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Umwelt

Ammoniak-Emissionen: Eine Minderung ist dringend notwendig

Ammoniak-Emissionen: Eine Minderung ist dringend notwendig

Deutschland muss die Ammoniak-Emissionen in den kommenden Jahren drastisch reduzieren: Bis 2020 um f├╝nf Prozent und bis 2030 um 29 Prozent gegen├╝ber dem Referenzjahr 2005. So fordert es die EU in der Ende 2016 beschlossenen NERC-Richtlinie, deren Umsetzung in deutsches Recht im Mai dieses Jahres vom Bundestag beschlossen wurde. Der Grund: Ammoniak (NH3) schadet der Umwelt, der menschlichen Gesundheit und dem Klima.

Betroffen von den Versch├Ąrfungen ist vor allem die Landwirtschaft. Ihr allein sind 95 Prozent aller NH3-Emissionen zuzuschreiben.

Eine gro├če Herausforderung f├╝r die Landwirtschaft

Die geplanten Minderungen stellen die Branche vor eine gro├če Herausforderung. Schon in den vergangenen Jahren war es der deutschen Landwirtschaft nicht gelungen, die NH3-Emissionen zu begrenzen: 2010 hatte sich Deutschland im Rahmen des internationalen Abkommens zur Luftreinhaltung (NEC-Richtlinie) dazu verpflichtet, eine Emissionsh├Âchstmenge von j├Ąhrlich 550 Tonnen NH3 einzuhalten.

Dieses Ziel wurde jedoch nie erreicht. Im Gegenteil, der NEC-Grenzwert wurde regelm├Ą├čig weit ├╝berschritten, was vor allem auf die seit 2005 zunehmende Verg├Ąrung von Energiepflanzen zur├╝ckzuf├╝hren ist (siehe Grafik).

Hauptemissionsquelle: Landwirtschaftliche Tierhaltung

Die weitaus wichtigste Emissionsquelle f├╝r NH3 ist die landwirtschaftliche Tierhaltung. Laut Th├╝nen-Institut stammen 43 Prozent der landwirtschaftlichen NH3-Emissionen aus der Rinderhaltung, 19 Prozent aus der Schweinehaltung und 9 Prozent aus der Gefl├╝gelhaltung. Die Ausscheidungen dieser Tiere enthalten hohe Anteile an Ammoniumstickstoff, der bei Kontakt mit der Atmosph├Ąre in gasf├Ârmiges NH3 umgewandelt wird.

Der gr├Â├čte Teil der NH3-Emissionen (etwa 50 Prozent) entsteht bei der Ausbringung (40 Prozent) und Lagerung (10 Prozent) von Wirtschaftsd├╝ngern. Weitere 29 Prozent fallen bereits im Stall an. Aber auch die Ausbringung von harnstoffhaltigen Minerald├╝ngern tr├Ągt mit 16 Prozent zur Gesamtsumme der NH3-Emissionen bei.

Ammoniak: Schadet Umwelt und Gesundheit

NH3 ist ein Gas, das negative Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit hat. Es sch├Ądigt naturnahe ├ľkosysteme durch Versauerung und N├Ąhrstoff├╝berversorgung, einhergehend mit einer Ver├Ąnderung und Abnahme der Artenvielfalt.

Die Emission von NH3 verursacht au├čerdem Feinstaubbildung und gef├Ąhrdet damit die menschliche Gesundheit. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts f├╝r Chemie in Mainz identifizierten Ammoniak in einer 2017 ver├Âffentlichten Studie als wichtigste Ursache f├╝r die Luftbelastung, speziell in weiten Teilen Europas. Laut der Forscher k├Ânnten pro Jahr weltweit 250.000 Todesf├Ąlle, die auf Luftverschmutzung zur├╝ckzuf├╝hren sind, vermieden werden, wenn die landwirtschaftlichen Ammoniakemissionen um 50 Prozent niedriger w├Ąren.

Ammoniak gilt zudem als indirektes Treibhausgas, denn es kann zu Lachgas umgewandelt werden. Lachgas ist rund 300 Mal so klimasch├Ądlich wie Kohlendioxid.

Wie k├Ânnen NH3-Emissionen reduziert werden?

Um die EU-Vorgaben einhalten zu k├Ânnen, muss Deutschland die Emissionen bis 2020 um 70.000 Tonnen (5 Prozent) und bis 2029 um 220.000 Tonnen (29 Prozent) senken. Die gr├Â├čten Minderungspotenziale bestehen im Wirtschafts- und Minerald├╝ngermanagement.

Die Umsetzung einiger Ma├čnahmen ist bereits in der 2017 novellierten D├╝ngeverordnung vorgesehen, allerdings mit unterschiedlichen Einf├╝hrungsfristen. So sind einige Verfahren zur Breitverteilung von fl├╝ssigen Wirtschaftsd├╝ngern, die zu hohen Emissionen f├╝hren, seit 2016 verboten.

Ebenso ist in der neuen D├╝ngeverordnung geregelt, dass fl├╝ssige Wirtschaftsd├╝nger auf unbestelltem Ackerland innerhalb von vier Stunden eingearbeitet werden m├╝ssen. Ab 2020 gilt diese Einarbeitungspflicht auch f├╝r Gefl├╝gelmist und f├╝r harnstoffhaltige Minerald├╝nger, wenn kein Ureasehemmstoff zugegeben wird. Fl├╝ssige Wirtschaftsd├╝nger d├╝rfen dar├╝ber hinaus ab 2020 auf bestelltem Ackerland und ab 2025 auf Gr├╝nland nur noch streifenf├Ârmig ÔÇô z. B. mit dem Schleppschlauchverteiler ÔÇô ausgebracht werden.

Allein durch die genannten Ma├čnahmen k├Ânnten Berechnungen des Th├╝nen-Instituts zufolge etwa 96.000 Tonnen NH3-Emissionen reduziert werden. Das w├╝rde reichen, um das 5-Prozent-Ziel von 70.000 Tonnen bis 2020 zu erf├╝llen, setzt aber voraus, dass alle relevanten Umstellungen auf emissionsarme Techniken auch im Gr├╝nland schon vor 2025 greifen.

Brosch├╝re: BZL-Brosch├╝re "Die neue D├╝ngeverordnung"

Brosch├╝re Beschreibung:

Vertiefenden Informationen zum Thema emissionsarme Ausbringungstechnik und Einarbeitung finden Sie in der Brosch├╝re auf den Seiten 24 bis 28.

F├╝r das gro├če Ziel "29 Prozent" sind weitere Schritte notwendig

Will man jedoch die geforderten 29 Prozent NH3-Reduktion erreichen, sind die bisherigen Ma├čnahmen bei weitem nicht genug. Es m├╝sste dringend an weiteren Stellschrauben gedreht werden. So k├Ânnte man zus├Ątzlich Emissionen mindern, wenn man die Einarbeitungsfrist f├╝r Wirtschaftsd├╝nger auf eine Stunde, anstatt auf vier, reduzieren w├╝rde. Noch mehr k├Ânnte erreicht werden, wenn auch auf unbestelltem Ackerland nur noch eine streifenf├Ârmige Ausbringung zugelassen w├Ąre.

Teuer, aber sehr effektiv, sind Scheibenschlitzger├Ąte und G├╝llegrubber. Mit Ihnen kann die G├╝lle auf direktem Wege in den Boden eingebracht werden. Weiteres Emissionsminderungspotenzial besteht in der Abdeckung von G├╝lle- und G├Ąrrest-Au├čenlagern mit Folie. In Betracht kommen dar├╝ber hinaus Ma├čnahmen wie G├╝llek├╝hlung oder G├╝lleans├Ąuerung, oder eine verbesserte Abluftreinigung von Schweine- und H├Ąhnchenst├Ąllen.

Von der Umsetzung solcher Schritte ist die deutsche Landwirtschaft teilweise jedoch noch weit entfernt. Entweder weil sie zu teuer oder noch nicht weit genug entwickelt sind. Oder, weil f├╝r ihre Einf├╝hrung weitreichende ├änderungen des bestehenden Rechts n├Âtig w├Ąren. Ein Hindernis ist sicherlich auch, dass verschiedene Minderungspotenziale in Konflikt mit den zunehmenden Tierwohlanforderungen stehen: So werden k├╝nftig zum Beispiel Haltungsverfahren mit Auslauf an Bedeutung gewinnen, die ein erh├Âhtes NH3-Emissionspotenzial haben.

Andere EU-L├Ąnder sind schon weiter

Andere EU-L├Ąnder sind Deutschland in Sachen NH3-Emissionsminderung teilweise weit voraus. Laut DLG (DLG-Mitteilungen 4/2018) konnte D├Ąnemark zum Beispiel seine NH3-Emissionen aus der Landwirtschaft zwischen 2005 und 2016 um knapp 15 Prozent senken. In besonderem Ma├če dazu beigetragen hat die bereits 2002 in D├Ąnemark eingef├╝hrte Verpflichtung, dass G├╝lle bodennah ausgebracht werden muss. Hinzu kommt, dass die d├Ąnischen Beh├Ârden seit fast zehn Jahren keine Baugenehmigung f├╝r Schweinest├Ąlle mehr ohne Auflagen f├╝r emissionsmindernde Ma├čnahmen bewilligt hat.

In der Milchproduktion konnten die D├Ąnen durch eine Verbesserung der F├╝tterung, des Managements und der Zucht die Effizienz der Milchproduktion steigern, sodass je Kilogramm Milch nur noch 2,9 Gramm NH3-Emissionen produziert w├╝rden. Deutschland liegt hier bei 5 Gramm NH3 pro Kilogramm Milch. Das hei├čt, die d├Ąnischen Milchk├╝he sind im Hinblick auf ihre Umweltwirkung deutlich effizienter.

Auch andere EU-L├Ąnder konnten ihre NH3-Emissionen aus der Landwirtschaft zwischen 2005 und 2016 merklich mindern. Rum├Ąnien beispielsweise um etwa 19 Prozent, die Niederlande, Finnland und Kroatien um rund 17 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland sind die NH3-Emissionen in diesem Zeitraum um 6 Prozent gestiegen.

Wie geht es weiter?

Im Mai 2018 hat das Bundeskabinett eine neue "Verordnung ├╝ber nationale Verpflichtungen zur Reduktion der Emissionen bestimmter Luftschadstoffe" (43. BImSchV) beschlossen. Damit soll die NERC-Richtlinie der EU in deutsches Recht umgesetzt werden. Bis M├Ąrz 2019 muss die Bundesregierung daf├╝r ein nationales Luftreinhalteprogramm erstellen.