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„Es ist wichtig, dass sich Frauen im Gartenbau vernetzen und geschützt austauschen!“ Beate Schönges

Beate Schönges berichtet von der Entwicklung ihres Zierpflanzenbetriebs und von ihrer ehrenamtlichen Arbeit als eine der Sprecherinnen des Frauennetzwerks im Landesverband Gartenbau Nordrhein-Westfahlen e. V. Das Netzwerk sensibilisiert unter anderem für solide Altersabsicherung von Frauen im Gartenbau.

Neben ihrer Hauptaufgabe als Betriebsinhaberin engagiert sich Beate Schönges auch ehrenamtlich in verschiedenen Gremien des Gartenbaus.
Bild: Schönges GbR

Mit Beate Schönges startet unsere Interviewreihe „Neun Frauen, neun Wege: Perspektiven im deutschen Gartenbau“. Die 56-jährige Inhaberin führt den Betrieb Floreco – natürlich von Schönges. Ihr Schwerpunkt liegt in der Sparte Blumen und Zierpflanzen, mit einem klaren Fokus auf die Produktion von Jungpflanzen. Im Betrieb werden Beet- und Balkonpflanzen durch vegetative Vermehrung herangezogen. Als Jungpflanzenproduzent beliefert Floreco nicht nur nationale, sondern auch internationale Partner, die die Pflanzen in der nächsten Kulturstufe weiterentwickeln. Damit ist der Betrieb ein wichtiger Baustein in einer global vernetzten Wertschöpfungskette des Gartenbaus.

Neben ihrer unternehmerischen Tätigkeit engagiert sich Beate Schönges auch ehrenamtlich: Sie ist Mitglied im Aufsichtsrat der Gartenbauversicherung/Hortisecur und eine von zwei Sprecherinnen des Frauennetzwerks im Landesverband Gartenbau Nordrhein-Westfahlen e.V. In diesen Rollen setzt sie sich aktiv für die Interessen der Branche und insbesondere für die Sichtbarkeit von Frauen im Gartenbau ein. Ihr Blick auf Herausforderungen, Chancen und Entwicklungen eröffnet spannende Einblicke in einen oft unterschätzten, aber hochdynamischen Bereich der grünen Wirtschaft.

praxis-agrar.de: Was hat Ihr Interesse an der Gartenbaubranche geweckt?
Ich komme ursprünglich aus der Landwirtschaft und bin auf einem Gemüsebetrieb aufgewachsen. Und was man in die Kinderschuhe gelegt bekommt, trägt einen mit. Ich war immer viel und gerne draußen in der Natur. Für mich war auch früh klar, dass ich selbstständig sein möchte. Ideen hatte ich viele, beispielsweise ein eigener Marktstand. Kurz nachdem ich meinem Mann kennenlernte, ergab sich die Möglichkeit unseren heutigen Betrieb zu übernehmen. Das ist nun über 30 Jahre her, damals war ich 26 Jahre alt. In der Zwischenzeit haben wir unseren Betrieb durch viele Investitionen und Herzblut von 6.000 Quadratmetern auf 21.000 Quadratmeter erweitert.

praxis-agrar.de: Welche Herausforderungen haben Sie als Frau in dieser Branche erlebt?
Mein Mann und ich haben hier für uns von Anfang an Hand in Hand gearbeitet. Das war und ist sehr gleichberechtigt. Er ist für die Kulturen, Pflanzen und Technik zuständig, während ich die Administration und die Personalverantwortung innehabe. Ich bin stolz auf das, was wir zusammen geschafft haben und sehe es als großen Vorteil, dass wir von Anfang an beide in den Betrieb hineingewachsen sind. Am wichtigsten war und ist uns, dass sich unsere Mitarbeitenden wohlfühlen und wir im Team beständig bleiben. Auch unsere Kinder waren immer eng bei uns. Statt in die Kita sind sie jeden Tag mit uns in den Betrieb gekommen. So haben sie früh gelernt, dass Arbeit Spaß macht und dass man auch mal zurückstecken muss. Rückblickend finde ich es schön, dass wir ihnen unsere Werte mitgeben konnten im Alltäglichen. 

Herausfordernd waren seither eher die äußeren Rahmenbedingungen, mit denen wir lernen mussten, umzugehen. Steigende Energiepreise und hohe Investitionskosten mussten wir zumeist ohne Rückendeckung durch die Politik alleine stemmen. Investitionen kamen oft ungeplant, waren aber nötig für die Entwicklung. Das sind Herausforderungen, die alle Betriebe betreffen und die unser berufliches Denken jeden Tag prägen.

Beate Schönges (links im Bild) spricht als eine von zwei Sprecherinnen des Frauennetzwerks auf der IPM 2026.
Bild: BZL/Julia Baum

praxis-agrar.de: Wie haben Sie Ihre Erfahrung als Frau im Gartenbau genutzt, um andere Frauen zu unterstützen?
Im Landesverband Gartenbau NRW gibt es seit Kurzem ein Frauennetzwerk. Ich bin eine von zwei Sprecherinnen und ganz aktiv bei der Förderung unseres Austausches dabei. Zweimal treffen wir uns pro Jahr: Einmal zu einer Besichtigung eines unserer Mitgliedsbetriebe und das zweite Mal gleich für zwei Tage mit Übernachtung. Denn abends in Ruhe sprechen zu können, sich auszutauschen und Zeit füreinander zu haben, bedeutet uns viel. In diesem Jahr besuchen wir zusammen die Landesgartenschau in Neuss und haben eine Schulung von der SVLFG zum Thema Altersabsicherung auf die Beine gestellt. Denn wir Frauen möchten eine solide Altersabsicherung. Das ist ein oft unterschätztes Thema und so wichtig. Etwa 30 Frauen haben sich unserm Netzwerk schon angeschlossen. Wir sind aber auch offen für Frauen aus anderen Bundesländern. Denn bisher gibt es Netzwerke wie unseres nur noch in Bayern. Vielleicht erleben wir es ja irgendwann einmal, dass es in viel mehr Landesverbänden solche Netzwerke gibt und wir übergeordnet Treffen organisieren. Das ist doch eine schöne Zukunftsvision. Denn es ist wichtig, dass sich Frauen im Gartenbau weiterhin vernetzten und geschützt austauschen!

praxis-agrar.de: Welche Ratschläge würden Sie jungen Frauen geben, die eine Karriere im Gartenbau anstreben?
Ganz klarer Rat: „Probiert euch aus“. Unser Beruf ist so vielfältig und es können die unterschiedlichsten Wege beschritten werden. Mit ein bisschen Lust an der Pflanze ist ein guter Grundstein für die Ausbildung gelegt. Wer später lieber in die Technik, oder in die EDV, oder ins Marketing oder gar in die Finanzbuchhaltung möchte – es steht einfach alles offen. Gießkanne, Strohhut und Blumen, ja, das alles steht symbolisch für den Gärtnerberuf, aber wir müssen es schaffen in die Köpfe reinzubekommen, wie modern der Gartenbau heutzutage ist. Wir führen hochmoderne Betriebe und jungen Frauen stehen alle Türen offen. Ob geschätzte Mitarbeiterin, Ausbilderin, Betriebs- und Konzernleiterin, Züchtungsexpertin in Universitäten, wir brauchen diese wertvollen Köpfe für die Zukunft unserer Branche.

praxis-agrar.de: Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Rolle der Frauen im Gartenbau in den letzten Jahren verändert?
Grundsätzlich spielt bei dem Thema Frauen im Gartenbau die Sichtbarkeit eine Rolle. Dass wir Frauen nicht nur im Hintergrund, sondern an vorderster Front in verantwortlichen Positionen arbeiten, ist an sich nichts mehr Neues. Wohl aber, dass wir uns und unser Können mehr und mehr zeigen, uns aktiv vernetzten, in Vorständen diverser Gremien auftreten und mit unserer Expertise wirksame Zeichen setzen. Das ist eine Entwicklung der letzten paar Jahre und sicher auch gefördert durch Eva Kähler-Theuerkauf, die uns alle immer ermutigt, weiter voran zu gehen.

praxis-agrar.de: Welchen Einfluss hat die Mechanisierung/Digitalisierung auf Ihre Arbeit?
Der große Einfluss moderner Technik lässt sich am besten mit einem Beispiel erklären: Zwischen Mitte Dezember und Ende April beschäftigen wir in unserem Betrieb viele Saisonarbeitskräfte, da die intensive Arbeit mit den Jungpflanzen dies erfordert. Durch drei Roboter sparen wir zehn Saisonarbeitskräfte ein. Der Schritt ist notwendig für unser Bestehen, denn die immer weiter steigenden Lohnkosten fressen uns sonst bald auf. Auch ist es ein großer Aufwand, verbunden mit Kosten, Saisonarbeitskräfte überhaupt zu gewinnen. Gleichzeitig konnten wir durch die Investition in die Robotertechnik gleich vier junge und motivierte Arbeitskräfte einstellen. Auf dem heiß umworbenen Arbeitsmarkt punkten wir durch unsere hochmoderne Technik und können uns als attraktiver Arbeitgeber positionieren.

praxis-agrar.de: Was sind Ihre Hoffnungen für die Zukunft des Gartenbaus in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit?
Der Gartenbau ist weit fortgeschritten in Sachen Geschlechtergerechtigkeit, es gibt keine verschlossenen Wege für uns Frauen. Die große Aufgabe für uns in der Branche lautet: Wir müssen die Botschaft über unseren tollen und vielfältigen Beruf in die Köpfe junger Mädchen und in die Schulen bringen. Jeder und jede kann im Gartenbau einen Weg finden, weil der Beruf von seinen vielfältigen Möglichkeiten lebt und wir brauchen diese jungen Köpfe.

Noch dazu wünsche ich mir, dass wir Frauen weiter an Sichtbarkeit gewinnen. Vielleicht ergeben sich ja in Zukunft auch Synergien mit Fraueninitiativen in der Landwirtschaft. Denn bisher ist der Gartenbau eher eine Randnotiz in der Landwirtschaft. Eine schöne Vision ist, dass die Landwirtschaft klar sagt “Der moderne Gartenbau gehört zu uns” und dass wir im Gartenbau mit Stolz sagen “Wir sind Teil der Landwirtschaft”. Vor ein paar Jahren ist es schonmal gelungen, Frauen aus dem Gartenbau und der Landwirtschaft auf einer gemeinsamen Reise nach Mallorca zusammenzubringen – das war eine tolle Erfahrung und es gab so viele Überschneidungen in unseren beruflichen Erfahrungen. 

praxis-agrar.de: Herzlichen Dank für das Interview, Frau Schönges!


Letzte Aktualisierung 06. Juli 2026