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Tier

Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration

Ferkel im Stall

Quelle: countrypixel / Fotolia.com

Da das Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln Ende 2020 in Kraft treten soll, wird akut nach geeigneten Alternativen geforscht.

Wurde vor Jahren noch angenommen, dass Ferkel noch kein so ausgeprägtes Schmerzempfinden haben, so ist dies nach heutigen Kenntnisstand wiederlegt. Danach verfügen Ferkel schon in den ersten Lebenstagen über voll entwickelte Schmerzrezeptoren. Die Wundheilung verläuft jedoch bei früh kastrierten Ferkeln schneller und komplikationsloser als bei älteren Ferkeln, zumal die Kastrationswunde auch kleiner ist. Ferkel reagieren auf diesen Eingriff durch Veränderung der Vokalisation, des Verhaltens sowie physiologischer Parameter. Als besonders schmerzhaft wird das Durchtrennen der Samenstränge empfunden. Somit steht diese Methode stark in der Kritik.

Welche Alternativen gibt es?

Ersatzmethoden zur chirurgischen Kastration

Zurzeit sind die Impfung gegen Ebergeruch und die Ebermast die einzigen verfügbaren Alternativen zur chirurgischen Kastration.

Ebermast

Die Mast von intakten Ebern ist aus Sicht des Tierschutzes die am wenigsten umstrittene Methode, weil die Kastration bzw. Eingriffe gänzlich entfallen. Vorteile aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind der Wegfall des Aufwands für die Kastration und der nachoperativen Tierverluste bzw. Leistungseinbußen sowie eine bessere Futterverwertung und ein höherer Magerfleischanteil der Schlachtkörper. Die vermehrten Aggressionen der Eber korrelieren positiv mit der Wachstumsrate und der Futterverwertung. Somit werden durch die Ebermast höhere Anforderungen an die Haltungseinrichtung und das Management gestellt. Untersuchungen zeigen, dass diese erhöhten Anforderungen auf Praxisbetrieben jedoch erfüllt werden können.

Ebermast wird in Europa derzeit vor allem in Ländern mit niedrigeren Schlachtgewichten von etwa 70 kg praktiziert. In Deutschland werden mittlere Schlachtgewichte von 90 kg und mehr erzielt, mit steigender Tendenz. Mit steigendem Gewicht erhöht sich auch der Anteil der Eber mit Ebergeruch im Fleisch.

Neben dem Schlachtgewicht haben die Genetik, die Zusammensetzung der Mastgruppen, die Fütterung sowie die Sauberkeit der Bucht Auswirkungen auf den Androstenon- und Skatolgehalt. Bei Verwendung von Ebern für die Fleischproduktion muss zusätzlich eine schnelle und verlässliche Kontrolle an der Schlachtlinie erfolgen, um geruchbelastetes Fleisch aussortieren zu können. Dies muss dann in einer separaten Verarbeitungskette z. B. in Wurstwaren verwendet werden.

Um das Problem mit dem geruchsbelasteten Eberfleisch zu lösen, wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Verbundprojekt zur Identifikation und Reduktion von Ebergeruch "Strat-E-Ger" gefördert. Mit einer neuartigen Zuchtmethode und einer Analyse des Erbmaterials wurden jene Tiere identifiziert, die eine hohe Skatol- und Androstenonkonzentration im Fleisch aufwiesen. Mit Hilfe dieser so genannten "Genomischen Selektion" konnten dann nur diejenigen Tiere zur Zucht verwendet oder verarbeitet werden, die eine DNA-Variante aufwiesen, die keine Geruchs- oder Geschmacksbeeinträchtigungen hervorrief.

Neben dem züchterischen Ansatz wurde ein neues Verfahren der so genannten "humansensorischen Beurteilung" von Geruchsabweichungen entwickelt und optimiert. Hierfür werden Prüfer speziell ausgewählt und geschult, so dass sie in der Lage sind, geruchsbelastetes Fleisch nach der Schlachtung objektiv und standardisiert zu identifizieren. Im Schlachtprozess werden so allen Tierkörpern Geruchsnoten vergeben. Die menschliche Nase wurde somit als zusätzliche Kontrollinstanz in den Schlachtbetrieb integriert.

Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration)

Die Immunokastration männlicher Schweine kann durch eine zweimalige aktive Immunisierung gegen das im Hypothalamus gebildete Peptid GnRH erreicht werden. Durch die Neutralisation von GnRH wird die Produktion von Sexualhormonen im Hoden unterdrückt, somit wird kein bzw. wenig Androstenon gebildet.

Die Injektionen müssen mit einer Sicherheitsspritze im zeitlichen Abstand von mindestens vier Wochen durchgeführt werden. Die zweite Impfung muss zwischen vier und sechs Wochen vor der Schlachtung verabreicht werden.

Bis die Wirkung der zweiten Impfung einsetzt werden die Tiere als intakte Eber mit allen Vor- und Nachteilen gehalten. Nach einer Untersuchung in der Schweiz werden durch die verbesserte Futterverwertung der Eber die Impfkosten von etwa 3,50 Euro pro Tier auf 1,40 Euro pro Tier Nettokosten für diese Methode gesenkt. Zu klären ist noch der Umgang mit den Schlachtkörpern im Verarbeitungsprozess sowie die Akzeptanz bei den Konsumenten.

Kastration unter wirksamer Schmerzausschaltung

Eine Möglichkeit ist die Durchführung der chirurgischen Kastration unter Narkose, also unter vollständiger Schmerzausschaltung. Eine solche Narkose muss in Deutschland durch einen Tierarzt durchgeführt werden. Die Methode ist daher relativ aufwändig, wird aber in einigen Betrieben durchgeführt.

Die Fortführung der chirurgischen Kastration hat den Vorteil, dass im Anschluss keine weiteren Umstellungen bei der Aufzucht, der Mast, der Schlachtung, der Verarbeitung und der Vermarktung erforderlich sind. Derzeit kommen grundsätzlich drei Betäubungsverfahren bei der chirurgischen Ferkelkastration in Betracht: die Injektionsnarkose, die Inhalationsnarkose und die Lokalanästhesie. Alle Verfahren dürfen nach den Vorgaben des Tierschutzgesetzes nur von einem Tierarzt durchgeführt werden Bei allen Verfahren ist zusätzlich die Gabe von Schmerzmitteln für die Behandlung des postoperativen Wundschmerzes notwendig.

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