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Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam gedacht - Warum Biodiversität die Landwirtschaft betrifft Biodiversität fördern

Wie lassen sich Landwirtschaft und Naturschutz verbinden? Dieser Frage geht seit 2016 das F.R.A.N.Z.-Projekt nach und erprobt auf zehn Demonstrationsbetrieben Biodiversitätsmaßnahmen, die gleichzeitig praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig sind. Ziel ist, Naturschutz und Artenvielfalt in Betrieben zu fördern.

Mehrjähriger Blühstreifen, der mit Regiosaatgut eingesät wurde.
Foto: Sophie Wolters

Biologische Vielfalt bildet eine zentrale Grundlage für intakte Ökosysteme und damit auch für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die weltweit wachsende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten steht häufig im Spannungsfeld zur Bewahrung der Artenvielfalt, wodurch Zielkonflikte entstehen. Seit 2016 entwickelt F.R.A.N.Z. (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft) gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben über 15 praxistaugliche Biodiversitätsmaßnahmen, um die Artenvielfalt in Agrarlandschaften zu erhalten und zu fördern.

Gemeinsam für mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft

Das F.R.A.N.Z.-Projekt umfasst ein Netz von zehn Demonstrationsbetrieben in ganz Deutschland. Um die biodiversitätsfördernden Ansätze auch auf andere Betriebe bundesweit übertragen zu können, wurden für die jeweilige Region typische landwirtschaftliche Betriebe eingebunden.

Ein besonderer Fokus liegt darauf, dass alle Maßnahmen sowohl ökologisch wirksam als auch ökonomisch tragfähig und praktikabel sind. Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, Biodiversitätsberatende und die begleitende Forschung arbeiten im Dialog auf Augenhöhe kontinuierlich an der Weiterentwicklung, um die Übernahme in ihre betrieblichen Abläufe sicherzustellen und weiter zu optimieren.

Das langfristig angelegte ökologische Monitoring ermöglicht es, die Wirksamkeit für spezifische Zielarten sowie die verstärkten Effekte einer Kombination unterschiedlicher Ansätze zur Förderung der Biodiversität wissenschaftlich zu belegen. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit beeinflusst Akzeptanz, Umsetzbarkeit und Praxistauglichkeit. Das betriebswirtschaftliche Monitoring bietet Empfehlungen für die finanzielle Ausgestaltung von Biodiversitätsmaßnahmen. 

Ausgewählte F.R.A.N.Z. Maßnahmen in der Praxis

Erbsenfenster bieten Feldvögeln und Kleinsäugern geschützten Lebensraum.
Foto: Sophie Wolters

Erbsenfenster

Eine mindestens 1.600 Quadratmeter große Erbsenfläche wird in der Mitte eines Wintergetreide- oder Rapsschlags angelegt. Dabei wird ein Erbsenfenster pro fünf Hektar angelegt. Besonderheit für die Praxis: Die Einsaat von Erbsenfenstern erfolgt wie bei kommerziellen Erbsenbeständen – ohne Dünger und Pflanzenschutz. Die Fenster bleiben bis zum 15. August ungestört. Ökologisch bieten sie Feldlerchen und anderen Feldvögeln geschützte Brutplätze, sodass auch die zweite und dritte Brut noch hochgezogen werden kann. Auch Feldhasen nutzen die Fläche als Rückzugsort. 

Insektenwälle bieten Insekten, Vögeln und Kleinsäugern ein Nahrungs- und Reproduktionshabitat.
Foto: Sophie Wolters

Insektenwall

Insektenwälle sind dauerhafte Erdhügel mit einer Höhe von etwa 0,5 Metern und einer Breite von rund zwei Metern ohne Einsaat. Sie liegen im Feld und werden mit einem beidseitigen Blühstreifen angelegt. Die Gesamtbreite liegt damit bei bis zu 14 Metern.

Der Insektenwall ist eine Abwandlung der in Großbritannien auch als Beetle Bank bekannten Landschaftselemente. Besonderheit dieser Insektenwälle ist, dass die permanente Kleinstruktur Laufkäfern als Überwinterungshabitat sowie Wildbienen und Tagfaltern als Nahrungs- und Reproduktionshabitat dient. Auch Rebhuhn, Feldhase und Feldlerche profitieren davon. Zur Pflege wird jährlich abwechselnd eine Hälfte gemulcht. 

Nahaufnahme eines Extensivgetreides mit blühender Untersaat.
Foto: Sophie Wolters

Extensivgetreide mit blühender Untersaat

Beim Extensivgetreide mit blühender Untersaat wird Getreide mit doppeltem Reihenabstand und halber Saatstärke gedrillt. Als Untersaat werden mindestens vier Arten gesät, die langanhaltend blühen und möglichst niedrigwüchsig sind. Diese Form des Ackerbaus funktioniert auch auf wüchsigeren Standorten. 

Ökologisch bietet Extensivgetreide mit blühender Untersaat Nahrung für Bestäuber, Lebensraum für Nützlinge wie Marienkäfer und Laufkäfer sowie Brut- und Nahrungshabitat für Feldvögel, Amphibien und Greifvögel.

Erfahrungsberichte von zwei F.R.A.N.Z.-Betrieben

Friedhelm und Sebastian Dickow sind mit ihrem Betrieb in Niederbayern Teil des F.R.A.N.Z.-Netzwerks.
Foto: Sophie Wolters

„Jedes Jahr ergibt sich ein neuer Anblick“

Friedhelm und Sebastian Dickow haben im Lauf des zehnjährigen F.R.A.N.Z.-Projekts auf ihrem Betrieb in Niederbayern vielfältige mehrjährige Blühstreifen angelegt, auf denen Regiosaatgut eingesät wurde. Im letzten Jahr konnten sich die Besucherinnen und Besucher des Feldtages von deren Vielfalt überzeugen:
Jedes Jahr ergibt sich ein neuer Anblick und während des Jahres kann sich dieser auch wöchentlich komplett verändern. Je länger die Flächen bestehen, desto mehr sind sie mit Gräsern versehen“, freut sich Dickow.

Im F.R.A.N.Z.-Projekt haben die Betriebsleiter gelernt, dass dies kein Problem sein muss und die ökologische Wertigkeit trotzdem bestehen kann. Auch artenreiche Grasstreifen bieten Habitat für wichtige Zielarten. Die Erfahrungen zur Anlage und Pflege der Blühstreifen wurden in der Broschüre Mehrjährige Blühstreifen - von der Anlage über die Pflege bis zum Umgang mit Ampfer und Kratzdistel zusammengetragen.

Der Betrieb Dickow hat zudem einen Insektenwall angelegt. Auch dieser zeigt auf dem Betrieb die gewünschten Effekte für die Artenvielfalt: „Wenn man schaut, der Boden hat Öffnungen, lockere Stellen und überall krabbelt etwas: man sieht immer wieder Höhlen und Eingänge. Es ist erstaunlich, es wurde nix auf dem Wall eingesät, aber man sieht, wie heimische Kräuter kommen: bei uns zum Beispiel viel Baldrian“. Für die Anlage des Insektenwalls wurde durch gegengleiches Pflügen der Wall rund 50 Zentimeter hoch aufgehäuft.

Betriebsleiter Gernot Lindemann-Berk und Beraterin Nadine Becker haben ein blühendes Vorgewende geplant und angelegt.
Foto: Stiftung Rheinische Kulturlandschaft

Blühende Vorgewende für mehr Strukturvielfalt und Biodiversität

Auf Gut Neu-Hemmerich in der Kölner Bucht wurde durch das F.R.A.N.Z.-Projekt unter anderem ein blühendes Vorgewende angelegt. Nadine Becker ist Beraterin der Stiftung Rheinische Kulturland und hat den Betrieb von Gernot Lindemann-Berk dabei unterstützt.

Eine sehr spannende Maßnahme, die wir im F.R.A.N.Z.-Projekt entwickelt haben, ist das Blühende Vorgewende zur Förderung von Bestäubern, Feldvögeln und auch Feldhasen. Hier wird auf etwa 15 Metern Breite eine Kleemischung ins Vorgewende eingesät, wobei das Saatgut im Vergleich zu hochwertigen Blühmischungen relativ günstig ist", erklärt Lindemann-Berk. 

Die Fläche darf während der Bewirtschaftung wie üblich befahren und auch beerntet werden. Ein blühendes Vorgewende ist besonders interessant für Betriebe mit Milchvieh oder mit Möglichkeiten zur Vermarktung des Kleegemenges. 

Es führt insbesondere auf großen Schlägen zu einer erhöhten Strukturvielfalt und als willkommener Nebeneffekt bleiben die Straßen bei Wendevorgängen sauber. In Verbindung mit Extensivgetreide, Feldlerchenfenstern und Blühstreifen wurden für diesen Betrieb Ansätze gefunden, die sich auf den Flächen auf besten Böden integrieren ließen und die dort vorkommenden Offenland-Vogelarten fördern können. Bisher gibt es für blühende Vorgewende keine Codierungsmöglichkeit als Naturschutzmaßnahme, weshalb sie nicht als Ökoregelung eingesetzt werden können.

Sie möchten mehr über das F.R.A.N.Z.-Projekt erfahren? 

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F.R.A.N.Z. wirkt - ökologisch, ökonomisch tragfähig und praktikabel 

Für Nadine Becker steht im zehnten Projektjahr fest: „F.R.A.N.Z. zeigt, wie abhängig Naturschutz einerseits vom Wohlwollen der Landwirtinnen und Landwirten ist, aber auch vom Förder- und Ordnungsrecht sowie von Marktpreisen. Sofern in der zukünftigen GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) die Mittel für den Naturschutz gekürzt werden, wird die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen radikal zurückgehen. Denn eines haben wir in F.R.A.N.Z. gelernt: Betriebe sind bereit Naturschutz umzusetzen, sofern sie dafür angemessen entlohnt werden.

Einige der durch F.R.A.N.Z. erprobten Ansätze konnten durch den Austausch mit Politik und Verwaltung in die Landesprogramme und Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) übernommen und somit auch auf andere Betriebe übertragen werden. In Sachsen-Anhalt werden beispielsweise die Feldvogelmaßnahmen besonders gefördert, während in Bayern Förderungen für Insektenwälle möglich sind.

Logo des Projekts FRANZ - Gemeinsam für mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft
Foto: Umweltstiftung Michael Otto

Beteiligte Partner und Förderhinweis

Das Dialog- und Demonstrationsprojekt F.R.A.N.Z. wird von der Umweltstiftung Michael Otto und dem Deutschen Bauernverband durchgeführt und ressortübergreifend unterstützt. Die Förderung erfolgt mit Mitteln der Landwirtschaftlichen Rentenbank (ehemals Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung), mit besonderer Unterstützung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN).

Wissenschaftlich begleitet wird es durch die Thünen-Institute für Lebensverhältnisse in Ländlichen Räumen, Betriebswirtschaft und Biodiversität sowie die Universität Göttingen und das Michael-Otto-Institut im NABU. Die in den Projektregionen ansässigen Landesbauernverbände und deren Kulturlandschaftsstiftungen betreuen und beraten zum Teil mit weiteren Partnern vor Ort die Demonstrationsbetriebe.

Letzte Aktualisierung 27.07.2026

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