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Ansetzen und Ausbringung der Spritzlösung Kapitel 6.9

Das Ansetzen der Spritzmittelflüssigkeit stellt einen besonders kritischen Arbeitsschritt im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln dar, da hier das Risiko einer direkten Exposition für den Anwender am höchsten ist. Um Gesundheitsgefahren zu minimieren und gleichzeitig eine präzise und wirksame Anwendung sicherzustellen, sind eine sorgfältige Vorbereitung, die Einhaltung der Sicherheitsvorgaben und eine sorgfältige Vorgehensweise unerlässlich.

Vor Beginn der Arbeit ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA) gemäß den Angaben auf dem Etikett des eingesetzten Pflanzenschutzmittels vollständig anzulegen. Das eigentliche Befüllen der Spritze sollte immer an einem hierfür geeigneten, sicheren Befüllplatz erfolgen, der den Anforderungen der AwSV (Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen) entspricht. Dazu gehören flüssigkeitsdichte Auffangvorrichtungen, eine Rückflusssicherung gegen Kontamination der Wasserversorgung sowie eine Ausstattung zur Aufnahme und Beseitigung versehentlich verschütteter Mittel.

Beim Befüllen gilt grundsätzlich die Reihenfolge „Wasser zuerst, Pflanzenschutzmittel danach“. Zunächst wird der Spritzmitteltank mit der erforderlichen Menge Wasser vorgefüllt, sodass der Tank zu etwa einem Drittel gefüllt oder das Rührwerk mit Wasser überdeckt ist. Anschließend werden Komponenten in folgender Reihenfolge langsam unter stetigem Rühren in den Tank gegeben: feste Stoffe (Granulate), feste Partikel im flüssigen Produkt, flüssige Produkte und Düngemittel. Dies gewährleistet eine gleichmäßige Durchmischung und reduziert die Gefahr von Klumpenbildung oder unvollständiger Auflösung, insbesondere bei Suspensionen oder wasserdispergierbaren Granulaten. 

Das Abmessen von Pflanzenschutzmitteln sollte ausschließlich mit dafür vorgesehenen, sauberen und trockenen Messbechern oder Dosiergeräten erfolgen. Abmessen und Einfüllen sind möglichst in Hüfthöhe oder etwas tiefer durchzuführen, um das Risiko von Spritzern ins Gesicht oder in die Augen zu minimieren. Bei festen Formulierungen wie Granulaten oder Pulvern empfiehlt es sich, staubarme Techniken zu verwenden, beispielsweise durch langsames Eingießen nahe der Wasseroberfläche oder mithilfe geschlossener Dosiersysteme.

Verschüttete Flüssigkeiten oder verstreute Feststoffe müssen sofort und fachgerecht aufgenommen werden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Die dabei verwendeten Tücher oder Bindemittel sind als kontaminierter Abfall zu behandeln und entsprechend den örtlichen Entsorgungsvorschriften zu beseitigen.

Ausbringung und Reinigung

Bei Fahrten mit Pflanzenschutzspritzen ist bereits bei der Streckenauswahl besondere Sorgfalt geboten. Wenn möglich, sollten risikoreiche Streckenabschnitte wie starkes Gefälle oder unübersichtliche Kreuzungen vermieden werden. Ebenso gilt es, wassernahen Straßen, Gewässerüberquerungen sowie Fahrten durch Wasserschutzgebiete auszuweichen, um die Gefahr einer Kontamination zu reduzieren.

Die Reinigung von Pflanzenschutzgeräten ist ein ebenso wichtiger wie sensibler Arbeitsschritt, da hier ein hohes Risiko der Eigenexposition besteht. Sie sollte stets unmittelbar nach der Anwendung erfolgen, um Wirkstoffreste nicht eintrocknen zu lassen und um Ablagerungen in Düsen, Leitungen oder Filtern zu vermeiden.

Die sachgerechte Reinigung von Pflanzenschutzgeräten sollte in der Regel direkt auf der behandelten Fläche erfolgen. Dort, wo dies aus praktischen Gründen nicht möglich ist, kommen speziell vorgesehene Reinigungsplätze zum Einsatz. Diese müssen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und mit einer flüssigkeitsdichten Fläche, einem geregelten Abfluss in einen Sammeltank und einem System zum Umgang mit dem Reinigungswasser (Biobett oder Biofilter) ausgestattet sein. Grundlage hierfür sind die Anforderungen der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) sowie des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG). Ziel ist es, eine Versickerung in den Untergrund oder einen unkontrollierten Eintrag in die Kanalisation beziehungsweise in Gewässer sicher zu verhindern.

Vor Beginn der Reinigung ist sicherzustellen, dass alle Restmengen im Gerät ordnungsgemäß entsorgt oder zurück in die Spritzbrühe gegeben werden, soweit dies sachgerecht und gemäß Gebrauchsanweisung möglich ist. Hochdruckreiniger oder spezielle Innenreinigungssysteme des Spritzgeräts erleichtern die Arbeit, reduzieren den direkten Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln und verringern die benötigte Reinigungswassermenge.

Während der Reinigung ist eine vollständige persönliche Schutzausrüstung zwingend erforderlich, da sich an den Innen- und Außenflächen des Geräts hochkonzentrierte Rückstände befinden können. Empfohlen wird eine persönliche Schutzausrüstung, die alle relevanten Gefahrenbereiche abdeckt. Dazu gehören Chemikalienschutzhandschuhe aus Nitril oder einem gleichwertigen, geprüften Material gemäß EN 374, um die Haut vor schädlichen Substanzen zu schützen. Ein flüssigkeitsdichter Schutzanzug nach EN 14605 oder DIN 32781 ist unerlässlich; bei speziell für den Pflanzenschutz entwickelter PSA kommen auch Normen wie ISO 27065 oder ISO 18889 zur Anwendung. Zum Schutz der Augen wird eine Schutzbrille nach EN 166 oder ein Gesichtsschutz empfohlen, um Exposition oder Verletzungen durch Spritzer zuverlässig zu verhindern.

Für die Füße sind Gummistiefel oder anderes chemikalienbeständiges, rutschfestes Schuhwerk erforderlich, das zugleich ausreichend Halt und Sicherheit bietet. Gegebenenfalls sollte zusätzlich Atemschutz getragen werden, mindestens ein Partikelfilter P2 oder ein Kombinationsfilter A2/P3 nach EN 14387, insbesondere in schlecht belüfteten Räumen oder beim Einsatz von Druckluftreinigern. Dies hilft, die Aufnahme gefährlicher Partikel oder Dämpfe zu verhindern.

Besonderes Augenmerk sollte der Arbeitsorganisation gelten. Erstens sollte die Reinigung möglichst von geschultem Personal durchgeführt werden, das mit den Gefahren der Mittel vertraut ist. Zweitens sollte immer eine zweite Person in der Nähe sein, um im Notfall helfen zu können. Drittens müssen sauberes Wasser sowie ein Erste-Hilfe-Set am Reinigungsplatz jederzeit verfügbar sein.

Verhalten bei Zwischenfällen und Reparaturen während der Anwendung

Während der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln kann es trotz sorgfältiger Vorbereitung zu unvorhergesehenen Zwischenfällen kommen, etwa durch undichte Schläuche, verstopfte Düsen oder andere technische Störungen. In solchen Situationen ist ein strukturiertes und sicherheitsorientiertes Vorgehen entscheidend, um die eigene Gesundheit, die von Dritten und die Umwelt zu schützen und gleichzeitig Schäden an der Kultur und am Gerät zu vermeiden.

Reparaturen oder Wartungsarbeiten am Pflanzenschutzgerät sollten nur dann durchgeführt werden, wenn der betroffene Bereich frei von Spritznebel ist und die Geräteführung sicher abgestellt wurde. Außerdem ist es zwingend erforderlich Arbeiten im nicht behandelten Bereich durchzuführen, um den Kontakt mit Pflanzenschutzmittel zu minimieren. Das Gerät ist vor der Reparatur vollständig zu entlasten, das heißt der Spritzdruck muss abgelassen werden, um unkontrolliertes Austreten der Spritzbrühe zu verhindern.

Für kleinere Eingriffe während der Anwendung, wie etwa das Auswechseln einer Düse oder das Festziehen einer Schlauchverbindung, ist das Mitführen von Ersatzhandschuhen aus chemikalienbeständigem Material (zum Beispiel Nitril gemäß EN 374) obligatorisch. Da bei solchen Arbeiten oft ein direkter Kontakt mit dem Mittel oder kontaminierten Bauteilen nicht ausgeschlossen werden kann, ist es sinnvoll, Einmalschutzhandschuhe oder Überziehschutzhandschuhe zu verwenden, die nach der Reparatur sofort entsorgt werden. Diese Vorgehensweise verhindert, dass Pflanzenschutzmittel mit Hautflächen in Kontakt kommen oder in das Fahrzeuginnere gelangen.

Außerdem ist es empfehlenswert, während der gesamten Anwendungsphase sauberes Wasser in ausreichender Menge mitzuführen. Dies ermöglicht das sofortige Abspülen von Hautpartien oder Werkzeugen, die versehentlich mit Spritzbrühe in Kontakt gekommen sind. Zudem kann bei kleineren Leckagen oder Spritzern eine Kontamination umgehend und wirkungsvoll reduziert werden.

Falls ein Eingriff direkt an einem mit Spritzbrühe gefüllten Gerät nicht zu vermeiden ist, sollte zusätzlich zu den Schutzhandschuhen ein Einmalschutzanzug mit Kapuze getragen werden, der nach Abschluss der Arbeiten fachgerecht entsorgt wird. Bei Reparaturen, die das Spritzgestänge oder andere mit Flüssigkeit beaufschlagte Bauteile betreffen, ist außerdem eine Schutzbrille nach EN 166 oder ein Gesichtsschutz zu tragen, um die Augen vor Spritzern zu schützen.