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Tier

Tierwohl in der Schafhaltung

Schafe jeden Tag so zu versorgen, dass sie sich wohl und sicher fühlen, ist gute Schäferpraxis. Schafhalterinnen und -halter benötigen Kenntnisse in vielen Bereichen. Sie müssen sich bei der Haltung, Fütterung, Pflege und Betreuung der Tiere ebenso auskennen wie in der Gesundheitsvorsorge.

Schafe grasen

Quelle: Cordula Möbius

Ausgebildete Schäferinnen und Schäfer beherrschen ihr Handwerk und wissen, was zu tun ist, damit sich ihre Schafe wohl fühlen und gesund und leistungsfähig sind. In den letzten Jahren hat jedoch die Zahl der Nebenerwerbs- und Hobbyschafhaltungen zugenommen. Wer das Schäferhandwerk nicht erlernt hat, muss sich die umfangreichen Kenntnisse, die zur tierwohlgerechten Haltung von Schafen nötig sind, erst aneignen.

Sicher einzäunen

Schafe als Weidetiere müssen ausbruchs- und verletzungssicher eingezäunt werden. Hersteller empfehlen 4- bis 5-reihige Elektrozäune oder Elektronetze. Aufgrund des dicken Fells ist ein leistungsstarkes Elektrozaungerät mit einer hohen Ausgangsspannung und einer schlagkräftigen Entladeenergie erforderlich. Stacheldraht ist wegen der Verletzungsgefahr nicht geeignet.

Zugfrei, trocken und sauber aufstallen

Zumindest für die Lammzeit ist häufig die Nutzung eines Stalles erforderlich. Dafür ist ein Gebäude ausreichend, das sauber und trocken ist und allen Tieren ausreichend Platz bietet (ein Quadratmeter pro Tier). Folienställe können sehr kostengünstige Stallbaulösungen darstellen und auch Altgebäude eignen sich. Bei Neubauten bieten sich Außenklimaställe an.

Halterinnen und Halter sollten darauf achten, dass der Stall zugfrei ist und so viele Fressplätze und Tränken vorhanden sind, dass die Tiere an genügend Nahrung kommen. Für die Abtrennung von Böcken sowie kranken oder hochträchtigen Schafen müssen separate Buchten zur Verfügung stehen. Ein gutes Stallmanagement schließt die Beseitigung von Unrat und Futterresten, täglich frische Einstreu sowie die regelmäßige Reinigung und Desinfektion besonders sensibler Bereiche wie Ablammbuchten und Transportfahrzeuge ein.

Leistungsgerechte Fütterung

Um sich wohl zu fühlen, müssen Schafe wiederkäuergerecht und leistungsgerecht gefüttert werden.  Und zwar in erster Linie mit rohfaserreichem Futter wie Heu und Silage. In den Futtertrog gehört nur sauberes und unverdorbenes Futter. Eine gesundheitliche Gefahr geht insbesondere von einer schlecht verdichteten und schmutzigen Silage mit einem hohen pH-Wert (> 6) aus. Hier besteht die Gefahr von Listeriose.

Allein mit Raufutter kann der Nährstoffbedarf von Schafen oft nicht gedeckt werden. Je nach Leistung sind energie- und eiweißreichere und kostenintensivere Futterrationen nötig. Der Einsatz von Rapsextraktionsschrot oder Biertreber kann sinnvoll sein. Grundsätzlich sollten Halterinnen und Halter auf eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen achten und Futterumstellungen nur langsam vornehmen.

Sauberes Trinkwasser zur freien Aufnahme muss täglich zur Verfügung stehen. Der Wasserbedarf eines Schafes liegt bei zwei bis vier Litern pro Tag. Bei Sommerhitze und in der Säugezeit kann er auf bis zu zehn Liter pro Tag steigen. Die Wasserversorgung muss auch bei Frost gewährleistet sein.

Klauen pflegen - Moderhinke vorbeugen

Mindestens einmal am Tag sollte jeder Schafhalter seinen Tierbestand kontrollieren. So erkennt er erste Krankheitsanzeichen, Lahmheiten oder eine verminderte Futteraufnahme und kann rechtzeitig reagieren. In besonderen Situationen (z. B. Ablammzeit) können häufigere Kontrollen erforderlich werden.

Wie wichtig Pflegemaßnahmen in der Schafhaltung sind, zeigt sich bei der Moderhinke. Die sehr ansteckende Krankheit verursacht den Schafen erhebliche Schmerzen. Erkrankte Tiere lahmen deutlich, magern ab und verfügen nur über eine verminderte Leistungsfähigkeit. Deshalb muss bei den ersten Anzeichen der Moderhinke sofort gehandelt werden. Regelmäßige Klauenpflege (schneiden und baden) mindert das Erkrankungsrisiko erheblich. Feuchte Stellen auf der Weide und im Stall sollten gemieden bzw. trockengelegt werden. Auch die Kreuzung mit Moderhinke-resistenten Rassen stellt eine vorbeugende Maßnahme dar. Viele betroffene Länder haben bereits umfangreiche Sanierungs- und Bekämpfungsprogramme eingerichtet, um die Verbreitung von Moderhinke einzudämmen.

Gutes Entwurmungsmanagement

Die Verwurmung stellt eine der häufigsten Todesursachen bei Schafen dar. Doch frei von Würmern ist faktisch kein Schaf. Schafhalterinnen und Schafhalter haben daher die Aufgabe, die Wurmbelastung ihrer Tiere durch intelligentes Management so gering wie möglich zu halten. Verwurmte Schafe leiden an Nährstoffmangel, Durchfällen und Blutarmut. Sie magern ab und werden anfälliger gegen Krankheiten. Zur Ermittlung des Befalls sollten regelmäßig parasitologische Kotuntersuchungen durchgeführt (einschließlich Resistenztest) und eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden, möglichst in enger Zusammenarbeit mit dem Tierarzt.

Blauzungenkrankheit - Gefahr der Einschleppung besteht weiter

In den vergangenen Jahren hat die Blauzungenkrankheit (Bluetongue disease - BT) vielen Schafhaltern Sorgen gemacht. Obwohl Deutschland seit 2011 offiziell frei von dieser anzeigenpflichtigen Tierseuche ist, bleibt die Gefahr einer Einschleppung bestehen. Unter anderem in Italien und Frankreich werden immer wieder Ausbrüche der BT gemeldet. Neben den direkten Auswirkungen für die infizierten und erkrankten Tiere, besteht das Risiko von Handelsrestriktionen. Schafhalter sollten ihre Tiere gegen BT impfen lassen. Diese Maßnahme wird in einigen Bundesländern finanziell unterstützt.

Mindestens einmal im Jahr scheren

Schafe sollten mindestens einmal im Jahr geschoren werden, denn bei den meisten Schafrassen findet erblich bedingt kein Wollwechsel mehr statt. Ohne Schur würde das Wärmeregulationsvermögen der Tiere empfindlich gestört, neugeborene Lämmer fänden die Zitzen schwerer und Ektoparasiten könnten sich leichter einnisten. Da das Scheren für die Tiere Stress bedeutet, ist der schonende Umgang mit den Schafen oberstes Gebot. Nicht nur deshalb sollte die Schur von erfahrenen Schafschererinnen und -scherern übernommen werden. Frischgeschorene Schafe benötigen bei nasskalter Witterung einen Schutz. Scherwunden müssen behandelt werden.

Schutz vor dem Wolf

Dass der Wolf auf dem besten Wege ist, Deutschland flächendeckend zu besiedeln, stellt Schafhalterinnen und Schafhalter vor neue Herausforderungen. Trotz vorschriftsmäßigen Schutzes mehren sich die Übergriffe. Nach Einschätzung von Experten stellt der Einsatz von Herdenschutzhunden in Verbindung mit einer solideren Zäunung den größtmöglichen Schutz vor dem Wolf dar.

Diese Maßnahmen sind jedoch mit einem erheblichen betrieblichen und finanziellen Mehraufwand verbunden, der von manchen Schäferinnen und Schäfern ohne Unterstützung nicht gestemmt werden kann. In den Förderrichtlinien der Bundesländer ist ein Schadensausgleich vorgesehen, den Landwirtinnen und Landwirte nach Vorlage eines Rissgutachtens in Anspruch nehmen können. Aktuell wird darüber hinaus auch der kontrollierte Abschuss des Wolfes diskutiert. Um eine aussagekräftige Kostenübersicht zu erhalten, wurde das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) von der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände (VDL) mit einem Projekt zum Kosten- und Arbeitszeitbedarf beim Herdenschutz beauftragt.

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