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„Der Gartenbau gehört zu den Branchen, in den Frauen längst Führung übernehmen – oft erfolgreicher als viele ahnen.“ Eva Kähler-Theuerkauf

Eva Kähler-Theuerkauf zählt zu den einflussreichsten Persönlichkeiten im deutschen Gartenbau. Im Gespräch mit praxis-agrar.de zeigt sie ihre tiefe Verbundenheit zur grünen Branche und erklärt, warum es bedeutend ist, Frauen zu mehr Sichtbarkeit zu ermutigen.

In ihren ehrenamtlichen Funktionen vertritt Eva Kähler-Theuerkauf den Gartenbau deutschlandweit.
Bild: Zentralverband Gartenbau e. V.

Im heutigen Gespräch unserer Interviewreihe „Neun Frauen, neun Wege: Perspektiven im deutschen Gartenbau“ richten wir den Blick auf eine Persönlichkeit, die den Gartenbau auf besondere Weise prägt: Eva Kähler-Theuerkauf.

Als Quereinsteigerin hat sie ihren Weg in die grüne Branche gefunden und sich dort mit Fachlichkeit und großem Engagement bis in ehrenamtliche Spitzenpositionen gearbeitet: Heute setzt sie sich unter anderem als Präsidentin des Landesverbandes Gartenbau Nordrhein-Westfalen e. V. sowie des Zentralverbandes Gartenbau e. V. für die Belange des deutschen Gartenbaus ein.

Wie Beate Schönges und Iris Wolf in ihren Interviews bestätigen: Eva Kähler-Theuerkauf ist vielen Frauen in der Branche ein Vorbild. Sie ermutigt stets und aktiv, sichtbar zu werden, eigene Wege zu gehen und Verantwortung zu übernehmen. Auch unabhängig von Geschlechterfragen stellt sie in ihrer Arbeit konsequent die Menschen in den Mittelpunkt.

praxis-agrar.de: Was hat Ihr Interesse an der Gartenbaubranche geweckt?

Ich bin eine klassische Quereinsteigerin. Mich hat vom ersten Tag die Vielfalt und das unglaubliche Potential des Gartenbaus fasziniert. Unternehmertum, Kreativität, ein Plus für Umwelt und Natur – und natürlich die Menschen in der grünen Branche. Sich einzulassen auf diese Arbeit, zu erleben wie Pflege und Achtsamkeit die Produktion nachhaltig qualitativ beeinflussen, verbunden mit Fachwissen und wirtschaftlichem Denken ist ein Gesamtpaket, welches mich nicht mehr losgelassen hat.

praxis-agrar.de: Welche Herausforderungen haben Sie als Frau in dieser Branche erlebt?

Die Herausforderungen haben für mich zwei Facetten: zum einen meine Rolle als Unternehmerin und Mitinhaberin in einem Familienbetrieb – das prägt und fordert zugleich. Zum anderen meine Erfahrungen im Ehrenamt, das auch heute noch häufig männlich geprägt ist und bei dem es sich lohnt, bestehende Strukturen zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Die Gründe dafür sind vielfältig: gewachsene Traditionen, die Frage nach verfügbaren Zeitressourcen oder auch unterschiedliche Selbstbilder und Rollenzuschreibungen. Für mich war stets der Wunsch, aktiv mitzugestalten, der entscheidende Antrieb. Dieser hat mich Schritt für Schritt in verschiedene Ehrenämter geführt.

Über die Jahre habe ich gelernt, mich klar zu positionieren und für meine Überzeugungen einzustehen. Entscheidend war und ist dabei immer die eigene Leistung. Gleichzeitig bin ich überzeugt: Gleiche Chancen dürfen nicht vom Geschlecht abhängen – sie sollten selbstverständlich sein.

praxis-agrar.de: Wie haben Sie Ihre Erfahrung als Frau im Gartenbau genutzt, um andere Frauen zu unterstützen?

Ich habe über die Jahre Netzwerke aufgebaut und gezielt Verbindungen geschaffen, um Frauen beruflich zu fördern und sie auch für Ehrenämter zu gewinnen.

Dabei war es mir wichtig, mit gutem Beispiel voranzugehen und Frauen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen. Oft braucht es jemanden, der sagt: „Trau dir das zu“. Es geht nicht um Sonderwege, sondern darum, Hindernisse abzubauen und Talente sichtbar zu machen – denn unsere Branche kann auf qualifizierte Frauen in Führungspositionen nicht verzichten.

praxis-agrar.de: Welche Ratschläge würden Sie jungen Frauen geben, die eine Karriere im Gartenbau anstreben?

Zunächst: Vertrauen Sie Ihren eigenen Fähigkeiten. Der Gartenbau bietet hervorragende Chancen für Fachkräfte, Unternehmerinnen und Führungspersönlichkeiten. 

Wichtig sind fachliche Kompetenz, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig sollte man sich nicht von Vorurteilen oder traditionellen Rollenbildern bremsen lassen. Hilfreich ist es außerdem, sich Menschen zu suchen, die einen begleiten und unterstützen. Wer etwas bewegen möchte, sollte den Mut haben, sich einzubringen und sichtbar zu werden.

Die Verbandspräsidentin ermutigt Frauen dazu, in eigene Fähigkeiten zu vertrauen und mehr Sichtbarkeit zu zeigen.
Bild: Zentralverband Gartenbau e. V.

praxis-agrar.de: Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Rolle der Frauen im Gartenbau in den letzten Jahren verändert?

Der Gartenbau gehört zu den Branchen, in den Frauen längst Führung übernehmen – oft erfolgreicher als viele ahnen. Frauen übernehmen längst Verantwortung und sind heute in allen Bereichen selbstverständlich vertreten – von der Betriebsleitung über Forschung und Beratung bis hin zu Verbänden und Politik. Sie stehen zunehmend in der ersten Reihe, was eine sehr positive Entwicklung ist. Gleichzeitig sind wir noch nicht am Ziel: Traditionelle Rollenbilder wirken nach, und die gläserne Decke ist noch vorhanden – sie gilt es weiter konsequent zu durchbrechen.

praxis-agrar.de: Welchen Einfluss hat die Mechanisierung und Digitalisierung auf den Gartenbau?

Der Fachkräftemangel hat früh dazu geführt, stärker auf Mechanisierung und Digitalisierung zu setzen. Sie helfen, Routinen zu übernehmen, Zeitressourcen zu sparen und schaffen mehr Freiraum für kreative und anspruchsvolle Aufgaben.

Gleichzeitig verändern sie den Gartenbau grundlegend: Arbeitsabläufe werden effizienter und Entscheidungen fundierter. Das macht die Branche attraktiver, stellt aber auch höhere Anforderungen an Qualifikation und Weiterbildung. Die Zukunft des Gartenbaus wird deshalb noch stärker von Fachwissen und technischer Kompetenz geprägt sein.

praxis-agrar.de: Was sind Ihre Hoffnungen für die Zukunft des Gartenbaus in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit?

Ich wünsche mir, dass Geschlechtergerechtigkeit irgendwann kein eigenes Thema mehr sein muss. Frauen und Männer sollten die gleichen Chancen haben, Betriebe zu führen, Unternehmen zu übernehmen oder sich ehrenamtlich zu engagieren. Dazu gehören faire Rahmenbedingungen – von der steuerlichen Behandlung über den Zugang zu Finanzierungen bis hin zu einer eigenständigen sozialen Absicherung und auskömmlichen Rentenansprüchen. Wer Verantwortung übernimmt und Leistung erbringt, sollte die gleichen Möglichkeiten haben, unabhängig vom Geschlecht. Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der Zukunftsfähigkeit unserer Branche.

praxis-agrar.de: Herzlichen Dank für das Interview, Frau Kähler-Theuerkauf!


Letzte Aktualisierung 06. Juli 2026