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Tier

Schweinehaltung in Deutschland

Nach der Milcherzeugung ist die Schweinehaltung der zweitwichtigste Betriebszweig der Landwirtschaft in Deutschland. Immer weniger hochspezialisierte Betriebe managen immer größere Tierbestände.

Landwirt mit Ferkel

Quelle: landpixel.de

In Deutschland werden 26,9 Millionen Schweine zur Fleischerzeugung gehalten. Damit ist Deutschland – vor Spanien – der größte Schweinefleischerzeuger in Europa und steht weltweit nach China und den USA an dritter Stelle.

Schweinefleisch ist mit Abstand die beliebteste Fleischart in Deutschland: Jeder Bundesbürger isst im Schnitt 35,9 Kilogramm Schweinefleisch pro Jahr. Das ist deutlich mehr als die Hälfte von dem, was der Deutsche insgesamt an Fleisch verzehrt. Welche besondere Bedeutung Schweinefleisch für die deutsche Agrarwirtschaft hat, zeigen auch die Exportzahlen. Deutschland ist der größte Exporteur von Schweinefleisch: 2,5 Millionen Tonnen wurden 2016 weltweit ausgeführt. Das ist gut fünf Mal so viel wie bei Rindfleisch und drei Mal so viel wie bei Geflügelfleisch.

Der Schwerpunkt der deutschen Schweinehaltung liegt in den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Dort werden fast 60 Prozent aller deutschen Schweine gehalten. In diesen Veredelungszentren hat sich eine spezielle Infrastruktur entwickelt. Hier sind alle vor- und nachgelagerten Stufen der Erzeugung und Verarbeitung von Schweinefleisch konzentriert, einschließlich Futtermittel- und Stallbauindustrie.

Rasanter Strukturwandel

Die deutsche Schweineerzeugung hat sich in den vergangenen 60 bis 70 Jahren extrem gewandelt. Bundesweit gibt es heute noch 22.900 Betriebe, die Schweine halten. Bei 26,9 Millionen Schweinen kommen damit im Schnitt auf jeden Halter in Deutschland 1.175 Schweine. Zum Vergleich: Im Jahr 1950 waren es noch knapp 2,4 Millionen Schweinehalter, die etwa 12 Millionen Schweine hielten – das heißt: fünf Schweine je Halter. Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe hat vor allem in den vergangenen zehn Jahren stark abgenommen. Allein im Zeitraum von 2007 bis 2013 hat sich die Zahl der deutschen Schweinehalter um 65 Prozent verringert.

Hochspezialisiert

Moderne Schweinehaltung ist hochspezialisiert. Der Grund: Die verschiedenen Produktionsbereiche Zucht, Ferkelerzeugung und Mast stellen sehr unterschiedliche Anforderungen an die Tierhalter, die spezielle Kenntnisse erfordern. Nicht selten sind es auch hygienische Zwänge oder umweltrechtliche sowie steuerliche Gründe, die für eine räumliche Trennung sprechen. Die meisten Betriebe konzentrieren sich daher heute nur noch auf ein oder zwei Produktionsschritte. Auf diese Weise können Haltungsbedingungen und Fütterung an jedes Stadium der Haltung optimal angepasst werden.

Alles geregelt – Vorschriften für die Haltung

Die meisten Schweine werden in geschlossenen Ställen auf Spaltenböden gehalten. Aus Gründen der Kostenreduktion und der Arbeitseffizienz werden neue Sauenställe heute in der Regel für mindestens 300 bis 400 Tiere und Mastställe für mindestens 2.000 bis 3.000 Tiere geplant.

EU-weit gültige Vorschriften und Gesetze regeln dabei, wie ein Schweinestall ausgestaltet sein muss. In Deutschland werden diese Regelungen durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) mit dem entsprechenden Abschnitt über das Halten von Schweinen – die sogenannte Schweinehaltungsverordnung – umgesetzt.

Die Verordnung regelt unter anderem, wie Ställe für Ferkel, Sauen, Eber und Mastschweine in Deutschland einzurichten sind. Das heißt, wie viel Platz jedes Schwein haben und wie der Boden beschaffen sein muss, welche Schadgaswerte maximal erreicht werden dürfen und wie viel Licht/Tageslicht in den Ställen vorhanden sein muss. Zum Beispiel: Einem 50 bis 110 Kilogramm schweren Schwein in konventioneller Haltung müssen mindestens 0,75 Quadratmeter zugesprochen werden. Bei ökologisch gehaltenen Schweinen sind die Anforderungen höher.

Ökoschweinehaltung

Die ökologische Schweinehaltung in Deutschland ist bis heute eine Nische. Mit rund 22.500 Tonnen erreicht Ökoschweinefleisch nur einen Marktanteil von 0,4 Prozent. Es zeichnet sich im Ökobereich jedoch ein positiver Trend ab. Immer mehr große Lebensmittelketten steigen in die Vermarktung von Ökoschweinefleisch ein und die Preise steigen seit einigen Jahren kontinuierlich an. Die Zahl der in Deutschland gehaltenen Ökoschweine nimmt daher seit 2016 wieder zu, sodass mittel- bis langfristig mit einem stärkeren Marktanteil zu rechnen ist.

Mehr Infos zur Ökologischen Schweinehaltung

Tierwohl

Tierwohl rückt immer stärker in den Fokus einer nachhaltigen Tierhaltung – besonders in der Schweineerzeugung. Das Ziel ist es, einen praktikablen und ökonomisch tragfähigen Konsens zwischen Verbrauchererwartungen und der Landwirtschaft zu erreichen. Ein Schwerpunkt der Tierwohlinitiativen in der Schweinehaltung ist die Vermeidung der betäubungslosen Ferkelkastration. In Deutschland werden jährlich etwa 20 Millionen männliche Ferkel kastriert, um den vom Verbraucher unerwünschten Ebergeruch im Fleisch zu vermeiden. Noch dürfen Ferkel bis zum siebten Lebenstag ohne Betäubung kastriert werden. Das ursprünglich zum 1. Januar 2019 geplante Verbot der betäubungslosen Kastration wurde vom Deutschen Bundestag um weitere zwei Jahre verschoben. Es gibt heute verschiedene Alternativen zur betäubungslosen Kastration, die von einigen Betrieben bereits angewendet werden. Dazu zählen die Kastration unter Narkose, die Impfung gegen Ebergeruch und die Ebermast. Andere Tierwohlbemühungen in der Schweinehaltung zielen darauf ab, sogenannte Nicht-kurative Eingriffe, wie das Kupieren der Schwänze oder das Abschleifen der Zähne einzudämmen.

Tierwohl: Initiativen und Programme

Derzeit gibt es zahlreiche staatliche und nichtstaatliche Programme und Initiativen, die Anforderungen an das Tierwohl bzw. den Tierschutz definieren. Welche dies sind und welche Anforderungen diese stellen, hat das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) auf der folgenden Seite zusammengefasst.

Das KTBL hat außerdem Leitfäden mit Tierschutzindikatoren für die Schweinehaltung herausgebracht, die unter den folgenden Links heruntergeladen werden können: