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Behirtung in Frankreich – anderes Land, anderer Herdenschutz?

Frankreich geht beim Herdenschutz einen eigenen Weg und setzt stark auf Behirtung. Das BZWW beschreibt das Vorgehen von Frankreich und die Unterschiede zu Deutschland.

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Herdenschutzhund in Frankreich.
Quelle: BenC/Moment via Getty Images

„Zwischen Hund und Wolf“ (entre chien et loup) nennt man in Frankreich die Dämmerung – den Zeitraum, in dem Hirtinnen und Hirten ihre Hunde kaum vom Wolf unterscheiden können.

Dieser Ausdruck hat heute immer noch seine Berechtigung: Frankreich setzt beim Schutz vor dem Wolf auf die Behirtung, teils unterstützt durch Herdenschutzhunde.

Damit unterscheidet sich Frankreich von den meisten anderen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland.

Weidetiere und Wolf in Frankreich (Stand: 2024)

Tierbestand (nicht nur Weidehaltung):
  • 16,5 Millionen Rinder
  • 6,5 Millionen Schafe
  • 1,3 Millionen Ziegen

Quelle: https://www.insee.fr/fr/statistiques/serie/001752511, https://www.insee.fr/fr/statistiques/serie/001752904, https://www.insee.fr/fr/statistiques/serie/001753037

Wölfe:
  • 1.013 (mittlerer Schätzwert)

Quelle: https://www.loupfrance.fr/bilan-annuel-du-suivi-de-la-population-de-loups-2024/

Wolfsschäden:
  • bestätigte Übergriffe: 3.881
  • bestätigte Risse: 10.524

Quelle: https://pna-loup.developpement-durable.gouv.fr/IMG/pdf/250523_bilan_final_2024_v2.pdf

Wie unterscheiden sich die Herdenschutz-Ansätze in Frankreich und Deutschland?

Schafherde mit Hirte in den französischen Bergen.
Quelle: Owen Franken/Corbis Documentary via Getty Images

Frankreich setzt beim Schutz der Weidetiere vor dem Wolf stark auf die menschliche Präsenz und fördert das Hirtentum in der Nutztierhaltung. In Deutschland hingegen fördern die Bundesländern vor allem investive Kosten für Herdenschutzzäune. Teilweise gibt es auch Förderungen für betriebliche Kosten und für Herdenschutzhunde.

Kurz gesagt: Frankreich fördert Arbeit, Deutschland fördert Technik.

In Frankreich entfallen 80 Prozent der finanziellen Unterstützung im Herdenschutz auf die sogenannte „verstärkte Bewachung“ (gardiennage renforcé) (Quelle). Der Anteil für Zäune und Hunde ist deutlich kleiner. Die Zuschüsse für die Herdenschutzmaßnahmen belaufen sich in unserem westlichen Nachbarland pro Jahr auf rund 40 Millionen Euro. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 2024 knapp 23,5 Millionen Euro.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen beiden Ländern ist die Art und Weise, wie mit dem Wolf umgegangen wird: In Deutschland konzentrierte man sich bisher auf Problemwölfe, die (mit beschränktem Erfolg) gezielt entnommen wurden. In Frankreich hingegen hat sich aufgrund der Schafhaltung in den Bergen ein Regulierungsansatz herausgebildet. Dieses Vorgehen ist mit der EU eng abgestimmt. In Frankreich werden bis zu 23 Prozent des Wolfsbestandes entnommen.

Aus welchen Gründen setzt Frankreich stärker auf Behirtung?

Schaf in den französischen Bergen.
Quelle: ICHAUVEL/Moment via Getty Images

Vor allem drei Gründe sind dafür ausschlaggebend, dass Frankreich beim Herdenschutz stärker auf Behirtung setzt:

  1. Ein großer Teil der französischen Weidetiere wird extensiv in Gebirgsregionen gehalten. Der Bewuchs der Flächen ist gering, sodass die Hirten mit ihren Herden kontinuierlich über weitläufige, unübersichtliche Weideflächen ziehen müssen. Zudem ist das Gelände oft steil und schwer zugänglich. In der Praxis erweist es sich als kaum umsetzbar, Herdenschutzzäune durchgängig zu elektrifizieren und sie auf- und abzubauen. Behirtung ist unter diesen Bedingungen die sinnvollste Schutzmaßnahme.
  2. Frankreich hält mit rund 6,5 Millionen Schafen deutlich mehr Schafe als Deutschland (etwa 1,5 Millionen). Da Schafe besonders anfällig für Wolfsangriffe sind, spielt ihr Schutz eine entsprechend größere Rolle. Hinzu kommt, dass sich die größten Schafbestände und die meisten Wölfe in denselben Gebirgsregionen konzentrieren.
  3. Frankreich blickt auf eine lange Tradition der Schafzucht zurück. Die Herden wurden dort schon immer von Hirtinnen und Hirten begleitet und geschützt. Auf diese Erfahrung kann die Weidetierhaltung bis heute zurückgreifen.

Woher stammen die Gelder für die Behirtung in Frankreich?

Frankreich finanziert die Herdenschutzförderung zu 80 Prozent mit EU-Geldern. Die restlichen 20 Prozent sind nationale Mittel als Kofinanzierung.

Die EU-Gelder stammen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Dieser Fonds bildet die zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).

Für die Verwaltung dieser Gelder wären in Frankreich eigentlich die Regionen zuständig. Allerdings hat Frankreich für die Wolfspolitik eine Ausnahme geschaffen: Sie ist auf nationaler Ebene angesiedelt und wird zentral gesteuert. Dies ist in Frankreich nicht ungewöhnlich, denn das Land ist im Gegensatz zu Deutschland eher zentralistisch organisiert. 

Wie setzt Frankreich die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen um?

Zuständig ist das französische Ministerium für Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft und Ernährungssouveränität. Es gibt eine jährliche Ausschreibung, bei der die Tierhaltenden ihre Herdenschutzprojekte (in Frankreich vor allem Behirtung) einreichen können.

Im Plan Stratégique National (PSN) für die GAP 2023 bis 2027 sind in den Artikeln 70.26 und 73.16 die förderfähigen Herdenschutzmaßnahmen beschrieben und die Förderhöhe angegeben.

Die Kosten werden bis zu 80 Prozent erstattet. In bestimmten Wolfs- und Naturschutzgebieten ist eine Förderung bis zu 100 Prozent möglich. Neben der verstärkten Bewachung (Behirtung) werden aber auch Herdenschutzhunde (Anschaffung, Kastration/Sterilisation und Verhaltensprüfung, Haltung), Investitionen in Elektrozäune und die betriebliche Schwachstellenanalyse mit Blick auf die Gefahr von Wolfsübergriffen (Beratung) unterstützt.

Im Zusammenhang mit der Behirtung können sich Landwirte zwei Arten von Kosten fördern lassen:

  • die zusätzliche Arbeitszeit des Landwirts oder der Landwirtin,
  • die Anstellung von Hirten und Hirtinnen oder Hilfskräften.

Die Auszahlung erfolgt jährlich nach den tatsächlich entstandenen Kosten. Als Nachweise für die Behirtungskosten sind ein Weidetagebuch oder die Lohnabrechnungen einzureichen (Quelle).

Länder-Überblick Frankreich

Weitere Informationen zu Weidetieren und Wolf in Frankreich finden Sie in unserem Länder-Überblick Frankreich.

Letzte Aktualisierung: 27.07.2026

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