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Tier

Haltungsmanagement in der Jungebermast

Haltungsmanagement in der Jungebermast

Das naturgemäße Verhalten von Ebern und ihr typischer Geruch erfordern angepasste Haltungsbedingungen, um die Jungebermast wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten.

Im Prinzip unterscheiden sich die Haltungssysteme f√ľr Jungeber nicht von denen f√ľr Kastraten oder Sauen. Doch das naturgem√§√üe Verhalten m√§nnlicher unkastrierter Schweine und ihre biologischen Besonderheiten (Auftreten von Ebergeruch) erfordern die Anpassung der Haltungsbedingungen.

Naturgemäßes Verhalten von Mastebern

Eber sind sexuell aktiver als Kastraten oder Sauen; Auseinandersetzungen zwischen Widersachern z√§hlen zu ihren nat√ľrlichen Verhaltensweisen. Bereits im Ferkelalter rangeln die Tiere im Streit um Wegerechte in der Bucht oder beim Kampf um knappe Ressourcen. Dominantes Verhalten hochrangiger Tiere ist zum Beispiel an Fresspl√§tzen verst√§rkt zu beobachten.

Sp√§testens mit Einsetzen der Geschlechtsreife nehmen soziale Auseinandersetzungen zu. Vor allem gegen Ende der Mast verhalten sich Jungeber aggressiv und es wird unruhiger im Stall. Die Tiere verdr√§ngen, sto√üen, bei√üen oder besteigen sich gegenseitig, was vermehrt zu Verletzungen f√ľhrt. Typisch sind Hautkratzer und Schrammen an den Gliedma√üen. Ein gro√ües Problem stellen Penisverletzungen dar. Diese entstehen, wenn Eber ihren Penis beim Aufreiten auf den Buchtenpartner ausschachten und andere Tiere der Gruppe zubei√üen. 

Auch wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass Eber im Durchschnitt mehr Verletzungen aufweisen als Sauen und Kastraten. So stellten Forscher bei Ebern beispielsweise mehr Hautl√§sionen als bei Kastraten fest. Dar√ľber hinaus wiesen mehr als 80 Prozent der Eber Verletzungen an den Penissen auf. Das unterstreicht die Erfahrungen an Schlachth√∂fen, die bei mehr als zehn Prozent der Eber hochgradige und bei 50 Prozent der Eber mittel- bis geringgradige Penisverletzungen registrieren. 2,3,4,6


BZL-YouTube-Kanal: Jungebermast


Androstenon und Skatol verursachen Ebergeruch

Zu den biologischen Eigenarten von Ebern z√§hlt ihr typischer Geruch. Dieser Ebergeruch ist vor allem durch das Geschlechtspheromon Androstenon (ein Zwischenprodukt bei der Bildung des Sexualhormons Testosteron) und durch das im Dickdarm der Eber gebildete Skatol bedingt. Beide Stoffe werden in das Fettgewebe der Eber eingelagert und verursachen bei der Zubereitung von Eberfleisch, insbesondere beim Erw√§rmen, einen urin- oder f√§kalartigen Geruch. 

Grunds√§tzlich bilden rangh√∂here Eber mehr Androstenon aus als rangniedere Tiere. Doch auch die Tageslichtl√§nge beeinflusst die Synthese des Pheromons. Bei abnehmendem Licht (Winter) steigt der Androstenongehalt an, w√§hrend er im Sommer abnimmt. Die Resorption von Skatol aus dem Dickdarm wiederum wird stark von der Darmgesundheit beeinflusst. Umwelteinfl√ľsse, die sich negativ auf die Darmgesundheit auswirken, f√∂rdern deshalb die Entstehung von Skatol bedingtem Ebergeruch. Dazu z√§hlen Stress und M√§ngel in der Stall- und Futterhygiene sowie beim Stallklima.

Stress f√ľhrt zu geruchsbelasteten Schlachtk√∂rpern

Vor allem Stress √ľbt einen gro√üen Einfluss auf die Geruchsbelastung von (Jung-)Eberschlachtk√∂rpern aus. Er entsteht in allen Situationen, die Aggressionen unter den Schweinen provozieren. So f√ľhren beispielsweise zu hohe Besatzdichten zu mehr Stress unter den Tieren. Denn Eber brauchen Platz, damit sie bei Rangordnungsk√§mpfen einander ausweichen k√∂nnen. Vor allem rangniedere Tiere leiden vermehrt unter Stress und an den ihnen zugef√ľgten Verletzungen durch rangh√∂here Buchtenpartner. Sie reagieren mit einer vermehrten Aussch√ľttung des Stresshormons Kortisol. Dies wiederum beeinflusst die Darmgesundheit negativ und f√∂rdert die Resorption von Skatol im Darm. Deshalb weisen verletzte Tiere h√§ufig h√∂here Skatol-Konzentrationen in ihrem Fett auf.

Auch Neugruppierungen von Schweinen l√∂sen Stress (und damit eine st√§rkere Geruchsentwicklung) aus, denn wenn die soziale Struktur gest√∂rt ist, muss die Rangordnung neu ausgefochten werden. Dieses Ph√§nomen ist auch dann verst√§rkt zu beobachten, wenn ein Teil der Jungeber aus einer Bucht zur Schlachtung verkauft wird. Umgruppierungen k√∂nnen dar√ľber hinaus den Beginn der Geschlechtsreife und die Synthese von Androstenon stimulieren.1, 5, 7

Des Weiteren kann das Geruchsproblem auf dem Weg zur Schlachtung positiv oder negativ beeinflusst werden. So hat die Länge des Transports einen Einfluss auf die Androstenonkonzentration im Schlachtkörper. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben einen Anstieg der Androstenonkonzentration um etwa 0,1 Mikrogramm/Gramm Fett je Stunde Fahrt. Der Gehalt an Skatol wiederum wird maßgeblich von der Dauer der Wartezeit vor der Schlachtung beeinflusst. Hier wurde beobachtet, dass die Skatolkonzentration je Stunde Wartezeit um mehr als 20 Nanogramm je Gramm Fett ansteigt. 7

Brosch√ľre: Poster: Jungebermast
Dokumenttyp: PDF Dokumentgröße: 915 KB

Brosch√ľre Beschreibung:

Das Poster gibt einen √úberblick √ľber die wichtigsten Schritte zur erfolgreichen Umsetzung der Jungebermast als Alternative zur Kastration von m√§nnlichen Schweinen.

Ma√ünahmen f√ľr eine wirtschaftlich erfolgreiche Jungebermast

Folgende Maßnahmen helfen, die Mast von Jungebern wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten:

1. Ausreichend Platz schaffen

Zwar ist die gesetzlich vorgegebene Fl√§che grunds√§tzlich auch f√ľr Eber ausreichend, doch Experten raten zu einem Mehrangebot an Platz von zehn Prozent. Jedoch wirkt sich auch ein √úberangebot an Fl√§che negativ auf die Geruchsentwicklung bei Eberschlachtk√∂rpern aus: Wird der Kot nur mangelhaft durch den Spaltenboden getreten, k√∂nnen Bucht und Tiere √ľberm√§√üig verschmutzen. Durch die Absorption von Skatol aus dem Kot √ľber die Haut, steigt die Geruchsbelastung der Eber.

2. Gruppen stabil halten

Die optimale Gruppenzusammensetzung in der Jungebermast sind Geschwistergruppen, also stabile Gruppen, die vom Abferkeln bis zur Schlachtung zusammenbleiben. Jungeber in Geschwistergruppen sind weniger aggressiv als solche, die mit unbekannten Schweinen gruppiert wurden. Ist es nicht m√∂glich, Geschwistergruppen zu bilden, empfiehlt sich eine m√∂glichst fr√ľhe Sozialisation mit den sp√§teren Buchtenpartnern (m√∂glichst ab einem Alter von 14 Tagen). So k√∂nnen die Tiere rechtzeitig eine Rangordnung ausbilden. Sogar auf die Synthese von Androstenon hat die Gruppenzusammensetzung einen Einfluss. So wirkt die gemeinsame Aufzucht von Wurfgeschwistern Androstenon senkend. Praktische Erfahrungen zeigen, dass die Rangordnung in Gruppen bis zu 25 Schweinen stabil bleibt und dass die Ebermast in Gruppen bis zu 50 Schweinen gut funktioniert. Gr√∂√üere Gruppen finden nur schwer zu einer stabilen Rangordnung. Sie bieten aber eher die M√∂glichkeit, Buchten in verschiedene Funktionsbereiche mit gr√∂√üerem Bewegungsfreiraum zu strukturieren.

Brosch√ľre: Brosch√ľre: Alternativen zur bet√§ubungslosen Ferkelkastration
Dokumenttyp: PDF Dokumentgröße: 2 MB

Brosch√ľre Beschreibung:

Schweinehaltende Betriebe m√ľssen ab dem 1. Januar 2021 eine der vier zur Verf√ľgung stehenden Alternativen zur bet√§ubungslosen Ferkelkastration anwenden. Die 40-seitige Brosch√ľre informiert √ľber Vor- und Nachteile der Alternativmethoden, erl√§utert die betrieblichen Voraussetzungen und bewertet sie √∂konomisch.

3. Buchten strukturieren

Damit sich die Tiere gegenseitig m√∂glichst wenig st√∂ren, ist eine Strukturierung der Eberbuchten f√ľr verschiedene Verhaltensweisen (Ruhen, Fressen, Kotabsatz) sinnvoll. Ausreichende Ausweich- und R√ľckzugsm√∂glichkeiten minimieren den Stress in der Bucht.

4. Ebergerechte F√ľtterung   

Um die Ruhe im Stall sicherzustellen, sollten Jungeber st√§ndig Zugang zum Futter haben (ad libitum F√ľtterung). Das h√§lt die Tiere von der Besch√§ftigung mit anderen Buchtengenossen ab. Dar√ľber hinaus vermeidet eine ausreichende Anzahl an Fresspl√§tzen Konkurrenzsituationen. So haben auch rangniedere Tiere die M√∂glichkeit, ausreichend Futter aufzunehmen. Breiautomaten mit einem weiten Tier-Fressplatz-Verh√§ltnis, aber auch Fl√ľssigf√ľtterungssysteme mit Sensortechnik zur Futtermengensteuerung bieten gute Voraussetzungen f√ľr die Jungebermast. Einen √úberblick √ľber geeignete F√ľtterungstechnik f√ľr Schweine bieten beispielsweise DLG-Merkbl√§tter (DLG = Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft). Des Weiteren ist Sauberkeit bei der F√ľtterung von Jungebern sehr wichtig. 5

5. Tiere beschäftigen

Sinnvoll ist die Gabe von Stroh und Raufutter zur Beschäftigung der Schweine. Aggressionen können so vermieden werden. Selbst auf Spaltenböden lassen sich Raufen, Körbe oder Automaten einsetzen, aus denen die Tiere Halme herausarbeiten können. Aber auch andere Materialien - beispielsweise dicke Sisalseile oder bewegliche Ketten, die mit veränderbarem Material kombiniert werden - sind zur Beschäftigung von Schweinen gut geeignet.

6. Stall sauber halten

Das Risiko eines erh√∂hten Skatolgehaltes im Jungeberfleisch kann durch die optimale Gestaltung der Funktionsbereiche, durch eine entsprechende Luftf√ľhrung sowie durch die regelm√§√üige und gr√ľndliche S√§uberung der Festfl√§chen reduziert werden. Bei St√§llen mit Einstreu ist es entscheidend, das Einstreumaterial sauber zu halten und regelm√§√üig nachzustreuen. Teilspaltenb√∂den verschmutzen erfahrungsgem√§√ü st√§rker als Vollspaltenb√∂den. Buchten mit optimaler Belegung sind dar√ľber hinaus erfahrungsgem√§√ü sauberer als Buchten mit zu geringem Tierbesatz. Im Sommer ist auf ausreichende Abk√ľhlungsm√∂glichkeiten zu achten, um zu verhindern, dass sich die Tiere in den Kotbereich legen.

7. Tiere intensiv beobachten und schnell handeln 

Eine intensive Beobachtung der Tiere ist in der Jungebermast Grundvoraussetzung, um diesen Wirtschaftszweig erfolgreich zu betreiben. Nur so erkennen Tierhalter, ob sich die Gruppe normal verh√§lt, ob sich Rangeleien und Aggressionen h√§ufen und ob Funktionsbereiche in der Bucht gut angenommen werden. Verletzte und kranke Tiere werden auf diese Weise fr√ľhzeitig erkannt und k√∂nnen von der Gruppe separiert und gegebenenfalls behandelt werden. Es ist ratsam, eine ausreichende Anzahl an Reservepl√§tzen vorzuhalten. Gesunde Tiere wachsen schneller, sind bei der Schlachtung j√ľnger und weisen ein geringeres Risiko auf, geruchsaktiv zu werden.

8. Transportzeiten minimieren

Dar√ľber hinaus gilt es, die Transport- und Wartezeiten bei der Schlachtung so kurz wie m√∂glich zu halten, um den Stress f√ľr die Tiere gering zu halten und den Anteil geruchsbelasteter Schlachtk√∂rper zu minimieren.2, 5

Aktuelles Forschungsprojekt

Verschiedene Projekte, die zum Teil von der Bundesregierung gef√∂rdert werden, widmen sich dem Thema Jungebermast. Darunter ein Projekt der Europ√§ischen Innovationspartnerschaft landwirtschaftliche Produktivit√§t und Nachhaltigkeit (EIP Agri), dass sich um die Einf√ľhrung und Etablierung der Jungebermast in die Wertsch√∂pfungskette Schweinefleisch dreht. Im Rahmen des Projektes geht es unter anderem um die Etablierung von neuen tiergerechten Haltungsverfahren.

Letzte Aktualisierung 28.05.2020

 

Quellennachweis

(1) Frieden L. (2013): Z√ľchterische M√∂glichkeiten zur Reduktion von geschlechtsbedingten Geruchsabweichungen am Schlachtk√∂rper von m√§nnlichen, unkastrierten Mastschweinen. Dissertation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universit√§t Bonn. 

(2) Holinger M., Hillmann E. und B. Fr√ľh (2014): Verletzungsh√§ufigkeit und die daraus folgenden Haltungsanspr√ľche von Mastebern, Tier√§rztliche Umschau 69, 235 ‚Äď 239 (2014).

(3) Isernhagen, Marie (2015): Haltung von Ebern unter herk√∂mmlichen Mastbedingungen: Einfluss auf Tiergesundheit und Wohlbefinden. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universit√§t M√ľnchen, Tier√§rztliche Fakult√§t.

(4) Norda C., Scholz T. und F. Austermann, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (2017): Beschäftigungsmaterial löst das Problem nicht, Badische Bauern Zeitung, 16. November 2017 (https://www.badische-bauern-zeitung.de/beschaeftigungsmaterial-loest-das-problem-nicht

(5) QS Qualität und Sicherheit GmbH (2013): Kompass Jungebermast.

(6) S√§chsisches Landesamt f√ľr Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG): Verfahrenstechnik f√ľr eine wirtschaftliche Ebermast, Schriftenreihe Heft 22/2013

(7) Wesoly R. (2015): Exogene Einfl√ľsse auf die Skatolbildung beim Schwein. Dissertation, Universit√§t Hohenheim, Stuttgart.

Seiten-Titel: Jungebermast

Seiten-Beschreibung:

Eine Alternative, die sich schon seit vielen Jahren in Deutschland etabliert hat, ist die Jungebermast. Eber haben Vorteile in der Mast- und Schlachtleistung, haben aber auch Nachteile in Bezug auf höhere Aggressivität und dem Auftreten von Ebergeruch.

Seiten-Titel: Informationsveranstaltungen und Sachkundelehrgänge

Seiten-Beschreibung:

Im Rahmen von Informationsveranstaltungen k√∂nnen Landwirte/-innen sich √ľber die vier Alternativen zur bet√§ubungslosen Ferkelkastration informieren. Auch die Sachkundelehrg√§nge zur Isoflurannarkose laufen an.

Seiten-Titel: Die Alternativen im √úberblick

Seiten-Beschreibung:

Derzeit gibt es vier zulässige Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration: die Jungebermast, die Jungebermast mit Immunokastration, sowie die chirurgische Kastration unter Inhalationsnarkose oder Injektinsnarkose.