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Dank Weidetieren lässt sich mehr Fläche landwirtschaftlich nutzen – Gras wird zu Fleisch und Milch. Doch Weidetiere erzeugen nicht nur Lebensmittel. Sie sind darüber hinaus unverzichtbare Landschaftspfleger, die unsere Heimat offen, vielfältig und erlebbar machen.
Ohne Schafe, Ziegen, Rinder oder Pferde würden viele unserer artenreichen Naturräume in kürzester Zeit verbuschen. Weidetiere sichern wertvolle Biotope und Erholungsräume direkt vor unserer Haustür und stärken den regionalen Tourismus. Gleichzeitig leisten sie einen großen Beitrag zu unserer Sicherheit: In den Bergen und auf den Deichen festigen sie die Grasnarbe und schützen die Regionen vor Erosion und Überschwemmungen.
Die Bedeutung der Weidetierhaltung ist auch an den reinen Zahlen ablesbar:
Weidetiere begleiten die Menschheit schon seit der Neolithischen Revolution (dem Übergang zur Sesshaftigkeit) vor etwa 10.000 bis 12.000 Jahren. Sie haben nicht nur auf das menschliche Verdauungssystem Einfluss genommen, sodass heute viele Erwachsene Milch verdauen können. Vielmehr finden sich ihre Spuren in verschiedensten Bereichen unseres Alltags:
Weidetiere liefern viele verschiedene Produkte, etwa Fleisch, Milch, Wolle, Felle und Dünger. Damit tragen sie zum Einkommen für landwirtschaftliche Betriebe bei.
Mit Fleisch von Weidetieren kann sich Deutschland im folgenden Umfang selbst versorgen:
Jede Weidetierart ist ein Wirtschaftsfaktor:
Der geringe Selbstversorgungsgrad bei Schaffleisch weist bereits auf ein ökonomisches Problem in der Schaf- und Ziegenhaltung hin: Heimische Produkte stehen in Konkurrenz zu Importprodukten aus dem Ausland.
Das gilt auch für Schafwolle, für die es in Deutschland kaum noch Verarbeitungsbetriebe gibt. Zudem erschweren strenge EU-Vorgaben für tierische Nebenprodukte (etwa Hygienisierungsvorschriften) die Vermarktung von Rohwolle erheblich. (Quelle)
Ein Drittel aller Rinder in Deutschland hat (zumindest zeitweise) Weidegang. Eine Besonderheit ist die Mutterkuhhaltung, bei der die Tiere den größten Teil des Jahres im Freien verbringen. Mit rund 610.000 von insgesamt knapp 11 Millionen deutschen Rindern ist diese Haltungsform ein kleiner Wirtschaftszweig, der sich aber in manchen Regionen fest etabliert hat.
Pferde sind ein wichtiger Wirtschaftszweig in unserer ländlichen Heimat: 2019 hielten über 42.000 landwirtschaftliche Betriebe Pferde, knapp die Hälfte davon als Pensionspferde.
Die deutsche Pferdewirtschaft erzielte 2019 einen Umsatz von schätzungsweise 6,7 Milliarden Euro. Etwa 10.000 Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe profitieren direkt oder indirekt von der Pferdehaltung. (Quelle)
Auch die Muskelkraft speziell von Pferden ist wirtschaftlich bedeutsam: Beim Rücken von Baumstämmen in empfindlichen Wäldern oder bei Fahrten und Transporten auf autofreien Inseln sind echte Pferdestärken unverzichtbar.
In Deutschland gibt es schätzungsweise 6.000 landwirtschaftliche Gehegewildhaltungen mit insgesamt rund 60.000 Tieren. Der geschätzte jährliche Pro-Kopf-Verzehr an Wildfleisch liegt hierzulande bei ungefähr 700 Gramm. (Quelle)
Beweidung schafft charakteristische Landschaften, etwa Heidelandschaften, Wacholderheiden, Deichlandschaften und Almen. Viele heute als „natürlich“ empfundene Landschaften Europas sind in Wahrheit das Ergebnis jahrhundertelanger Weidetierhaltung – ohne Weidetiere würden sich viele Regionen langfristig zu Wald entwickeln.
In der Kulturlandschaft übernehmen Weidetiere viele Aufgaben: Sie halten die Kulturlandschaft offen. Sie verhindern Verbuschung. Sie pflegen Deiche und Almen. Sie dienen als „lebendige Mähmaschinen“.
Jede Weidetierart hat dabei eigene Fraßstrategien. Schafe weiden und selektieren anders als Rinder, Ziegen haben wieder eigene Vorlieben. Auch Tritt und Dung – und somit die Auswirkungen auf den Boden – unterscheiden sich von Weidetier zu Weidetier.
Weidetiere erbringen zahlreiche Ökosystemdienstleistungen und tragen dazu bei, Klima, Biodiversität und Kulturlandschaften zu erhalten.
Durch Beweidung entstehen blütenreiche Wiesen, die Lebensraum für Insekten, Bodenbrüter und viele seltene Pflanzen bieten. Manche Orchideen verschwinden bereits nach wenigen Jahren, wenn Weidetiere fehlen. Auch der Dung der Tiere ist ein eigenes Ökosystem: Ein einzelner Kuhfladen kann mehreren hundert Insekten als Lebensraum dienen.
Dauergrünland speichert große Mengen Kohlenstoff und leistet so einen Beitrag zum Klimaschutz. Gleichzeitig übernehmen Weidetiere wichtige Aufgaben in der Landschaftspflege: Schafe halten Deiche und Flächen unter Solaranlagen offen, Ziegen helfen bei der Bekämpfung invasiver Pflanzenarten, die Beweidung verhindert die Erosion von Böden.
Urlaub in den Bergen ohne das Läuten von Kuhglocken? Kaum vorstellbar. Genauso wenig wie eine Heide ohne Heidschnucken oder ein Deich ohne Schafe. Weidetiere gehören nicht nur zum typischen Landschaftsbild, sondern tragen auch dazu bei, Kulturlandschaften zu pflegen und zu erhalten – genau so, wie Besucherinnen und Besucher sie erleben möchten. (Bild mit beglockter Kuh)
Weidetiere tun noch mehr für den Tourismus. So begleiten Pferde, Esel, Alpakas und Lamas Wanderungen und machen sie zu besonderen Naturerlebnissen. Häufig übernehmen die Tiere dabei sogar den Transport des Gepäcks.
Auch Ferien auf dem Bauern- oder Reiterhof leben vom direkten Kontakt mit Weidetieren. Für viele Menschen gehören diese Begegnungen zu den prägendsten Urlaubserinnerungen – oft ein Leben lang. Etwa 10.000 landwirtschaftliche Betriebe bieten in Deutschland Urlaub auf dem Bauernhof an. Die Ferienhöfe erwirtschaften damit jährlich einen Umsatz von rund 900 Millionen Euro.
Nicht zuletzt hat die Weidetierhaltung auch das Wegenetz vieler Regionen geprägt: Zahlreiche historische Triebwege, auf denen einst Herden zu ihren Weiden geführt wurden, sind heute beliebte Wanderwege.
In Weidelandschaften lässt es sich gut erholen. Der weite Blick entspannt die Augen. Hat man dann noch direkten Tierkontakt, kann dies Stress reduzieren.
Insbesondere Pferde kommen in verschiedenen Therapien zum Einsatz. Hier werden psychische und körperliche Leiden behandelt. Laut einer wissenschaftlichen Studie von 2013 bieten mehrheitlich Kleinunternehmen mit 1 bis 3 Mitarbeitenden und durchschnittlich 6 Pferden pferdegestützte Interventionen an. Therapeutisches Reiten und Voltigieren ist laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2020 in mindestens 790 Pferdesportvereinen und rund 640 organisierten Betrieben möglich. Laut Zahlen von 2020 kann man in mindestens 370 Pferdesportvereinen und rund 330 organisierten Betrieben speziellen Gesundheitssport mit dem Pferd ausüben.
Aber auch herkömmlicher Sport mit Pferden kann für die Gesundheit förderlich sein. 2020 gab es 77.334 Pferdesportvereine mit 682.380 Mitgliedern aller Alterklassen: von Kleinkindern bis hin zu Seniorinnen und Senioren.
Nicht zuletzt sind Lebensmittel von Weidetieren besonders gesund: Sie enthalten ein günstiges Verhältnis von Fettsäuren (Omega-6 und Omega-3) zueinander.
Letzte Aktualisierung: 27.07.2026
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