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Umwelt

Energieeffizienz in der Landwirtschaft

Wieviel Kraftstoff ist erforderlich, um von A nach B zu kommen? Wieviel Energie wird aufgewandt, um den Stall für eine Stunde zu beleuchten oder zu erwärmen? Je effizienter der Energieeinsatz, desto weniger Energie wird verbraucht und muss damit auch erzeugt werden.

Mann mißt im Feld Energie

Quelle: Thomas Stephan / BLE

Die Begriffe "Energieeffizienz" und "Energieeinsparen" werden oft synonym benutzt. Genau genommen ist die Erhöhung der Energieeffizienz eine Teilmenge des Energiesparens. Energiesparen beinhaltet zusätzlich auch den Verzicht auf die Inanspruchnahme von Energie. Wer Hofflächen und Garagen mit dem Besen kehrt statt mit der selbstfahrenden Aufsitzkehrmaschine oder die Innentemperatur in der Werkstatt auf 15 Grad Celsius absenkt, leistet einen Beitrag zur Energieeinsparung, nicht aber zur Energieeffizienz.

Das Einsparen von fossilen Energieressourcen und die Verbesserung der Energieeffizienz ist die beste Möglichkeit zur Vermeidung von Klimabelastungen und zur Kostensenkung. In landwirtschaftlichen Betrieben gibt es viele Bereiche, in denen Energie effizienter genutz und eingespart werden kann.

Warum Energie einsparen?

Betriebswirtschaftliche Gründe und auch die zunehmende Sensibilität für den Klimaschutz führen dazu, dass Landwirtinnen und Landwirte den Energieeinsatz und die Energiekosten im Betrieb verstärkt unter die Lupe nehmen. Politisch wird das Ansinnen durch entsprechende Förder- und Investitionsprogramme unterstützt. Angebote zur Energieberatung werden finanziell von Bund und Ländern gefördert. Anreize für Investitionen in energieeffiziente Technologien schafft unter anderem das Bundesprogramm Energieeffizienz.

In landwirtschaftlichen Betrieben kommen Strom, Wärme und Kraftstoffe in allen Betriebsbereichen vor, entsprechend groß ist das Einsparpotenzial. Niedrige Energiekosten senken die Produktionskosten für Milch, Fleisch oder Getreide und steigern die Margen. Der landwirtschaftliche Betrieb kann beim Verkauf seiner Erzeugnisse mehr Gewinn erzielen.

Beim Energieverbrauch ist in der Außenwirtschaft an erster Stelle der Kraftstoffeinsatz für Maschinen zu nennen. Für Trocknung und Einlagerung von Getreide wird Warmluft benötigt, Belüftungs- und Trocknungsanlagen sind weitere Stromfresser.

In der Innenwirtschaft machen Wärme und Strom einen großen Teil der Energiekosten aus. In der Geflügel- und Schweinehaltung besteht ein sehr hoher Wärmebedarf. In der Milchviehhaltung tragen Vakuumpumpen, Milchkühlung und die Beleuchtung zum Energieverbrauch wesentlich bei.

Neben der Energieeinsparung bietet die Substitution fossiler Energieträger durch erneuerbare Energien für landwirtschaftliche Betriebe große Potentiale. Die landwirtschaftlichen Flächen bieten gute Möglichkeiten zur Biomasseproduktion.

Wärmerückgewinnung, Solarwärme und Eigenstromnutzung sind Beispiele für die Steigerung der Energieeffizienz. Biokraftstoffe sind bereits heute Bestandteil der Energiekonzepte vieler Höfe.

Kleine Maßnahmen, große Wirkung

Wer Energiepotenziale richtig identifizieren möchte, muss sich zunächst einen Überblick über den Gesamtenergieverbrauch des Betriebs verschaffen. Wer den Kraftstoffverbrauch seiner Maschinen kontinuierlich dokumentiert, Stromzähler regelmäßig abliest und auswertet, kann den Energieeinsatz in den verschiedenen Betriebszweigen besser abschätzen, bewerten und daraus Einsparmöglichkeiten entwickeln.

Beleuchtung, Raum- und Prozesswärme, Kälte, Lüftung, Druckluft, Pumpen, Motoren und Kraftstoff sind Bereiche, in denen kurzfristig der Energieverbrauch optimiert werden kann.

Beleuchtung

Bei der Beleuchtung können bis zu 80 Prozent des Stromverbrauchs eingespart werden. In der Praxis heißt das:

  • Glühbirnen durch LEDs und Energiesparlampen ersetzen,
  • Leuchtstofflampen durch Halogen-Metall-Lampen ersetzen,
  • die Lebensdauer durch elektronische Vorschaltgeräte verlängern,
  • in nur zeitweise genutzten Räumen Zeitschaltuhren und Bewegungsmelder nutzen,
  • Tageslichteinfall in Gebäuden nutzen und
  • Tagesbeleuchtungspläne erstellen.

Leuchtdioden haben eine bis zu fünfmal höhere Leuchteffizienz als Glühbirnen und rechnen sich innerhalb kurzer Zeit. Organische Leuchtdioden, sogenannte OLED, werden den Energiebedarf weiter senken.

Motoren

Die richtige Motoreneinstellung, saubere Kühler und Luftfilter und regelmäßiger Ölwechsel senken den Dieselverbrauch eines Schleppers um bis zu 10 Prozent. Durch gezielten Maschineneinsatz und regelmäßigen Austausch von Verschleißteilen wird Kraftstoff eingespart. Niedertouriges, vorausschauendes Fahren, angepasstes Reifenprofil und -druck und das Optimieren von Arbeitsfahrten senken genauso den Dieselverbrauch wie der Einsatz von Sparzapfwellen.

Bei Elektromotoren entfallen mehr als 90 Prozent der Gesamtkosten über die Lebensdauer auf den Stromverbrauch. Der Einsatz von Energiesparmotoren (Europäische Effizienzklasse EFF 1) lohnt sich schon ab einer jährlichen Nutzungsdauer von 2.000 Betriebsstunden.

Geräte wie Ventilatoren, Pumpen und Motoren verbrauchen viel Strom. Entmistungs- und Fütterungsanlagen sind Beispiele hierfür. Beim Melken etwa kann durch den Einsatz von bedarfsgerechten und leistungsangepassten Vakuumpumpen und durch die regelmäßige Wartung der Melkanlage Strom eingespart werden.

Viele Geräte verbrauchen auch Strom, auch wenn sie ihre eigentliche Funktion nicht erfüllen, weil sie im Leerlauf (= Stand-by) weiterlaufen. Wer energieeffiziente Geräte einsetzt und schaltbare Steckdosenleisten verwendet, um Geräte außerhalb ihrer Nutzungszeit abzuschalten, kann hier leicht sparen.

Wärme/Kälte

In der Tierhaltung sind raum- und prozessabhängige Wärme bzw. Kälte große Energiefresser, die auch ohne hohe Investitionskosten Einsparpotenziale bieten, wenn unter anderem folgende Tipps beachtet werden:

  • Heizungsanlagensteuerung optimieren, zum Beispiel durch Nachtabsenkung
  • Bei der Klimatisierung die Differenz zur Außentemperatur beachten
  • Regelmäßige Wartung der Heizungsanlage
  • Hydraulischer Abgleich vermindert unnötigen Widerstand für Umwälzpumpen
  • Druckgeregelte, effiziente Heizungspumpen verwenden
  • Leitungen, Verschraubungen, Pumpen isolieren
  • Lange Leitungswege vermeiden
  • Warmwasseraufbereitung nicht zu groß dimensionieren und unnötige Start- und Abschaltvorgänge vermeiden
  • Ältere, ineffiziente und meist überdimensionierte Wärmeerzeuger gegen leistungsoptimierte Systeme austauschen
  • Wärmeschutzverglasung durch Austausch von Fenstern
  • Dämmung von Gebäuden und Optimierung von Wärmeverteilsystemen durch Einzug von Decken, Einbau von Türen

Druckluft

Druckluft wird auf dem Hof zum Beispiel bei pneumatische Förderanlagen, Druckluftbremsen, Schnellschraubern oder bei der Milchkühlung eingesetzt. Hier geht aber viel Energie verloren, die durch bessere Luftführung und Vermindern von Druckverlusten effizienter genutzt werden kann. Richtig dimensionierte Kompressoren und die Nutzung von Abwärme steigern ebenso die Energieausnutzung.