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Betrieb

Solidarische Landwirtschaft – eine Alternative für landwirtschaftliche Betriebe

Solidarische Landwirtschaft – kurz Solawi genannt – ist ein alternatives Landwirtschaftsmodell, das auf dem gemeinsamen Wirtschaften von Landwirten und Verbrauchern basiert und beiden Seiten Nutzen bringt. 

Zum einen können Landwirtinnen und Landwirte eine nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft praktizieren ohne sich dem globalen Konkurrenzdruck stellen zu müssen. Zum anderen erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher regional erzeugte, hochwertige Lebensmittel, deren Anbau und Ernte sie hautnah miterleben können. Eine Win-win-Situation, die immer mehr Landwirten Mut macht, auf Solidarische Landwirtschaft umzustellen.

Das Prinzip "Solidarische Landwirtschaft"

Frauen beim ernten der Kartoffeln

Quelle: JackF / iStock.com

Solidarische Landwirtschaft beruht darauf, dass ein oder mehrere Höfe oder Gärtnereien eine Gruppe von Verbraucherinnen und Verbrauchern mit Lebensmitteln versorgen. Im Gegenzug verpflichtet sich die Verbrauchergemeinschaft, einen vereinbarten Betrag an den Hof zu zahlen – und zwar jährlich oder monatlich im Voraus. Damit wird die gesamte landwirtschaftliche Produktion finanziert – einschließlich der Betriebsmittel, Löhne, Pacht und Maschinen. Die produzierten Lebensmittel werden nicht verkauft, sondern untereinander verteilt. 

Durch die Finanzierung des Hofes, die vollständige Abnahme der Produkte und die Übernahme von Risiko und Verantwortung entstehen Solidarität und Wertschätzung zwischen aktiven Landwirten und den Mitgliedern der Verbrauchergemeinschaft – das ist das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft. 

Steigendes Interesse an Solawi

Waren es deutschlandweit 2011 etwa 25 Solidarhöfe, so gab es 2015 schon 90 und 2017 bereits über 150 Solidarhöfe und -gärtnereien – und es werden immer mehr. Die Betriebsgrößen reichen von Gärtnereien mit nur einem Hektar bis hin zu 240 Hektar großen Universalbetrieben. Sie liegen sowohl in ländlichen als auch stadtnahen Regionen und haben zwischen 50 und 600 Mitglieder. 

Mit einem Hektar landwirtschaftlicher Fläche werden in der Solawi auf der Grundlage der jetzigen ökologischen Anbaupraxis etwa vier Menschen versorgt. Wird nur Gemüse angebaut, können mit einem Hektar etwa 100 Menschen versorgt werden. Die genaue Anzahl der Personen hängt jedoch vom Produktionsspektrum und den natürlichen und betrieblichen Gegebenheiten ab. 

Was kostet eine Mitgliedschaft? In der Regel gibt es keinen Durchschnittsbeitrag, den alle gleichermaßen zahlen müssen, sondern einen Orientierungs- oder Richtwert. So gibt es die Möglichkeit, dass einzelne Mitglieder auch höhere oder niedrigere Beiträge leisten. Dadurch findet ein sozialer Ausgleich statt zwischen jenen, die mehr, und jenen, die weniger geben können. Die monatlichen Orientierungswerte schwanken zwischen 60 und 100 Euro bei einer gemüsebetonten Versorgung und reichen bis zu etwa 180 Euro für eine Vollversorgung, die auch Brot, Milchprodukte und Fleisch mit einschließt. Darüber hinaus können Beiträge auch in nicht-monetärer Form erbracht werden, beispielsweise durch Hilfe beim Zaunbau oder bei der Obsternte. 

Mindestens einmal im Jahr treffen sich alle Mitglieder, um das neue Wirtschaftsjahr zu planen. Die Landwirtinnen und Landwirte machen transparent, wie viel Geld sie im kommenden Jahr benötigen, was mittel- und langfristig angeschafft werden muss und was im vergangenen Jahr ausgegeben wurde. Aus dem Jahresbudget errechnet sich dann der Mitgliedsbeitrag für das nächste Jahr. 

Regional, saisonal, vielfältig

Die Auswahl an Lebensmitteln, die in einem Solawi-Betrieb erzeugt werden, treffen die Landwirtinnen und Landwirte und die Mitglieder gemeinsam. Die endgültige Entscheidung, was unter den örtlichen Gegebenheiten mit den vorhandenen Ressourcen umsetzbar ist, liegt jedoch bei den Fachleuten. Hieraus ergibt sich für Solawis ein regional typisches und saisonales Angebot. Im Gemüseanbau sind über das Jahr verteilt zum Beispiel an die 40 Gemüsekulturen durchaus üblich.  

So bekommen Mitglieder auch Lebensmittel, die im Lebensmittelgeschäft nicht unbedingt üblich sind, wie Postelein oder Schwarzwurzel. Diese Vielfalt ist für Mitglieder der Solawi besonders attraktiv und durch die kurzen Transportwege kann eine Frische und Qualität angeboten werden, die in längeren Handelsketten nicht erreichbar ist. 

Wie Lebensmittel verteilt werden

Um Transportwege zu sparen und eine möglichst umweltfreundliche Organisation der Lebensmittelverteilung zu erreichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Manche Solawis arbeiten mit Abholgemeinschaften, andere beliefern einmal wöchentlich private oder öffentliche Depots, etwa bei Bioläden oder in Garagen. Es gibt aber auch Solawis, bei denen die Ernte zentral vom Hof aus ausgefahren wird.  

In der Regel ist ein- bis zweimal in der Woche Abhol- oder Liefertag. Der Rhythmus wird an den Bedarf und die Produktion angepasst. Beschränkender Faktor sind die Zugänglichkeit und Lagerkapazitäten des Lieferraums sowie die Haltbarkeit der Lebensmittel. 

Mut zur Solawi-Gründung

Wer sich als Landwirtin oder Landwirt zur Gründung einer Solawi entscheidet, sollte mit dem Konzept gut vertraut sein und sich bei bereits existierenden Solidarhöfen informieren. Bei der Umstellung kann es sinnvoll sein, sich vorerst an den gegebenen Betriebsstrukturen zu orientieren, diese nach und nach an den Bedarf anzupassen und gegebenenfalls weiterhin Teile der Produktion außerhalb der Solawi abzusetzen. Das reduziert das Risiko und ermöglicht zunächst das Sammeln von Erfahrung und den Aufbau einer verlässlichen Verbrauchergemeinschaft. 

Im Hinblick auf die bestmögliche Versorgung der Mitglieder kann alles angebaut werden, was landwirtschaftlich sinnvoll ist. Um dies gewährleisten zu können, sind der langfristige Aufbau der Bodenfruchtbarkeit und die Etablierung geschlossener Nährstoffkreisläufe zentrale Erfolgsfaktoren. Bewährt haben sich auch regionale Kooperationen mit anderen landwirtschaftlichen Betrieben. 

Nicht zu unterschätzen ist der zeitliche Aufwand für die Kommunikation nach außen, die Anwerbung von Mitgliedern und die Organisation der Lebensmittelverteilung. Wie sich eine Solawi entwickelt, hängt nicht zuletzt vom Engagement der Mitglieder ab. Darüber hinaus gilt es natürlich auch, eine Reihe von rechtlichen und steuerlichen Fragen zu klären. Auch hier ist es hilfreich, sich Best Practice-Beispiele anzusehen und Kontakt zu bestehenden Solawi-Initiativen aufzunehmen, um von deren Erfahrungen und Erkenntnissen profitieren zu können.