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Anbaudiversifizierung mit Biogasblühmischungen Ein Plus für Ertragssicherheit, Bodengesundheit und Biodiversität

Biogasblühmischungen wie der Veitshöchheimer Hanfmix sind eine vielversprechende Alternative zu Silomais. Sie überzeugen durch hohe Witterungsresilienz, geringen Arbeits- und Betriebsmittelaufwand sowie positive Effekte auf Bodengesundheit und Biodiversität. Zudem werden sie in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen.

Biogasblühfelder sorgen für Abwechslung in der Landschaft.
Bild: Sarah Flach, Agrokraft GmbH

Das Potenzial der Anbaudiversifizierung mit Biogasblühmischungen, wie dem Veitshöchheimer Hanfmix wird bisher in der Praxis kaum wahrgenommen. Dabei bieten sie eine nachhaltige Alternative zu traditionellen Biogaskulturen wie Mais. Diese mehrjährigen Mischkulturen warten mit signifikanten Vorteilen für den Bodenschutz, die Ertragssicherheit und die Biodiversität auf. 

Aufgrund des mit Abstand höchsten Biogasertrags pro Hektar Anbaufläche stellte Mais im Jahr 2024 laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) mit 65% den größten Anteil der Einsatzstoffe in Biogasanlagen dar. Doch der Maisanbau wird in Mitteleuropa zunehmend riskanter: Bedingt durch den späten Saatzeitpunkt kann Mais die Feuchte des Winters nur sehr eingeschränkt nutzen. Dieser Umstand wird sich voraussichtlich infolge einer Verschiebung der Niederschlagsspitzen in den Winter und zunehmender Dürreperioden im Frühjahr und Sommer verschärfen. Zudem sind Maisfelder durch die langsame Jugendentwicklung erosionsanfällig. Insbesondere Silomais wird als Humuszehrer eingestuft. Darüber hinaus begrenzt der sogenannte Maisdeckel den Einsatz von Mais in Biogasanlagen.

Der Veitshöchheimer Hanfmix – eine wertvolle Ergänzung im Substratmix

Biogasanlagen können prinzipiell ein breites Spektrum an Biomassen verwerten. Hinsichtlich der Gasausbeute kann eine Diversifizierung der Substrate sogar sinnvoll sein. Dies eröffnet ein ungenutztes Potenzial für den Einsatz von Mischkulturen, welche im Marktfrucht- oder Futterbau aufgrund von Vermarktung und Aufbereitung eine Herausforderung darstellen. Durch Dauer- und Mischkulturen, wie die Durchwachsene Silphie und Wicken-Roggen-Gemenge, ergeben sich zahlreiche agronomische Vorteile, die sich mit der energetischen Biomassenutzung vereinen lassen: erhöhte Resilienz gegenüber Umwelteinflüssen und damit verbesserte Ertragssicherheit, positive Auswirkungen auf Bodenstruktur sowie Bodenfruchtbarkeit und die Förderung der Artenvielfalt. Der Gedanke, Dauer- und Mischkulturen zu vereinen, führte zur Entwicklung des Veitshöchheimer Hanfmixes durch die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) im unterfränkischen Veitshöchheim. Im Rahmen der Projekte BiogasBlühfelder Rhön-Grabfeld und Quervernetzung Grünes Band wurden die agronomischen und ökologischen Effekte der Blühmischung untersucht.

Die Biogasausbeute ist vergleichbar mit Getreide-GPS oder Durchwachsener Silphie

Die Zusammensetztung der Arten verändert sich über die Zeit und in Abhängigkeit zum Standort.
Bild: Sarah Flach, Agrokraft GmbH

Die Bewertung der Blühmischung zeigte bei alleiniger Verwendung als Substrat eine 45 bis 60‑prozentige Biogasausbeute von Silomais. Damit ist er in etwa vergleichbar mit Getreide-GPS und der Durchwachsenen Silphie. Die konkret erwirtschaftete Ausbeute dürfte hierbei erwartungsgemäß in Abhängigkeit vom Standort und Jahreswitterung variieren. Dabei verändert sich die Zusammensetzung der Arten über die Zeit und zeigt unterschiedliche Ausprägungen auf verschiedenen Standorten. Hierdurch und durch die vielen mehrjährigen Arten erklärt sich die vergleichsweise hohe Ertragsstabilität. 

Außerdem ist der Veitshöchheimer Hanfmix nach seiner Etablierung dank der Kulturdauer von fünf bis acht Jahren sehr gering im Arbeitsaufwand. Es sind lediglich zwei Arbeitsgänge notwendig: eine Düngung im Frühjahr und die Ernte im Spätsommer. Dies spart erheblich Arbeitsaufwand und Betriebsmittel ein und macht den Hanfmix auch für hofferne oder ungünstig geschnittene Flächen sehr interessant.

Ein Plus für die Bodengesundheit

Der Normierte-Differenz-Vegetationsindex (NDVI) von Maisflächen im Vergleich zu Biogasblühflächen im Landkreis Rhön-Grabfeld zwischen 2017 und 2023. DOY steht für "day of the year" und kennzeichnet diejenigen Tage im Jahr, für die NDVI-Werte erfasst sind. Bis auf 2017 und 2019 liegt der NDVI des Hanfmixes auf den Biogasblühflächen über dem des Maises.
Bild: Dr. Sarah Schönbrodt-Stitt, Universität Würzburg

Bei einem fernerkundlichen Vergleich mittels satellitengestützter Datenerhebung haben Forschende des Lehrstuhls für Fernerkundung der Julius-Maximilian-Universität Würzburg den Hanfmix mit Silomaisfeldern verglichen. Gegenstand der Untersuchung war die Vegetationsentwicklung und Vitalität bewertet durch den mittleren Normierten-Differenz-Vegetationsindex (NDVI) beider Kulturen in Abhängigkeit von den Witterungsverhältnissen. Das Ergebnis zeigt, dass der Hanfmix eine ganzjährige Bodenbedeckung bietet – ein entscheidender Vorteil für den Erosionsschutz. Mais hingegen hinterlässt die Böden in den Randmonaten des Jahres oft unbewachsen und damit ungeschützt. Zudem konnte bestätigt werden, dass der Hanfmix durch den ganzjährigen Bewuchs im Gegensatz zu Mais die Winterfeuchte potenziell besser nutzen kann. Das spiegelt sich in den Messwerten der frühjahrstrockenen Jahre 2022 und 2023 wider. In diesen Jahren zeigte die Pflanzenmischung eine deutlich höhere Pflanzenvitalität. Auch im Dürrejahr 2018, das erst ab August von extremem Trockenstress geprägt war, zeigte sich die überlegene Vitalität im Vergleich zu Mais. Lediglich in den Jahren 2017 und 2019 schnitt der Mais besser ab als der Hanfmix. Die Ursache dürfte das erste Standjahr vieler Hanfmixfelder sein: Neu ausgesäte Flächen weisen häufig niedrigere NDVI-Werte (siehe Tabelle) auf als bereits etablierte Bestände. 2017 existierten noch keine etablierten Hanfmixfelder, und 2019 wurden fast die Hälfte der Flächen (46 Felder) neu ausgesät, was den Durchschnittswert des NDVI entsprechend senkte.

Im Vergleich zu Mais lässt sich eine höhere Witterungsresilienz und Bodenschonung der Blühmischung feststellen. Entsprechend dem aktuellen Stand der Forschung dürften die 30 verschiedenen Pflanzenarten aus 13 Pflanzenfamilien zudem für eine gesunde, produktions- und resilienzfördernde mikrobielle Gemeinschaft im Boden sorgen. Darüber hinaus wurden in den Biogasblühfeldern 3,3-mal so viele Regenwürmer pro Quadratmeter nachgewiesen wie in benachbarten Maisfeldern. Es ist davon auszugehen, dass diese positiven Effekte auf die Bodengesundheit bei sorgfältigem Umgang mit dem Boden auch noch in den Folgekulturen nachwirken. Dies kann auch zu einer erhöhten Produktionsresilienz und Einsparungen beim Pflanzenschutz führen, wie es für Praktiken der Conservation Agriculture beschrieben ist.

Die Biodiversität profitiert erheblich und öffentlichkeitswirksam

Biogasblühfelder haben vielfältigen Nutzen, der über die reine Produktion von Substrat für die Biogasanlage hinausgeht.
Bild: Modifiziert nach Fachverband Biogas e.V.

Die Kombination aus Dauerkultur und pflanzlicher Vielfalt zeigte beeindruckende Effekte auf die Tierwelt inklusive vieler gefährdeter Arten. Insgesamt wurden auf den Flächen 388 Schmetterlingsarten und 158 Wildbienenarten nachgewiesen. Auch die Anzahl an Nützlingen wie Laufkäfer und Spinnen nahm deutlich zu. 40 Vogelarten, darunter Rebhuhn, Braunkehlchen oder Feldschwirl, nutzen die Flächen nicht nur zur Nahrungssuche, sondern auch zur Brut. Sie profitieren zudem vom Wiederaufwuchs des Hanfmixes nach dessen Ernte, der im Winter Schutz und Deckung bietet. So entstehen zahlreiche ökologische Nischen und Lebensräume für verschiedenste Arten.

Der bunte und blütenreiche Pflanzenmix hat sich außerdem als sehr öffentlichkeitswirksam erwiesen. Anbauende Betriebe erhielten bislang viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung sowie der Jäger- und Imkerschaft. Die Aussaat in siedlungsnahen Gebieten oder entlang von Freizeitwegen kann daher einen Mehrwert darstellen

Bildergalerie zum Veitshöchheimer Hanfmix

Details zum Anbau

Eine gründliche Saatbettbereitung und Feldhygiene sind wichtig, um die arbeitsextensive Kultur im Frühjahr gut etablieren zu können. Die Aussaat des Veitshöchheimer Hanfmixes erfolgt im April, passend zur Maisaussaat. Frühjahrstrockenheit kann insbesondere aufgrund der Saatgutablage an der Oberfläche ein Problem darstellen, weshalb von zu späten Aussaaten ab Mitte Mai abzusehen ist. Nach Etablierung sind nur noch zwei Überfahrten jährlich notwendig: die Düngung im Frühjahr und die Ernte mit dem Häcksler Ende Juli (im ersten Anbaujahr erst im September).

Fazit

Mischkulturen, wie die Biogasblühmischung Veitshöchheimer Hanfmix, sind eine vielversprechende Ergänzung des Substratmixes für Biogasanlagen, insbesondere im Hinblick auf Biodiversität und weitere Ökosystemleistungen. Sie stellen auch eine sehr gute Alternative zu klassischen Blühmischungen dar, die einen vergleichsweisen geringen Nutzen für die Biodiversität und eine geringe Ertragsleistung bieten. Der Methanhektarertrag des Veitshöchheimer Hanfmixes kommt durchaus an gängige Substrate heran – und das bei sehr arbeitsextensivem Anbau und hoher Witterungs- bzw. Klimaresilienz. Zudem punkten Biogasblühmischungen durch ihre Öffentlichkeitswirksamkeit und die Förderung der Bodengesundheit, von der auch noch Folgekulturen profitieren dürften. In einigen Bundesländern werden die Ertragsverluste im Vergleich zu Silomais durch die Förderung ausgeglichen.

Förderungen in Deutschland

Der Veitshöchheimer Hanfmix hat sich in der Praxis bewährt und zeigt sich als durchaus anbauwürdig. Aufgrund der vielen positiven Erfahrungen hinsichtlich des Bodenschutzes und der Biodiversität wurde der Pflanzenmix als Maßnahme in den Rahmenplan der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ 2025-2028 aufgenommen und ist nun in mehreren Bundesländern über Agrarumweltmaßnahmen förderfähig:

  • In Bayern: 
    über KULAP K52 Wildpflanzenmischungen (450 €/ha einzelflächenbezogen),
    über K32 Vielfältige Fruchtfolge (115 €/ha betriebszweigbezogen)
  • In Nordrhein-Westfalen:
    über Anbau von mehrjährigen Wildpflanzenmischungen (460 €/ha)
  • In Baden-Württemberg: 
    über E14 (500 €/ha) oder E15 (260 €/ha)

Informationen zu den Projekten

Im Rahmen der beiden Projekte „BiogasBlühfelder Rhön-Grabfeld“ und „Quervernetzung Grünes Band“ wurde der Veitshöchheimer Hanfmix seit 2017 im Anbau erprobt. Der auf über 90 Feldern großflächig angelegte Praxisversuch wurde intensiv wissenschaftlich begleitet. So wurden die Anbaufähigkeit und Kulturführung genauso unter die Lupe genommen wie Biodiversität und Bodenleben. Auf Basis dieser Untersuchungen ist der Anbau mittlerweile in einigen Bundesländern förderfähig. Die Projekte wurden gemeinsam vom BUND Naturschutz in Bayern e. V. und Agrokraft GmbH (Tochtergesellschaft des Bayerischem Bauernverbands und des Maschinenrings Rhön-Grabfeld) umgesetzt. Gefördert wurde das Projekt von 2017 bis 2023 durch den Bayerischen Naturschutzfonds und von Oktober 2019 bis Dezember 2025 durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit und den Bayerischen Naturschutzfonds.

Dr. Sarah Schönbrodt-Stitt und Sofia Haag, Universität Würzburg

Sarah Flach, Agrokraft GmbH

Letzte Aktualisierung 15.12.2025

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