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Unterdrückungskraft von Zwischenfrüchten Integrierter Pflanzenschutz

Zwischenfrüchte können die Unterdrückung von Ausfallgetreide und Unkräutern fördern. Eine Integration in die eigene Fruchtfolge kann zur Reduktion des chemisch-synthetischen Pflanzenschutzes beitragen. Wie effizient sind Zwischenfrüchte in Reinsaat oder als Mischung?

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeder Standort bedarf einer abgestimmten Auswahl an Zwischenfrüchten,
  • Bodenverdichtungen wirken sich negativ auf den Deckungsgrad aus,
  • Mischungen von Zwischenfrüchten sind besser als Reinsaaten, weil sie die Stärken verschiedener Pflanzenarten kombinieren,
  • Besonders erfolgreich waren Mischungen mit Phacelia, Alexandrinerklee und Inkarnatklee,
  • Zwischenfrüchte können beim Verzicht auf Glyphosat durch ihre Unterdrückungskraft effektiv unterstützen.

Verschiedene Zwischenfrüchte besitzen eine unterschiedlich starke Unterdrückungskraft gegenüber Unkräutern. Wie stark eine Zwischenfruchtart Unkräuter, Ausfallgetreide und Ungräser beschatten, klein halten oder im Auflauf stören kann, können viele Praktiker oft bereits gut beurteilen. Allerdings ist die Leistung der unterschiedlichen Zwischenfrüchte von vielen Faktoren abhängig.

Eine Universallösung für jeden Standort und jede Situation wird es nicht geben. Es geht vielmehr darum, Vor- und Nachteile einzelner Arten sowie auch von verschiedenen Mischungen aufzuzeigen. Dabei wird das Ziel verfolgt, möglichst viele Stärken bei der Unterdrückung von Unkraut als Ergebnis, zum Beispiel in Mischungsempfehlungen, zu bündeln. Diese sollten idealerweise auch in Extremsituationen, wie besonders nassen oder trockenen Jahren, sowie auf unterschiedlichsten Standorten gut funktionieren.

Zwischenfrucht-Exaktversuche

Versuchsfragen zum Zwischenfruchtanbau zur Unterdrückung von Ausfallgetreide und Unkräutern:

  • Welcher Deckungsgrad wird im Mittelwert erreicht?
  • Wie gut kann die Zwischenfrucht Ausfallgetreide und Unkräuter unterdrücken?
  • Wie ist die Wurzelleistung bei Leguminosen bezogen auf Ausprägung der Knöllchen und Bodenstruktur?
  • Welche Zwischenfrüchte profitieren voneinander?
Parzelliertes Versuchsfeld am Standort Altenberge – 11 Wochen nach Aussaat.
Bild: Schulte, LWK NRW

In den Jahren 2022, 2023 und 2024 wurden nach der Getreideernte verschiedene Zwischenfrüchte in Reinsaat oder als Mischung in einer randomisierten Blockanlage mit vier Wiederholungen auf mindestens zwei Standorten pro Saison ausgedrillt. Die Aussaat erfolgte nach zweimaliger Stoppelbearbeitung, Tiefenlockerung und einer Bearbeitung mit einem Kreiselgrubber mit einer Hege Parzellendrillmaschine in der zweiten Augusthälfte. Eine Düngung der Zwischenfrüchte fand nicht statt. Die Parzellen hatten eine Mindestbreite von fünf Metern und eine Mindestlänge von zehn Metern. Je Standort wurden 32 Varianten aufgeteilt auf vier Blöcke ausgesät. 

Die Unterdrückungsleistung der Zwischenfrüchte bezieht sich auf den Unkraut-/Ungrasbesatz in den Strohkontrollen (eine je Block). Bonitiert wurde im November und folgend im Zeitraum von Ende Februar bis Mitte März. 

Deckungsgrad der Reinsaaten

Der Schlüssel zu einer guten Unterdrückung von Unkraut liegt in der ausreichenden Bodenbeschattung, die durch einen hohen Deckungsgrad der Zwischenfrüchte erreicht werden kann. Inkarnatklee und Rauhafer bedeckten den Boden in Reinsaat mit knapp 82 Prozent und bildeten einen durchgängigen Bewuchs. Dicht dahinter lagen Alexandrinerklee sowie Phacelia mit 75 und 71 Prozent. Lückiger wurde es bei Senf und Ölrettich mit 68 Prozent. Öllein erreichte mit 66 Prozent eine ähnliche Bedeckung wie Ölrettich.

Der Unterschied zwischen winterharten und abfrierenden Arten zeigte sich nach den Frosteinwirkungen im Winter. Eine Zwischenfrucht bleibt nur dann nachhaltig und erfolgreich, wenn sie ihre Funktion bis zur Bodenbearbeitung vor der Aussaat der Sommerung im Frühjahr erfüllt. Ramtillkraut fror bereits bei Temperaturen knapp über Null fast vollständig ab und hinterließ im März kaum organisches Material zur Bodenbedeckung. 

Auch Buchweizen, Senf und Phacelia sind nicht winterhart; im Frühjahr deckten letzte Pflanzenreste den Boden nur noch zu fünf Prozent ab. Ölrettich und Alexandrinerklee starben langsamer ab, zeigten aber im Frühjahr oft nur noch vereinzelte grüne Reste, die spätestens bei der Bodenbearbeitung verschwanden. Öllein starb sehr langsam ab und benötigte mehrere Frosttage mit Temperaturen unter minus drei Grad Celsius °C. In warmen Regionen kann dies problematisch werden, da die holzigen Fasern bei der Zerkleinerung, etwa mit einem Mulcher, zu Verstopfungen führen können.
 

Vermindertes Pflanzenwachstum durch Strohnester bei Phacelia.
Bild: Böckenförde, LWK NRW
Öllein reagiert empfindlich auf Fahrspuren durch den Drescher.
Bild: Böckenförde, LWK NRW

Neben Phacelia war auch bei Sommeröllein in Reinsaat eine enorme Reaktion auf Bodenverdichtungen zu erkennen. Besonders deutlich zeigte sich die Pflanzenreaktion auf einem schweren Standort in Nordwalde nördlich von Münster (NRW). Zur Aussaat im Herbst 2024 herrschten aufgrund ergiebiger Niederschläge grenzwertig feuchte Bedingungen.

Im November spiegelten sich die Bodenunterschiede in den Drescherspuren der vorherigen Ernte an diesem Standort eindrücklich im Höhenprofil der Pflanzen wider – nicht nur auffällig bei Sommeröllein, sondern neben Phacelia auch bei Senf. 

Unterdrückungsleistung von Reinsaaten

Öllein als Zwischenfrucht ist effektiv in der der Unterdrückung von Ausfallgetreide.
Bild: Böckenförde, LWK NRW

Unterdrückung von Ausfallgetreide (Herbst)

Öllein zeigte sich besonders effektiv in der Reduzierung von Ausfallgetreide. Die schmalen Pflanzen ließen trotz ihres aufrechten Wuchses und der eher "luftigen" Bodenbedeckung, die durch den Stängel und die mit kleinen Fiederblättern besetzten Triebe geprägt war, viel Licht auf den Boden. 

Mit einer "mittleren Bodenbedeckung" von 65 Prozent konnte Öllein insbesondere das Ausfallgetreide in den behandelten Parzellen stark reduzieren. Phacelia erreichte eine gute Unterdrückungsleistung von 64 Prozent, während Rauhafer eine Reduktion von 58 Prozent verzeichnen konnte.
 

 

Rauhafer ging ins Lager und bildete eine dünne, pergamentartige Deckschicht aus abgestorbenen Blättern und trug so dazu bei, die Keimung neuer Ungräser und Unkräuter bis in den März zu hemmen.
Bild: Böckenförde und Schulte, LWK NRW

Unterdrückung von Ausfallgetreide nach Frosteinfluss (Frühjahr)

Im Frühjahr zeigte Rauhafer die beste Leistung unter den Reinsaaten gegenüber Ausfallgetreide, mit einer Reduzierungsrate von knapp 50 Prozent. Zudem verzeichnete Rauhafer mit etwa 15 Prozent nur geringe Leistungseinbußen über den Winter.

Öllein folgte Rauhafer, mit einer Reduzierungsrate des Ausfallgetreides von 41 Prozent im März. Wie auch der Ölrettich, hatte Öllein über den Winter etwas mehr als ein Drittel seiner Leistung eingebüßt.

Phacelia präsentierte sich ebenfalls gut in der Reinsaat. Ihre Unterdrückungsleistung war zwar bis ins Frühjahr auf 37 Prozent gesunken – was einem Rückgang von 43 Prozent im Vergleich zur Herbstleistung entspricht – jedoch lag sie deutlich über der von anderen nicht winterharten Arten wie Senf oder Ramtillkraut.

 

Die sternförmig angeordneten Triebverzweigungen der Phacelia füllten kleinere Lücken im Bestand rasch und wirkungsvoll.
Bild: Böckenförde, LWK NRW

Unterdrückung von Unkräutern (Herbst)

Im Herbst zeigte sich Phacelia als konkurrenzstark gegenüber Unkräutern mit 70 Prozent Unterdrückungsleistung. Wo Lücken in der Pflanzendecke entstanden, konnte die Pflanze mit ihrem hohen Verzweigungspotential punkten. Die tief im Boden abgelegten, sternartig angeordneten Verzweigungen der Triebe schlossen kleinere Leerstellen schnell und effektiv. 

Allerdings stieß Phacelia an ihre Grenzen, wenn es zu Strohnestern oder Verdichtungen durch Fahrspuren vorheriger Arbeitsgänge kam. Der Ölrettich konnte eine Reduktion der Unkräuter von 68 Prozent im Herbst erzielen, während der Rauhafer eine Reduktion von 66 Prozent erreichte.

Dank günstiger Bedingungen im Frühjahr konnte der Inkarnatklee seine Leistung steigern, da viele Unkräuter zurückgingen oder abgefroren waren.
Bild: Böckenförde, LWK NRW

Unterdrückung von Unkräutern nach Frosteinfluss (Frühjahr)

Der Inkarnatklee konnte seine Leistung im Frühjahr auf beeindruckende 67 Prozent steigern. Ein Grund für diesen Erfolg war, dass viele der Unkräuter, gegen die der Inkarnatklee im Herbst noch Schwächen zeigte, wie zum Beispiel die Vogelmiere, zum Teil zurückgegangen oder abgefroren waren. Außerdem zeigte sich, dass Varianten wie Senf, Ölrettich und Buchweizen ihre Wirkung gegen Unkräuter am schlechtesten bis ins Frühjahr fortsetzen konnten. Auf einem höheren Niveau, mit einer Reduktion von 53 und 45 Prozent, lagen hingegen Rauhafer und Phacelia.

Mehrwert von Mischungen

Phacelia in Reinsaat (links) und Phacelia mit Alexandrinerklee (rechts). Der Mehrwert von Mischungen besteht in der Kompensation von Ausfällen und Lücken im Pflanzenbestand durch verschiedene Zwischenfruchtarten.
Bild: Böckenförde, LWK NRW

Keine der Reinsaaten konnte die im Herbst bonitierte Leistung vollständig bis ins Frühjahr halten. Für eine gute Unterdrückungsleistung ist eine rasche aber auch anhaltende Beschattung und Bedeckung des Bodens erforderlich. 

Insbesondere die Mischungen, die sich auf verschiedenen horizontalen Ebenen in ihrer Wuchshöhe aufteilten, zeigten gute Ergebnisse. Schnell wachsende Arten wie Phacelia und Alexandrinerklee bildeten das Dach und die erste Etage, der Inkarnatklee das Erdgeschoss. 

Das Gesamtniveau der Unterdrückungsleistung der getesteten Mischungen gegenüber den Reinkomponenten ist etwas höher, je nach Komponente und Boniturtermin. Also ein Zeichen, dass eine Kombination verschiedener Zwischenfruchtarten einen Mehrwert liefern kann. 

Ziel ist es, dabei so zu kombinieren, dass die Schwächen einer Art durch eine andere kompensiert, das heißt Pflanzenausfälle und Lücken geschlossen werden. Im Fall von Fahrspuren zeigten sich jegliche Kleearten, insbesondere Alexandrinerklee, als geeignete Lückenfüller. 

Unterdrückungsleistung von Mischungen

Gegen Ausfallgetreide zeigte sich die Fertigmischung Multicrop am stärksten. Bemerkenswert war der höhere Ölrettichbesatz im dritten Jahr, der ggf. durch eine Veränderung der Samenanteile zustande kam. Dieser wirkte hinsichtlich der Unterdrückung kontraproduktiv, da sich Einzelpflanzen kräftig entwickelten und nach Frost einen breiten, unbedeckten Radius hinterließen. Nichtsdestotrotz schnitt die Mischung auch im dreijährigen Mittelwert mit 60 Prozent Reduzierung des Ausfallgetreides sehr gut ab. 

Dicht darauf folgte die Kombination von Alexandrinerklee und Phacelia. Ebenso erreichten die dreier-Mischung aus Alexandriner-, Inkarnatklee und Phacelia und auch die vierer Mischung aus Alexandrinerklee, Phacelia, Ramtillkraut und Öllein fast 50 Prozent. Wurden nur Inkarnatklee und Phacelia gewählt, fehlte eine Art „Zwischenetage“. Durch den niedrigen Wuchs und die späte Entwicklung des Klees hatte Licht eine Chance den Boden zu erreichen, Ausfallgetreide konnte weniger effektiv gebremst werden. Wurde Ölrettich mit Senf oder Rauhafer kombiniert, schnitt Rauhafer etwas besser ab, indem er es schaffte, die Zwischenräume bodennah dichter auszufüllen. 

Diagramm mit dem Deckungsgrad sowie Unterdrückung bei Ausfallgetreide und Unkräutern von Zwischenfrucht-Mischungen. Es sind die Mittelwerte eines dreijährigen Versuches auf zwei Standorten dargestellt.
Bild: Böckenförde, LWK NRW

Fazit

Die Zwischenfrucht-Exaktversuche zeigen, dass Zwischenfrüchte eine vielversprechende Alternative zur Glyphosat-Nutzung bieten. Öllein und Rauhafer zeigten besonders gute Leistungen bei der Unterdrückung von Ausfallgetreide, wobei Rauhafer seine Wirkung auch im Frühjahr mit nur geringen Einbußen aufrechterhielt. Phacelia war im Herbst ebenfalls effektiv, konnte ihre Wirkung aber im Frühjahr nur teilweise halten.

Mischungen aus verschiedenen Zwischenfrüchten erbrachten bessere Ergebnisse als Reinsaaten, da sie die Stärken verschiedener Arten kombinierten und eine kontinuierliche Bodenbedeckung sowie verbesserte Unkrautunterdrückung ermöglichten. Besonders erfolgreich waren Mischungen mit Phacelia, Alexandrinerklee und Inkarnatklee.

Der Erfolg hängt von der Wahl der Arten, den Standortbedingungen und der Anpassungsfähigkeit an Witterungs- und Bodenverhältnisse ab. Zwischenfrüchte bieten somit eine nachhaltige Möglichkeit zur Unkraut- und Ausfallgetreidekontrolle, wenn sie gezielt und standortangepasst eingesetzt werden.

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Letzte Änderung dieser Seite am 08.01.2026