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Umwelt

Klimawandel ÔÇô der Einfluss der Landwirtschaft

Klimawandel ÔÇô der Einfluss der Landwirtschaft

Rund 11 Prozent der Treibhausgase (THG) kommen aus der Landwirtschaft. Dabei fallen Lachgas- und Ammoniakverluste doppelt ins Gewicht. Sie sind sch├Ądlich f├╝r das Klima und belasten ├ľkosysteme und Bilanzen, ohne das Pflanzenwachstum zu f├Ârdern.

Der Mammutanteil der THG-Emissionen stammt mit etwa 80 Prozent aus der Energiewirtschaft. Strom aus Biogas genauso wie Energie und Kraftstoffe f├╝r die landwirtschaftliche Produktion werden ebenfalls dem Energiesektor zugeschlagen. 

Die Landwirtschaft und die landwirtschaftliche Landnutzung verursachen j├Ąhrlich etwa 100 Millionen Tonnen CO2-├äquivalente ÔÇô mit gleichbleibender Tendenz. Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) machen dabei jeweils etwa ein Drittel aus. Emissionen von Ammoniak sind besonders kritisch, da sie gleich an mehreren Stellen in nat├╝rliche Gleichgewichte eingreifen.

Deutschland hat sich verpflichtet, seine THG-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu senken. Bis 2050 sollen sie gegen├╝ber 1990 sogar um 80- 95 Prozent fallen. Alles mit dem Ziel, die globale Erderw├Ąrmung in Schach zu halten und auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. Wie kein zweiter Wirtschaftssektor ist die weltweite Landwirtschaft von steigenden Temperaturen und ver├Ąnderten Vegetationsperioden betroffen. 

Besonders klimasch├Ądlich: Lachgas

Lachgas (N2O) entsteht entlang der landwirtschaftlichen Produktionskette immer dann, wenn Stickstoff umgesetzt wird. Das Treibhausgas N2O wirkt fast 300-mal klimasch├Ądlicher als CO2. Es ist auch am Abbau der Ozonschicht beteiligt. Anders als in der Landwirtschaft, sind Emissionen aus der Industrie aufgrund optimierter Verfahren drastisch gesunken. Die Landwirtschaft steht heute f├╝r etwa 80 Prozent der N2O-Emissionen in Deutschland. 

Lachgas entsteht, wenn Stickstoff im Boden umgesetzt wird. Nitrifikation und Denitrifikation hinterlassen ihre Spuren. In der Regel entweicht 1 Prozent des Stickstoffeintrags auf Produktionsfl├Ąchen in die Luft. Von einer Stickstoffgabe von 200 kg N gehen also etwa 2 kg verloren. Stellschrauben sind vor allem Nitrat- und Ammoniumstickstoff. Daneben gilt leicht abbaubarer Humus als potenzielle N-Quelle f├╝r Lachgas. Feuchte Standorte mit organischen B├Âden sind besonders gef├Ąhrdet.

Effizientes Stickstoffmanagement, vom F├╝ttern bis zum D├╝ngen, ist der entscheidende Hebel, um die Lachgaseintr├Ąge zu verringern. Hohe Stickstoffeffizienz mit kleinen N-Salden senkt beim D├╝ngen die Emission des Klimasch├Ądlings N2O. Je kleiner die Bilanz├╝bersch├╝sse, umso geringer auch die Nitratauswaschung. Und je weniger Ammoniak ausgast, umso besser f├╝r das Klima. 

Pr├Ązisionsverfahren beim D├╝ngen sowie bodennahe Ausbringtechnik erleichtern passgenaue Stickstoffgaben. Und Nitrifikationshemmer setzen Emissionen von Lachgas in den ersten Wochen nach der D├╝ngeabgabe herab. Alles, was Stickstoff in den oberen Bodenschichten pflanzenverf├╝gbar festh├Ąlt, vermindert N2O-Verluste. Vorfruchtwirkung, Zwischenfruchtbau und biologische N-Fixierung sind also pflanzenbauliche Mittel der Wahl. 

Daneben sichern verdichtungsfreie B├Âden mit g├╝nstiger Bodenstruktur eine hohe N-Effizienz. Am Ende z├Ąhlt der betriebsspezifische Mix an Ma├čnahmen. Es gilt, die Emissionen auf ├Âkonomisch nachhaltigem Ertragsniveau in Schach zu halten. Das hei├čt, Verlusten an allen Stellen, von der Ernte ├╝ber das Lager bis hin zu den Lebensmitteln, konsequent zu begegnen.

Methan- und Kohlendioxidaussto├č

Insgesamt hat sich der Methanaussto├č seit 1990 etwa halbiert. Ungef├Ąhr 60 Prozent der klimasch├Ądlichen Emissionen des Treibhausgases Methan, CH4, kommen aus der Landwirtschaft. Sie sind in den letzten zehn Jahren ann├Ąhernd unver├Ąndert geblieben. So steht der Landwirtschaftssektor mittlerweile ganz oben auf der Liste der Verursacher. 

Etwa 80 Prozent der klimawirksamen Methanverluste entstehen im Pansen von Wiederk├Ąuern. Die M├Âglichkeiten senkend einzugreifen sind heute noch begrenzt. Vorerst helfen nur indirekte Ma├čnahmen: 1. die Futterrationen Wiederk├Ąuer- und leistungsgerecht auszulegen und 2. Tiergesundheit mit langer Lebensleistung zu f├Ârdern.

Biogas aus G├╝lle & Co. hat ein gro├čes Potenzial, Emissionen zu senken. Denn die Biogasproduktion aus Wirtschaftsd├╝ngern bringt gleich zweifachen Klimaschutz: Biogas ersetzt fossile Rohstoffe. Und im Zuge der Biogasproduktion werden Emissionen aus G├╝llelagern stark herabgesetzt. Denn etwa 20 Prozent der Methanverluste entstehen bei der Lagerung von Wirtschaftsd├╝ngern. 

Zu etwa einem Drittel tr├Ągt auch Kohlendioxid zu den Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft bei. Etwa 90 Prozent dieser Emissionen kommen aus dem Abbau organischer Substanz in Mooren und Anmooren. Entw├Ąsserte und ackerbaulich genutzte Moorstandorte bauen organische Substanz in hohen Raten ab. Dies hat zwangsl├Ąufig CO2-Emissionen zur Folge. Mit der Mineralisation von Stickstoff wird auch Lachgas frei und als weiteres Treibhausgas freigesetzt. Selbst unter Gr├╝nland treten auf Moorb├Âden hohe THG-Lasten auf. Der einzelne Landwirt hat keine Wahl, denn der Schutz der Moore schlie├čt eine landwirtschaftliche Nutzung aus. Wo Fl├Ąchenaufgabe keine Option ist, bleiben nur agrarstrukturelle L├Âsungen mit Anreiz- und Ausgleichsystemen f├╝r die Landwirtschaft.

Ammoniak fest im Visier

Etwa 95 Prozent der Emissionen von Ammoniak (NH3) stammen aus der Landwirtschaft. Hier haben die NH2-Emissionen in den letzten zehn Jahren sogar weiter zugenommen. Hauptursachen waren steigende Schweine- und Gefl├╝gelzahlen. Zus├Ątzlich stocken G├Ąrreste aus Energiepflanzen ammoniakhaltige Wirtschaftsd├╝nger weiter auf. 

Ammoniak tr├Ągt zu einem diffusen Eintrag von Stickstoff in ├ľkosysteme bei. Dies bedroht gro├čfl├Ąchig die Biodiversit├Ąt, insbesondere n├Ąhrstoffarmer Standorte. Weitere Umsetzungsprozesse bef├Ârdern das Versauern von B├Âden und setzen Lachgas frei. Ammoniak verursacht dar├╝ber hinaus mittelbar die Bildung von Feinstaub und wirkt daher auch f├╝r Menschen gesundheitsgef├Ąhrdend. 

Deutschland hat sich in internationalen Abkommen zur Luftreinhaltung (NEC) verpflichtet, den Aussto├č von Ammoniak bis 2030 um 29 Prozent gegen├╝ber 2005 zu senken. Die Zeit dr├Ąngt also, wirkungsvolle Gegenma├čnahmen zu treffen.

Wichtige Steuergr├Â├čen f├╝r Ammoniak-Emissionen sind alle Kontaktfl├Ąchen mit der Atmosph├Ąre. Das hei├čt: Wirtschaftsd├╝nger sofort einarbeiten oder direkt in den Boden injizieren. Und G├╝lle- und G├Ąrrestlager ohne Schwimmschicht abdecken. Ureasehemmstoffe sind eine Option, Emissionen aus synthetischen Ammonium- und Harnstoffd├╝ngern im Ackerbau zu mindern. In der Tierhaltung sind offene Stallanlagen neuralgische Punkte. Ans├Ąuern der G├╝lle hat sich in Praxisversuchen f├╝r den Stall wie auf dem Acker bew├Ąhrt.

Ma├čnahmen, die NH3-Emissionen senken, verbessern den D├╝ngewert von Ammoniak. Flie├čt dieser Spareffekt konsequent in die D├╝ngeplanung ein, spart dies Kosten und senkt gleichzeitig sch├Ądliche Umweltwirkungen.