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Umwelt

Anpassung an den Klimawandel

Anpassung an den Klimawandel

Die Landwirtschaft ist in besonderem Ma√üe vom Klimawandel betroffen und ist daher besonders gefordert, Antworten zu finden, wie sich mit den Ver√§nderungen am besten umgehen l√§sst. Welche Anpassungsstrategien zeichnen sich ab ‚Äď welche setzen sich durch?

Wie kein anderer Produktionszweig ist der Pflanzen-, Gem√ľse- und Obstbau von ver√§nderten Witterungsbedingungen betroffen. Um Klimafolgen abzusch√§tzen, hei√üt es √úberblick bewahren und genau hinsehen, wo welche Folgen drohen. Landwirten in Deutschland steht ein breite Palette m√∂glicher L√∂sungsans√§tze zur Wahl: von neuen Kulturarten und angepassten Sorten √ľber Versicherungen bis hin zur innovativen Technik.

Mit dem Klimawandel √§ndert sich der jahreszeitliche Witterungsverlauf. F√ľr deutsche Breiten verspricht das ver√§nderte Klima schon im Fr√ľhjahr h√∂here Temperaturen. W√§hrend die Sommermonate trockener und hei√üer ausfallen, sollen zuk√ľnftige Winter w√§rmer und niederschlagsreicher werden. Die Klimaver√§nderungen unterliegen regionalen Unterschieden. Sie lassen auch keine pauschalen R√ľckschl√ľsse auf zuk√ľnftige Ertragsentwicklungen zu. Je nach Region, Standort und Kulturart bringen klimatische Ver√§nderungen nicht nur Risiken, sondern auch pflanzenbauliche Chancen.

Extremwetter - eine Unbekannte

Die genauen Zusammenh√§nge zwischen ver√§ndertem Klima, Extremwettereignissen und Sch√§den in der Landwirtschaft sind noch nicht vollst√§ndig gekl√§rt. Ein √ľberwiegender Teil der Ertragsausf√§lle ging in den vergangenen 15 Jahren auf das Konto von Trockenheit und D√ľrre. Rund ein F√ľnftel der Sch√§den waren durch Hagel und nur etwa ein Sechstel durch Sturm, Starkregen oder √úberschwemmung verursacht. EU-weit geltende Regelungen schr√§nken mittlerweile staatliche Hilfen ein. Dies l√§sst f√ľr die Zukunft eine Ausweitung des Versicherungsschutzes bei landwirtschaftlichen Erzeugern erwarten.

Klimaparameter ändern sich

Klimamodelle zeigen f√ľr die kommenden Jahrzehnte ver√§ndere klimatische Kenngr√∂√üen auf, die f√ľr den Pflanzenbau von Bedeutung sind. In den n√§chsten 30 Jahren erh√∂hen sich demnach die CO2-Konzentrationen in der Atmosph√§re. Dadurch steigen auch die Jahresdurchschnittstemperaturen weiter an. Dies f√ľhrt bis 2050 zu etwa drei Wochen l√§ngeren Vegetationsperioden. Parallel dazu werden kalte Tage seltener. Warme wie auch hei√üe Tage nehmen deutlich zu. Im Jahresdurchschnitt ver√§ndern sich die Niederschlagsmengen zwar kaum. Sie verschieben sich aber tendenziell von den Sommermonaten in die Wintermonate. Die Summe der Globalstrahlung ist Ma√üzahl f√ľr die pflanzenverf√ľgbare Energie zur Ertragsbildung. Sie wird geringf√ľgig steigen.

Trends im Wachstumsmodell

Simulationsmodelle f√ľr das Pflanzenwachstum zeigen anhand der ver√§nderten Klimaparameter standortspezifische Ertragsentwicklungen auf. F√ľr einen fruchtbaren Ackerstandort in Bayern zum Beispiel zeichnen sich f√ľr die kommenden Jahrzehnte f√ľr die Winterungen Wintergerste und Raps steigende Ertr√§ge ab. Bei Weizen und Sommergerste zeigen sich kaum ver√§nderte Ertragsh√∂hen. W√§hrend bei Mais, gekoppelt mit steigenden Schwankungen, die Durchschnittsertr√§ge sinken.

Solche Modellierungen k√∂nnen immer nur ein vereinfachtes Bild der Realit√§t wiedergeben. Denn pflanzenbauliche Innovationen und z√ľchterischer Fortschritt bleiben hier noch unber√ľcksichtigt. Modellberechnungen zeigen dennoch die Auswirkungen der Klima√§nderung auf.

L√§ngere Vegetationszeiten und der CO2-D√ľngeeffekt schlagen auf fruchtbaren Standorten mit hoher Wasserspeicherkapazit√§t positiv durch. Entsprechend halten sich hier positive und negative Effekte des Klimawandels die Waage. Auf leichteren B√∂den mit geringem Wasserhalteverm√∂gen sieht dies schnell anders aus. Die zunehmende Gefahr der Vorsommertrockenheit schl√§gt deutlich st√§rker durch und wird schnell ertragswirksam.

Im Mix splitten

Die Risiken des Klimawandels lassen sich mit verschiedenen pflanzenbaulichen Ma√ünahmen eingrenzen. Alle zielen darauf ab, die standortangepasste Vielfalt im Anbau zu erweitern. R√§umliches Nebeneinander verschiedener Kulturarten f√§ngt Ertragsausf√§lle auf, denn identische Witterungsverh√§ltnisse wirken sich artenspezifisch unterschiedlich aus. Der Kulturartenmix im Anbau ist damit ein erster Schritt, Ertragsschwankungen auszugleichen. Regional etablierte und wirtschaftlich starke Pflanzenarten wie Winterweizen, Wintergerste, Mais und Winterraps sind oft einkommenssichernd. Besonders hohe Erl√∂se im Zuge einseitigen Anbaus bestimmter Marktfr√ľchte bleiben im Zuge des Kulturartenmix aus.

Sortenvielfalt auf dem Acker hilft, die Risiken m√∂glicher Wetterextreme weiter zu splitten. Eigenschaften wie Ertragssicherheit in feuchten oder trockenen Jahren sowie Resistenzen gegen√ľber Pflanzenkrankheiten erg√§nzen zuk√ľnftig st√§rker g√§ngige Kriterien der Sortenwahl. Trockenresistente, w√§rmeliebende Kulturpflanzen wie Sojabohne oder Sorghum-Hirse empfehlen sich f√ľr einen Probeanbau auf kleiner Fl√§che.

Aussaat bis Bodenbearbeitung im Klimawandel

Ver√§nderte klimatische Bedingungen bieten in Winterungen Aussicht auf l√§ngere Wachstumsperioden mit h√∂heren Kornertr√§gen.  Durch Fr√ľhsaaten und weitere Saatzeitspannen lassen sich l√§ngere Wachstumsphasen nutzen. Virusinfektionen und Pflanzenkrankheiten spielen in Fr√ľhsaaten eine gr√∂√üere Rolle. Dem haben Sortenwahl, Saatst√§rke und Pflanzenschutz Rechnung zu tragen.

Voraussichtlich nimmt die Wirkung des Bodenfrosts und damit der Frostgare in Zukunft deutlich ab. Insbesondere tiefere Bodenschichten werden nicht mehr wie gewohnt gelockert. Umso wichtiger ist es, Bodenverdichtungen konsequent zu vermeiden. Um Bodenwasser zu schonen und Erosion vorzubeugen, bieten sich je nach betrieblichen Standortbedingungen, pfluglose Verfahren der Bearbeitung an. Optionen f√ľr den Pflugeinsatz sollten gegeben bleiben. Im Notfall, wie etwa bei Feldm√§usen, Ungr√§sern oder Unkrautbesatz, l√§sst sich problemgem√§√ü reagieren.

Versicherungs- und technischer Klimaschutz

Ertragsversicherungen genauso wie technische Vorrichtungen wie Beregnungsanlagen sichern Einnahmen und mindern das Produktionsrisiko. Sie verursachen allerdings Kosten, die erst wieder eingespielt werden m√ľssen. Technische Ma√ünahmen sind mit fixen wie auch variablen Kosten verbunden. Insbesondere hohe Fixkosten technischer Schutzma√ünahmen schm√§lern Erl√∂se und machen daher Anpassungsstrategien schnell unwirtschaftlich. Investitionen rechnen sich in der Regel nur, wenn potenzielle Erl√∂sausf√§lle hoch oder Schadensf√§lle relativ wahrscheinlich sind.

Versicherungen sind eine ad√§quate Anpassungsma√ünahme, die Anbaurisiken zu reduzieren. Sie helfen, extrem niedrige Betriebsergebnisse zu verhindern. Je nach H√∂he der Pr√§mienzahlungen zehren sie an der Rentabilit√§t. Kosten und Nutzen sind hier betriebsspezifisch abzuw√§gen, wobei Fragen der betrieblichen Liquidit√§t und eine m√∂gliche staatliche Unterst√ľtzung der Pr√§mien, wie in einigen EU-L√§ndern, zu ber√ľcksichtigen sind.