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Tier

Afrikanische Schweinepest bedroht auch Deutschlands Schweinebestände

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine für Wild- und Hausschweine hochansteckende Tierseuche. Für die Gesundheit des Menschen und andere Haustiere stellt sie keine Gefahr dar – gefürchtet sind vor allem die wirtschaftlichen Folgen.

Was ist die Afrikanische Schweinepest für eine Erkrankung?

Wildschweine auf der Weide

Quelle: zolastro - stock.adobe.com

Die Afrikanische Schweinepest kommt aus dem südlichen Afrika: In vielen Ländern südlich der Sahara ist sie weit verbreitet. 2014 wurde die Afrikanische Schweinepest erstmalig in der EU nachgewiesen und zwar in Litauen an der Grenze zu Weißrussland. Seitdem rückt die Seuche immer weiter westlich vor und ist jetzt etwa 300 Kilometer von Deutschland entfernt. Neueste Seuchenausbrüche gibt es in Ungarn in der Region Nordostungarn an der Grenze zur Ukraine (Juni 2018).

Im Jahr 2017 gab es in den betroffenen Staaten insgesamt 4140 Seuchenfälle und alleine im Januar 2018 schon 759 Fälle. Weitere Daten zu den Ausbruchszahlen finden Sie beim Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

Es gibt zwei Arten von Schweinepest: die Klassische Schweinepest (KSP) und die Afrikanische Schweinepest (ASP). Beide haben sehr ähnliche Krankheitserscheinungen.

Anders als die Klassische Schweinepest ist die Afrikanische Schweinepest noch nie in Deutschland aufgetreten. Beide Krankheiten sind unheilbar und gehören zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen, bei denen Tierhalterin und Tierhalter sowie Tierbetreuerin und Tierbetreuer verpflichtet sind, einen Seuchenverdacht dem zuständigen Veterinäramt zu melden. Für den Menschen stellen sie keine Gefahr dar.

Wie sind die Krankheitserscheinungen?

Zwei bis 15 Tage nach der Ansteckung zeigen sich Krankheitserscheinungen. Infizierte Schweine haben zunächst hohes Fieber (bis 42 Grad Celsius), später können Bewegungsstörungen wie ein schwankender Gang, Fressunlust, Durchfall und Blutungen (Hautblutungen, Nasenbluten, blutiger Durchfall) auftreten. Die betroffenen Schweine können Schwäche, Mattigkeit, Desorientierung und Atemprobleme zeigen. Schwer erkrankte Wildschweine haben manchmal eine verringerte Fluchtbereitschaft, sie bleiben beispielsweise in der Suhle liegen.

90 Prozent der erkrankten Tiere sterben an der Afrikanischen Schweinepest, in der Regel innerhalb einer Woche. Es gibt aber auch kaum sichtbare Krankheitsverläufe, die mildere unspezifische Krankheitserscheinungen zeigen und bei denen die Hautblutungen in der Regel fehlen. Fieber ist ein Leitsymptom, meist sind mehrere Tiere betroffen, es kommt zu plötzlichen Todesfällen und hohen Saugferkelverlusten.

Wie wird die Seuche übertragen?

Schweine können sich mit der Afrikanischen Schweinepest im direkten Kontakt mit Wild- oder Hausschweinen anstecken oder über kontaminierte Gegenstände, Speisereste und Fleischprodukte. Indirekte Übertragungswege sind beispielsweise Fahrzeuge (besonders Viehtransporter), Jagdausrüstungsgegenstände, Geräte, Maschinen, Bekleidung und Schuhe. Eine Tröpfcheninfektion über die Luft, wie bei einer Erkältung beim Menschen, ist nicht möglich.

Die größte Bedrohung für eine Einschleppung geht von kontaminierten Speiseresten aus. Schon ein achtlos weggeworfenes Wurstbrötchen kann von Wildschweinen gefressen werden und die Seuche nach Deutschland bringen. Besonders Fernfahrer aus den betroffenen Ländern in Osteuropa und dem Baltikum, aber auch Reisende können damit zur Infektionsquelle werden. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat Anfang August 2017 eine Aufklärungskampagne an Autobahnraststätten und Parkplätzen gestartet. In 11 Bundesländern wurden Warnplakate in mehreren Sprachen aufgehängt, die dazu aufrufen, Speisreste nur in verschlossene Mülleimer zu entsorgen. Das Bundesamt für Güterverkehr verteilt bei seinen Kontrollen Handzettel an LKW-Fahrer.

Was passiert bei einem Seuchenfall?

Was nach einem Seuchenfall passiert, ist festgelegt in der „Verordnung zum Schutz gegen die Schweinepest und die Afrikanische Schweinepest“. Es wird unterschieden, ob die Afrikanische Schweinepest bei einem Hausschwein oder einem Wildschwein festgestellt wird.

Hausschwein:

Wird die Seuche in einem landwirtschaftlichen Betrieb festgestellt, werden alle Schweine sofort getötet und unschädlich beseitigt. Danach wird der Betrieb gründlich gereinigt und desinfiziert. Um den Betrieb werden zwei Schutzzonen errichtet. Die erste ist das Sperrgebiet und hat einen Radius von mindestens drei Kilometern. Die genaue Größe bestimmt das zuständige Veterinäramt und richtet sich unter anderem nach dem Seuchengeschehen, Wildschweindichte, Struktur der Schweinehaltung, Tierverkehr, Schlachthöfen, Landschaft und natürlichen Grenzen. Die Veterinärbehörde bestimmt auch, in welchem Radius um den Betrieb alle Hausschweine gekeult werden. Dabei ist von einem Mindestradius von 500 Metern auszugehen. Gekeult werden auch die Tiere im Kontaktbetriebe (von denen beispielsweise Ferkel zugekauft wurden). Die anderen Schweine im Sperrbezirk werden tierärztlich untersucht.

Die zweite Zone um den Betrieb ist eine großflächige Beobachtungszone. Im Sperrgebiet und in der Beobachtungszone besteht ein Transportverbot für Schweine, die künstliche Besamung ist verboten und der Transport anderer Haustiere bedarf der Genehmigung. Die Restriktionen werden im Sperrgebiet frühestens 40 Tage nach Reinigung und Desinfektion des Seuchenbetriebes aufgehoben, wenn in dieser Zeit kein weiterer Seuchenfall aufgetreten ist. In der Beobachtungszone ist ein Transport frühestens nach 30 Tagen möglich.

Wildschwein:

Tritt bei einem Wildschwein die Afrikanische Schweinepest auf, wird ein gefährdeter Bezirk in einem Radius von mindestens 15 Kilometern um die Fundstelle eingerichtet. Um den gefährdeten Bezirk kommt noch mal eine Pufferzone mit etwa dem doppelten Radius des ersten Ringes.

Im gefährdeten Bezirk kann die Freiland- und Auslaufhaltung mit Auflagen belegt oder verboten werden, Schweine dürfen weder hinein- noch heraustransportiert werden. Aus dem gefährdeten Bezirk dürfen Gras, Heu und Stroh nicht an andere schweinehaltenden Betriebe geliefert werden. Hunde müssen angeleint werden. Für etwa drei Wochen besteht im inneren Ring um die Fundstelle Jagdruhe. Es wird intensiv nach toten Wildschweinen gesucht und die lebenden Wildschweine werden beobachtet. In der Pufferzone wird die Wildschweinpopulation möglichst vollständig erlegt. Von jedem tot aufgefundenen und erlegten Wildschwein werden Proben gezogen und auf ASP untersucht.

Viele Landwirtinnen und Landwirte und auch Tierärztinnen und Tierärzte können sich noch gut an die verheerenden Seuchenzüge der Klassischen Schweinepest erinnern. Allein zwischen 1993 und 2002 mussten in Europa über 15 Millionen Schweine getötet werden. Der letzte Seuchenfall ereignete sich 2006 im Kreis Borken in Nordrhein-Westfallen, wo ca. 92.000 Schweine in 185 Betrieben vorsorglich getötet wurden.

Welche finanziellen Schäden entstehen den betroffenen Betrieben?

Insgesamt sind alle schweinehaltenden Betriebe betroffen, weil der Schweinemarkt nach einem Seuchenfall einbrechen wird. Deutschland als Exportnation würden die massiven Handelsbeschränkungen sehr treffen. Im Jahr 2016 betrug der Wert der Ausfuhren an Schweinefleisch mehr als 6,2 Milliarden Euro, der Selbstversorgungsgrad lag bei 121 Prozent. Die inländische Nachfrage nach Schweinefleisch ist seit 1996 um rund 20 Prozent zurückgegangen. Bei einem Seuchenfall würde sie einbrechen und die Schweinepreise massiv sinken.

Werden Schweine auf behördliche Anordnung gekeult, ersetzt die Tierseuchenkasse den Nettomarktpreis des Tieres (max. 1.500 Euro pro Schwein). Voraussetzung dafür ist, dass

  • die richtigen Tierzahlen bei der Tierseuchenkasse gemeldet sind,
  • die Meldungen an das Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere vollständig sind,
  • die Bestimmungen der Schweinehaltungshygieneverordnung eingehalten wurden.

Ansonsten können die Entschädigungsleistungen erheblich gekürzt oder ganz gestrichen werden. Es gibt auch Zuschüsse für die Reinigung und Desinfektion. Aber die Schäden sind wesentlich höher: Durch die restriktiven Handelsbeschränkungen kann erst mal kein Tier verkauft werden. Besonders in Ferkelerzeugungsbetrieben kann der Platz sehr schnell knapp werden. Mastschweine wachsen aus allen Vermarktungsnormen heraus und können später nur noch mit erheblichen Preisabschlägen vermarktet werden. Wenn die Sperrungen nach Wochen bis Monaten aufgehoben werden, dauert es noch eine ganze Weile, bis die Produktion wieder im vollen Gange ist.

Aufgrund der großen wirtschaftlichen Gefahren, die von der ASP ausgehen, greift Dänemark zu besonderen Maßnahmen: So hat das dänische Parlament am 4.6.2018 beschlossen, einen 70 Kilometer langen Grenzzaun zwischen Deutschland und Dänemark zu errichten, um das Übersiedeln von Wildschweinen nach Dänemark zu verhindern. Dieser Zaun soll 1,5 Meter hoch und 50 Zentimeter tief in der Erde verankert sein. Dänemark exportiert jährlich Schweinefleischprodukte im Wert von mehr als vier Milliarden Euro. Bereits ein infiziertes Wildschwein könnte dazu führen könnte, dass der Fleischexport in wichtige Drittländer gesperrt wird.

Lohnt sich eine Ertragsausfallversicherung?

Bei einem Seuchenfall kann sehr schnell die Existenz des Betriebes auf dem Spiel stehen, besonders für Betriebe mit viel Fremdkapital, hohen Pachten und Löhnen sowie ohne weitere Betriebszweige. Die Ertragsausfälle sind in der Ferkelerzeugung höher als in der Schweinemast.

Die Versicherung ist kostspielig: Größere Betreibe zahlen schnell mehrere tausend Euro im Jahr. Eine private Ertragsausfallversicherung ersetzt die Ertragseinbußen des Betriebes nach entgangenem Deckungsbeitrag. Die Schadensberechnung erfolgt durch einen Gutachter der Versicherung. Es lohnt sich, die Angebote der unterschiedlichen Versicherungen zu vergleichen. Achtung: Bei anzeigepflichtigen Tierseuchen wie der Afrikanischen Schweinepest tritt ein Versicherungsschutz meist erst nach einer Wartezeit von drei Monaten ein.

Ist eine Impfung möglich?

Anders als bei der Klassischen Schweinepest gibt es für die Afrikanische Schweinepest keinen Impfstoff.

Für die Klassische Schweinepest ist es gelungen, einen sogenannten Markerimpfstoff zu entwickeln. Damit kann man erkennen, ob die Antikörper aufgrund einer natürlichen Infektion oder einer Impfung gebildet wurden. Geimpfte Schweine und kranke Tiere lassen sich so sicher auseinanderhalten. Es könnte auf Keulungen verzichtet werden, wenn direkt nach einem Seuchenfall die Schweine in einem gewissen Radius um den betroffenen Betrieb notgeimpft werden könnten. Solche Impfungen sind in der Schweinepestverordnung jedoch nicht vorgesehen. Außerdem gibt es Vorbehalte des Handels gegen geimpfte Tiere. Landwirte können ihre notgeimpften Schweine nur mit Mindererlösen vermarkten.

Was können Tierhalter vorbeugend tun?

Den eigenen Tierbestand sorgfältig beobachten: Bei hohen Saugferkelverlusten, gehäuften Vorkommen von Kümmerern, plötzlichen Todesfällen im Bestand und auffälligen Tieren (siehe Krankheitsanzeichen) unverzüglich die Hoftierärztin oder den Hoftierarzt hinzuziehen.

Alle Vorschriften der Schweinehaltungshygieneverordnung müssen besonders sorgfältig beachtet werden. Hobbyhalterinnen und -halter sollten über die Afrikanische Schweinepest informiert werden, denn für diese gilt die Schweinehaltungshygieneverordnung nicht.