Springe zum Hauptinhalt der Seite

Tier

Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration - Was sagen die Schlachtunternehmen?

Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration - Was sagen die Schlachtunternehmen?

Für Eber und Immunokastraten gibt es derzeit nur einen begrenzten Markt. Die Schlachtunternehmen setzen überwiegend auf die chirurgische Kastration, nur ein Unternehmen bevorzugt Immunokastraten.

Ab dem 01. Januar 2021 ist die betäubungslose Kastration von männlichen Ferkeln nicht mehr zulässig. Neben der Jungebermast und der Immunokastration ist die chirurgischen Kastration unter Isoflurannarkose oder Injektionsnarkose mit Ketamin und Azaperon möglich. Doch wie steht es um die Vermarktung der jeweiligen Tiere? Eine im Auftrag des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) im November und Dezember 2019 hierzu durchgeführte Umfrage bei den zehn größten Schweine-Schlachtunternehmen sowie regionalen Schlachthöfen in Deutschland zeichnet ein gemischtes Bild. Die Schlachtunternehmen sollten ihre Position gegenüber dem Ausstieg Deutschlands aus der betäubungslosen Ferkelkastration beschreiben. Außerdem wurde nach Präferenz oder Ausschluss einzelner Methoden, Mengenbegrenzungen sowie regionalen Unterschieden und der Abrechnung von Jungebern und Immunokastraten gefragt. Schließlich sollten sie dazu Stellung nehmen, welche möglichen Auswirkungen sie für die Vermarktung und Weiterverarbeitung erwarten.

Die Ergebnisse der Umfrage im Überblick:

Tönnies betont, dass den Landwirten alle Wahlmöglichkeiten offengehalten werden sollen. Masteber würden seit 2009 in steigenden Stückzahlen ohne Mengenbegrenzung geschlachtet und nach Ebermaske abgerechnet. Immunokastraten wurden bisher nur projektbezogen geschlachtet; Tönnies beteilige sich an dem Projekt „100.000 Improvac-Tiere“ des Bauernverbandes. Die Abrechnung der Immunokastraten erfolge mit der Preismaske für Schlachtschweine minus 0,03 €/kg Schlachtgewicht für die Aufwendungen der zusätzlichen Sensorik (Geruchsprüfung). Die Herausforderung im Absatz bei Frischfleisch steige durch den logistischen innerbetrieblichen Sortieraufwand der verschiedenen Kategorien für verschiedene Verwendungszwecke.


Die vollständige Antwort von Tönnies finden Sie hier.


Westfleisch akzeptiere grundsätzlich alle Alternativen zur Vermeidung der betäubungslosen Kastration, sofern sich das Fleisch vermarkten lässt. Vor allem der Absatzmarkt für Eberfleisch sei begrenzt. Derzeit werde bei mehr als 25 % der Schweine aus vertraglich gebundenen Erzeugerbetrieben vollständig auf die Kastration verzichtet. Eber würden aufgrund der eingeschränkten Vermarktungssituation und Schlachtkörperqualität differenziert betrachtet und mit einem eigenen Abrechnungssystem kalkuliert. Für das Fleisch von Immunokastraten sehe man im Moment einen noch engen Nischenmarkt. Die Abnahme und Bewertung erfolge in enger Absprache mit den landwirtschaftlichen Verbänden und Interessengemeinschaften im Rahmen von Projekten.


Die vollständige Antwort von Westfleisch finden Sie hier.


Auch Vion akzeptiere alle derzeit vom Gesetzgeber zugelassenen Verfahren und bevorzuge die Annahme von unter Betäubung kastrierten Tieren. Es sei schwierig und aufwändig, das Fleisch im Verarbeitungsprozess zu selektieren und bei 100 verschiedenen Teilstücken fast unmöglich. Es gäbe keine Mengenbegrenzungen und alle angelieferten Tiere würden bei Vion gleich abgerechnet, ohne Abschläge für Jungeber oder Immunokastraten. Die Nachfrage nach Fleisch von Ebern und Immunokastraten sei jedoch begrenzt. „In Norddeutschland können maximal 10 bis 15 Prozent Eber vermarktet werden. In Süddeutschland mit der starken Metzgerstruktur und dem Export nach Italien sind Eber und geimpfte Eber überhaupt nicht zu vermarkten“, so das Unternehmen. Beeinträchtigungen sehe Vion beim Export, der erheblich beschränkt werde, denn Rohschinken und Fleisch für Rohwurst sei weder von Jungebern noch von geimpften Tieren international zu vermarkten. Japan und Korea, die Märkte für Edelteile vom Schwein, lehnten Fleisch von Immunokastraten grundsätzlich ab. Bei der Vermarktung von Frischfleisch gebe es in Deutschland keine Probleme, wohl aber für Verarbeitungsware.


Die vollständige Antwort von Vion finden Sie hier.


Contifleisch präferiert für den bayerischen Markt die Kastration unter Inhalationsnarkose mit Isofluran oder die derzeit nicht rechtskonforme lokale Betäubung. Derzeit würden keine Eber oder Immunokastraten geschlachtet. Die Kunden auf dem europäischen Markt, speziell in Italien, aber auch Rohschinkenhersteller in Deutschland, lehnten Eber oder Immunokastraten auf Grund von technologischen Problemen bei der Schinken- und Bauchspeckproduktion ab, so das Unternehmen.


Die vollständige Antwort von Contifleisch finden Sie hier.


Die Goldschmaus-Gruppe setzt ebenfalls auf die Inhalationsnarkose. Anfang 2020 würden die ersten Geräte auf den Lieferbetrieben zum Einsatz kommen. Mit der Kastration unter Narkose könne Goldschmaus seinen Kunden weiterhin die erwarteten hohen Qualitäten an Fleisch und Fleischwaren anbieten. Letzteres sei auch ein Grund, weshalb weder Eber noch geimpfte Tiere angenommen würden.


Die vollständige Antwort der Goldschmaus Gruppe finden Sie hier.


Das Schlachtunternehmen Tummel setzt dagegen auf die Immunokastration, nimmt aber auch weiterhin chirurgisch kastrierte Tiere an. Dabei wird die Inhalationsnarkose bevorzugt. Die Ebermast lehnt das Unternehmen aufgrund der Fleischqualität, der möglichen Geruchsabweichung und aus Tierschutzaspekten ab. Bis Ende 2019 seien 3500 Immunokastraten geschlachtet worden. Die Erkenntnisse während der Anwendung in der Mast und bei der Schlachtung seien durchweg positiv: Die Detektion von Fleischfarbe, Fleisch-Fett-Verhältnis, Aroma und Unversehrtheit der Haut seien hervorragend. Die Immunokastraten würden nach der normalen Schweineabrechnungsmaske ohne Abzüge bezahlt. Beim Absatz von Frischfleisch von Immunokastraten gebe es, so das Unternehmen, kein echtes Problem, aber die Aufgabe, das Verbrauchervertrauen nicht zu beschädigen und über das Verfahren aufzuklären. Ab 2020 möchte Tummel wenn möglich keine Eber mehr schlachten. Zuvor gab es eine Mengenbegrenzung auf 600 Jungeber pro Woche bei insgesamt 30.000 wöchentlich geschlachteten Schweinen. Nach Einschätzung des Unternehmens habe die Jungebermast enorme negative Auswirkungen beim Export von Teilstücken. Die Fleischqualität, für die Deutschland bekannt wäre und die geschätzt würde, wäre nicht mehr gegeben. Tummel sehe bei Fleisch von Jungebern enorme Probleme im Absatz von Frischfleisch und bei verarbeiteten Produkten.


Die vollständige Antwort von Tummel finden Sie hier.


Die regionalen Schlachthöfe (befragt wurden Schlachthöfe in allen Regionen Deutschlands) berufen sich auf ihren „Lohnschlacht- bzw. Dienstleistungs-Charakter“ und geben an, keine eigenen Aussagen zur Frage der Ferkelkastration geben zu können, da dies in die Entscheidungskompetenz ihrer Kunden bzw. Betreibergesellschaften falle. Ein Vertreter des Metzgerhandwerks bzw. Fleischerverbandes lehnt sowohl die Jungebermast als auch die Immunokastration aus technologischen bzw. Akzeptanzgründen ab.


Die vollständige Antwort der regionalen Schlachthöfe und Metzgereien finden Sie hier.


Seiten-Titel: Die Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration

Seiten-Beschreibung:

Da das Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln Ende 2020 in Kraft treten soll, wird akut nach geeigneten Alternativen geforscht.

Seiten-Titel: Wirtschaftlichkeit der Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration

Seiten-Beschreibung:

Das Thünen-Institut hat die Wirtschaftlichkeit der Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration berechnet. Die Ergebnisse im Überblick.