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Bevor ein neuer Kanal erstellt wird, lohnt sich ein Blick auf die eigenen Ziele. Soll die Öffentlichkeit besser über die Arbeit auf dem Betrieb informiert werden? Steht der Verkauf von Hofprodukten im Mittelpunkt oder die Suche nach Auszubildenden? Je klarer das Ziel definiert ist, desto einfacher lassen sich geeignete Plattformen auswählen und Inhalte planen.
Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt der Hof Vogelsang in Ostwestfalen. Betriebsleiter Stefan Vogelsang bewirtschaftet dort einen konventionellen Familienbetrieb mit rund 180 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, Milchvieh- und Schweinehaltung sowie Ackerbau.
Seit einigen Jahren nimmt er seine stetig wachsende Community auf verschiedenen Kanälen mit in seinen Hofalltag, zeigt innovative Feldversuche und den Einsatz moderner Landtechnik. Für ihn ist Social Media vor allem ein Instrument, um fachliche Arbeit sichtbar zu machen: „Social Media gibt uns Landwirten die Möglichkeit, dort Nähe und Verständnis zu schaffen, wo schnell Distanz und Vorurteile entstehen. Wir sind ausgebildete Fachleute – und genau das müssen wir sichtbar machen, indem wir transparent zeigen, was wir tun und vor allem warum wir es tun.“
Doch welche Plattform eignet sich für welche Zwecke am besten? Instagram passt besonders für bildstarke Einblicke in den Betriebsalltag, bei denen Tierhaltung, Pflanzenbau oder Technik im Mittelpunkt stehen. Facebook bietet eine gute Möglichkeit, mit regionalen Gruppen, Vereinen und Kundinnen oder Kunden in Kontakt zu kommen. Wer regelmäßig längere Erklärvideos oder Maschinenvorstellungen produziert, ist auf YouTube gut aufgehoben. Wichtig ist, sich zunächst auf einen Kanal zu konzentrieren, bevor weitere hinzukommen. So lassen sich Routinen entwickeln und der Aufwand bleibt überschaubar.
Eine erfolgreiche Social-Media-Präsenz lebt von regelmäßigen, abwechslungsreichen Inhalten. Dabei muss es nicht immer aufwendig zugehen. Der Alltag auf dem Hof bietet viele Motive: das erste Kalb des Jahres, die Saatbettvorbereitung, die Getreideernte oder der Blick auf die Fütterungstechnik. Idealerweise treten Landwirtinnen und Landwirte auch selbst vor die Kamera. Solche authentischen Szenen vermitteln Glaubwürdigkeit und schaffen Nähe.
Wer systematisch vorgehen möchte, plant die Themen in einem einfachen Redaktionsplan.. Regelmäßige Planungszeiten helfen, den Überblick zu behalten und Beiträge gezielt vorzubereiten. Zwei feste Veröffentlichungstermine – etwa mittwochs und freitags – sorgen für Kontinuität.
Eine Mischung aus kurzen Videos, Fotoserien und begleitenden Texten ist ideal. In den Beiträgen sollte immer deutlich werden, was gerade passiert, warum es wichtig ist und welchen Nutzen die Arbeit hat. Eine klare Sprache und verständliche Erklärungen erleichtern es, auch fachfremde Menschen mitzunehmen.
Auch kleine Rubriken helfen, Struktur aufzubauen – zum Beispiel „Maschinen-Mittwoch“ oder „Feldblick am Freitag“. Wer so regelmäßig aus dem Betriebsjahr berichtet, zeigt Kompetenz und schafft Vertrauen.
Viele Landwirtinnen und Landwirte scheuen Social Media aus Zeitgründen. Mit etwas Routine können 30 bis 60 Minuten pro Woche reichen, um einen Kanal ansprechend und wirkungsvoll zu pflegen. Wer feste Abläufe einführt, kann Beiträge effizient vorbereiten:
• 15 Minuten Themenplanung oder kurze Stichpunkte notieren
• 20 Minuten für Foto oder Videoaufnahme im Arbeitsalltag
• 10 Minuten für Text, Upload und Hashtags
Wichtig ist Regelmäßigkeit. Zwei Beiträge pro Woche sind meist besser als eine unregelmäßige Flut von Inhalten.
Praxis-Tipp: Routinen im Kalender blocken – z. B. jeden Mittwoch nach dem Melken „Social Media“ eintragen.
Für gute Beiträge ist keine teure Ausrüstung nötig. Ein aktuelles Smartphone reicht aus, wenn auf sauberes Bildmaterial und guten Ton geachtet wird. Kurze Clips von 20 bis 60 Sekunden funktionieren meist besser als lange Filme.
Wichtig ist, dass das Thema auf den Punkt gebracht wird. Ein einfacher Aufbau hilft: zu Beginn eine kurze Einleitung („Heute bereiten wir die Weide für den ersten Austrieb vor“), dann zwei bis drei erklärende Sätze und am Ende eine Einladung zum Dialog („Wer macht das ähnlich?“).
Wer mehrere Personen auf dem Betrieb hat, kann die Aufgaben aufteilen: Eine Person filmt, eine spricht, eine andere kümmert sich um das Hochladen.
Wiederkehrende Abläufe, zum Beispiel die tägliche Fütterung oder das Einstreuen, lassen sich gut im Voraus aufnehmen und später verwenden. So entsteht ein kleiner Vorrat an Material für ruhigere Phasen.
Soziale Medien leben vom Austausch. Wer Fragen beantwortet, Kommentare aufgreift und in Diskussionen sachlich bleibt, gewinnt Vertrauen. Landwirtinnen und Landwirte sollten sich nicht scheuen, fachliche Hintergründe zu erklären oder auf Kritik ruhig zu reagieren. Oft hilft es, auf weiterführende Quellen zu verlinken – etwa auf Fachinformationen des BZL oder der Kammern. Bei Instagram ist zu beachten: Direkte Links in Beiträgen sind nicht möglich. Hier lassen sich Informationen über die Profilbeschreibung oder Story-Highlights teilen.
Für Stefan Vogelsang ist genau dieser Austausch ein zentraler Mehrwert seiner Online-Präsenz. Über die Jahre hat sich eine große Community entwickelt, die weit über das direkte Umfeld des Hofes hinausreicht und viele fachliche Impulse liefert. „Der größte Benefit ist unsere Community, die meine Leidenschaft für Landwirtschaft ganz neu entfacht hat. Außerdem ist der Erfahrungs- und Wissensaustausch enorm, da ich mich nicht wie früher mit einer Handvoll Landwirten austausche, sondern auf ein großes Schwarmwissen, Life Hacks, Marke Eigenbau und unzählige praktische Erfahrungen zurückgreifen kann“, beschreibt der Landwirt die Vorteile.
Auch Kooperationen mit anderen Höfen, Maschinenringen oder Bildungseinrichtungen können die Reichweite erhöhen. Gemeinsame Beiträge oder gegenseitige Erwähnungen zeigen die Vielfalt der Landwirtschaft. Dabei sollten regionale Hashtags oder Ortsangaben nicht fehlen, um gezielt die eigene Umgebung zu erreichen. Hashtags sind Schlagwörter, die Beiträge thematisch kennzeichnen und auffindbar machen – wer passende Tags verwendet, erhöht die Chance, dass Interessierte den Beitrag finden.
Wer Social Media beruflich nutzt, muss rechtliche Vorgaben beachten. Ein vollständiges Impressum und Datenschutzhinweise sind Pflicht. Bei werblichen Inhalten, etwa wenn Marken gezeigt oder Produkte empfohlen werden, ist eine entsprechende Kennzeichnung notwendig.
Auch das Persönlichkeitsrecht spielt eine Rolle: Beschäftigte, Kundinnen und Kunden oder betriebsfremde Personen dürfen nur gezeigt werden, wenn sie dem ausdrücklich zugestimmt haben.
Ebenso wichtig ist, auf Sicherheit und Tierschutz zu achten. Szenen, die riskant wirken oder falsche Eindrücke erwecken könnten, sollten vermieden werden. Persönliche Schutzausrüstung gehört selbstverständlich auch vor der Kamera dazu. Wer sich an diese Grundregeln hält, zeigt Professionalität und Verantwortung.
• Zu viele Kanäle gleichzeitig: Lieber klein anfangen und lernen.
• Fachjargon ohne Erklärung: Fachlich korrekt, aber verständlich formulieren.
• Fehlende Bildrechte: Nur eigene Aufnahmen oder lizenzfreie Materialien verwenden.
• Unregelmäßige Aktivität: Ein „verwaister“ Kanal wirkt unprofessionell.
• Keine Interaktion: Wer nur sendet, aber nicht antwortet, verschenkt Wirkung.
Praxis-Tipp: Den eigenen Kanal regelmäßig prüfen: „Wann haben wir zuletzt gepostet? Würden wir selbst folgen?“
Nach einigen Wochen lohnt es sich, einen Blick auf die Ergebnisse zu werfen. Welche Beiträge werden besonders häufig angesehen, kommentiert oder geteilt? Welche Themen erzeugen Nachfragen? Solche Kennzahlen helfen, die eigene Strategie anzupassen.
Dabei gilt: Reichweite ist nicht alles. Entscheidend ist, ob die Kommunikation das gesetzte Ziel unterstützt – sei es mehr Verständnis in der Öffentlichkeit, mehr Besucherinnen und Besucher im Hofladen oder mehr Anfragen für Ausbildungsplätze.
Social Media ist ein Lernprozess. Wer mit klaren Zielen startet, authentische Inhalte zeigt und regelmäßig dranbleibt, wird feststellen: Der Aufwand zahlt sich aus. Denn erfolgreiche Kommunikation über digitale Kanäle stärkt nicht nur das Image des Betriebs, sondern auch das Vertrauen zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft.
Letzte Aktualisierung 03.03.2026