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Umwelt

Extremes Wetter: Wie kann die Landwirtschaft vorsorgen?

Extremes Wetter: Wie kann die Landwirtschaft vorsorgen?

Die extremen Wetterereignisse in diesem und im letzten Jahr hatten vielerorts verheerende Folgen f├╝r die Landwirtschaft. Zwischen April und August 2018 hat es in weiten Teilen Deutschlands kaum geregnet. Laut Deutschem Wetterdienst erlebte Deutschland damit in diesem Sommer die "h├Âchste Temperaturanomalie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881".

Vorangegangen war der Sommerd├╝rre ein extrem nasser Herbst und Winter. Dies f├╝hrte dazu, dass die Ernte von sp├Ątr├Ąumenden Kulturen wie Mais oder Zuckerr├╝ben nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden konnte. Die Herbstbestellung mit Raps und Wintergetreide war vielfach unm├Âglich, was notgedrungen zu einer starken Ausweitung des Anbaus von ertragsschw├Ącheren Sommergetreiden f├╝hrte.

Alles das verursachte auf vielen ├äckern erhebliche Ertragseinbu├čen. Die Hektarertr├Ąge bei der diesj├Ąhrigen Getreideernte lagen laut BMEL-Erntebericht im Schnitt um 19 Prozent niedriger als im dreij├Ąhrigen Schnitt der Vorjahre. In den besonders stark betroffen Gebieten im Norden und Osten waren die Einbu├čen sogar noch weit h├Âher: In Brandenburg wurden weniger als 75 Prozent der ├╝blichen Getreideertr├Ąge von Feld geholt, in Schleswig Holstein waren es sogar weniger als zwei Drittel.

Am allermeisten litten aber die Futterbaubetriebe unter der anhaltenden Trockenheit: Die Gr├╝nfutterfl├Ąchen brachten laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) im Norden und Osten des Landes nur etwa ein Viertel des ├╝blichen Ertrags. Die K├╝he und Schafe mussten vorzeitig von der Weide geholt werden und viele Tierhalter begannen bereits in den Sommermonaten damit, die Futtervorr├Ąte f├╝r den Winter anzubrechen. Um die Futterkosten zu senken, wurden zudem vermehrt Rinder zur Schlachtung gegeben.

Hilfe vom Staat ÔÇô eine Notl├Âsung

In der Regel stellen Bund und L├Ąnder in solchen "Katastrophenjahren" Hilfsgelder f├╝r die Landwirtschaft bereit. In diesem Jahr zahlt die Bundesregierung 340 Millionen Euro Soforthilfe an besonders bed├╝rftige Betriebe. So verst├Ąndlich und nachvollziehbar solche Hilfszahlungen sind, sie stellen jedoch immer nur eine Notl├Âsung dar. Denn das vom Staat bereitgestellte Geld deckt meist nur einen Bruchteil des tats├Ąchlich entstandenen Schadens ab. Kritiker bem├Ąngeln zudem, dass vor allem solche Landwirtschaftsbetriebe von den Geldern profitieren, die nicht genug f├╝r die Risikovorsorge getan haben.

Extremwetterereignisse treten immer h├Ąufiger auf, darauf weisen verschiedene Klimamodelle des Deutschen Wetterdienstes eindeutig hin. Politik, Wissenschaft und Praxis sind daher gefragt, Wege zu finden, wie man mit solchen Extremwetterlagen in Zukunft umgeht und wie Landwirtschaftsbetriebe sich besser davor sch├╝tzen k├Ânnen.

Versicherungen? Teilweise (noch) zu teuer!

F├╝r viele sind Versicherungen ein naheliegender Gedanke, wenn es darum geht, Fl├Ąchen und Kulturen besser gegen witterungsbedingte Gefahren abzusichern. Das ist bei Hagel seit vielen Jahren ├╝bliche Praxis. Immer mehr Betriebe entscheiden sich zudem daf├╝r, auch Ausf├Ąlle durch Sturm, Starkregen oder Frost in Form einer Mehrgefahrenpolice abzusichern. Gegen D├╝rre ist dagegen bislang kaum ein Landwirt in Deutschland versichert. Und das, obwohl D├╝rre das mit Abstand gr├Â├čte Ernterisiko in Deutschland darstellt: Knapp 60 Prozent aller Erntesch├Ąden zwischen 1990 und 2006 waren auf extreme Trockenheit zur├╝ckzuf├╝hren. Aber genau da liegt das Problem: Denn wenn Sch├Ąden durch D├╝rre auftreten, sind meist sehr viele Betriebe auf einmal betroffen. Damit werden die Kosten, die der Versicherung entstehen, immens hoch. Hinzu kommt, dass Versicherungen gegen D├╝rre ÔÇô anders als bei Hagel, Sturm und Starkregen ÔÇô in Deutschland nicht von der Versicherungssteuer befreit sind. Eine staatliche Zulage f├╝r Versicherungen, wie sie in den USA und vielen anderen EU-L├Ąndern die Regel ist, gibt es in Deutschland auch nicht. Entsprechend teuer sind hierzulande die Versicherungsbeitr├Ąge f├╝r die Landwirte.

In der Diskussion: Gewinngl├Ąttung oder Risikor├╝cklage

Als eine weitere M├Âglichkeit, sich gegen Ausf├Ąlle in Katastrophenjahren abzusichern, wird seit einigen Jahren die sogenannte steuerfreie Risikoausgleichsr├╝cklage diskutiert. Funktionieren soll das so: Der Betrieb spart in guten Zeiten Gewinne an, auf die keine Steuern entrichtet werden m├╝ssen. In Krisenjahren werden diese Ansparungen dann aufgel├Âst, um Ertragsausf├Ąlle, zum Beispiel durch D├╝rre, auszugleichen.

Eine solche Ma├čnahme zur Absicherung von Ertrags- und Einkommensrisiken kommt zum Beispiel in Neuseeland, Australien und Kanada seit mehreren Jahren zum Einsatz. Der Deutsche Bauernverband fordert die steuerfreie Risikoausgleichsr├╝cklage schon lange und auch immer mehr Politiker sprechen sich daf├╝r aus. So votierte der Bundesrat am 21. September 2018 f├╝r die Einf├╝hrung einer steuerfreien Risikoausgleichsr├╝cklage. Ein solches positives Bundesratsvotum gab es bereits vor zwei Jahren. Die Bundesregierung hatte sich damals allerdings gegen eine steuerverg├╝nstigte R├╝cklagenbildung ausgesprochen. Sie berief sich dabei auf eine Studie der Universit├Ąt Hohenheim. Die Wissenschaftler kamen darin zu dem Schluss, dass eine solche R├╝cklage nicht den erw├╝nschten Entlastungseffekt bei markt- und witterungsbedingten Einkommensschwankungen h├Ątte. Zu der gleichen Einsch├Ątzung kam 2015 auch das Th├╝nen-Institut in einer Bewertung.

Als Alternative schlugen die Wissenschaftler die Einf├╝hrung einer mehrj├Ąhrigen Gewinngl├Ąttungsregelung vor. Danach sollen Landwirtschaftsbetriebe Verluste bzw. Gewinne ├╝ber einen Zeitraum von mehreren Jahren verrechnen k├Ânnen. Auftretende Gewinnschwankungen k├Ânnen auf diese Weise nachtr├Ąglich durch eine individuelle Steuererm├Ą├čigung korrigiert werden. Eine solche Gewinngl├Ąttungsregelung auf drei Jahre wurden Ende 2016 dann auch von der Bundesregierung beschlossen. Bislang haben die Landwirtinnen und Landwirte aber noch nichts davon, da die EU dieser Regelung bislang noch nicht zugestimmt hat.

Doch auch die Gewinngl├Ąttung bringt offenbar nicht den gew├╝nschten Effekt. So hat laut topagrar der Bayerische Oberste Rechnungshof j├╝ngst an 2.575 landwirtschaftlichen Steuerf├Ąllen untersucht, wie sich eine Gewinngl├Ąttung auswirken w├╝rde. Die Pr├╝fer kamen zu dem Ergebnis, dass die Regelung nur einen geringen Einfluss auf die Steuerbelastung der landwirtschaftlichen Betriebe h├Ątte.

Agrar├Âkonomen, wie Prof. Norbert Hirschauer von der Martin-Luther-Universit├Ąt Halle-Wittenberg und Prof. Oliver Mu├čhoff von der Georg-August-Universit├Ąt G├Âttingen sprechen sich ebenfalls gegen eine Gewinngl├Ąttungsregelung aus. Sie pr├Ąferieren die steuerverg├╝nstigte R├╝cklagenbildung, allerdings m├╝ssten daf├╝r, so die Wissenschaftler in topagrar, noch zentrale Voraussetzungen geschaffen werden.

Landwirtschaftliche Produktion anpassen

Abseits aller Diskussionen ├╝ber Versicherungen und steuerliche Verg├╝nstigungen ist sich die Agrarbranche einig: Die Landwirtschaft wird langfristig nicht umhinkommen, ihr Produktionssystem auf die sich ├Ąndernden Klimabedingungen einzustellen. Einige solcher Anpassungsprozesse sind bereits seit einigen Jahren im Gang. So arbeitet die landwirtschaftliche Z├╝chtungsforschung an Sorten, die an die ver├Ąnderten Bedingungen wie Trockenheit, verl├Ąngerte Vegetationsperiode und Hitze besser angepasst sind. In den Fokus der Z├╝chtungsbem├╝hungen r├╝cken dabei auch neue Kulturarten, die hierzulande bislang noch keine Rolle spielten. So k├Ânnte in Zukunft zum Beispiel der Mais durch die wesentlich trockentolerantere Sorghum-Hirse als Rohstoffpflanze f├╝r Biogasanlagen ersetzt werden. Auch w├Ąrmeliebende Kulturen wie Sojabohne oder Hirse werden zuk├╝nftig wahrscheinlich h├Ąufiger zu finden sein und m├╝ssen z├╝chterisch entsprechend an die hiesigen Bedingungen angepasst werden. Die Z├╝chtung wird auch gefragt sein, wenn es darum geht, Sorten zu entwickeln, die widerstandsf├Ąhiger gegen Krankheiten und Sch├Ądlinge sind. Denn es steht zu bef├╝rchten, dass sich Pilze, Viren und Schadinsekten, bedingt durch die milderen Winter, verst├Ąrkt ausbreiten.

Wichtig: Das Risiko streuen

Doch auch die Z├╝chtung hat ihre Grenzen. So k├Ânnen zwar besonders trocken- oder hitzetolerante Sorten gez├╝chtet werden, die in entsprechenden hei├čen und trockenen Jahren ihren Zweck erf├╝llen. Doch was hilft das in kalten Jahren mit Stark- und Dauerregen? Das Problem in der Landwirtschaft ist, dass es sehr verschiedene Extremwetterereignisse gibt, die in sehr unterschiedlicher Weise Einfluss auf die landwirtschaftliche Produktion nehmen. Und wann welches Ereignis eintritt, l├Ąsst sich meist nur schwer voraussagen.

"Die Landwirtschaft muss sich diesen unterschiedlichen Wetterextremen also ganz grunds├Ątzlich stellen, indem sie das Risiko streut", sagt Prof. Frank A. Ewert, Leiter des Leibniz-Zentrums f├╝r Agrarlandschaftsforschung (ZALF). Eine M├Âglichkeit, die in diesem Zusammenhang vielfach diskutiert wird ist die Erweiterung der Fruchtfolgen: "Dadurch werden die Betriebe immer auch Fruchtarten auf den Feldern haben, die an die jeweils auftretende Extremsituation besser angepasst sind als andere", sagt Ewert. Zus├Ątzliche Sicherheit k├Ânnten die Landwirtinnen und Landwirte erzielen, indem sie verschiedene Sorten oder Reifetypen w├Ąhlen und den Zeitpunkt der Aussaat variieren. "Bei all dem muss der Betrieb nat├╝rlich immer Angebot und Nachfrage im Auge behalten", so der Agrarwissenschaftler. "Denn f├╝r die angebauten Kulturen m├╝ssen schlie├člich auch Abnehmer gefunden werden, was in Zeiten globalisierter M├Ąrkte nicht immer leicht ist".

Um den Extremwetterereignissen zuk├╝nftig trotzen zu k├Ânnen, wird es weiterhin wichtig sein, die Fruchtbarkeit und die Wasserhaltef├Ąhigkeit des Bodens zu verbessern. Auch hier spielen weitere Fruchtfolgen mit verschiedenen Arten und Sorten eine entscheidende Rolle. Dar├╝ber hinaus kommt dem Zwischenfruchtanbau und der konservierenden Bodenbearbeitung eine gro├če Bedeutung zu.

Investition in pr├Ąventive Technik

Auch eine Investition in technische Anlagen kann sich f├╝r manche Betriebe und Kulturen lohnen. So kann es insbesondere in Gebieten, die zuk├╝nftig mit einer Zunahme an trockenen Tagen zu rechnen haben, wie zum Beispiel der Osten Deutschlands, Sinn machen, effiziente Bew├Ąsserungstechnik anzuschaffen. Umgekehrt kann in Gebieten mit hohem Wasseraufkommen eine Dr├Ąnung zu einer Abmilderung von Extremwetterereignisse f├╝hren. Eine Investition in geeignete Frostschutztechnik, wie Beregnungsanlagen oder Ventilatoren macht dagegen ├╝berall dort Sinn, wo in Zukunft mit erh├Âhter Fr├╝hfrostgefahr gerechnet werden muss.

Einige solcher Investitionen werden ├╝ber staatliche Programme gef├Ârdert. Diese Programme gehen entweder auf den Europ├Ąischen Landwirtschaftsfonds f├╝r die Entwicklung des l├Ąndlichen Raums (ELER) oder auf die Gemeinsame Marktorganisation f├╝r landwirtschaftliche Erzeugnisse (GMO) zur├╝ck. Ein zentrales Element der einzelbetrieblichen F├Ârderung ist das Agrarinvestitionsf├Ârderprogramm.

Seiten-Titel: Wie das Klima die Landwirtschaft ver├Ąndert

Seiten-Beschreibung:

Der Klimawandel wird zuk├╝nftig nicht nur zu erh├Âhten Temperaturen f├╝hren. Auch die H├Ąufigkeit von Extremwetterereignissen wird steigen ÔÇô mit zum Teil erheblichen Auswirkungen auf die Landwirtschaft.

Seiten-Titel: Anpassung an den Klimawandel

Seiten-Beschreibung:

Die Landwirtschaft ist in besonderem Ma├če vom Klimawandel betroffen und ist daher besonders gefordert, Antworten zu finden, wie sich mit den Ver├Ąnderungen am besten umgehen l├Ąsst.