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Tier

Hitzestress bei Schweinen: Ställe effektiv kühlen

Leistungsfähige Lüftungen und Kühlungen können helfen, die Hitzebelastung von Schweinen bei hohen Außentemperaturen zu verringern.

Hitze führt zu Leistungsdepressionen in der Sauenhaltung. Jeder Betrieb muss deswegen heute über gute Kühlmöglichkeiten verfügen. Quelle: Rudolf Wiedmann

Schweine haben nur eingeschränkte Kühlungsmechanismen. Sie können nicht schwitzen und ihren Körper mit Verdunstungskälte kühlen, da sie im Gegensatz zu Rindern oder Pferden keine Schweißdrüsen besitzen. Bei großer Hitze, vor allem in vollklimatisierten Ställen, kommen Schweine deswegen schnell in Hitzestress. Laktierende Sauen fressen nicht mehr so viel und schaffen häufig ihre großen Rationen von 7 kg/Tier und Tag nicht mehr. Die Milchleistung geht zurück und in der Folge auch die Saugferkelzunahmen und Absetzgewichte. Auch wenn das "Fruchtbarkeits-Sommerloch" bei Schweinen durch die Züchtung nicht mehr so ausgeprägt ist wie noch vor 25 Jahren, schlägt sich Hitzestress auf die Leistungen nieder. Bei den Ebern gehen ab 27 °C die Spermaqualität und die Decklust zurück, die Sauen rauschen nach dem Decken um, weil sich die befruchteten Eizellen schlecht einnisten. Die Mastschweine haben ebenfalls eine verminderte Futteraufnahme und weniger tägliche Zunahmen, wodurch sich die Mastdauer verlängert.

Temperaturoptimum beachten

Je nach Alter haben die Schweine ganz unterschiedliche Temperaturansprüche. Die thermoneutrale Zone liegt bei neugeborenen Ferkeln um die 30 °C, Absetzer fühlen sich bei 22-27 °C am wohlsten. Mast- und Zuchtschweinen reichen 18 °C. Im Temperatur-Optimum von 18-24 °C brauchen ältere Schweine keine Energie, um ihre Körpertemperatur zu regeln. In Ställen mit verschiedenen Funktionsbereichen (z. B. Wahlmöglichkeit von eingestreutem oder überdachtem Liegebereich in einer Ferkelkiste und kälterem Außenbereich) können größere Temperaturschwankungen toleriert werden. Bei vollperforierten Einraumbuchten ist der Spielraum kleiner.

Frisches Wasser in guter Qualität und mit entsprechender Durchflussrate in den Tränken muss für alle Tiere ad libitum zur Verfügung stehen. Quelle: kadmy/iStock/Getty Images Plus via Getty

Ab etwa 23 °C nehmen Mastschweine mit jedem Grad mehr Temperatur etwa 100 g weniger Futter auf. Es muss immer wieder betont werden, wie wichtig die Qualität der Wasserversorgung ist. Mastschweine trinken bis zu 12 l, laktierende Sauen brauchen bis zu 35 l Wasser am Tag. Die hochleistenden säugenden Sauen danken es ihrem Halter, wenn sie in mehreren kleinen Portionen gefüttert werden und ihnen immer frisches klares Wasser zur Verfügung steht. Die Trinkwasserqualität sollte regelmäßig untersucht werden. Eine säugende Sau braucht etwa 15 l Wasser plus 1,5 l pro Ferkel. Für diese Mengen braucht es hohe Durchflussraten von mindestens 2, besser 3-4 Liter pro Minute am Tränkenippel.

Schweine haben nur eingeschränkte Kühlungsmechanismen

Was machen die Tiere, wenn es ihnen zu heiß ist? Sie hecheln, legen sich so weit als möglich auseinander und suchen die feuchtesten Stellen zum Niederlegen und Suhlen auf. Dieses Verhalten führt in Voll- und Teilspaltenböden zu vermehrt verschmutzten Schweinen. In Außenklimaställen mit getrennten Funktionsbereichen können inzwischen durchaus Suhlen integriert werden, ohne dass es zu hygienischen Abstrichen kommt. Doch dem Hitzestress lässt sich mit technischen Maßnahmen wie leistungsfähigen Ventilatoren, speziellen Lüftungen, Berieselung und nicht zuletzt kühlem Trinkwasser von bester Qualität gegensteuern.

Zuluft darf nicht zu Zugluft werden

Es gibt verschiedene Zuluftsysteme wie z. B. Porendecke, Schlitzlüftung, Unterflur-Futtergangslüftung, Nasenlüftung, Lochplattenkanal, Zuluftverteiler oder Strahllüftung mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Die Stalllüftung im Sommer steht vor der Herausforderung, genügend Zuluft in den Stall zum Lüften und zum Kühlen zu bringen, ohne jedoch für die Tiere schädliche Zugluft entstehen zu lassen, der sie nicht ausweichen können. Zugluft entsteht vor allem, wenn die Raumtemperatur geringer als die Körpertemperatur ist. Eine schlechte Zuluftführung mit Zugluft führt zu Erkältungen, Husten, Lungenentzündungen, aber auch zu Verhaltensstörungen wie Ohren- oder Schwanzbeißen. Erst bei hohen Temperaturen ab 30 °C kann die Luftgeschwindigkeit im Tierbereich zum Kühlen erhöht werden. Tagsüber können bei großer Hitze hohe Luftraten gefahren werden. Die Luftgeschwindigkeit muss aber unbedingt zurückgenommen werden, wenn die Hitze zum Abend hin wieder abnimmt. Als Richtlinie gilt eine Winterluftrate von maximal 0,2 m/s und eine Sommerluftrate von bis zu 0,6 m/s. Wenn die Frischluftzufuhr über das Dach erfolgt, sollte dieses gedämmt sein, damit die Luft nicht zu sehr aufheizt.

Bautechnisch vorsorgen

Bei Neubauten macht es Sinn, die Frischluftzufuhr von der schattigen Nord- bzw. Nord-Ostseite her vorzunehmen und den Stallbau danach auszurichten. Wenn der Stall in Nord-Süd-Richtung gebaut wird, scheint die Mittagssonne nicht direkt auf eine Dachseite und das Gebäude heizt sich nicht so sehr auf. An der Nord-Ost-Seite ist die Luft kühler als auf der sonnigen Südseite. Die Fenster auf der Südseite können mit Milchglas oder Folien versehen werden, die weniger Sonneneinstrahlung und Wärme durchlassen. Diese Maßnahme ist besonders wichtig bei Abferkelbuchten, in denen die Sau der Sonneneinstrahlung nicht ausweichen kann. Auch längere Dachüberstände schützen die Tiere vor direkter Sonne. Zur weiteren Beschattung können Bäume angepflanzt werden.

Temperaturausgleich mit Wärmetauschern

Schweineställe können auf mehrere Arten gekühlt werden. Bei Neubauten kann ein Erdwärmetauscher, Erdwärmespeicher oder Schotterkühler eine gute Option sein. Erdwärmetauscher können hohe und niedrige Temperaturen ausgleichen, haben aber relativ hohe Investitionskosten. Gebäudewärmetauscher haben eine geringere Temperaturausgleichsleistung. In vielen Ferkelaufzuchtställen gibt es schon Luft-Luft-Wärmetauscher. Durch die hohen Temperaturanforderungen der jungen Tiere ist ihr Einsatz im Vergleich zu Heizungen mit fossilen Brennstoffen in vielen Fällen rentabel. Diese können nämlich nicht nur zum Heizen im Winter, sondern auch zur Kühlung im Sommer eingesetzt werden.

Wasserkühlung schafft Verdunstungskälte

Schweineduschen, die mit niedrigem Druck einen Wassernebel erzeugen, können zur Kühlung der Schweine beitragen. Quelle: LSZ Boxberg

Rieselwand, Cool Box oder Cool Pads kühlen die Luft im Stall über eine effektive Wasserverdunstung. Die Zuluft wird durch wasserberieselte Lochziegel oder Waben-Pads geführt und wird so um etwa 3 - 4 °C gekühlt. Die Anschaffungskosten für Pads, Wasservorratsbehälter und Pumpe- als auch die laufenden Kosten sind relativ niedrig. Sie können auch in bestehende Ställe nachgerüstet werden. Mit Verdunstungskälte arbeitet auch die Sprühkühlung. Es gibt Nieder- und Hochdruckanlagen. Niederdruckanlagen arbeiten mit 3 – 15 bar Druck. Sie sind in der Anschaffung günstiger als Hochdrucksysteme. Wenn allerdings die Tropfengröße beim direkten Berieseln der Tiere zu groß ist, wird der Stall schnell zur Tropfsteinhöhle und Erkältungen der Schweine sind vorprogrammiert. Das geschieht z. B., wenn in der Praxis die Einweichanlage als vermeintlich kostengünstige Lösung zum Kühlen benutzt wird.

Hochdruckverfahren arbeiten mit 50 – 70 bar Druck. Dabei wird das Wasser feiner vernebelt und ein hoher Wirkungsgrad erreicht. Die Wasservernebelung wird z. B. im Zuluftkanal oder direkt in den Stallabteilen vorgenommen. Kurze Sprühintervalle beugen einem zu hohen Anstieg der Luftfeuchtigkeit vor. Die relative Luftfeuchte sollte fortwährend mit einem Hygrometer kontrolliert werden. Ist nämlich die Luft schon wassergesättigt, bringt eine weitere Wasserkühlung nichts mehr. Der optimale Wirkungsgrad ist bei unter 60 % rel. Luftfeuchte. Sprühkühlungen lassen sich in den meisten Fällen in vorhandene Ställe nachrüsten. Auch die Dachflächen können berieselt werden. Das ist eine kostengünstige Maßnahme, die in fast allen Ställen nachträglich eingerichtet werden kann.

Fazit

Hitzestress kostet die Schweine Kraft und Leistung. Er äußert sich in Unruhe, geringerer Futteraufnahme und schlechterer Fruchtbarkeit, gestiegener Krankheitsanfälligkeit bis hin zu plötzlichen Todesfällen. Es gibt heute eine große Anzahl an technischen Maßnahmen zur Stallkühlung und auch im Management kann einiges getan werden, um den Tieren das Leben leichter zu machen. Dazu gehört beispielsweise die richtige Ausrichtung und Dämmung des Stalles, die Möglichkeit die Fenster zu verdunkeln und eine effektive Lüftung und Kühlung. Zu einer ordnungsgemäßen Stallführung gehört auch, dass die Lüftungs- und Klimatechnik eine Alarmanlage hat und der Stall mit einem Notstromaggregat für Stromausfälle ausgerüstet ist.

Checkliste Stallklimaregelung

  • Ställe in Nord-Südrichtung heizen weniger auf als Ställe in Ost-West-Lage, weil die Mittagssonne nicht komplett auf eine Dachseite scheint.
  • Ist der Dachraum gedämmt, bleibt der Stall kühler als mit einem ungedämmten Dach.
  • Gedämmte Außenmauern (mind. 10 cm) schützen auch vor Sommerhitze und halten den Stall länger kühl.
  • Helle Dächer nehmen weniger Hitze auf als dunkle.
  • Große Dachüberstände werfen Schatten auf die Außenwände, Jalousien an den Fenstern schirmen große Hitze im Sommer ab.
  • Große Bäume beschatten und helfen die Sonneneinstrahlung zu vermindern.
  • Milchglasfenster hemmen den direkten Sonneneinfall auf die Abferkelbuchten, ggf. können bei großer Hitze Blaufolien angebracht werden.
  • Frischluft auf der Nord- oder Ostseite ansaugen.
  • Lüftungsanlage, Luftklappen und Ventilatoren regelmäßig reinigen und prüfen.
  • Tagsüber bei hohen Temperaturen kühlen, nachts die Lüftung wieder herunterschalten.
  • Notstromaggregat, Warnung aufs Handy, wenn die Lüftung ausfällt.

Quellen und weiterführende Links:

DLG-Merkblatt Kühlung von Schweineställen

Stallkühlung (Artikel Bönsch), LWK Niedersachsen

Möglichkeiten zur Stallkühlung im Schweinestall, Eduard Zentner und Irene Mösenbacher – Abteilung Stallklimatechnik und Nutztierschutz an der HBLFA Raumberg - Gumpenstein

Vortrag Anforderungen an die Stallklimagestaltung heute und morgen, Bernhard Feller, LWK NRW