchen auch die Betriebe etwas Zeit, sich an diese Art von Hund zu gewöhnen.
In Italien wurde uns geraten, bei hoher Wolfspräsenz Pferde über Nacht in der Nähe von Menschen in Stallungen oder auf Paddocks mit wolfsabweisenden Zäunen aufzustallen und dieses Gebiet zusätzlich von Herdenschutzhunden beschützen zu lassen. Die Präsenz von Menschen stelle die effektivste Abwehrmaßnahme dar. Diese Personen können sich von Herdenschutzhunden effektiv unterstützen lassen.
Viermal im Jahr aktuelle Infos zu Weidetierhaltung, Herdenschutz und Wolf.
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