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Tier

Innovative Haltungssysteme in der Schweinehaltung

Strengere Auflagen und sich verändernde Rahmenbedingungen im Bau- und Umweltrecht und auch beim Tierwohl erschweren deutschen Schweinehaltern das Wirtschaften immer mehr. Dazu kommt, dass die verschiedenen gesetzlichen Vorgaben zum Teil konkurrierende Ziele verfolgen. Innovative Lösungen sind gefragt.

Schwein in der Futterbox

Quelle: landpixel.de

Neben der Forderung nach viel Licht und frischer Luft werden vermutlich höhere Ansprüche an das Tierwohl und die Vermeidung (bzw. Verminderung) von Emissionen Einfluss auf zukünftige Schweinestallprojekte nehmen. Wer in den Genuss finanzieller Mittel aus dem Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP) kommen möchte, wird Ställe bauen müssen, die besonders tiergerecht sind. Gesellschaftlich akzeptiert(er) ist die Schweinehaltung, wenn sie den Tieren Zugang zu verschiedenen Klimazonen (z.B. Außenklima) und Funktionsbereichen sowie zur artgemäßen Beschäftigung, Futteraufnahme und Körperpflege bietet.

Mehr Freiheit im Deckzentrum

Systeme wie die Kastenstandhaltung von Sauen im Deckzentrum erfüllen diese Anforderungen nicht und stehen deshalb besonders in der Kritik. Aus diesem Grund wird seit geraumer Zeit nach Lösungsansätzen gesucht, die den Sauen mehr Platz bieten und die Dauer der Fixierung im Kastenstand verkürzen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat im August 2017 ein Eckpunktepapier zur Neuregelung der Haltung von Sauen im Deckzentrum vorgelegt.

BMEL-Eckpunktepapier zur Neuregelung der Haltung von Sauen im Deckzentrum

Mehrere Lösungsansätze beschäftigen sich mit der Gruppenhaltung von Sauen im Deckzentrum. Eine solche Haltung wird beispielsweise in der Lehrwerkstatt Schwein des Zentrums für Tierhaltung und Technik in Iden erprobt. Die Tiere werden im Idener System nur noch während der Besamungszeit fixiert (drei bis fünf Tage).

Erfahrungen zeigen, dass Gruppenhaltungssysteme einen intensiveren Betreuungsaufwand bei der Besamung erfordern. Um Rangordnungskämpfe und Verletzungen zu vermeiden, sind ein größeres Flächenangebot für die Tiere, eine frühzeitige Gruppenbildung, Beschäftigungsmöglichkeiten (Einstreu) und idealerweise das Sortieren der Sauen in Konditions- bzw. Altersgruppen erforderlich. 

Zukunftsweisend: Bewegungsbuchten im Abferkelstall

Innovative Haltungskonzepte gestatten auch Sauen im Abferkelstall ein hohes Maß an Freiraum. So genannte Bewegungs- bzw. auch Freilaufbuchten kombinieren die Vorzüge einer konventionellen Bucht mit Ferkelschutzkorb mit einem hohen Maß an Bewegungsfreiheit, indem sie bewährte Standardelemente mit neuen Verschlussmechanismen versehen.

Die Seitenteile des Ferkelschutzkorbes können meist unkompliziert geschwenkt werden. Eine individuelle Anpassung an die Größe der Sauen wird durch die Längs- und Breitenanpassung der Seitenteile möglich. Bei einigen Systemen verhindern Rollenelemente in den ersten Tagen das Herauslaufen der Ferkel aus ihrer Bucht. Die Sauen dagegen gelangen durch einen Gang bereits kurz nach der Geburt in einen Gruppenbereich.

Beim Heizen Energie sparen

In der Ferkelaufzucht muss aufgrund steigender Energiepreise vor allem auf eine energiesparende Produktion geachtet werden, die trotz allem eine optimale Wärmeverteilung im Abteil gewährleistet. Deshalb finden neben der Raumheizung (komplette Erwärmung des Stallabteils) immer mehr Zonenheizungssysteme Beachtung. Anders als bei der Raumheizung herrschen hier nur im Liegebereich der Tiere"Wohlfühl-Temperaturen". Dadurch sinken die Energiekosten.

Fütterung erfolgt zunehmend automatisch

Bei der Fütterung von Schweinen sind automatische (computergesteuerte) Fütterungsanlagen bereits weitverbreiteter Standard, und zwar sowohl in der Ferkelaufzucht als auch in der Mast. Es gibt Automaten für Trockenfutter, für Brei- bzw. für Flüssigfutter. Sie ermöglichen die Zubereitung bedarfsgerechter Rezepturen aus verschiedensten Einzelkomponenten (Multiphasenfütterung) und gestatten durch innovative Aufschlusstechniken sogar den vermehrten CCM-Einsatz (Silomais). Aktuelle Entwicklungen sind die Bereitstellung homogener Futtermischungen, das vollständige und sichere Ausdosieren aus den Silos oder Pufferbehältern und die Vermeidung von Futterresten (hygienische Aspekte).

Künstliche Intelligenz

Nicht nur in der Fütterung erleichtern technische Neuerungen das Arbeiten. Inzwischen kann der gesamte Ablauf eines Schweinebetriebes mit künstlicher Intelligenz überwacht und gesteuert werden. Komplexe Computerprogramme helfen bei der Tieridentifikation, bei der Entmistung, bei der Klimaregelung und auch bei der Minimierung der Schadgaskonzentration etc. Mit Hilfe einer 3D-Kamera ist mittlerweile sogar die berührungslose und direkte Gewichts- und Körperbestimmung von Mastschweinen in der Bucht möglich.

Beschäftigung für Schweine notwendig

Schweine müssen beschäftigt werden. Nur so können Raufereien weitgehend vermieden und die Tiere von den Ohren und Schwänzen ihrer Buchtengenossen abgelenkt werden. Viele Stallausrüster bieten in ihrem Portfolio deshalb auch Beschäftigungsmöglichkeiten mit an. Als Beschäftigungsmaterial eignet sich im Prinzip alles, was dem Wühltrieb der Schweine entgegenkommt: Raufutter oder anderes strukturiertes, rohfaserreiches Material wie Sägemehl, Kompost, Torf oder auch Holz.

Immer mehr Außenklimaställe

Durch die steigenden Anforderungen der Gesellschaft an das Tierwohl und aufgrund ökonomischer Vorteile haben sich Außenklimaställe für Schweine in der Praxis etabliert. Über die Aufteilung in verschiedene Funktionsbereiche werden Klimareize gesetzt und die Tiere zur Bewegung animiert. Darüber hinaus kann bei Außenklimaställen auf eine ganze Reihe bautechnischer Elemente verzichtet werden wie automatisierte Zwangslüftungsanlagen, Wärmedämmung an Wänden und Decke oder die massive Ausführung von Wänden. Das spart Investitionen. Bei Außenklimaställen muss eine freie Luftanströmung gewährleistet sein. Erforderlich sind bautechnische Einrichtungen zur Windbrechung, gedämmte Mikroklimabereiche (Ruhekisten), eine gute Frostvorsorge und ein gutes Betriebsmanagement.

Tiergerechte Stallböden

Für eine artgerechte Haltung von Schweinen spielt die Ausführung des Stallbodens eine wesentliche Rolle. Er muss ausreichend drainieren, Trittsicherheit garantieren, die physiologische Klauenhornabnutzung gewährleisten und Liegekomfort bieten. Experten empfehlen unterschiedliche Böden (mit unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften) für die verschiedenen Funktionsbereiche (z.B. Futter- und Liegeplatz). Der Einsatz von Kunststoffrosten hat sich in den letzten Jahren als Standard in der Praxis durchgesetzt. Beheizte Liegeflächen als Streifen- oder Insellösungen haben sich bei richtiger Aufteilung der Funktionsbereiche sowohl in Klein- als auch Großbuchten bewährt.