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Dieser BZWW-Fachartikel ist in Zusammenarbeit mit der Fachautorin Dr. Regina Walther und dem Fachautor Gerhard Schuh entstanden.
Der große Beutegreifer Wolf hat sich in Deutschland fast flächendeckend angesiedelt. Dadurch steigen die Anforderungen an die bisherige Weidesicherheit sowie der Bedarf an gesamtgesellschaftlicher Unterstützung für die Schaf- und Ziegenhaltenden. Galt es in der Vergangenheit, Tiere am Ausbrechen zu hindern, gilt es heute, zusätzlichen Schutz vor Beutegreifern zu gewährleisten. Dieser zusätzliche Schutz stellt einen großen zusätzlichen Aufwand für die Weidetierhaltenden dar.
Die Höhe eines wolfsabweisenden Zauns richtet sich nach der zu schützenden Tierart und den Anforderungen, die für die Ausbruchsicherung dieser Tierart gelten. Für Schafe und Ziegen muss ein Elektro-Herdenschutzzaun 90 Zentimeter hoch sein. Die Barrierewirkung für den Wolf entsteht durch den Schmerz bei der Berührung. Dafür spielt der funktionierende Stromkreis die wichtigste Rolle, nicht die Zaunhöhe.
Mobile Elektrozäune sind gut geeignet für die Schaf- und Ziegenhaltung und kommen in der Praxis oft zum Einsatz.
Wolfsabweisende Elektronetze haben eine bauartbedingte Höhe von 90 Zentimetern und führen auf mindestens 4 Litzen Strom. Die unterste, nicht stromführende Litze sollte der Geländekontur folgen. Die erste stromführende Litze sollte sich in etwa 20 Zentimetern Höhe über dem Boden befinden.
Mobile Netze bleiben nicht längere Zeit oder gar dauerhaft am gleichen Standort. Dadurch wächst der Zaun nicht ein. Allerdings ist die Haltbarkeit mobiler Netze durch das häufige Auf- und Abbauen auf maximal 3 Jahre begrenzt. Danach müssen sie in der Regel erneuert werden.
Elektro-Festzäune für Schafe sollten die gleichen Anforderungen erfüllen wie mobile Litzenzäune.
Feste Elektrozäune werden oft mit (Stahl-)Drähten gebaut. Auf massive Eckkonstruktionen ist zu achten, damit die Drähte dauerhaft ihre Zugspannung behalten.
Stabilzäune sind nicht elektrifiziert und kommen bei Schafen eher in der Hobbyhaltung zum Einsatz.
Die Stabilzäune dürfen keine Durchschlupfmöglichkeiten für Wölfe bieten. Sie sollten mit einem Überkletterschutz (elektrische Litze) und einem Untergrabschutz (elektrische Litze / eingegrabenes Geflecht oder Schürze) versehen sein.
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Empfehlungen für Anforderungen an geeignete wolfsabweisende Herdenschutzzäune
Ziegen und Schafe gehörten zu den ersten Wildtieren, die vor etwa 10.000 Jahren durch den Menschen domestiziert wurden. Gründe dafür liegen in ihrer Anspruchslosigkeit, einfachen Handhabbarkeit, ihrer Marsch- und Pferchfähigkeit sowie in den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten.
Neben der Erzeugung von Fleisch, Wolle und Milch dient die Schafhaltung in Deutschland zum überwiegenden Teil der Erhaltung und Pflege des natürlich vorkommenden Grünlands. Diese Pflegeleistung wird im Wesentlichen durch die Futternutzung – und damit durch Beweidung – realisiert. Durch die Beweidung bilden sich beispielsweise Trocken- und Halb-trockenrasen, Heiden und Borstgrasrasen als ökologisch wertvolle Grünlandökosysteme. Als sogenannte Samentaxis befördern Schafe und Ziegen Pflanzensamen weiter und vergrößern damit die Biodiversität der Regionen. Insbesondere die Schafhaltung ist zudem ein wichtiger Bestandteil der Deichpflege für den Hochwasserschutz.
Ziegenherden, auch im Mischbestand mit Schafen, werden immer öfter zur zielgerichteten erhaltenden Landschaftspflege eingesetzt. Ziegen können einen hohen Anteil ihres Futterbedarfs mit Blättern, jungen Gehölztrieben und Rinde decken. Daher bietet die Beweidung mit einer Ziegenherde eine sowohl kosteneffiziente als auch umweltverträgliche Art der Beseitigung von unerwünschten Pflanzenarten. Ziegen können Gestrüpp und Verbuschungen schnell beseitigen und eignen sich besonders für die Pflege verbuschter Magerrasen.
Schafe und Ziegen werden stets im Herdenverbund gehalten. Als Wiederkäuer verfügen sie über ein komplexes Verdauungssystem mit mehreren Mägen und können somit rohfaserreiche und schwer verdauliche Futtermittel verwerten. Daher gelten sie als relativ anspruchslose Nutz- und Weidetiere. Schafe und Ziegen werden aufgrund ihrer vergleichsweisen geringen Körpergröße auch als kleine Wiederkäuer bezeichnet.
Schafe wurden in der Vergangenheit vor allem als Fleischlieferant, Opfertier und Tauschobjekt genutzt. Auch Schaffelle und Wolle wurden als gut bearbeitbare und langlebige Materialien geschätzt. Noch heute sind die Grundtypen – Wolle, Fleisch oder die Kombination beider Eigenschaften – bei den Schafrassen erkennbar und werden weiterhin züchterisch bearbeitet und entwickelt. Das Schaf konnte den unterschiedlichen, oft wechselnden Anforderungen der Märkte durch Veränderung der Zucht und Nutzung immer wieder erfolgreich gerecht werden.
In vielen Teilen der Welt stellt die Schafhaltung noch heute die Grundlage für eine regelmäßige Versorgung mit hochverdaulichem Eiweiß in Form von Milchprodukten und Fleisch dar. Dies spielt insbesondere in den trockenen und halbtrockenen Gebieten eine große Rolle. Oftmals macht die Schafhaltung in diesen Gebieten das Siedeln des Menschen erst möglich.
Die Ziege bietet dem Menschen seit vielen Jahrteusenden neben dem Fleisch vielfältige Ressourcen. Das wertvolle Nahrungsmittel Ziegenmilch war anfangs leichter zugänglich als Kuhmilch. Ziegenhäute, die weicher und fester als Schafhäute sind, wurden zu Gefäßen und Kleidung verarbeitet. Darüber hinaus wurden Haare, Fett, Knochen, Hörner und Dung der Ziegen genutzt. Das neugierige – und im Vergleich zum Schaf weniger ängstliche – Verhalten der Ziege und ihre Anpassungsfähigkeit an alle Biotope sowie an andere Haustiere begünstigte ihre Entwicklung, Haltung und Zucht.
In der neueren Geschichte war die Ziege als „das Vieh der kleinen Leute“ oder „die Kuh des kleinen Mannes“ bekannt. Sie diente vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zur Eigenversorgung und als Einkommensquelle. Heute erlebt die Ziegenhaltung eine Renaissance und bietet viele interessante Möglichkeiten.
Traditionell wurden Schaf- und Ziegenherden früher von Hirtinnen und Hirten gehütet. Diese Menschen verbrachten die meiste Zeit, teils auch nachts, bei den Tieren und hüteten ihre Herden. Es entstand ein Traditionsberuf, der sich durch eine besondere Nähe zwischen Mensch und Tier auszeichnete.
Mittlerweile gibt es nur noch wenige Hirtinnen und Hirten in Deutschland. Neben Nachwuchsproblemen und einem im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Betriebszweigen niedrigen Lohnniveau stellt die Rückkehr des Wolfs den Berufsstand zusätzlich vor große Herausforderungen.
Letzte Aktualisierung: 27.08.2026
Viermal im Jahr aktuelle Infos zu Weidetierhaltung, Herdenschutz und Wolf.
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