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Betrieb

Urlaub auf dem Bauernhof

Landtourismus ist in vielen Regionen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Er unterstützt den Erhalt ländlicher Strukturen und trägt zur Beschäftigung im ländlichen Raum bei. Für Landwirtschaftliche Betriebe bietet er eine alternative Einkommensquelle.

Liegestuhl auf einer Wiese, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster

Quelle: Stefan Körber / Fotolia.com

10.000 Gastgeber bieten 150.000 Schlafgelegenheiten

In Deutschland gibt es ca. 10.000 Anbieter von Urlaub auf dem Bauernhof. Rund 138.000 Betten werden regelmäßig in Ferienzimmern und Ferienwohnungen an Gäste vermietet. Dazu kommen rund 17.000 Schlafplätze im Campingbereich und 3.000 Schlafplätze in Heuherbergen. Der Landtourismus leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung landwirtschaftlicher Betriebe im Haupt- und Nebenerwerb und zur Sicherung gewachsener, agrarisch geprägter Landschafts- und Siedlungsstrukturen.

Bayern als klassisches Agrar- und Urlaubsland bietet die meisten Möglichkeiten für Bauernhofurlauber, gefolgt von den Bundesländern Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein und Niedersachsen. In den ostdeutschen Bundesländern hat der Urlaub auf dem Bauernhof als Betriebszweig schon aufgrund der großteilig strukturierten Landwirtschaft eine geringere Bedeutung.

Das Potenzial für Neueinsteiger im Landtourismus ist eher rückläufig. Der allgemeine Strukturwandel in der Landwirtschaft und die vielfach ungeregelte Betriebsnachfolge hemmen die Entwicklung des Betriebszweigs Urlaub auf dem Bauernhof. Einschränkend wirken auch gesetzliche Hemmnisse wie die Begrenzung des Ausbaus zusätzlicher Wohnungen und Betten mit der Lage im Außenbereich (§25 Baugesetzbuch). In Zukunft werden ältere Anbieter ohne Nachfolger ebenso ausscheiden wie Anbieter, die aus wirtschaftlichen Gründen die Landwirtschaft vollständig aufgeben. Übrig bleiben die dynamischen, kreativen und engagierten Urlaubsanbieter, die sich bewusst für das touristische Standbein entschieden haben und auf Qualität setzen. Diese Betriebe entwachsen dauerhaft dem landwirtschaftlichen Umfeld und damit auch der einzelbetrieblichen agrotouristischen Förderung. 

Nachfrage eher rückläufig

Seit Mitte der 1990er Jahre ist das Interesse am Urlaub auf dem Bauernhof rückläufig. Die Hauptzielgruppe, Familien mit Kindern, nimmt demografisch bedingt, ab. Neue Urlaubergruppen werden nur schwer erschlossen. 15,4 Millionen Übernachtungen zählt der Urlaub auf dem Bauernhof jährlich, weitere 600.000 Camping-Übernachtungen und rund 75.000 Übernachtungen in Heuherbergen kommen hinzu. Mehr als zwei Drittel der Übernachtungen vereinen die klassischen Urlaubs-Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen auf sich.

Urlaub auf dem Bauernhof konkurriert zunehmend mit anderen touristischen Anbietern im ländlichen Raum. Immer mehr Gäste auf dem Land sind offen für andere Urlaubsformen. Sie wollen einen Urlaub am Strand, einen Ausruhurlaub, einen Familienurlaub oder einen Urlaub in der Natur verbringen. Kinderhotels, Jugendherbergen oder auch Campingplätze bieten hier alternative Angebote an. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Altersgruppe 14 bis 26 Jahre hat der Urlaub auf dem Bauernhof in den letzten 10 Jahren deutlich an Interesse verloren.

Wer Urlaub auf dem Bauernhof künftig mit Erfolg anbieten möchte, muss die potentiellen Zielgruppen bei den Urlaubsgästen stärker differenzieren. Die Kernzielgruppe bleiben Familien mit Kindern. Urlaubsangebote müssen aber spezifischer an deren Interessen angepasst werden. Präferenzen für Naturnähe und der Wunsch nach Wissensvermittlung über Landwirtschaft, Herkunft und Regionalität von Nahrungsmitteln müssen stärker bei der Angebotsgestaltung berücksichtig werden. Auch dem Wunsch der Eltern, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen, muss entsprochen werden. Genauso gilt es, sich auf andere Familienkonstellationen, wie zum Beispiel Patchwork-Familien oder Urlaub mit den Großeltern, einzustellen.

Im touristischen Wettbewerb geht es auch darum, neue Zielgruppen zu erschließen und die Urlaubssaison betriebswirtschaftlich optimal auszubauen.  Neue mögliche Zielgruppen sind kinderlose Erwachsene mittleren Alters und Senioren, die Interesse an einem Natururlaub haben und damit nah am Markenkern "Urlaub auf Bauernhof" liegen. "Gesellige Ältere", "Relaxende Genießer-Paare" und Aktive Multioptionale" werden von den professionellen Anbieterbetrieben als weitere Zielgruppen identifiziert.

Qualitätszeichen  Gütezeichen und Qualitätssiegel sollen den Urlauber objektiv und verbindlich über den Standard von Ausstattung und Komfort, Freizeitmöglichkeiten und Service eines Urlaubsangebotes informieren. Neben diesem Anliegen steht das Interesse der bäuerlichen Anbieter, die Besonderheiten dieser Urlaubsform bei der Qualitätsbewertung zu berücksichtigen.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus in Deutschland e.V. hat für die charakteristischen ländlichen Urlaubsformen Bauernhof, Winzerhof, Obsthof, Reiterhof, Fischerhof und Landurlaub spezifische Qualitätssiegel entwickelt, die die jeweiligen Erlebnis- und Servicequalitäten zum Ausdruck bringen.

Der Deutsche Tourismusverband bewertet mit ein bis zu fünf Sternen die Ausstattungsqualität von Unterkünften. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft prüft seit über 40 Jahren im Bereich Landtourismus. Sie vergibt die drei Gütezeichen "Urlaub auf dem Bauernhof", "Urlaub auf dem Winzerhof" und "Landurlaub". Rund 90 Prüfer über prüfen die Urlaubshöfe vor Ort auf Sauberkeit, Sicherheit und das ländliche Erlebnis für den Gast. Alle Qualitätsprüfungen für sind freiwillig und werden alle drei Jahre durchgeführt.

Viele Urlaubsanbieter setzen zusätzlich auf die subjektive Bewertung durch ihre Gäste. Etwa indem sie ihnen die Gelegenheit bieten per Postkarte Noten für Verpflegung, Unterkunft, Service und Freizeitangebot zu vergeben. Die deutschlandweite Auszeichnung "Vom Gast empfohlenes Haus" oder der "Goldene Gockel" in Bayern werden von den Ferienhöfen bei der Vermarktung ihrer Angebote schlagkräftig genutzt.

Erfolgskontrolle sichert Qualität und Wettbewerbsfähigkeit

Die beste Voraussetzung für die Verbesserung oder Sicherung der Qualität sowie der Wettbewerbsfähigkeit ist eine regelmäßige Erfolgskontrolle. Qualitätsmerkmale wie "Sterne"-Klassifizierungen geben den Gästen bei der Vielfalt der Angebote heute eine wichtige Hilfestellung bei der Einordnung. Können die Betriebe die Qualität und die Kundenorientierung zum Beispiel durch ein betriebliches Qualitätsmanagement-System (QMS) nachweisen, kann dies die Wertschätzung im Regelfall noch steigern. Es kann

  • die Produkt- und Dienstleistungsqualität zuverlässiger garantieren,
  • Kosten durch potenzielle Fehler reduzieren,
  • Reibungsverluste im Betrieb minimieren und
  • innerbetriebliche Prozesse transparenter machen.

Auch für die Gäste ergeben sich Vorteile. Sie erleben eine durchgängige Servicequalität, von der Ankunft bis zur Abreise. Grundsätzlich kann ein QMS ohne Zertifizierung eingeführt werden. 

Perspektiven

Der Urlaub auf dem Bauernhof muss sein Profil weiter schärfen und kontinuierlich an der Qualität arbeiten, um neue Zielgruppen für sich gewinnen und gegenüber den Erlebnisparks, Jugendherbergen, Baumhaushotels u.v.a. Urlaubsanbietern auf dem Land bestehen zu können. Angesichts des intensiven Wettbewerbs und der Digitalisierung sind das Schaffen einer hohen Bekanntheit und die Vermarktung des Angebots für Urlaub auf dem Bauernhof eine ebenso wichtige Aufgabe. Die Kooperation mit lokalen und regionalen Tourismusorganisation ist zwingend notwendig. Sie unterstützen bei der einzelbetrieblichen Beratung und Förderung, sind Marketingpartner und meist auch Prüfstellen für die touristische Qualitätsprüfung. Nur so kann der einzelne Urlaubsbauernhof sein ganzes Potential in dem Betriebszweig ausschöpfen.

Ein Muss: die eigene Internetseite

Ein absolutes Muss für erfolgreiche Angebote ist eine ansprechende Internetseite. Hier können die Landwirtsfamilien ihren künftigen Gästen, die oft keinen oder nur geringen Bezug zur Landwirtschaft haben, ihr Urlaubsangebot erklären, sie mit kleinen Geschichten in ihr Angebot hineinfühlen lassen und ihnen vermitteln, warum sie die schönste Zeit ihres Jahres gerade bei ihnen verbringen sollten. Die Mehrzahl der Gäste schaut sich natürlich gerne aussagekräftige Bilder von den Ferienwohnungen und -zimmern an, aber auch Eindrücke von der Bauernfamilie, von der Landschaft am Hof und in der Region, vielleicht sogar zu unterschiedlichen Jahreszeiten fördern das Interesse. Nicht zu vergessen sind Hinweise auf Aktivitäten, die auch bei schlechtem Wetter genutzt werden können. Generell ist auf eine professionelle Gestaltung des Internetauftritts zu bezahlbaren Preisen mit der Möglichkeit von regelmäßigen Aktualisierungen zu achten.