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Umwelt

Biodiversität in der Landwirtschaft

Biologische Vielfalt oder Biodiversität sichert lebenswichtige Dienstleistungen der Natur. Diese Ökosystemdienstleistungen sind in Form von Trinkwasser, als Nahrung, Medizin oder Rohstoffen für Menschen unverzichtbar.

Feld und Flur

Quelle: CEA+

Biologische Vielfalt oder Biodiversität sichert lebenswichtige Dienstleistungen der Natur. Diese Ökosystemdienstleistungen sind in Form von Trinkwasser, als Nahrung, Medizin oder Rohstoffen für Menschen unverzichtbar. Biodiversität umfasst alle Lebewesen in ihren verschiedenen Lebensräumen: im Boden, im Wasser und auf dem Land - von Tieren über Pflanzen bis hin zu Pilzen und Bakterien. Zur Biodiversität zählen neben der Artenvielfalt, die genetische Vielfalt und die Vielfalt der Lebensgemeinschaften von Organismen. Alle drei Bereiche der biologischen Vielfalt sichern das Leben der Menschen für zukünftige Generationen ab.

Landwirtschaft und Biodiversität

Eingriffe des Menschen in die Natur verändern Nahrungsgrundlage und Lebensräume von Organismen und damit die Ökosysteme. Menschliche Eingriffe wirken auf die biologische Vielfalt und können sie gefährden. Praktiken traditioneller Landwirtschaft gestalten seit Jahrtausenden die natürlichen Lebensräume der Arten. Bauern haben im Laufe der Zeit ein großes Reservoir biologischer Vielfalt an Nutztieren, Kulturpflanzen, Lebensräumen und daran angepasster wild lebender Organismen geschaffen. Gleichzeitig profitiert Landwirtschaft auf vielen Ebenen von funktionierenden Ökosystemen. Belebte, fruchtbare Böden, Bestäuber und Nützlinge in sauberer Luft sowie sauberes Wasser halten natürliche Prozesse im Gleichgewicht.

Landwirte als Flächennutzer

Aktuell nutzt die Landwirtschaft mehr als 50 Prozent der Fläche Deutschlands. Besondere Naturschutzverpflichtungen gelten nach EU-Vorgaben in den Natura 2000-Gebieten. 39 Prozent dieser Flächen werden landwirtschaftlich genutzt. Daneben finden sich außerhalb dieser Naturschutzgebiete Ökosysteme mit großer biologischer Vielfalt auf landwirtschaftlich extensiv genutzten Flächen. 13 Prozent der gefährdeten Lebensraumtypen Deutschlands hängen sogar von einer speziellen Art der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung ab.

Vorrangig an wirtschaftlichen Erfordernissen ausgerichtete Landwirtschaft läuft Gefahr, sich negativ auf die Biodiversität auszuwirken. Veränderte Bewirtschaftungsformen können wiederum neue Lebensräume für andere Tier- und Pflanzenarten schaffen. Zum Erhalt der Biodiversität sind Leistungen der Landnutzer unverzichtbar. Wie keiner anderen Berufsgruppe ist Landwirtinnen und Landwirten bewusst, dass sie auf die Wahrung natürlicher Ressourcen und biologischer Vielfalt angewiesen sind.

Ökonomie und Natur im Zielkonflikt

Hohe Ertragsfähigkeit sichert die Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe am freien Markt. Flurbereinigungen haben die Schlaggrößen deshalb anwachsen lassen. In der Folge sind Feldsäume und Landschaftselemente wie Feldraine, Feldgehölze und Mauern als Lebensräume wilder Arten mittlerweile mehr und mehr verschwunden.

Natürliche wie landwirtschaftliche genutzte Standorte unterliegen einer zunehmenden Eutrophierung, auch durch den Eintrag von Stickoxiden aus der Luft. Darüber hinaus wurden in der Vergangenheit extensive Standorte wie saure Wiesen vielerorts aufgekalkt und nasse Äcker dräniert. Fruchtfolgen und die Bewirtschaftung glichen sich an. Landwirtschaftlich genutzte Standorte sind insgesamt nährstoffreicher und Mangelstandorte immer seltener geworden. Auf "Mangelverhältnisse" angepasste Arten hatten in den vergangenen Jahrzehnten einen zunehmend schweren Stand – zu Lasten der Biodiversität.

Moderne Standards vs. Vielfalt

Mit einer verbesserten Nährstofflage verändert sich die Pflanzenwelt; auch auf Wiesen und Ackerflächen. Innerhalb weniger Jahrzehnte haben sich ehemals gebietsfremde Pflanzenarten und Nutzpflanzensorten sowie neue Schadorganismen verbreitet. Ein Spiegel des stark angewachsenen internationalen Waren- und Reiseverkehrs. Neu eingeführte Kulturpflanzen sowie invasive Wildpflanzen konkurrieren immer häufiger mit heimischen Arten um adäquaten Standraum unter der Sonne. Bekannte Beispiele wie der Riesen-Bärklau oder Springkraut zeigen die Spitze eines Eisbergs. 

Pflanzenbestände auf landwirtschaftlichen Nutzflächen setzen sich heute insgesamt einheitlicher zusammen als noch vor 30 Jahren. Produktionsverfahren haben sich weltweit immer mehr angeglichen - Kulturpflanzen und Nutztiere tun dies auch. Von mehr als 7.000 auf der Erde genutzten Kulturpflanzenarten stellen heute Mais, Weizen und Reis 50 Prozent der Nahrungsgrundlage der Weltbevölkerung. Und mehr als 60 Prozent der landwirtschaftlichen Nutztierrassen sind vom Aussterben bedroht.

In einer globalen Welt werden sich die genetischen Karten der Artenvielfalt neu mischen. Heute stellt sich die dringende Aufgabe, den Verlust der Arten aufzuhalten, damit sich der globale Genpool von Flora und Fauna nicht weiter ausdünnt.

Biologische Vielfalt zählt – wer zahlt?

Neben der Produktion von Nahrungsmitteln und Rohstoffen erbringt die Landwirtschaft vielfältige Leistungen für Natur und Gesellschaft. Bestimmte Leistungen wurden mit der letzten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für Direktzahlungen verpflichtend. Die Umweltauflagen des darin verankerten Greenings betreffen die Fruchtfolge, den Erhalt von Dauergrünland und die Anlage ökologischer Vorrangflächen.

Zur gezielten Förderung von Biodiversität, als Teil einer modernen Landwirtschaft, dient der Europäische Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des Ländlichen Raums, ELER. Als wichtiges Instrument für den Naturschutz innerhalb der GAP werden hier Maßnahmen landwirtschaftlicher Extensivierung über die zweite Säule gefördert.

Innerhalb des Vertragsnaturschutzes vergeben Kreise und kreisfreie Städte Aufgaben zum Artenschutz auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Dazu gehören Bewirtschaftungsauflagen und der Verzicht auf Pflanzenschutz, Düngung oder Ernte.