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Tier

Schafhaltung in Deutschland

Schafe zu halten, hat in Deutschland eine jahrhundertelange Tradition. Doch im Vergleich mit anderen landwirtschaftlichen Produktionszweigen spielt die Schafhaltung nur eine untergeordnete Rolle. Dabei leistet sie einen wichtigen Beitrag bei der Offenhaltung und Erhaltung unserer Kulturlandschaft.

Schafe mit Lämmern im Stall

Quelle: landpixel.de

Schafhaltung wird in Deutschland sowohl im Haupt- und Nebenerwerb als auch von Hobbyschafhalterinnen und -haltern betrieben. Sie halten derzeit ca. 1,6 Millionen Schafe. Im November 2016 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Deutschland ca. 9600 Schafhalter (mit mehr als 20 Tieren) gezählt, was im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von knapp drei Prozent bedeutet.

Die Bundesländer mit den höchsten Schafbeständen sind Bayern mit 266.000 Tieren und Baden-Württemberg mit ca. 215.500 Tieren. Die Schafzuchtverbände der Bundesländer registrierten in den letzten Jahren einen starken Rückgang. Die Zahl der Betriebe ging in Bayern im letzten Jahr um 6,5 Prozent zurück. In Baden-Württemberg gab es 2016 im Vergleich zum Jahr 2006 sogar rund 30 Prozent weniger Schafbetriebe. Ähnlich sieht es in den anderen Bundesländern aus.

Hütehaltung dominiert

Die meisten Schafe werden im Frühjahr, Sommer und Herbst geweidet und im Winter aufgestallt (standortgebundene Hütehaltung) oder sie ziehen mit ihren Schäferinnen und Schäfern entsprechend der Vegetationszeit auf verschiedene Weidegebiete (Wanderschafhaltung). Zur Nutzung von Restgrünland in landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben werden Schafe häufig in Koppeln eingezäunt gehalten (Koppelschafhaltung).

Vielfalt an Schafrassen

In Deutschland sind ca. 50 Schafrassen erfasst. Die Vielfalt der Rassen, ihre Anpassungsfähigkeit an unterschiedlichste natürliche Gegebenheiten und die vielfältigen Bewirtschaftungsmöglichkeiten ermöglichen ein Maß an Flexibilität, das mit keiner anderen Tierart erreichbar ist. Unterteilt wird in in

  • extensive Rassen (z. B. Bentheimer Landschaf, Coburger Fuchsschaf, Graue Gehörnte Heidschnucke, Bergschaf),
  • halbintensive Rassen (Merinorassen oder Deutsches Schwarzköpfiges Fleischschaf) und
  • intensive Rassen (z.B. Suffolk, Texel, Ostfriesisches Milchschaf).

Einige in Deutschland gehaltene Schafrassen gelten als stark gefährdet und werden in der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH) geführt.

Fleischerzeugung

Ungefähr 39 Prozent der Markteinnahmen in der Schafhaltung stammen aus der Erzeugung von Lammfleisch. Dessen Bedeutung hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Besonders gesundheitsbewusste Verbraucher bevorzugen Lammfleisch. Darüber hinaus findet es immer mehr Eingang in die gehobene Gastronomie. Dennoch liegt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Schaf- (und Ziegenfleisch) laut AMI (Agrarmarkt Informations-Gesellschaft) bislang nur bei ca. 0,7 Kilogramm. Damit gehören die Bundesbürger weiterhin zu den Schlusslichtern beim Lammfleischverbrauch in der EU.

Vermarktet wird das Lammfleisch über den Handel, über Erzeugergemeinschaften oder über den direkten Verkauf von Schafhalterinnen und Schafhaltern an den Endverbraucher. Die Preise für Lammfleisch liegen relativ niedrig, zurzeit bei ca. 2,20 – 2,60 Euro/kg Lebendgewicht (lt. Angaben der Viehzentrale Südwest). Preisdruck auf Lammfleisch aus der Region herrscht durch EU-Importware bzw. Ware aus Nicht-EU-Ländern (z.B. Neuseeland).

Bei Wolle wird draufgezahlt

Nur ca. 2 Prozent ihres Einkommens erzielen Schafhalter heute aus dem Woll- und Fellverkauf. Seit den 1990er Jahren erfolgte ein regelrechter Preisverfall bei Wolle. Statt früher 1,80 bis 2,30 Euro/kg Schweißwolle erzielen Schafhalter heute nur noch 0,50 bis 1,20 Euro/kg Wolle, je nach Qualität (Farbe, Feinheit, Ausgeglichenheit). Die Schurkosten pro Schaf betragen ca. 3,80 Euro und liegen oft über dem Wollerlös. Ungefähr 95 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Wollen sind Importwollen.

Mit ihren einzigartigen Eigenschaften (gute Wärmedämmung, feuchtigkeitsbindend, schwer entflammbar) dient Schafwolle zur Herstellung von Bekleidung, als Dämmstoff oder als einfacher und umweltfreundlicher Luftfilter. Medizinisch gegerbte Schaf- und Lammfelle werden gern als Schlafunterlage und bei Körper- und Muskelverspannungen sowie Allergien, Nervenschmerzen und Rheuma genutzt.

Schafmilch – ein tolles Nischenprodukt

Vor allem für Betriebe, die sich in der Direktvermarktung bereits etabliert haben, kann die Erzeugung von Schafmilch und Schafmilchprodukten (z.B. Joghurt, Käse, Kosmetika) eine interessante Nische sein. Vor allem aus gesundheitlichen Gründen (Laktoseintoleranz) werden diese Erzeugnisse zunehmend geschätzt.

Nach einer Studie von Bioland, der Beratung Artgerechte Tierhaltung (BAT) und des Thünen-Instituts liegt das geschätzte Produktionsvolumen an Schafmilch bei ca. 2,12 Millionen Liter im Jahr. Davon werden 675.000 Liter konventionell erzeugt und 1,45 Millionen Liter in Bio-Qualität (68 Prozent!). Der Anteil an Biobetrieben liegt bei der Schafmilcherzeugung so hoch wie in keinem anderen landwirtschaftlichen Produktionszweig.

Schafe erhalten wertvolle Biotope

Die Landschaftspflege mit Schafen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Sie macht mittlerweile
ca. 59 Prozent des Einkommens der Schafhalter aus. Der große Vorteil der Schafhaltung ist, dass sich Schafe zur Pflege fast aller Flächen eignen. In alpinen Gegenden machen sie den Boden durch ihren verdichtenden Tritt weniger anfällig für Erosionen (Verhinderung von Schneebrett- und Lawinenabgängen). Schafe erhalten die Moor- und Heidegebiete Norddeutschlands ebenso wie die kulturhistorisch gewachsenen Wacholderheiden auf der Schwäbischen Alb und die Waldgebiete der Mittelgebirge. Deiche werden bereits seit Jahrhunderten mit Schafen bewirtschaftet. Auch hier verdichten die Tiere den Boden, verbeißen Gräser und Kräuter und sorgen so für eine geschlossene Grasnarbe, die einem Hochwasser trotzen kann. Nicht zuletzt finden Schafe auch Einsatz in der Pflege von Weihnachtsbaumkulturen und helfen, den Einsatz von Herbiziden zu senken.

Stirbt der Schäferberuf aus?

Die Landschaft durch Beweiden zu pflegen und zu prägen, das gehört zum Selbstverständnis von Schäferinnen und Schäfern. Doch die landschaftspflegerischen Leistungen der Schafbeweidung werden nur unzureichend honoriert und die Erlöse aus Wolle und Lammfleisch reichen zur Existenzsicherung eines Schafbetriebes kaum aus. In Bezug auf die Verfügbarkeit der Flächen stehen die Schäfer darüber hinaus unter starkem Wettbewerbsdruck mit der intensiven Landbewirtschaftung. Gleichzeitig leiden sie unter den enormen Kontrollauflagen der Cross Compliance (Einzeltierkennzeichnung, Anerkennung der Förderfähigkeit von Pflegeflächen). Dazu kommen vermehrte Übergriffe von Wölfen auf Schafherden und finanzielle Verluste durch gerissene Schafe (und vermehrte Aufwendungen für den Herdenschutz). Es wundert nicht, dass heute kaum noch jemand Schäfer werden will. Wenn die Schafhaltung durch staatliche Fördermaßnahmen nicht nachhaltig gestützt wird, ist ihr weiterer Rückgang nicht mehr aufzuhalten.