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Wölfe haben sich in Deutschland stark verbreitet und stehen unter Schutz. Daher sind Weidetiere heute fast überall in Deutschland gefährdet, von den Raubtieren gerissen zu werden.
Bisher mussten Weidetierhaltende ihre Tiere durch einen Zaun lediglich vor dem Ausbruch sichern. Diese sogenannte Weidesicherheit war den Bedürfnissen der unterschiedichen Tiere (Schafe, Rinder oder Pferde) angepasst. Um Wölfe von einem Übergriff auf eine Herde abzuhalten, reicht aber die übliche Weidesicherheit nicht mehr aus.
Die Weidetierhaltenden müssen zusätzlich höhere und stärker elektrifizierte Zäune bauen beziehungsweise Hunde zur Verteidigung anschaffen. Dieser sogenannte Herdenschutz erhöht jedoch stark den personellen und finanziellen Aufwand der Tierhaltenden.
Dazu kommt: Nicht immer und überall wirkt der Herdenschutz gegen Wölfe. Auch ist Herdenschutz nicht in jeder Region möglich und zumutbar. Viele Weidetierhaltende stehen in der Praxis vor großen Schwierigkeiten, wenn sie ihre Tiere wirksam schützen wollen.
In Deutschland gilt seit Mitte 2025 in fast allen Regionen erstmals ein „günstiger“ Erhaltungszustand für den Wolf. Außerdem wurde der Schutzstatus des Wolfs in der Berner Konvention zum 7. März 2025 von „besonders geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft. Daher wird dieser große Beutegreifer in Deutschland 2026 in das Bundesjagdgesetz (BJagdG) aufgenommen.
Oberste Priorität hat weiterhin ein praxistauglicher und finanzierbarer Herdenschutz. Dieser besteht aus dem Bau von Herdenschutzzäunen, dem Einsatz von Herdenschutzhunden sowie der Entnahme von Wölfen. Länder in Regionen mit hoher Wolfsdichte und günstigem Erhaltungszustand sollen zukünftig ein Bestandsmanagement einführen.
Wenn Wölfe Herdenschutzmaßnahmen überwinden, sollen sie rechtssicher entnommen werden können. In Gebieten, in denen Herdenschutz durch Zäune oder Hunde unzumutbar ist – etwa in Teilen der alpinen Region –, soll eine Entnahme zur Vermeidung von Weidetierrissen ebenfalls möglich sein.
Der Bund unterstützt die Bundesländer bei der Finanzierung von Herdenschutzmaßnahmen im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK). Bedingt durch das föderale System, gibt es in Deutschland ein komplexes Geflecht aus Förderungen rund um den Herdenschutz und aus Regelungen rund um den Schadensausgleich für gerissene Tiere.
Die Weidetierhaltung nimmt eine Schlüsselrolle bei der Pflege und Erhaltung von Ökosystemen wie Heide- und anderen Offenland-Kulturlandschaften, bei der Erhaltung alter seltener Nutztierrassen sowie (im Falle der Deichschäferei) beim Küstenschutz ein.
Die Weide dient vielen Schafen, Ziegen, Rindern und Pferden als Nahrungsgrundlage. Gleichzeitig halten die Weidetiere damit viele Landschaften in Deutschland offen. Das bedeutet: Diese Gegenden verbuschen nicht und dienen weiter als vielseitige Kulturlandschaften. Doch was genau sind die Vorzüge der Haltung von Weidetieren?
Weidetiere erzeugen nachhaltig Fleisch, Milch und Wolle auf den Weiden. Denn durch das Weiden verwerten die sogenannten Wiederkäuer für den Menschen nicht nutzbare Nährstoffe (vor allem in Form von Gras).
Schafe pflegen mit ihrem Biss und Tritt Deiche besser, als es Maschinen könnten. Sie betreiben aktiven Küsten- und Hochwasserschutz in Deutschland. Außerdem lassen sich schwierig erreichbare Gebiete (etwa in den Bergen) am besten mit trittfesten Weidetieren landwirtschaftlich nutzen.
Auf Weiden ist die Artenvielfalt an Gräsern, Kräutern und Insekten besonders hoch. Die Exkremente der Weidetiere dienen als Nährstoffquelle für viele Insenkten und als Dünger für die Pflanzenwelt. Insbesondere Schafe werden gern als „Samentaxi“ bezeichnet: Über Fell, Hufe und Kot transportieren sie Pflanzensamen und Kleintiere, was die genetische Vielfalt fördert.
Teilweise gefährdete Kulturlandschaften wie Magerrasen oder Bergwiesen bleiben nur durch die Beweidung mit Nutztieren erhalten.
Auch die Statistik beweist die große Bedeutung von Weidetieren in Deutschland:
* in Betrieben ab 20 Tieren.
** in Betrieben ab 10 Tieren.
Seit Ende der 1990er-Jahre wanderten die zuvor ausgerotteten Wölfe von Osten her wieder nach Europa ein. Jagd auf Wölfe war verboten, da die Art europarechtlich streng geschützt war. Dadurch konnten sich die Wölfe ungehindert in Deutschland vermehren.
Zur Beute der Wölfe gehören nicht nur Wild wie Rehe und Hirsche, sondern auch Weidetiere. In Deutschland und vielen weiteren europäischen Ländern kommt es zunehmend und regelmäßig zu Übergriffen von Wölfen auf Weidetiere. Dabei töten und verle tzen die großen Beutegreifer viele Schafe, Rinder und Pferde.
Die aktuellen Daten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) für 2024 ergaben über 1.100 amtlich nachgewiesene Übergriffe von Wölfen auf Weidetiere. Dabei wurden 4300 Tiere getötet und verletzt. Insbesondere in den Gebieten, wo sich viele Wölfe aufhalten, ist das Risiko eines Übergriffs hoch.
Ein Wolfsmanagement umfasst alle Aspekte des Umgangs mit dem Wolf, unter anderem:
Ein reguliertes Wolfsmanagement signalisiert: Die Sorgen der Weidetierhaltenden werden ernst genommen, ohne den Wolf aus dem Ökosystem zu verbannen. Schnelle Reaktionsmöglichkeit bei Rissvorfällen erhöhen die Akzeptanz des Wolfes.
Ziel ist eine praxistaugliche Balance zwischen Schutz- und Nutzungszielen, damit Weidetierhaltung als extensive Kulturlandschaftsnutzung dauerhaft möglich bleibt.
Für weidetierhaltende Betriebe ist entscheidend, dass Übergriffe und Folgekosten verlässlich minimiert werden. Ein Wolfsmanagement, das die Weidetierhaltung unterstützt, geht daher über Monitoring und rechtliche Vorgaben hinaus. Es umfasst vor allem praxistaugliche Prävention, schnelle Verfahren im Schadensfall und gegebenenfalls weitere Maßnahmen (beispielsweise Entnahmen).
Viermal im Jahr aktuelle Infos zu Weidetierhaltung, Herdenschutz und Wolf.
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