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Betrieb

Neue Stoffstrombilanzverordnung: Vorerst viehstarke Betriebe betroffen

Seit 1. Januar 2018 gilt die neue Stoffstrombilanzverordnung. Sie ist nach dem D├╝ngegesetz und der D├╝ngeverordnung der letzte Baustein des neuen D├╝ngepakets, das die Bundesregierung 2017 auf den Weg gebracht hat.

Mit der Stoffstrombilanzverordnung verfolgt der Gesetzgeber das Ziel, die N├Ąhrstofffl├╝sse in den Betrieben transparenter zu machen. Dadurch sollen N├Ąhrstoffverluste aus der Landwirtschaft verringert und die Einhaltung von Umweltzielen gew├Ąhrleistet werden.

Was ist die Stoffstrombilanz?

Bei der Stoffstrombilanz werden alle N├Ąhrstoffstr├Âme, die in den Betrieb hinein gehen, und solche, die wieder hinausgehen dokumentiert und bewertet. Damit unterscheidet sich die Stoffstrombilanz vom N├Ąhrstoffvergleich, wie ihn die D├╝ngeverordnung vorschreibt. Der N├Ąhrstoffvergleich stellt eine reine Fl├Ąchenbilanz dar, bei der nur innerbetrieblich erzeugte und verwertete Futtermittel und Wirtschaftsd├╝nger ber├╝cksichtigt werden.

Das Prinzip der Stoffstrombilanz ist in der Landwirtschaft nicht unbekannt. Eine sehr ├Ąhnliche Methode, die Hoftorbilanz, stand Landwirtinnen und Landwirten bis zum Jahr 2006 neben der Fl├Ąchenbilanz als Option f├╝r die N├Ąhrstoffbilanzierung zur Auswahl. In der Gew├Ąsserschutzberatung gilt die Hoftorbilanz seit Jahren als Standard f├╝r die Beurteilung des N├Ąhrstoffmanagements in landwirtschaftlichen Betrieben. Denn sie bietet f├╝r viehhaltende Betriebe, insbesondere solche mit Futterbau, aussagekr├Ąftigere Ergebnisse.

Was wird erfasst?

Die gesamtbetriebliche Stoffstrombilanz stellt eine Erg├Ąnzung zum N├Ąhrstoffvergleich dar, sie ersetzt ihn nicht. Somit kommt auf die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe ein zus├Ątzlicher Dokumentationsaufwand zu. Die Landwirtschaftskammern und -├Ąmter in Deutschland arbeiten aber an Computer-Programmen, die Landwirtinnen und Landwirten die Arbeit erleichtern sollen.

Erfasst werden muss der N├Ąhrstoffimport ├╝ber Futter- und D├╝ngemittel, Saatgut, Viehzukauf und Leguminosen-Stickstoffbindung. Demgegen├╝ber wird der N├Ąhrstoffexport in Form von pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen, D├╝ngemitteln oder Saatgut gestellt. Diese N├Ąhrstofffl├╝sse m├╝ssen sowohl f├╝r Stickstoff als auch f├╝r Phosphor auf Basis von Lieferscheinen oder Rechnungen dokumentiert werden.

So funktioniert die Stoffstrombilanz

Gestuftes Verfahren: Wer ist bereits ab 2018 betroffen?

Die Stoffstrombilanz wird schrittweise eingef├╝hrt. Bereits ab 2018 m├╝ssen alle Betriebe mit mehr als 50 Gro├čvieheinheiten oder mit mehr als 30 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfl├Ąche bei einer Besatzdichte von jeweils mehr als 2,5 Gro├čvieheinheiten je Hektar eine Stoffstrombilanz erstellen. Das hei├čt, es trifft in erster Linie viehstarke Betriebe mit einer hohen Besatzdichte. Dar├╝ber hinaus sind ab diesem Jahr aber auch schon kleinere viehhaltende Betriebe betroffen, wenn sie Wirtschaftsd├╝nger von anderen Landwirtschaftsbetrieben aufnehmen.

Um kleine Betriebe zu entlasten, sieht die Verordnung Bagatellgrenzen vor. So m├╝ssen viehhaltende Betriebe nur dann eine Stoffstrombilanz erstellen, wenn sie mehr als 750 Kilogramm Gesamtstickstoff aus betriebsfremden Wirtschaftsd├╝ngern beziehen. Als viehhaltend gelten dabei solche Betriebe, bei denen mehr als 750 Kilogramm Stickstoff aus Wirtschaftsd├╝ngern tierischer Herkunft anf├Ąllt. Ackerbaubetriebe, beispielsweise, die nebenbei einen kleinen Mobilh├╝hnerstall betreiben oder ein paar Schafe zur Beweidung von Gr├╝nlandfl├Ąchen halten, sind also nicht betroffen.

Zur Stoffstrombilanz verpflichtet sind ab 2018 au├čerdem Betriebe mit Biogasanlage, wenn sie Wirtschaftsd├╝nger aus anderen Betrieben beziehen. Klassische Ackerbaubetriebe dagegen, auch wenn sie Wirtschaftsd├╝nger aufnehmen, m├╝ssen (noch) keine Stoffstrombilanz erstellen.

Ab 2023 gilt Stoffstrombilanz auch f├╝r viehlose Betriebe

Geplant ist, dass die Stoffstrombilanzierung zuk├╝nftig auch auf viehlose Betriebe ausgeweitet wird. So soll ab 2023 auf allen Betrieben mit mehr als 20 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fl├Ąche eine Stoffstrombilanz erstellt werden. Vorher wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) allerdings noch einmal ├╝berpr├╝ft, ob sich die Stoffstrombilanzierung in gew├╝nschter Weise ausgewirkt hat. Das BMEL wird dazu Ende 2021 einen Bericht vorlegen.

Bewertung der Stoffstrombilanz

Aus den Zu- und Abfl├╝ssen errechnen die Betriebe j├Ąhrlich einen N├Ąhrstoffsaldo, den sie zu einer dreij├Ąhrigen Stoffstrombilanz fortschreiben m├╝ssen. F├╝r die Bewertung der errechneten Bilanz ÔÇô bewertet wird nur Stickstoff ÔÇô gibt die Verordnung zwei M├Âglichkeiten vor: Entweder der Betrieb entscheidet sich f├╝r eine dreij├Ąhrige betriebliche Stoffstrombilanz mit einem zul├Ąssigen Bilanzwert in H├Âhe von 175 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr. Oder der Betrieb setzt einen betriebsindividuellen dreij├Ąhrigen Bilanzwert an, bei dem verschiedene Verlustpotenziale in Ansatz gebracht werden k├Ânnen.

Wann muss die Bilanz erstmals vorliegen?

Bevor die erste Stoffstrombilanz erstellt wird, muss der Betrieb sich entscheiden, ob sich die Bilanzierung auf das Wirtschaftsjahr oder das Kalenderjahr beziehen soll. Sp├Ątestens sechs Monate nach Ablauf des Bezugsjahres muss die Bilanz vorliegen und zu einer dreij├Ąhrigen Bilanz fortgeschrieben werden. Das hei├čt, wird als Bezugsjahr das Kalenderjahr 2018 gew├Ąhlt, muss bis zum 30 Juni 2019 des Folgejahres eine Bilanz vorliegen. Wird dagegen als Bezugszeitraum das Wirtschaftsjahr 1. Juli 2018 bis 30. Juni 2019 gew├Ąhlt, muss die Bilanz bis 31. Dezember 2019 fertig gestellt werden.

Nicht ohne Kritik

Der Beschluss wird von Seiten der Umwelt- und Bioverb├Ąnden, aber auch von Vertretern der Wasserwirtschaft und der Wissenschaft kritisiert. Der betriebsindividuelle Bilanzwert w├╝rde es insbesondere Betrieben, die viel Stickstoff ausbringen, erm├Âglichen Bilanz├╝bersch├╝sse kleinzurechnen, beklagt der Bund ├ľkologische Lebensmittelwirtschaft (B├ľLW).

Prof. Dr. Friedhelm Taube, Direktor des Instituts f├╝r Pflanzenbau und Pflanzenz├╝chtung der Universit├Ąt Kiel, der als Mitglied der BMEL-Arbeitsgruppe "Betriebliche Stoffstrombilanzen" mitwirkte, bezeichnet die Stoffstrombilanzverordnung in einem Bericht der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) als "legalisierte Wasserverschmutzung durch die Intensivtierhaltung". Er hatte mit seiner Kieler Gruppe eine einheitliche Obergrenze von 130 Kilogramm Stickstoff pro Hektar als maximalen Stickstoff├╝berschuss gefordert.

Seiten-Titel: Die neue D├╝ngeverordnung - Was ├Ąndert sich f├╝r Landwirtschaft und Gartenbau?

Seiten-Beschreibung:

Die neue D├╝ngeverordnung ist zum gro├čen Teil am 1. Mai in Kraft getreten. Ma├čnahmen in den roten Gebieten gelten erst ab Januar 2021.