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Wie haben sich die Hektarerträge ausgewählter Nutzpflanzen seit 1950 entwickelt? Infografik

Die Hektarerträge wichtiger landwirtschaftlicher Kulturen haben sich seit den 1950er-Jahren deutlich erhöht. Doch während Winterweizen, Kartoffeln und Winterraps zuletzt kaum noch Ertragszuwächse verzeichneten, steigen die Erträge von Zuckerrüben weiter. Zugleich nehmen die Schwankungen zwischen den Erntejahren zu. Welche Rolle spielen Wetterextreme und Klimawandel?

Die Hektarerträge von Winterweizen, Kartoffeln, Zuckerrüben und Winterraps – vier wichtigen Kulturen der deutschen Landwirtschaft – sind seit 1950 deutlich gestiegen. Vergleicht man die gleitenden Fünfjahresmittel der Zeiträume 1950 bis 1954 und 2022 bis 2026, zeigt sich: Die Hektarerträge von Winterweizen haben sich nahezu verdreifacht, die von Kartoffeln und Winterraps etwa verdoppelt. Bei Zuckerrüben sind sie auf das 2,3-Fache gestiegen.

Allerdings stagnieren die Fünfjahresmittel der Hektarerträge bei Winterweizen seit den 2000er-Jahren, bei Kartoffeln und Winterraps seit den 2010er-Jahren. Gleichzeitig haben die Ertragsschwankungen von Jahr zu Jahr bei allen vier Kulturen zugenommen, sehr gute und sehr schlechte Erntejahre folgen teilweise direkt aufeinander: 

  • Jahre mit vergleichsweise schlechten Ernten waren 2003, 2018 und 2026. Sie waren von langanhaltenden Hitze- und Trockenperioden geprägt.
  • Jahre mit vergleichsweise guten Ernten waren 2004, 2014 und 2025.

Die Ertragsdaten stammen vom Statistischen Bundesamt. Die Angaben für 2026 sind noch vorläufig. Die Datenreihe für Zuckerrüben wurde für 2026 durch eine Schätzung der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker ergänzt.

Warum betrachten wir das gleitende Fünfjahresmittel?

Das gleitende Fünfjahresmittel ist der Durchschnitt einer Messgröße aus fünf aufeinanderfolgenden Jahren. Es hilft, kurzfristige Schwankungen auszugleichen und langfristige Trends besser sichtbar zu machen. Für die Ernteerträge eignet sich diese Betrachtung besonders, um wetterbedingte Ausreißer (Dürrejahre oder Rekordernten) zu glätten.

Winterweizen: Stagnation nach Verdreifachung der Erträge

Die stärkste Ertragssteigerung der vier betrachteten Kulturen verzeichnet Winterweizen. In den Jahren 1950 bis 1954 lag der durchschnittliche Hektarertrag bei 27 Dezitonnen pro Hektar (dt/ha). Im Zeitraum 2022 bis 2026 waren es 75 dt/ha. Damit war der Ertrag rund 2,8-mal so hoch wie Anfang der 1950er-Jahre.

Seit Ende der 1990er-Jahre stagniert das Fünfjahresmittel weitgehend bei rund 75 dt/ha. Die Erträge einzelner Jahre schwanken jedoch deutlich: Sie reichten von 66 dt/ha im Jahrhundertsommer 2003 bis zu 87 dt/ha im Jahr 2014. Für 2026 wird ein Hektarertrag von 72,6 dt/ha ausgewiesen.

Kartoffeln: Geringste Ertragssteigerung und starke Schwankungen

Bei Kartoffeln fiel die Ertragssteigerung im Vergleich zu den anderen betrachteten Kulturen am geringsten aus. Dennoch hat sich der Hektarertrag innerhalb von gut 70 Jahren nahezu verdoppelt: Das Fünfjahresmittel stieg von 220 dt/ha in den Jahren 1950 bis 1954 auf 428 dt/ha im Zeitraum 2022 bis 2026. Das höchste Fünfjahresmittel wurde für die Jahre 2013 bis 2017 mit 445 dt/ha verzeichnet. Dieses Niveau wurde seitdem nicht mehr erreicht.

Im Vergleich zu den anderen drei Kulturen schwanken die Kartoffelerträge von Jahr zu Jahr besonders stark. Dieses Muster ist bereits seit längerer Zeit zu beobachten. Den höchsten Hektarertrag erzielten Kartoffeln 2014 mit 474 dt/ha. Auch 2017 war mit 468 dt/ha ein ertragreiches Jahr. Nur ein Jahr später sank der Ertrag jedoch auf 354 dt/ha – den niedrigsten Wert seit dem Jahrhundertsommer 2003. Damals lag der bei Hektarertrag 345 dt. 2026 fiel die Ernte mit rund 389 dt/ha deutlich geringer aus als in den Vorjahren. 

Zuckerrüben: Weiterhin steigende Erträge

Die Hektarerträge von Zuckerrüben stiegen von durchschnittlich 346 dt/ha in den Jahren 1950 bis 1954 auf 779 dt/ha im Zeitraum 2022 bis 2026. Damit sind sie heute rund 2,3-mal so hoch wie Anfang der 1950er-Jahre.

Anders als bei den übrigen betrachteten Kulturen stagnieren die Erträge von Zuckerrüben in den vergangenen Jahren nicht. Vielmehr wurde für den Zeitraum 2021 bis 2025 mit 800 dt/ha das bislang höchste Fünfjahresmittel erreicht. Für 2026 schätzt die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker den Hektarertrag auf rund 712 dt/ha. Seit etwa 2010 fallen auch bei Zuckerrüben größere Ertragsschwankungen zwischen den einzelnen Jahren auf.

Winterraps: Ertragsniveau seit zehn Jahren gesunken

Der Hektarertrag von Winterraps hat sich zwischen den Zeiträumen 1950 bis 1954 und 2022 bis 2026 etwa verdoppelt: von 18 auf 35 dt/ha. In den vergangenen 10 Jahren ist das Ertragsniveau jedoch leicht gesunken: So lagen die Fünfjahresmittel von Mitte der 2000er- bis Mitte der 2010er-Jahre noch zwischen 37 und 39 dt/ha. Seitdem schwanken sie bei 33 bis 36 dt/ha.

Bei den Erträgen einzelner Jahre fallen vor allem seit den 2000er-Jahren deutliche Schwankungen auf. Es gab Jahre mit sehr hohen Erträgen, wie 43 dt/ha im Jahr 2009 oder 45d t/ha im Jahr 2014, und Jahre mit deutlich schlechteren Ergebnissen, etwa 29 dt/ha in den Jahren 2003 und 2011 bzw. 30 dt/ha in 2018. 2026 liegt der Hektarertrag von Winterraps mit 31 dt/ha nur etwas darüber.

Welche Faktoren beeinflussen die Hektarerträge?

Die deutlichen Ertragssteigerungen seit den 1950er-Jahren sind auf mehrere Entwicklungen zurückzuführen:

  • Fortschritte in der Pflanzenzüchtung,
  • die Weiterentwicklung und bessere Verfügbarkeit von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln,
  • die zunehmende Mechanisierung und Technisierung der Landwirtschaft,
  • sowie ein insgesamt verbessertes pflanzenbauliches Management.
  • Auch der Klimawandel wirkte sich zunächst positiv auf die Landwirtschaft aus: die höheren Temperaturen führten zu einer längeren Vegetationsperiode. Außerdem bilden C3-Pflanzen, wie die hier betrachteten, bei höheren CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre sowie ausreichender Wasser- und Nährstoffversorgung mehr Biomasse und Ertrag.

Inzwischen zeigen sich zunehmend Witterungsextreme wie Trockenheit, Nässe, Hitze oder Spätfröste. Gleichzeitig hat sich die Niederschlagsverteilung verändert. Wie sich extreme Trockenheit und Hitze auf die Ernten auswirkt, zeigen vor allem die Jahre 2003 und 2018: Die Ernten waren deutlich geringer als in den Jahren davor und danach.

Zukünftig ist mit im Mittel steigenden Temperaturen sowie einer größeren Variabilität beim Niederschlag zu rechnen. Die Landwirtschaft muss die Flächenbewirtschaftung anpassen, um auf die sich verändernde Wasserversorgung zu reagieren und langfristig Erträge zu sichern. Die neue BZL-Broschüre  „Wasser in der Landwirtschaft: Strategien zur Verbesserung des Wasserhaushalts und des Mikroklimas in der Landwirtschaft“ stellt betriebliche Strategien vor, um den Wasserrückhalt zu steigern und die Landwirtschaft klimaresilienter zu gestalten.

Neben den klimatischen Bedingungen können auch strengere Umweltauflagen sowie die Verfügbarkeit von Düngemitteln und zugelassenen Pflanzenschutzmitteln die weitere Ertragsentwicklung beeinflussen. Der Einsatz Neuer Genomischer Techniken (NGT) hingegen könnte den Zuchtfortschritt deutlich beschleunigen.

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Letzte Änderung dieser Seite am 27.10.2026