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„Wir Frauen müssen ab und zu mehr die Ellenbogen benutzen.“ Andrea Köhncke

Passionierte Baumschulgärtnerin, überzeugte Teamplayerin und ausgezeichnete Ausbilderin – das ist Andrea Köhncke. Im Interview macht sie deutlich, dass die grüne Branche Frauen viele Möglichkeiten bietet, auch wenn sie sich ab und zu mehr Gehör und Respekt verschaffen müssen.

Gemeinschaft und Teamgeist stehen für Andrea Köhncke (rechts im Bild) und das Team an oberster Stelle.
Bild: Heydorn Söhne/Rene Tamm

Andrea Köhncke arbeitet seit fast drei Jahrzehnten in einem Baumschulbetrieb, der weit über die Region hinaus für Qualität und Nachwuchsförderung steht: Heydorn Söhne GmbH & Co. KG produziert Gehölze vor allem für Kommunen, für den Garten- und Landschaftsbau oder für andere Baumschulen zur Auftragskomplettierung. Heydorn wurde 2017 zum „Ausbildungsbetrieb des Jahres“ gekürt – ein Erfolg, der untrennbar mit Andrea Köhncke verbunden ist. Seit ihrer Meisterprüfung im Jahr 1990 bildet sie junge Menschen im Baumschulwesen aus und hat in dieser Zeit schätzungsweise über 100 Auszubildende auf ihrem beruflichen Weg begleitet. Köhncke betont: „Ausbilden tun wir alle zusammen!“ – jeder der Mitarbeitenden bei Heydorn trägt zum Ausbildungserfolg bei. Im Interview begegnen wir einer Frau, für die Gemeinschaft, Teamgeist und ein starkes Miteinander die Grundlage ihres beruflichen Handelns ist.

praxis-agrar.de: Was hat Ihr Interesse an der Gartenbaubranche geweckt?
Ich war schon als Kind und später als Jugendliche sehr naturverbunden und so spielten sich viele meiner Aktivitäten immer draußen ab. Aufgewachsen bin ich in einer Familie, die der Jagd sehr verbunden war – das hat mich unglaublich geprägt. Bei der Berufswahl gingen daher meine Gedanken erstmal Richtung Forst. Für den Weg dahin war eine gärtnerische Ausbildung notwendig, die ich dann auch gleich in einer Baumschule in meiner Heimatregion absolvierte. Nach meiner Ausbildung war es nicht so einfach möglich in den Forstbereich zu wechseln, sodass es als Baumschulgärtnerin einfach weiterging. Außerdem ist die Lust am Ausbildungsberuf im Laufe der Zeit immer weitergewachsen. Meine Zufriedenheit hält bis heute an – einfach, weil die Arbeit mit und in der Natur für mich am meisten zählen. 

praxis-agrar.de: Welche Herausforderungen haben Sie als Frau in dieser Branche erlebt?
Ich finde die Arbeit im Gartenbau ist allgemein herausfordernd, weil man mit der Natur und zu jeder Witterung arbeitet und weil am Ende immer die Pflanze genau vorgibt, was zu machen ist – so ist jeder Tag anders. Den Respekt der Kolleginnen und Kollegen muss man sich natürlich erwerben Stück für Stück, aber ich glaube, das muss man als Mann genauso. Nach meinen vielen Jahren im Beruf bin ich überzeugt, dass wir Frauen ab und zu mal mehr die Ellenbogen benutzen müssen, um uns Gehör und Respekt zu verschaffen. Allerdings bringt das auch einfach meine eigene Rolle als Ausbilderin und Führungsperson mit sich.

praxis-agrar.de: Wie haben Sie Ihre Erfahrung als Frau im Gartenbau genutzt, um andere Frauen zu unterstützen?
Ich bilde seit Jahrzehnten junge Leute zu Gärtnerinnen und Gärtnern aus. In meiner Rolle unterstütze ich immer fachlich wie auch menschlich und jeden so, wie er es braucht. Wenn ich das so reflektiere, fällt mir allerdings auf, dass die jungen Frauen grundsätzlich eine sehr positive Arbeitsweise mitbringen von sich aus – die haben einfach richtig viel Pepp! Bei ihnen muss ich dann auch eher weniger unterstützen, um gute Ausbildungsziele zu erreichen. 

Meine Beobachtung ist, dass Teams am besten funktionieren, wenn sie gemischt sind und viele unterschiedliche Persönlichkeiten zusammenkommen. Alle geben etwas mehr acht aufeinander. Mit einem Augenzwinkern kann ich sagen, dass sich auch der ein oder andere Herr besser benimmt, wenn Frauen in den Teams arbeiten…

praxis-agrar.de: Welche Ratschläge würden Sie jungen Frauen geben, die eine Karriere im Gartenbau anstreben?
Erstens: Setzt selbstbewusst die eigenen Fähigkeiten ein. Man muss sich bewusst sein, dass der Gartenbau anspruchsvoll ist für Geist und Körper. Zweitens: Nutzt jede Gelegenheit zur Fortbildung und dies auch spartenübergreifend. Drittens: Lasst euch nie unterkriegen, auch wenn ihr körperlich den männlichen Kollegen etwas unterlegen seid. Man kann die anstehenden Aufgaben auch immer mit etwas Köpfchen oder Hilfe sehr gut meistern.

praxis-agrar.de: Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Rolle der Frauen im Gartenbau in den letzten Jahren verändert?
Als ich mich damals um eine Lehrstelle beworben habe, bekam ich von einer Firma tatsächlich eine Absage, weil ich weiblich war. Das hat mich schon sehr erbost und gibt auch zu denken, wenn man gerade erst mit 16 Jahren Fuß fassen möchte in der Berufswelt. Ich glaube aber, dass dies heute nicht mehr so leicht passieren würde, weil Frauen heutzutage als gleichberechtigt im Kollegium angesehen werden.

Mittlerweile habe ich mir meine Position erarbeitet auch in diversen Gremien. Ich bin im Prüfungsausschuss der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein oder arbeite im Ausschuss für Ausbildung und Sozialpolitik des Landesverbandes im Bund deutscher Baumschulen mit. Solange ich da etwas bewegen kann und es beruflich unter einen Hut bekomme, mache ich das sehr gerne.

Die Baumschule produziert Gehölze vor allem für Kommunen, für den Garten- und Landschaftsbau oder für andere Baumschulen.
Bild: Heydorn Söhne

praxis-agrar.de: Welchen Einfluss hat die Mechanisierung/Digitalisierung auf Ihre Arbeit?
Besonders die Ballenarbeit ist schon immer körperlich kräftezehrend gewesen. Der Einsatz von Maschinen entlastet hier natürlich enorm. Körperlich ist und bleibt es ein anspruchsvoller Beruf, aber in ganz anderem Umfang als früher. Wegen der Mechanisierung und Digitalisierung steigt auch die Produktivität um einiges. Am Ende ist aber vor allem wichtig, dass die körperliche Belastung sinkt, weil wir uns und unsere Körper schützen müssen und natürlich das Personal halten möchten. 

praxis-agrar.de: Was sind Ihre Hoffnungen für die Zukunft des Gartenbaus in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit?
Ich hoffe, dass die Zeiten vorbei sind, in denen junge Frauen die Erfahrung machen müssen wie ich damals – abgelehnt zu werden wegen des Geschlechtes. Außerdem hoffe ich sehr, dass ich noch viele junge Frauen und auch Männer beim Start ins Gärtnerleben begleiten kann. Ich hoffe, dass alle Spaß an der Arbeit mitbringen, denn im Gartenbau zu arbeiten bedeutet, Spaß am Beruf und an der Natur zu haben, körperlich belastbar zu sein und immer weiter dazuzulernen.

praxis-agrar.de: Herzlichen Dank für das Interview, Frau Köhncke!


Letzte Aktualisierung 06. Juli 2026