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Klassische Stellenanzeigen reichen heute oft nicht mehr aus. Viele Betriebe suchen länger nach Auszubildenden, Fachkräften oder Aushilfen, weil immer weniger Personen klassische landwirtschaftliche Medien oder Jobbörsen nutzen. Gleichzeitig informieren sich Interessierte zunehmend online über potenzielle Arbeitgeber. Sie möchten wissen, wie ein Betrieb arbeitet, welche Aufgaben anfallen, wie das Team miteinander umgeht und welche Perspektiven geboten werden. Social Media ermöglicht genau diesen ersten Einblick – aktuell, authentisch und niedrigschwellig.
Kurze Videos und Bilder aus dem Hofalltag vermitteln schneller als jede Anzeige, wie ein Betrieb organisiert ist. Sie zeigen Abläufe, Technik, Tiere und Arbeitsziele.
Ein Vorteil: Der Eindruck kann flexibel aktualisiert werden, sodass auch saisonale Aufgaben und besondere Herausforderungen sichtbar werden.
Wer Social Media systematisch nutzt, öffnet seine Türen also schon digital, lange bevor eine Bewerbung eingeht.
Bevor Inhalte entstehen, sollte klar sein, welche Zielgruppen angesprochen werden sollen. Für junge Menschen, die eine Ausbildung oder ein Praktikum suchen, eignen sich besonders Instagram und TikTok. Hier entstehen die meisten Erstkontakte: durch kurze Videos aus Stall, Werkstatt oder vom Feld, begleitet von einfachen Erklärungen zu Aufgaben und Anforderungen.
Fachkräfte aus Tierhaltung, Ackerbau oder Technik finden sich häufiger auf Facebook oder in regionalen Gruppen. Dort sprechen sich offene Stellen schnell herum, und viele Bewerbungen entstehen aus persönlicher Empfehlung. Für spezialisierte Positionen, die ein Studium erfordern, kann LinkedIn sinnvoll sein: Die Plattform zeigt berufliche Laufbahnen und ermöglicht es, gezielt Fachkräfte anzusprechen, die aktiv nach neuen Herausforderungen suchen. Wichtig ist, nicht auf allen Plattformen gleichzeitig aktiv zu sein, sondern gezielt dort, wo die eigenen Zielgruppen unterwegs sind.
Eine überzeugende Arbeitgebermarke entsteht nicht durch große Versprechungen, sondern durch nachvollziehbare Einblicke. Wer zeigt, wie ein Morgen im Melkstand aussieht, wie Jungtiere versorgt werden oder wie der Werkstattalltag organisiert ist, macht den Betrieb greifbar. Informationen zu Arbeitszeiten, Schichtmodellen, Technik oder Einarbeitung bieten Orientierung, bevor Bewerberinnen und Bewerber tiefer einsteigen.
Ein Beispiel dafür ist Hof Barslund in Schleswig-Holstein. Der Familienbetrieb bewirtschaftet rund 500 Hektar Nutzfläche mit Milchviehhaltung, Grünland, Ackerbau und erneuerbaren Energien.
Betriebsleiter Thomas Andresen gibt über den Instagram-Kanal @hof_barslund mit über 65.000 Followern regelmäßige Einblicke in die Tierhaltung, die Fütterung, moderne Technik und Projekte rund um Energieerzeugung und Nachhaltigkeit.
Bei Tiktok erreicht sein Kanal @hof.barslund sogar 156.700 Abonnentinnen und Abonnenten.
Seit Februar 2024 setzt er ebenfalls auf Youtube. Hier erreicht er wöchentlich über 25.000 Abonnenten mit seinem Farm-Vlog.
Die Kombination aus Alltagsszenen und fachlicher Einordnung macht deutlich, wie vielfältig die Arbeit auf einem modernen Betrieb ist.
Damit Social Media in der Fachkräftegewinnung wirkt, sollten die Inhalte das Arbeitsumfeld und die Anforderungen konkret zeigen. Szenen wie die Fütterung der Kälber, Reparaturen in der Werkstatt oder Abläufe im Melkstand vermitteln einen unmittelbaren Eindruck.
Gerade für junge Menschen erzeugen solche Einblicke Orientierung: Was erwartet mich? Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus? Welche Fähigkeiten brauche ich?
Auch kurze Aussagen von Mitarbeitenden unterstützen die Entscheidungsfindung. Wenn erfahrene Kräfte erklären, warum sie gern im Betrieb arbeiten oder welche Aufgaben sie neu dazugelernt haben, entstehen Nähe und Vertrauen.
Wichtig ist ein positiver und sachlicher Ton: Social Media lebt nicht von Hochglanzbildern, sondern von Alltagsszenen, die auf ansprechende Weise zeigen, wie ein Betrieb wirklich arbeitet – inklusive früher Morgenstunden und Spitzenzeiten.
Was Bewerberinnen und Bewerber wirklich wissen wollen
Viele Interessierte entscheiden sich nicht erst im Bewerbungsgespräch – oft entsteht der erste Eindruck bereits beim Blick auf den Social-Media-Auftritt eines Betriebs. Mit den richtigen Informationen können Betriebe Orientierung bieten und die häufigsten Fragen gleich beantworten:
Betriebe, die diese Fragen aktiv beantworten, wirken strukturiert, verlässlich und offen – ein klarer Vorteil im Wettbewerb um gute Fachkräfte.
Damit aus einem interessierten Blick eine echte Bewerbung entsteht, muss die Kontaktaufnahme einfach sein.
Ein klarer Hinweis wie „Kurzbewerbung per Nachricht – Name und Telefonnummer reichen“ senkt die Hürde deutlich. Viele Bewerbungen entstehen genau über diesen Weg, weil er unkompliziert und schnell ist.
Anschließend kann der Betrieb Fragen telefonisch klären und zu einem Probetag einladen.
Ein kurzes Online-Formular auf der eigenen Website kann ebenfalls sinnvoll sein. Es genügt, nach Kontaktdaten, bisherigen Erfahrungen und gewünschtem Einsatzbereich zu fragen.
Wichtig ist, eine zeitnahe Rückmeldung zu gewährleisten. Wer innerhalb eines Werktages reagiert, signalisiert Verlässlichkeit – ein wichtiger Punkt im Wettbewerb um gute Fachkräfte.
Wie wirksam der eigene Social-Media-Auftritt ist, zeigt sich an Profilaufrufen, Nachrichtenanfragen und konkreten Bewerbungen. Auch qualitative Kriterien spielen eine Rolle: Passen die Bewerberinnen und Bewerber zu den gesuchten Stellen? Welche Beiträge lösen besonders viele Rückmeldungen aus?
Auf Hof Barslund ist die Wirkung deutlich spürbar. Thomas Andresen berichtet: „Wir bekommen durch unsere große Reichweite mehr Bewerbungen auf offene Stellen. Allerdings müssen wir unter den Bewerbern stärker selektieren, da die Qualität der Bewerber nicht linear mit der Reichweite wächst.“
Die Erfahrung zeigt: Reichweite hilft, ersetzt aber nicht die sorgfältige Auswahl. Betriebe sollten klare Kriterien für die Eignung definieren und strukturierte Gespräche führen. Probearbeit und Praktika bleiben zentrale Elemente, um Erwartungen und Realität abzugleichen.
Social Media kann die Fachkräftegewinnung wirkungsvoll unterstützen. Es macht Betriebe sichtbar, vermittelt ein realistisches Bild vom Arbeitsalltag und erleichtert die erste Kontaktaufnahme. Entscheidend sind klare Ziele, passende Kanäle und Inhalte, die Einblicke geben, statt nur werben zu wollen. Richtig integriert, öffnet Social Media die Tür zu Menschen, die sonst vielleicht nie auf den Betrieb aufmerksam geworden wären – und schafft neue Chancen, langfristig gute Mitarbeitende zu gewinnen.
Letzte Aktualisierung: 26.05.2026