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Schutzanzug Kapitel 6.3

Im Pflanzenschutz kommen vor allem flüssigkeitsdichte oder flüssigkeitsabweisende Chemikalienschutzanzüge zum Einsatz, die gemäß EN 14605 in Typ 3 (flüssigkeitsdicht) oder Typ 4 (spritzdicht) klassifiziert sind. Diese Anzüge verfügen über spezielle flüssigkeits- oder spritzdichte Verbindungen zwischen den einzelnen Kleidungsteilen wie beispielsweise verklebte oder verschweißte Nähte, um ein Eindringen von Spritzbrühe oder Konzentraten zuverlässig zu verhindern.

Schon bei der Gefährdungsbeurteilung von Pflanzenschutzmitteln wird festgelegt, ob ein „Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel“ oder ein „flüssigkeitsdichter Schutzanzug“ erforderlich ist, um das Risiko auf ein vertretbares Maß zu reduzieren. Diese Vorgaben sind verbindlich und werden in der Gebrauchsanleitung (Etikett) aufgeführt.

Schutzanzüge für Anwender von Pflanzenschutzmitteln können als zweiteilige Ausführung (Jacke und Hose) oder als einteiliger Overall gefertigt sein. Sie müssen mindestens einer der folgenden Normen entsprechen:

  • EN ISO 27065 – Schutzkleidung: Leistungsanforderungen an Schutzkleidung für Anwender von Pflanzenschutzmitteln sowie Personen bei Nachfolgearbeiten. Diese Norm teilt Schutzkleidung in die Stufen C1 (geringe Exposition), C2 (mittlere Exposition) und C3 (hohe Exposition) ein,
  • EN 14605 - Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien: Typ 3 oder Typ 4 (flüssigkeits- oder spritzdichte Verbindungen zwischen den Kleidungsteilen).

Schutzkleidung, die nach EN ISO 27065 oder DIN 32781 zertifiziert ist, kann mit dem international anerkannten Piktogramm „Erlenmeyerkolben mit Blatt“ (Symbol 3126 aus ISO 7000) gekennzeichnet sein. Dieses Zeichen erleichtert Anwendenden die eindeutige Identifizierung geeigneter PSA.

Die Auswahl zwischen den Normen hängt vom Expositionsrisiko, der Anwendungsart (zum Beispiel Feldspritze, Handgerät, Raumvernebelung) und den Eigenschaften des Wirkstoffs (wie Toxizität, Flüchtigkeit, Hautpenetration) ab. Bei Arbeiten mit hohem Expositionspotenzial, etwa beim Ansetzen der Spritzbrühe, bei Reparaturen an kontaminierten Geräten oder bei der handgeführten Ausbringung in dichten Kulturen, wird in der Regel Schutzstufe C3 und Typ 3 nach EN 14605 empfohlen, da diese den höchsten Schutz bieten. Anzüge mit verklebten oder verschweißten Nähten sollten bevorzugt eingesetzt werden, wenn mit stark wasserlöslichen oder hautresorptiven Wirkstoffen gearbeitet wird.

Flüssigkeitsdichte Schutzanzüge (Typ 3) sind insbesondere beim Nassreinigen von Beizanlagen oder bei Applikationsmethoden vorgeschrieben, die einen intensiven Kontakt mit behandelten Pflanzen verursachen. Ist der Anzug mit einer fest angebrachten Kapuze ausgestattet, kann diese zugleich einen notwendigen Kopfschutz bieten.

Teilkörperschutz durch Ärmelschürze

In bestimmten Arbeitssituationen mit Pflanzenschutzmitteln kann anstelle eines vollständigen Schutzanzugs eine Ärmelschürze in Kombination mit langer, geeigneter Arbeitskleidung verwendet werden. Diese Schutzalternative ist vor allem dann sinnvoll und zulässig, wenn hauptsächlich die vordere Körperseite einer Exposition ausgesetzt ist sowie der Rücken- und Seitenbereich nur minimal gefährdet werden. Zu diesen Tätigkeiten zählen das Ansetzen der Spritzflüssigkeit und das Befüllen des Pflanzenschutzgeräts oder eines Granulatstreuers, der Umgang mit behandeltem Saatgut, das Reinigen von Maschinen und Geräten sowie Arbeiten außerhalb einer geschlossenen Traktorkabine während der Anwendung.

Die Ärmelschürze ist ein Teilkörperschutz, der den vorderen und seitlichen Teil des Körpers vom Hals bis zu den Schuhen abdeckt und über lange Ärmel mit enganliegenden, elastischen Bündchen verfügt, um das Eindringen von Flüssigkeiten an den Armgelenken zu verhindern. Sie schützt während der Arbeit vor Tropfen, Spritzern, kontaminierten Oberflächen oder Stäuben und verhindert so eine direkte Belastung der darunter getragenen Kleidung. Nach Abschluss des jeweiligen Arbeitsschrittes wird die Ärmelschürze abgelegt, um die Übertragung von Rückständen auf andere Bereiche, beispielsweise in die Fahrerkabine, zu vermeiden.

Für Ärmelschürzen gelten dieselben Materialanforderungen wie für vollständige Schutzanzüge gegen Pflanzenschutzmittel. Sie müssen aus chemikalienbeständigem, flüssigkeitsdichtem oder -abweisendem Material bestehen und gemäß geltender Normen geprüft sein:

  • EN ISO 27065 Schutzstufe C3 für hohe Exposition,
  • EN 14605, Typ PB[3] oder PB[4] sorgen für partiellen Schutz vor flüssigen Chemikalien.

Ärmelschürzen, die nach EN ISO 27065 zertifiziert sind, können wie andere Schutzausrüstung mit dem Piktogramm „Erlenmeyerkolben mit Blatt“ (Symbol 3126 aus ISO 7000) gekennzeichnet werden. Statt der „Gummischürze“, die in Zulassungsbescheiden mancher Pflanzenschutzmittel genannt wird, kann ebenfalls eine Ärmelschürze eingesetzt werden, sofern dies durch die Zulassung ausdrücklich erlaubt ist.

Der Einsatz einer Ärmelschürze bietet mehrere Vorteile. Sie sorgt für einen erhöhten Tragekomfort bei warmen Temperaturen im Vergleich zu einem vollständigen Schutzanzug, lässt sich schnell an- und ablegen, besonders bei kurzfristigen Kontroll- oder Reparaturarbeiten, und ermöglicht einen gezielten Schutz der am stärksten exponierten Körperpartien, ohne den Körper einer unnötigen Wärmebelastung auszusetzen.

Hinweis: Der Einsatz einer Ärmelschürze anstelle eines vollständigen Schutzanzugs ist nur dann zulässig, wenn dies ausdrücklich in den Zulassungsauflagen oder Anwendungsbestimmungen des eingesetzten Pflanzenschutzmittels vermerkt ist. Unter der Ärmelschürze sind eine langärmelige Arbeitsjacke und eine lange Hose aus dicht gewebtem, strapazierfähigem Material zu tragen. Diese Kleidung darf nicht aus saugfähigen Stoffen bestehen und sollte leicht zu reinigen sein.

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