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Mit BODIUM4Farmers Bodenfunktionen und Erträge langfristig sichern Boden

Wie wirken sich reduzierte Düngermengen oder neue Fruchtfolgen auf den Ertrag und die Bodengesundheit aus? Die kostenfreie Webanwendung BODIUM4Farmers simuliert standortgenau, was bestimmte Maßnahmen auf dem Acker langfristig bringen. So lassen sich Bewirtschaftungsstrategien wissenschaftlich fundiert testen, bevor sie in der Praxis umgesetzt werden.

BODIUM4Farmers ist eine kostenfreie Webanwendung.
Bild: ...

BODIUM4Farmers ist eine Webanwendung, um den aktuellen Stand der bodenwissenschaftlichen Forschung für die praktische Landwirtschaft nutzbar zu machen. Sie soll landwirtschaftliche Betriebe dabei unterstützen, eine langfristig tragfähige Bewirtschaftung mit stabilen Erträgen und gesunden Böden zu entwickeln.

Landwirtinnen und Landwirte stehen derzeit vor massiven Herausforderungen: Die Folgen des Klimawandels sind immer deutlicher zu spüren und erschweren sowohl den Anbau als auch die Planungssicherheit der Betriebe. Gleichzeitig wächst der Druck, hohe Erträge zu sichern und dabei möglichst ressourcenschonend und klimafreundlich zu wirtschaften. Nur so lassen sich die Ernährungssicherheit gewährleisten, das Klima und die Umwelt schonen und die Betriebe wirtschaftlich stabil halten.

Das Potenzial der Böden richtig nutzen

Ein Schlüssel liegt darin, das natürliche Potenzial der Böden zu nutzen, um einerseits hohe Erträge zu erzielen, gleichzeitig aber auch andere wichtige Funktionen der Böden zu fördern. Dazu zählen unter anderem die Funktionen als 

  • Wasser- und Kohlenstoffspeicher, 
  • Wasserfilter, 
  • Nährstoffpuffer und 
  • Lebensraum für Organismen.

Gelingt dies, werden auch die Belastungen für die Umwelt minimiert. Dabei unterscheiden sich die Potenziale der Böden aufgrund ihrer räumlichen Heterogenität erheblich. Eine standortangepasste Bewirtschaftung ist daher entscheidend, um diesen Herausforderungen zu begegnen. 

Standortangepasst wirtschaften

Böden sind relativ träge Systeme. Oft zeigt sich erst nach mehreren Jahren wie stark sich eine Änderung in der Bewirtschaftung auf Erträge und die anderen Bodenfunktionen auswirkt. Allerdings kann jede Anpassung des Managements für einen Betrieb nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Risiken bedeuten.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurde die Webanwendung BODIUM4Farmers in Zusammenarbeit mit Praktikerinnen und Praktikern entwickelt. Sie hilft dabei, die Bewirtschaftung standortangepasst zu planen, indem sie verschiedene Bewirtschaftungsweisen auf einer soliden wissenschaftlichen Basis miteinander vergleicht.

Wie funktioniert BODIUM4Farmers?

BODIUM4Farmers nutzt das systemische Bodenmodell BODIUM. Es schätzt ab, wie sich Erträge und weitere wichtige Funktionen des Bodens unter verschiedenen Produktionssystemen entwickeln. 

BODIUM4Farmers berücksichtigt die Standortfaktoren jedes Schlags individuell.
Bild: Getty Images ...

Wie sich landwirtschaftliche Maßnahmen auswirken, hängt stark vom jeweiligen Standort ab, insbesondere von seinen spezifischen Bodeneigenschaften und dem lokalen Klima. Deshalb berücksichtigt das Modell diese Faktoren für jeden Schlag individuell. 

Betriebe können verschiedene Bewirtschaftungsweisen schlagspezifisch vergleichen, etwa hinsichtlich der Ertragsfähigkeit sowie der Fähigkeit des Bodens, Wasser, Nährstoffe und Kohlenstoff zu speichern.

All dies lässt sich unter verschiedenen Wetterszenarien testen. So kann abgeschätzt werden, welche Auswirkungen sehr trockene oder sehr feuchte Jahre auf die Bodenfunktionen und zukünftige Erträge haben könnten.

Wo und wie wird BODIUM4Farmers genutzt? 

BODIUM4Farmers läuft als kostenfreie Webanwendung unter www.bodium4farmers.de direkt über den Browser des eigenen Rechners. Nach erfolgreicher Registrierung kann auf einer Deutschlandkarte ein erster Schlag angelegt werden. Auf Basis der Koordinaten werden für die Modellierung Wetterdaten von Stationen des Deutschen Wetterdienstes abgerufen und regionalisierte Bodendaten aus einer Bodenkarte bereitgestellt. Diese basieren auf den Daten der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft. Liegen eigene Bodendaten zum genauen Standort vor, können die hinterlegten Daten entsprechend korrigiert werden. Im Anschluss werden Bewirtschaftungsdaten der vergangenen Jahre benötigt, mindestens für eine Fruchtfolge, um den aktuellen Bodenzustand in Bezug auf Wasser- und Nährstoffgehalte beurteilen zu können. Um die Eingabe zu vereinfachen, stehen Excel-Vorlagen bereit. Diese Daten bilden die Grundlage der Simulation.

Simulation der historischen Daten

Nun erfolgt zunächst die Simulation der Bewirtschaftung der letzten Jahre. Als Ergebnis werden Informationen ausgegeben zu 

  • den berechneten Erträgen, 
  • Wassernutzungseffizienz, 
  • Kohlenstoffspeicher, 
  • Luftkapazität und 
  • Stickstoffrückhaltevermögen. 

Über den Vergleich der tatsächlich gemessenen mit den berechneten Erträgen lässt sich beurteilen, wie gut das Modell für den jeweiligen Standort funktioniert. Die Simulationsergebnisse können anschließend weiter analysiert werden, beispielsweise im Hinblick auf die erfolgten Düngergaben oder die Nährstoffnutzungseffizienz. Gleichzeitig können sie wertvolle Informationen für die Planung der zukünftigen Bewirtschaftung geben.

Simulation zukünftiger Anbausysteme

Neben der Analyse der Daten der vergangenen Jahre können Betriebe auch die zukünftigen Fruchtfolgen planen und die nächsten 25 Jahre simulieren. Wer nur kleinere Änderungen testen möchte, kann die historische Bewirtschaftung als Grundlage dafür nutzen. Beispiele dafür sind: Was passiert, wenn die Stickstoffdüngung um die Hälfte reduziert wird? Oder: Welche Auswirkungen hat es, eine Zwischenfrucht in die Fruchtfolge zu integrieren?

Die Visualisierung der zukünftigen Fruchtfolgen vereinfacht die Planung mit BODIUM4Farmers, indem Vegetations- und Brachezeiten sowie Bodenbearbeitungs- (Traktor-Icon) und Düngemaßnahmen (Flaschen-Icon) angezeigt werden.
Abbildung: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung

Es können aber auch komplett neue Fruchtfolgen geplant und simuliert werden. Dazu greift BODIUM4Farmers auf Daten des Leistungs-Kostenrechners Pflanzenbau des KTBL zu.

Wenn die Simulationen erfolgt sind, können die Ergebnisse aus verschiedenen Szenarien miteinander verglichen werden. Dargestellt wird die relative Veränderung des Ertrags und der verschiedenen Bodenfunktionen im Vergleich zu einer Referenz-Fruchtfolge. Dabei werden – wie schon bei der Simulation der Historie – die folgenden Größen betrachtet:

  • Kohlenstoffspeicher, 

  • Wasser- und Stickstoffnutzungseffizienz, 

  • Luftkapazität und 

  • Stickstoffrückhaltevermögen. 

Auch die Zeitreihe der absoluten Werte für den gesamten Simulationszeitraum kann angezeigt werden. So lässt sich überprüfen, welche Zeiträume innerhalb der Fruchtfolge für Änderungen verantwortlich sind.

Vorteile für den Betrieb

BODIUM4Farmers unterstützt landwirtschaftliche Betriebe und Beratungsdienste bei der standortsgerechten, langfristigen Bewirtschaftungsplanung. Die Simulation alternativer Anbausysteme hilft im Vorhinein abzuschätzen, wie sich Erträge entwickeln können und welche Risiken nachhaltige Bewirtschaftungspraktiken mit sich bringen. Die gemeinsame Bewertung von Ertrag und zentralen Bodenfunktionen hilft einzuschätzen, wie nachhaltig ein Anbausystem ist. Eine solche Bewertung kann auch für die Kommunikation zwischen landwirtschaftlicher Praxis und anderen relevanten Akteuren hilfreich sein. 

Bleiben die Betriebsdaten privat? 

Die Daten für die Simulationen werden anonymisiert auf dem Server des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) vom BODIUM4Farmers-Modell verarbeitet und stehen dort nur den registrierten Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung. Die Daten in Verbindung mit dem genauen Standort sind ausschließlich im Benutzerkonto hinterlegt und sind dort durch das selbstvergebene Passwort geschützt. 

Beispielsimulation reduzierte Stickstoffdüngung

Auf zwei Standorten, die sich vor allem in der jährlichen Niederschlagsmenge unterscheiden, wurden drei unterschiedliche Szenarien für die Zukunft gerechnet: die Bewirtschaftung bleibt wie gehabt (als Referenz), die Stickstoffdüngung wird in der gesamten Fruchtfolge um 50 Prozent (rote Balken), oder um 25 Prozent reduziert (grüne Balken). 

Was bedeutet das nun für den Ertrag und die Bodenfunktionen im Verlauf der nächsten 25 Jahre? Die Ergebnisse zeigen, dass die Erträge für beide Simulationen im Vergleich zur ursprünglichen Stickstoffdüngung sinken. Allerdings nehmen die Stickstoffnutzungseffizienz und die Stickstoffrückhaltekapazität sowohl am trockeneren als auch am feuchteren Standort zu, was für dieses Beispiel auch zu erwarten ist.

Simulationsbeispiel reduzierter Stickstoffdüngung an einem trockenen Standort.
Abbildung: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung
Simulationsbeispiel reduzierter Stickstoffdüngung an einem feuchten Standort.
Abbildung: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung

Beim Vergleich der Ergebnisse beider Standorte wird deutlich, warum die Auswirkung der Bewirtschaftung auf Bodenfunktionen immer standortspezifisch betrachtet werden muss: Auf dem trockeneren Standort (linke Grafik) kann bei einer Reduktion von 25 Prozent Stickstoffdünger mit eine Ertragseinbuße von 9 Prozent (grüner Balken) gerechnet werden, insbesondere weil viel weniger Stickstoff ausgewaschen wird. Wird die Düngung halbiert, simuliert BODIUM einen Ertragsverlust von 32 Prozent. Auf dem feuchteren Standort (rechte Grafik) hingegen gibt es weiterhin einen erheblichen Verlust von Stickstoff über Auswaschung. Deshalb führen beide Düngungsvarianten zu stärkeren Ertragseinbußen.

Beispielsimulation Kohlenstoffspeicherung im Laufe der Zeit

In einem weiteren -Beispiel wurde neben der veränderten Stickstoffdüngung auch die Kohlenstoffspeicherung von 2002 bis 2040 simuliert. Diese Ergebnisse zeigen , dass der Kohlenstoffspeicher insgesamt nur wenig durch die veränderte Stickstoffdüngung beeinflusst wird. Allerdings ist die Speicherung von Kohlenstoff ein sehr langsamer Prozess, sodass auch geringe Steigerungen positiv zu bewerten sind. Wichtig zu betrachten ist also: steigt oder sinkt der Humusgehalt über die Zeit? In BODIUM4Farmers lassen sich dazu die absoluten Werte mit einem Klick auf die Balken zum Kohlenstoffspeicher anzeigen. 

Simulationsbeispiel Kohlenstoffspeicher an einem trockenen Standort.
Abbildung: Hemholtz Zentrum für Umweltforschung
Simulationsbeispiel Kohlenstoffspeicher an einem feuchten Standort.
Abbildung: Hemholtz Zentrum für Umweltforschung

Auf dem trockenen Standort (linke Grafik) ist der Kohlenstoffgehalt stabil und zeigt einen leicht steigenden Trend. Eine Reduktion von 25 Prozent Stickstoffdünger hat keinen Einfluss, wobei eine N-Reduktion um 50 Prozent den Kohlenstoffgehalt sinken lässt. Anders sieht es auf dem feuchten Standort (rechte Grafik) aus: Hier sinkt der Kohlenstoffgehalt in allen drei Düngungsvarianten.

Potenzial von BODIUM4Farmers als Werkzeug für eine nachhaltigere Landwirtschaft

Mit solchen und ähnlichen Simulationen soll BODIUM4Farmers Praktikerinnen und Praktiker dabei unterstützen, nachhaltiger im Sinne der Bodengesundheit zu wirtschaften, ohne dabei die ökonomischen Aspekte aus den Augen zu verlieren. Auf eine ökonomische Bewertung der Szenarien wurde bewusst verzichtet, da diese stark abhängig ist von der aktuellen Marktlage, aber auch von den technischen Voraussetzungen eines jeden Betriebes.

BODIUM4Farmers wird in verschiedenen Forschungsprojekten stetig weiterentwickelt. Dabei geht es einerseits um die Nutzerfreundlichkeit, aber auch um Möglichkeiten, weitere Bewirtschaftungsmaßnahmen zu simulieren. Eine wichtige aktuelle Entwicklung ist die Simulation von Pflanzengemeinschaften, um künftig auch Untersaaten oder Zwischenfruchtmischungen simulieren zu können. 

BODIUM4Farmers ist ein laufendes Projekt und lebt von seinen Nutzerinnen und Nutzern sowie deren Feedback. Also – probieren Sie das Tool gerne aus und geben Sie dem Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) eine Rückmeldung zu bodium(at)ufz(dot)de!

Die Entwicklung von BODIUM4Farmers wurde gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Förderinitiative „Boden als nachhaltige Ressource für die Bioökonomie - BonaRes“, Projekt „BonaRes (Modul B): BonaRes-Zentrum für Bodenforschung“. 

Autorinnen und Autoren

Sara König, Leonard Franke, Judith Rüschhoff, Ulrich Weller, Hans-Jörg Vogel & Ute Wollschläger, Helmholtz Zentrum für Umweltforschung

Letzte Aktualisierung 31.07.2026

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