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DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
Bei der „Saat im Schatten des Dreschers“ wird die Zwischenfrucht möglichst innerhalb von 48 Stunden nach der Ernte in oder auf die Stoppel gesät.
In einer dreijährigen Versuchsreihe zeigten verschiedene System ihre Stärken, aber kein Verfahren war unter allen Bedingungen überlegen.
Der Erfolg hing stark von Witterung, Boden und Technik ab.
In allen Varianten verlor über die Hälfte der testweise ausgebrachten Ackerfuchsschwanzsamen die Keimfähigkeit.
Der Grundgedanke ist einfach, denn nach der Ernte soll die Zwischenfrucht so schnell wie möglich etabliert werden, ohne den Boden stärker zu bewegen. Bei der Direktsaat wird das Saatgut in die Stoppel geschlitzt. Bei der Unterstroh-Saat werden die Stoppeln gemulcht; im selben Arbeitsgang wird das Saatgut breitflächig auf der Bodenoberfläche abgelegt, während sich der Gutstrom des zu zerkleinernden Materials in der Maschine befindet. Die Zwischensaat erhält so unmittelbar Bodenkontakt und wird umgehend mit Strohmulch bedeckt. Beide Verfahren zielen darauf ab, der Zwischenfrucht einen Vorsprung zu verschaffen und ausgefallene Samen von Ackerfuchsschwanz möglichst an der Oberfläche zu belassen, damit dieser an Keimfähigkeit verliert.
Es wurden verschiedene Zwischenfrüchte in Reinsaat und in Mischungen an mehreren Standorten mit Strohverbleib auf der Fläche über drei Versuchsjahre getestet. Zudem wurde das herkömmliche Direktsaatverfahren mit einer Mulcher- beziehungsweise CoverSeeder-Lösung für die Unterstroh-Saat im Hinblick auf den Etablierungserfolg und den Abbau von Ackerfuchsschwanzsamen verglichen. Ergänzend gab es jeweils eine Strohkontrolle ohne Zwischenfrucht. So ließ sich nicht nur der Auflauf der Zwischenfrüchte bewerten, sondern auch der Einfluss auf den Ungras- und Unkrautdruck.
Folgende Zwischenfruchtarten und -mischungen wurden ausgesät:
Phacelia, Klee, Ölrettich, Wicke, Öllein, Ramtillkraut und Rauhafer
Mischung 1: 4,77 kg Phacelia + 1,98 kg Alexandrinerklee + 2,16 kg Inkarnatklee (Samenanteil 65/18/17)
Mischung 2: 27 kg Rauhafer + 29,4 kg Sommerwicke + 2,2 kg Öllein + 9,2 kg Ölrettich (Samenanteil 42/15/10/33)
Schon die Vorarbeiten aus den Jahren 2018 bis 2021 zeigten, dass das Verfahren keine Standardlösung ist. In begleiteten Praxis- und Versuchsanlagen gelang eine ausreichende Deckkraft der Zwischenfrucht nur in rund 50 Prozent der Fälle. Auf leichten Böden lag die Erfolgsaussicht bei etwa 70 Prozent, auf schweren, tonigen Böden nur bei rund 25 Prozent. Damit war früh erkennbar: Standort und Witterung entscheiden mit.
Beim Feldaufgang sechs Wochen nach der Aussaat ergab sich kein einheitliches Bild. Sommerwicke, also eine eher grobkörnige Leguminose, lief in den Direktsaatvarianten besser auf. Ölrettich zeigte kaum Unterschiede zwischen den Verfahren. Phacelia, Öllein, Ramtillkraut und insbesondere Klee erzielten dagegen in der Unterstroh-Saat einen höheren Feldaufgang. Beim Rauhafer fielen die Unterschiede gering aus. Auch beim Auflaufen von Ausfallgetreide lagen beide Systeme im Mittel ähnlich.
Auffällig war außerdem, dass der frühe Auflaufvorteil nicht automatisch bis zum Herbst erhalten blieb. In den Direktsaatvarianten entwickelten sich teils kräftigere und besser bestockte Pflanzen. Dadurch konnten sie anfängliche Nachteile im Aufgang später ausgleichen. Ein Blick auf die ersten Wochen allein reicht nicht aus, um ein Verfahren zu bewerten.
Ein zweiter Schwerpunkt der Versuche beschäftigte sich mit der Frage, zu welchem Anteil ausgestreuter Ackerfuchsschwanzsamen in Abhängigkeit von der Zwischenfrucht an Keimfähigkeit verliert. Ausgangspunkt waren dänische Untersuchungen von P. K. Jensen aus den Jahren 2003 bis 2005. In Gefäßversuchen verloren Samen an der Bodenoberfläche ohne Strohbedeckung besonders schnell an Keimfähigkeit. Nach etwa sechs Wochen waren 97,2 Prozent der Samen nicht mehr keimfähig. Mit Stroh lag der Wert bei 92 Prozent. Wurden die Samen zwei Zentimeter tief eingearbeitet, sank die Abbaurate dagegen auf 50,6 Prozent.
Die Feldversuche sollten deshalb Auskunft darüber geben, wie sich solche Effekte unter Praxisbedingungen darstellen. Vor der Aussaat wurden je Variante und Wiederholung auf markierten Flächen 14 Gramm frisch geernteter Ackerfuchsschwanzsamen pro Quadratmeter ausgestreut. Nach rund zehn Wochen wurden aufgelaufene Pflanzen im Feld gezählt. Zusätzlich wurden Bodenproben entnommen und über 45 Wochen im Gewächshaus auf weiteren Auflauf kontrolliert. So ließ sich der Anteil nicht mehr keimfähiger Samen abschätzen.
Die Ergebnisse fielen deutlich differenzierter aus als in den dänischen Versuchen. Im Versuchsjahr 2022/23 waren gut 80 Prozent der ausgestreuten Samen nach drei Monaten nicht mehr keimfähig. 2023/24 sank dieser Wert auf etwa 55 Prozent. 2024/25 lagen die Werte dazwischen. Im Mittel aller Systeme ergaben sich 81 Prozent für 2022, 57 Prozent für 2023 und 64 Prozent für 2024. Der Dreijahresdurchschnitt lag damit bei 67 Prozent.
Die hohen dänischen Werte von über 90 Prozent unter Strohverbleib wurden damit nicht erreicht. Dennoch zeigte sich ein Unterschied zwischen den Varianten: In der Strohkontrolle ohne Zwischenfrucht lag die mittlere Keimunfähigkeit bei 61 Prozent, in der Direktsaat mit Zwischenfrucht bei 65 Prozent und in der Unterstroh-Saat mit Zwischenfrucht bei 73 Prozent. Gegenüber der Kontrolle steigerte die Zwischenfrucht die Keimunfähigkeit also um vier Prozentpunkte in der Direktsaat und um zwölf Prozentpunkte in der Unterstroh-Saat.
Im zweiten Versuchsjahr hatten die Zwischenfruchtvarianten gegenüber der Strohvariante einen Vorteil von zehn bis 15 Prozentpunkten. Zudem lag die kleebetonte Mischung vor der zweiten Mischung, was vermutlich auf einen Jahreseffekt zurückgeht. Im System der Unterstroh-Saat lief zugleich mehr Klee auf. Auch hier zeigt sich: Nicht nur das Verfahren, sondern auch die Artenzusammensetzung der Mischung kann eine Rolle spielen.
Besonders deutlich wurde der Einfluss der Rahmenbedingungen im nassen Versuchsjahr 2024/25. Dort traten unabhängig von der Mischung Unterschiede zwischen den Verfahren auf. Als mögliche Ursache nennen die Autorinnen und Autoren die eingesetzte Direktsaattechnik vom Typ Novag TForce. Auf feuchtem Boden wurden Verdichtungen beobachtet, und Säschlitze drückten sich stark zu, was vermutlich mit dem hohen Eigengewicht zusammenhing.
Für die betriebliche Praxis bedeutet das: Die Frage lautet nicht, ob Direktsaat oder Unterstroh-Saat grundsätzlich besser ist. Entscheidend ist, wie gut das Verfahren zu Bodenart, Feuchteverhältnissen, Strohauflage und eingesetzter Maschine passt.
Die „Saat im Schatten des Dreschers“ kann ein sinnvoller Baustein in Systemen mit geringem Bodeneingriff sein. Die Versuche zeigen, dass sowohl Direktsaat als auch Unterstroh-Saat grundsätzlich geeignet sind, Zwischenfrüchte schnell zu etablieren. Zugleich bleibt der Erfolg stark von Witterung, Standort, Zwischenfrucht und Technik abhängig.
Im Hinblick auf Ackerfuchsschwanz können Zwischenfrüchte und geringe Bodenbewegung die Keimfähigkeit vermindern. Der Erfolg der Maßnahmen ist aber von vielen Faktoren abhängig. Für Betriebe ist deshalb vor allem eine Berücksichtigung der Gegebenheiten wichtig: leichte oder schwere Böden, Feuchtesituation nach der Ernte, passende Technik und die Wahl der Zwischenfrucht. Passen diese Faktoren gut zusammen, hilft das Verfahren, Zwischenfrüchte zügig zu etablieren und den Unkrautdruck zu regulieren.
Hinweis: Das Projekt wurde vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW gefördert. Die Mulchersaat per CoverSeeder wurde durch die Firma Müthing aus Soest unterstützt und Auflaufuntersuchungen im ersten Jahr im Rahmen einer Bachelorarbeit begleitet.